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über den Zehnten, entstanden. Die Lehrer Habew Vertrauen zum bessern Sinne des Volks und umgekehrt, Beweise hierfür liefert die Gegenwart in Menge.
Während nun die Lehrer bei Abfassung der „Ansichten re." von der allgemeinen Lebensanschauung ausgegangen und von daher ihre Schritte geleitet sind, sehen sie sich von H.K. V. re. der einseitigsten und boshaftesten Beurtheilung angegangen.
Ein freier Mann wünscht auch Andern eine menschliche, ihren Verhältnissen und Aemtern angemessene Stellung; nur der egoistische, Herrschsüchte, eigensinnige, feilten Lannen fröh- nende Mensch liebt die sclavische Abhängigkeit Anderer. Wir wissen es, ein solcher will gegen den Submissen herablassend, gnädig und gütig sein, er setzt ihm einen Stuhl, zieht ihn gar an seinen Tisch, labt ihn mit einem Glase Wein: aber der gesunde, innerlich sich frei .fühlende Mann wird dadurch nur gedrückt, nicht gehoben; denn seine Seele dürstet nach Gerechtigkeit und nicht nach Gnade. (Diesterweg.)
Wie kann nun der Vers. :c. den Lehrerstanv darob schmähen, daß er sich nach freierer Bewegung sehnt! Oder ist er geneigt, mit ihm zu tauschen? Der Lehrer hat das Gelübde abgelegt, die Sache des Volks, die Unterweisung und Erziehung der Jugend resp. deS Volks zu fördern. Er bestrebt sich, diesen Schwur zu halten, daS beweist die Gegenwart. Halten Sie auch den Ihrigen! Suchen Sie nicht nach heimlichen, un= lautern Absichten, wo keine sind, keine Tendenzen, die man nicht aller Welt offen darlegen könnte! Machen Sie ihre Liebe zum Fortschritte, zu dem Sie sich den Worten nach bekennen, zur Wahrheit. Verschmähen Sie es, an Worten zu mäckeln und auf die unwürdigste Weise gegen das öffentliche Bestreben deS Lehrerstandes entgegen zu treten!
Wir kennen Ihr Versteck und bemerken Ihnen: Ihr Benehmen gegen die Lehrer Nassau's ist eine Fortsetzung der Predigten gegen die Ereignisse des „4. Märzes." Wir leben jedoch der unerschütterlichsten Ueberzeugung, daß Ihre Bemühungen, die Schule, die unter jeder Bedingung Ihrer Herrschsucht untergeben bleiben soll, als eine ordinäre Sache hinzustellen, zu deren Verwaltung resp. Betrieb nichts gehöre als mechanische Zustutzung^ unwirksam. sind.—Den» wahrlich, sollte Jchmui. und Ihre» Coüegcn dieö gelingen, die Welt wäre um den Segen der Schule betrogen zur Freude dessen, der eine Freude am Bösen hatte von Anfang und der ein Lügner war von jeher-
Jch wiederhAle Ihnen und Ihren College«, die Lehrer wollen daS Woht der Schule und folglich auch die Consequen- zen dieses Ziels. Sie verlangen daher Trennung der Schule von der Kirche d. h. Befreiung von der Beaufsichtigung der Geistlichen, also einen Wechsel von den beaufsichtigenden Personen. Wer in aller Welt versteht hierunter Entfernung der Religiosität aus den Schulen, Feindschaft gegen das Christenthum ! ? Wir versichern Sie, Hr. K. V., die Lehrer, welche in daö Christenthum gewachsen, „die ihr Leben an die öffentliche Erziehung setzen," christliche Luft athmen, erkennen in der sitt- lich-religiösen Bildung das Hauptziel der Volksschule; bekennen aber auch, daß das Ziel nicht erreicht wird durch leere Formel- und Dogmenkram und verheißen, durch Erfahrung und den Spruch: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen," belehrt, daß man, wenn die sittlich-religiöse Bildung von Ihnen und Ihren College« ausschließlich ausgehen sollte, in 10 Jahren schmerzlichere Thränen weinen würde, als sie einst über Jerusalem geweint wurden.
WaS endlich noch Ihren tOlöthigen Witz über die Citate von Mager, die Methode des Religionsunterrichts betreffend, anlangt, so antworten wir Ihnen, daß wir zu jener Entdeckung auf dem Wege sind, indem wir Formel- und Dogmenkram, die Sätze der symbolischen Bücher antiquiren; indem wir die Sprüche deS Evangeliums nicht gebrauchen, „die Menschen und die Verhältnisse zu verwirren;" „indem wir überzeugt sind, daß das Christenthum eine von Ewigkeit beschlossene und in Ewigkeit fortzeugende Thatsache ist." Der Lügner soll eS uns nachsagen, daß wir uns von der religiösen Richtung entfernen; vielmehr wollen wir uns in dieselbe vertiefen. Die beabsichtigte Trennung der Schule von der Kirche denkt sich Hr. K. V. wahrscheinlich in dem schlechten Sinne, in dem er die Trennung der Kirche von dem Staate wünscht.
Mögen Sie nun und Ihre College« nicht blos allsonn- täglich, sondern stündlich rufen: „Herr, Herr!" eö bleibt da- bei: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! k"
Hiermit nehmen wir Abschied von Hr. K. V. und Jbren „Ansichten," hoffentlich für immer.
Ueber WittsÄhkung der biblische» Geschichte von
ÄWchenrath Vit- zu H^rboru.
»** Von der Lore-Ley, iw September.
Einer der vielen schreienden Mißbräuche in unserm bisherigen Schulwesen ist die Art und Weise, wie neue Schulbücher abgefaßt und eingeführt worden; seS beweisen dieß gar klärlich das II. Lesebuch, daö Melodienbuch und in neuester Zeit die Verfügung über die Otto'sche biblische Geschichte. Eö wurden diese Bücher in der Regel von Männern auSge- arbeitet, die dem Elementarschulwesen ferne standen, und daher kam denn, daß sie trotz der Gelehrsamkeit der Herrn Verfasser alö höchst unzweckmäßig für unsere Schulen sich herausstellten. Bekannt sind ja die unzähligen Klagen über unser gänzlich verfehltes II. Lesebuch. Doch hiervon wollen wir absehen, weil eö in einer Zeit erschien, wo man an diese vielköpsige Vormundschaft dèr Schulen noch gewöhnt war. Aber wahrhaft überraschend ist die Verfügung über die Otto'sche biblische Geschichte. Eine neue Organisation des Schulwesens steht bevor, eine Organisation, die wahrlich eine totale Umgestaltung hervorrufen muß. Warum diese voreilige Anschaffung? Die Groschen unseres Volkes kosten soviel Mühe und Schweiß, daß es gewiß sehr zu wünschen wäre, daß man unnöthige Vergeudung derselben nicht verlangte.' Und dieß geschieht hier. Denn entweder, wird in den Schulen künftighin nur ein allgemeiner Religionsunterricht ertheilt (und wir müssen dieß hoffe» und dringend wünschen), und dann paßt dieß nur für evangelische Kinder bestimmte Buch gar nicht und man wird die Anschaf- fung eines neuen verlangen, die eingeführten beseitigen.
Oder es wird nur confefftsnelle? Religionsunterricht in ben Schulen ertheilt, unter specieller Aussicht der betreffenden Kirche, die dann natürlich auch die Anschaffung der bezüglichen Lehrbücher zu bestimmen hat; — und auch in diesem Falle .wird vielleicht auch das fragliche BÜchÄn, chü Mvon nnem beliebigen untergeordneten Mitgliede der kirchlichen Behörde auögegängen, ebenfalls weichen müssen.
Und dann warum ignorirt man noch immer gänzlich die Lehrer bei Abfassung und Einführung neuer Schulbücher, da doch sie am vertrautesten mit den Bedürfnissen der Schule sein müssen. Das vorliegende Büchlein und seine Einführung sind also nur als eine neue Concession zu betrachten, die man jenem Stande macht, den man bisher als unsern Vormund betrachtet, den wir aber entschieden nicht mehr als solchen anerkennen. Die tüchtige biblische Geschichte von Prätorius, die selbst die kirchliche Behörde empfahl, wurde nicht eingeführt, weil — sie ein Lehrer und nicht ein Kirchenrath geschrieben. Wenn wir anerkennen, daß dieselbe für die Hände der Schüler einiger Veränderungen bedurfte, so sind wir zugleich über- zeugt, daß der thätige Herr Verfasser, wenn man ihm Aussichten zur Einführung gemacht, diese Überarbeitung gerne über- nommen haben würde.
Also man warte mit neuen Anschaffungen bis zur ueuen Organisation, und lasse dann in Zukunft neue Schulbücher durch die Schulcommission bearbeiten, so daß auch der Lehrer seine Wünsche und Ansichten geltend machen kann, dann wird man jedenfalls tüchtigere Schulbücher erhalten, als die von Einzelnen verfaßten, durch Protektion eingesührten sind. Jedenfalls aber verschone man uns in Zukunft mit Zumuthungen, wie diese: Bücher in unsere Schulen cinzufähren oder unsern Schülern zur Anschaffung zu empfehlen, die wir noch nie ge- sehen haben, viel weniger kennen.
Die Zeit der blinden Hin- und Annahme ist vergangen.