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Wrber die körperliche Züchtigung in der Volksschule.

K. Aus bem Amt Rennerod, den 8. September.

In Nro. 18 desAllgemeinen Kirchen- und Schulblatteö" wird von groben Mißhandlungen der Schüler von Seiten der Lehrer gesprochen. Man macht den weisen Vorschlag, körper­liche Züchtigungen in der Volksschule nur in Gegenwart der Schulbehörde vollziehen zu lassen.

Aus früheren Jahren ist mir noch eine Geschichte von einer solchen Züchtigung, die der Ortsgeistliche selbst vollzog, bekannt, welche ich hier erzählen möchte, weil man sonst viel­leicht glauben könnte, die Lehrer allein seien die Stockmeister.

Es wurde einmal dem Pfarrer eines Dorfes eine Gans gewaltsam getödtet. Da derselbe vermuthete, ein.Schüler müsse diese Gräuelthat verübt haben, so besuchte er am andern Mor­gen die Schule in der Absicht, den Mörder des Thieres kennen zu lernen. Da er denselben aber nicht erfuhr, so trug er dem Lehrer auf, alle Knaben durchzuprügeln. Dieser aber verzichtete auf ein solches Vergnügen. Der Geistliche griff nun selbst nach dem Stocke, legte einen Knaben nach dem andern über eine Bank und prügelte die Kinder so unbarmherzig durch, daß einige davon mehrere Tage lang daö Bett hüten mußten.

Wer war nun hier der Stockmeister?

AuS Dankbarkeit hängten die Einwohner des Dorfes ih­rem Pfarrer ein Schweinhirtöhorn, eine Nrngpeitsche und einen Ringelstock vor die Hausthüre, legten einen Zettel dabei, dessen Inhalt mir aber nicht mehr bekannt ist. r.

Etwas Weniges über die Einführung des

Gtto^fchen biblischen Lesebuchs in den evangelischen Schulen.

Ob Herr Kirchenrath Dr. Otto zu dembiblischen Lese­buche," welches in den evangelischen Schulen des Landes ein­geführt werden soll, seinen Namen hergeben wird, ist noch nicht öffentlich bekannt, doch jedenfalls zu bezweifeln. Es ge­hört wirklich viel Muth oder Selbstgefälligkeit dazu, einen Ab­druck derbiblischen Geschichte von ^Hübner" von Anno 1714 auS eigener Fabrik in den Druck zu geben, und nun der gan­zen evangelischen Kirche des Landes zuzumuthen, solches Mach­werk den Eltern, Lehrern und Kindern aufzudrängen, während schon längst weit zweckmäßigerebiblische Geschichten" vorhan­den waren. Zu bedauern ist nur der arme Wittwen- und Waisenfonds der Geistlichen, welcher jedenfalls einen bedeuten­den Schaden erleiden wird.

Zur

Geschichte der modernen Gymnastal-Pädagogik.

Ein Gespräch und reine Wahrheit.

Quartaner: Vater, ich muß heute früher in die Schule.

Vater: Warum?

Q.: Ich muß eine Motion machen.

V .: Wie so? Hast du dich nicht schon genug im Garten herumgetummelt ?

Q.: Von der Motion rede ich nicht; ich will einen Antrag in der Klasse machen.

V .: Einen Antrag? Wie so?

Q.: Ja! eine Lehrstunde incommodirt uns, sie muß ver­legt werden. Wir wollen eine Deputation ernennen und die soll zum Director gehen und ihm sagen, daß er das abändern muß.

V .: Wenn der Director nun nicht will?

Q.: So bringen wir ihm am Abend eine Katzenmusik; dann wird er sich schon bequemen.

(Nach Leipziger Blättern.)

Aphorismen

von Fr. Kapp. (Aufruf zur Umgestaltung der deutschen Na­tional - Erziehung. 1848.)

5. Der große Moment des Jahrhunderts fordert, daß in die Brust der Jugend, welche für die bürgerliche Gesellschaft und dem Staats­dienst herangcbilvet werden, frühe Ehrfurcht vor dem Gesetz, unbedingte Achtung jeglicher Ordnung, sowie tiefe und unverbrüchliche Liebe und Treue zu dem gemeinsamen Vaterlande gepflanzt werde, damit die Segnungen der Freiheit, der Friede, der Wohlstand, die Bildung immer reicher gedeihen mögen, damit der Blick sich erweitere, das Herz dem Gemeinwohl sich öffne, und somit zum humanen Anschluß an einander und an alles Große, Tüchtige und Edcle, wo es sich finden mag, der Jsolirungssucht sowohl, als der Affenliebe zum Fremden, den beiden politischen Erblastern der Deutschen, kräftigst entgegen gewirkt werde.

6. Jede in der Schule, diesem schönsten Gemeinwesen im Klei­nen, treu und gewissenhaft geübte Schülertugend wird sich im späteren Leben dem Vaterlande zum Heil, auch als die entsprechende Bürger­tugend bewähren.

M iscellen.

44. Nur durch stete Fortbildung ist es auch dem Lehrer möglich, seinem Berufe neue, angenehme Seiten abzugewinnen, sich dadurch vor Miethlingssinn zu bewahren und von den Ketten eines trägen Gewohn- Heiegcistes befreit zu halten. Er glaube nie, schon auf dem Gipfel der Bildung zu stehen, sondern stets spreche er mit dem Apostel: Nicht, daß ich es schon ergriffen hatte, oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach re.

45. Alle bedeutenden Menschen, die in ihrer Lebensweise eine gewisse Regelmäßigkeit und feste Grundsätze besitzen, können sehr leicht â den-Aus«, oderflächlicher Beobachter als Pedanten erscheinen.

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46. Wer sich befreien, frei werden will, muß sich bilden. Nach Bildung streben, heißt nach Freiheit streben. Der taglöhnernde, geist­lose Lehrer, bleibt ewig ein Knecht. Das merke man sich I Manrojib

sDi esterw egJ

47. DieBildung der Schullehrer" geht der Bildung des Volkes vorher, oder beide laufen einander parallel. Wer daher die Volksbil­dung will, mußSchullehrerbildung" wollen. Jene steigt und fällt mit dieser. Die Bildung dieser verkümmern, beschränken, mindern, heißt jene schwächen. Bildung ist unmöglich ohne Streben; man erbt sie nicht, man erwirbt sie.

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Aeheenlefe auf dem Gebiete der Pädagogik.

21. [Ser Lehrer als Erzieher.)

Ein Lehrer, der sich ernstlich um seine Schüler bekümmert, sie vor Verirrungen schützt, jeden Funken des Guten in ihnen pflegt und anfacht, sie nicht bloß lehrt, sondern bildet und in diesem stillen Ge­schäfte sein Glück und seine Freude findet, ist millionenmal achtungs- würdiger als derjenige, der als Meteor am literarischen Himmel glänzt, sein Amt aber wie einen Frohndienst treibt.

fFriedr. Jakobs, Aehrenlese B. 2. S. 383.]

Druckfehler Berichtigung.

Seite 99, Spalte 1, Zeile 21 von oben ist zu lesen: der sich der freien Wahl geneigt zeigt. Ja, ich kenne sogar selbst Männer, die aus ganz lautern, wenn auch nach meiner Ansicht irrigen Gründen über die Sache selbst mit uns nicht gleicher Ansicht find.

Seite 100, Spalte 2, in dem, den sei. Lehrer Zirvas betreffenden, Nekrolog muß es statt zehnmonatlicheneiner zehnwöchentlicheu Krank­heit" heißen. ___________

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.