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zufällig in ihm auftauchende Gedanken, von deren Verwirkli­chung er praktischen Nutzen erwartet, drucken läßt. ES ist dieß gut, aber leicht, und der Referent ist für daS Verhältniß seiner zufälligen Gedanken zu einander nicht verantwortlich. Anders istS, wenn Jemand fortwährend an der öffentlichen Besprechung Theil nehmen und helfen will, die Sache zu einem gedeihlichen Ziele zu führen. Will er da nicht, wie unser alter Professor zu sagen pflegte, mit dem Stocke im Schornsteine herum­fahren ; will er nicht mit seinen Vorschlägen ins Blaue Hinein­tappen oder sich jeden Augenblick auf Widersprüchen ertappen lassen: so muß er nothwendig durchaus einig mit sich selbst sein über das Princip, von Lem er auszugchen gedenkt, und auf welches dann natürlich alles Einzelne wieder zurückgesührt werden kann und muß. Unzertrennlich von der wirklichen, nicht blos nominellen, Ausstellung eines Princips ist die Consequenz ; sie muß festgehalten werden auch dann, wenn sie auf Resultate führen sollte, welche dem Gefühle und den frühern unmotivir- ten Ansichten des Forschers nicht entsprechen; denn sobald ich mir eine Abweichung davon erlaube, aus welchem Grunde es sei, so ist das Princip schon factisch vernichtet und eS fehlt Lem Raisonnement jeglicher Halt. Es will mich bedünken, als sei gegen diese wohl nicht zu bestreitenden Sätze in der öffent­lichen Besprechung unserer kirchlichen Angelegenheiten schon vielfach gesündigt worden. Und weil ich und die mir Gleich­denkenden uns dieser Verleugnung der Logik nicht theilhaftig machen wollen, wirft man unö vor, wir seien zu radikal. Denn daS demokratische Princip an sich, dem wir huldigen, kann sol­chen Vorwurf nicht begründen, weil ja wohl Wenige in der jetzigen Zeit ein anderes als dieses ausstellen werden; eS kann also nur die auf mißliebige Resultate führende Consequenz sein, welche man an uns tadelt; und so müssen wir die Bezeich­nungRadikale" als einen Ehrentitel ansehen. Wir sind jetzt erst daran, eine Kirche zu suchen; von Niederreißen, was man sonst den Radikalen Schuld gibt, kann nicht die Rede sein, da es bei uns überhaupt keine Kirche, sondern nurevan­gelische Einwohner des Herzogthums" gab. (Vergl. den Titel unsers Gesangbuchs.) Wie könnten wir nun sagen, das Volk soll« sich eine Kirch» uluchea , ~tsnr grsanrun^ e vaug^ lisch è Kir^ chenvolk des Herzogthums, und dann wieder, ehe noch dieses Volk sich auösprcchen konnte, vielweniger sich ausgesprochen hat, schon mit Bestimmtheit, ja selbst mit Verdächtigung des EntgegenstehenLen, behaupten und fcstsetzën wollen: >So und so muß das werden! Wir (?) geben dem Volke soviel Spiel­raum, als es uns beliebt.; zuerst kommen wir und dann kom­men andere Leute?

Ja, sagt man, aber das Volk ist noch nicht reif; eS in- teressirt sich zu wenig für das Kirchliche; es versteht nichts da­von und hängt zu sehr an dem Aeußeren, Materiellen; man muß daher nicht das absolute, sondern ein abgeleitetes, das Nützlichkeitsprinzip zu Grunde legen. Darauf antworte ich einmal, daß wer das Hohe will, sich das Höchste als Ziel setzen muß, wenn auch voraussehend, daß die Wirklichkeit nicht an die Idee anreichen wird; und dann: Wo sollte das In­teresse Herkommen? Woher daS Verständniß? Zur politischen Umgestaltung war daS Volk auch noch nicht reif; es muß es werden; und soviel Seitensprünge auch noch gemacht werden, so ist doch gewiß, das daS Volk (populus nicht plebs) in dem letzten halben Jahre politisch mehr vorwärtsgeschritten ist, alö vorher in einem Jahrhundert. Warum sollte im Kirchlichen nicht eine ähnliche Erscheinung möglich sein? Laßt erst einmal die Nichtgeistlichen in der Kirche mitrathen und thaten; daö Interesse und der Verstand dafür dürfte sich bald finden. An­statt daher immer zu sagen:So muß werden," wollen wir lieber daö Volk auszuklären suchen, was wir für das Beste halten, damit, wenn es zur Entscheidung kommt, es mit Be­wußtsein und ohne mißtrauische Furcht vor Hintergangensein sich auösprcchen könne *). Jedenfalls muß der nach dem de­mokratischem Princip sich gestalteten Kirche die Entscheidung überlassen bleiben.

*) Wie tief das Mißtrauen eingewurzelt sei beweisen die an vie­len Orten mißglückten Wahlen zu den Specialsynoden. Klares, offe­nes Entgegenkommen der Geistlichen würde überall, wo nicht absicht­liche, rohe Wühlerei zu Grunde lag, dem Mistande vorgebeugt haben.

Daher vor allem am Princip festgehalten! aber auch es vertheidigt gegen Angriffe, mit Gründen; den Kampf redlich geführt, nicht mit vornehmen Jgnoriren der Gegengründe, noch viel weniger mit Verdächtigung der Widersacher so geziemt es jedem, welcher Parthei er auch angehöre, für seine Sache zu streiten. Die freie Presse zu benutzen. So ist unser Prinzip angegriffen worden in einer sehr ehrenwertheu, unö im Namen der Geistlichen des Decanats W .... zugekymmenen Zuschrift, und so will ich's versuchen, den Antzriff zurückzüweisen. Das demokratische Princip wird darin als untauglich, ja als zweck­widrig und verderblich in Bezug auf die Bildung einer neuen Oirchenversassung dargestellt. Es heißt dort unter anderm, das ganze Bestreben, auf diesem und mittelst ausschließlicher An­wendung der demokratischen Grundsätze die Kirche aufzubauen und ihren Verband zu sichern, involvire einen augenfälligen Widerspruch. Die Kirche nach ihrem wesentlichen Begriff sei die göttliche Institution über den Menschen und als solche das Objective und Allgemeine; die Gemeinde dagegen sei das Besondere, der zeitliche Bestand des Menschen in der Kirche. Diese, die Gemeinde, ordne ihre Angelegenheiten nach ihrer Einsicht und vermöge der ihr ertheilten Vollmacht; die consti- tuirende Gewalt stehe der Gesammtheit der Gläubigen zu; aber es sei widersprechend, diese Gewalt auö dem Principe deS De- mokratiömuS zu erklären.

(Fortsetzung folgt.)

,3u$ ein Wort an den VerfassenderInfrchten" über die Ansichten der Lehrer Nassaus.

Von der Lore-Ley, im September.

Dem Verfasser und seines Gleichen geben wir zu be­denken, wenn sie es noch nicht bedacht haben, daß es eine Weltenuhr , aber viele Taschenuhren gibt. Während nun der Verf. rc. deS in Nro. 14 19 b. 231. geschmiedeten Artikels ^rfchtafech-, blieb seine Taschenuhr stehen und beim Erwachen und nachdem er sich mit schwerer Hand die Augen auögerieben, findet er zu seinem Entsetzen die Weltenuhr und die Vorwärö- schreitenden auf dem Wagen der Bildung vorauSgeeilt. Er­schreckt und entrüstet hierüber und unfähig-, den »gsiracjMf Weltcuuhr zurück zu stellen, legt er denselben unedle Absichten unter, besudelt ihre Gesinnungen. Die Aufregung dieses son­derbaren Heiligen ist so groß, daß er salbungsvolle Redens­arten, fromme Mienen, verwässerte Kanzelphrascn rc. vergißt und in unwürdige, gemeine Redeweise auöbricht. DochdaS Schrecklichste der Schrecken" wähnt er in dem Rufe nach Eman­cipation der Schule von der Kirche."

Gottloses Beginnen! Unmeßbare Anmaßung!"Klug und pfiffig sinnt er auf Mittel, die Erfolge ihres Strebens zu hin­tertreiben. Er kennt folgende: Der Lehrer bleibt einzig und allein der Einwirkung seiner und seiner Collegen übergeben; er wird von der Theilnahme anderer Lebensfactoren und Cor- porationen ausgeschlossen; es werden ihm insbesondere die Mittel versagt, sich um die Welt in ihrer Bewegung und Fortentwick­lung zu bekümmern. So hofft erSeelen zu retten."

Fürwahr Mittel, wie wir sie von pietistischen Muckern, Frömmlern uhb Traktätchenfabrikanten gewohnt sind; und die Anwendung derselben würde sicher zum gewünschten Ziele füh­ren, wäre nur dieLinke"' und größtenthèilö dieRechte" nicht ganz anderer Weltansicht. Dem Verfasser sei hiermit gesagt, daß die vom Lehrerstande sehnlichst erwartete Zeit, welche eine bessere Vernnnstanschauung rücksichtlich der Schule zum Stehen bringen will und soll,erfüllet ist;" daß sie Sätze lösen wird, die früher in aller Schroffheit einander gegenüberstanden."

Der 4. März," auch ein ermunternder Wink für den Lehrerstand, hat den Lehrerstand, hat die Lehrer Naffau's in größern und kleinern Kreisen versammelt, ihr Innerstes zu er­schließen, daS Wohl der Schule zu berathen, die Wahrheit aus­zusprechen und demVolke zurBeurtheilung und Maß­nahme zu übergeben. Dies in solcher Weise entstandene Schristchen ist daö Produkt öffentlicher Berathung, es ist nicht unter Schloß und Riegel, wie manche Petitionen