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König, die, wie es scheint, aus dem Handelsstande her­vorgegangen ist. In derselben wird seine Majestät gebe­ten, Herrn v. Beckerath den ihm ertheilten Auftrag zu entziehen, da zu besorgen stehe, daß das wiedererwachte Vertrauen im Handel und in der Industrie unter der ge­fährlichen Halbheit eines Beckerath'schen Ministeriums abermals sinke. Nur Entschiedenheit könne das Vertrauen beleben. Der König wird deßhalb gebeten, den geheimen Rath Waldeck mit der Bildung eines neuen Cabinets zu beauftragen.

Berlin, 19. Sept. sDie Verführung des Militärs.j Es scheint, daß die Versuche, auch das Militär in die politischen Agitationen hruemzuziehen, hier einen völligen Umschwung in den Verhältnissen hervorzubringen bestimmt seien; man erkennt dies selbst äußerlich an der Straßen-Literutur; denn auf die zwei oder drei Placate des demokratischen Elubs, worin die Solvaten zur Theilnahme an den Bewegungen der Zeit aufgefordert werden ist eine Unzahl von Mauer-Anschlägen im entgengesetzten Sinne gefolgt, so daß man deren ost V- Dutzend nebeneinander an den Straßenecken findet. Wichtiger ist aber der Rückschlag, den diese Agitationen in den obersten Sphären hervorgebracht haben und von dem man endlich ein thatkräftiges Handeln zu erwarten haben wird.. Es wird noch heute ein Armee-Befehl des Gene­rals v. Wrangel veröffentlicht werden, worin er die Soldaten mit Ernst und Würde ermahnt, allen Verlockungen zu widerstehen und worin er im Nothfälle mit der ganzen Strenge des Gesetzes droht. Von dieser Strenge Gebrauch zu machen, dürfte aber leider schon Veranlassung genug borliegen; denn es haben die verführerischen Worte und Versprechungen der hiesigen Agitato­ren bei einem großen Theile unserer Garnison nur schon zu sehr Eingang gefunden. Man sieht gegenwärtig Soldaten immer als einen Haupt-Bestandtheil aller öffentlichen Volks- Versammlungen , wie sie mit Aufmerksamkeit den Volksrednern zuzuhören und mit ihrem lauten Beifalle nie zurückhalten; bei dem gestern vor dem Schönhauser-Thore gefeierten sogenann­ten Verbrüderungsfeste war die bei Wertem größere Hälfte des 21. Regiments anwesend, während die Soldaten vom 9. Regi­ment wohl nur in Folge des Heftes fehlten, welches der Gene­ral v. Wrangel ihnen an diesem Tage in ihrer Caserne gab. Es offenbarte sich bei den Soldaten eine wahrhafte Begeister- uua für die demokratischen Lehren, die einzelne bekannte Diemer bei diesem Feste in populärerSprache mit besonderer Beziehung auf die Zustände des Militärs vortrugen, und es fand ein voll­ständiges Fraternisiren der Soldaten mit den in gleicher Zahl erschienenen Personen des Civilstandes Statt. Noch mehr aber hat man Gelegeheit, zu erkennen, wie sehr das hiesige Militär vielfach schon in die politischen Agitationen hineingezogen ist, wenn man den vertraulichen Gesprächen der Soldaten unterein­ander darüber zugehört, wie sie sich im Falle eines,Zusammen­stoßes mit den Bürgern zu verhalten haben würden; wahrlich, da erkennt man, daß die Disciplin bereits manigfach unter­graben ist, und da hört man sie nicht selten des dreifarbigen oder auch wohl des rothen Bandes sich rühmen, welches sie als Symbol ihrer politischen Meinung unter der Uniform trügen.

(K. Z.)

Der höchst wichtige Armee-Befehl, welchen Ge­neral Wrangel erlassen, lautet nach derZeilungS- Halle" :

Potsdam, 17. Sept. 1848. Se. Maj. der König haben mir einen neuen Beweis Seiner Gnade und Seines Vertrauens gegeben, indem Sie mir mit­tels Allerhöchster Cabincts-Ordre vom 15. d. M. den Oberbefehl über die sämmtlichen in den Marken stehcn-

Meine Ausgabe ist, die öffentliche Ruhe in diesen Landen, da, wo sie gestört wird, wieder herzustellen, wenn die Kräfte der guten Bürger hierzu nicht ausreichen. Die Aufgabe ist sehr^ schwer und mit großer Verantwortung verknüpft, das verkenne ich nicht, aber sie wird ausgeführt werden; dafür bürgen mir das gegenseitige Vertrauen zwischen dem Soldaten und seinem Offizier, seinem Führer, durch welches sich die preußische Armee, so lange sie besteht, immer rühmlichst ausgezeichnet hat, so wie die Liebe und die treue Hingebung für den König, von der wir Alle gleich erfüllt sind. Ich gebe mich indeß der be­stimmten Hoffnung hin, daß ich keine Veranlassung erhalten werde, mit der militärischen Macht cinzuschrei- ten, denn auch mein Vertrauen zu den Bürgern, daß sie ebenfalls nur das Gute wollen, steht fest; es ist ja ihr eigener Hecrd, den sie und ich beschützen sollen. Es sind jedoch im Lande auch Elemente vorhanden, welche zur Ungesetzlichkeit verführen wollen; sie sind zwar nur gering, aber desto kräftiger treten sie hervor, während die guten Elemente sich zurückhalten. Diesen letzteren will ich fortan zunächst eine moralische Stütze sein, um ihnen die Erhaltung der öffentlichen Ordnung zu erleichtern, ohne die keine gesetzliche Freiheit möglich ist. In Potsdam habe ich schon die erfreulichsten Be­weise erhalten, wie dessen Bewohner mit der ganzen Bürgerwehr sich zu diesem Zweck gern um mich scha­ren.' Dies war mir um so erfreulicher und um so werthvoller, als es schon am ersten Tage meiner Ueber­nahme des Oberbefehls in den Marken geschah; es er­füllt mich deßhalb mit Hoffnung und Vertrauen für die Zukunft.

Soldaten! Laßt Euch nicht irre leiten von den Reden und Proklamationen, welche von Euch unbe­kannten Leuten an Euch gerichtet werden; hört nicht darauf, wenn sie auch noch so schmeichelhaft fur^ Stich klingen und sie Eure Zukunft mit herrlichen Worten ausmalen , sobald Ihr die Euch gegebenen Rathschläge befolgt. Zu den Versammlungen, wo dergleichen Sie­den an Euch gehalten werden sollen, geht lieber gar nicht hin ; hört dagegen auf meine Stimme, die ®tim* me Eures Generals , sie ist wohlgemeint: Haltet fest an Euren Offizieren, wie diese an Euch; zwischen Bei­den darf sich kein fremdes Element cinschleichen. , Habt Ihr gerechte Wünsche, so trägt sie Euren Offizieren m der gesetzlichen Weise vor; von Niemand wird Euch sicherer geholfen werden, als von diesen, denn -ucmanv kennt Eure Bedürfnisse besser, als sie, und Niemand ist mehr von dem Wunsche beseelt, Euch mit Rath und That beizustebrn. Als Beweis, in welchem Grade ich nicht nur für Euer Wohl als Soldat, sondern auch für Euer häusliches Wohl zu sorgen bereit bin, bestimme ich hiermit, daß die burd) Einziehung von Reserven auf die Kriegsstärke gesetzten Infanterie-Bataillone so­

fort auf 900 Mann vermindert werden, und binnen Kurzem hoffe ich eine abermalige Verminderung her selben bis auf 800 Mann eintreten lassen zu können. Zu der ersten Entlassung sind zunächst alle Reelamir- teil und dann diejenigen aus den ältesten Reserven zu bestimmen, deren häusliche Anwesenheit dringend noth­wendig ist; nach deren Berücksichtigung hat das un­parteiische Loos unter den ältesten Reserven zu ent­scheiden. Zum Schlüsse rufe ich Euch zu: Offiziere und Soldaten ! haltet fest in Eurem gegenseitigen Ver­trauen und an Eurem theuren König! Er lebe drei­mal hoch!

Der Oberbefehlshaber in den Marken, (gez.) v. Wrangel.

Berlin, 24. September. Die Bildung des neuen Ministeriums ist im Fortschreiten und es läßt sich melden, daß der General der Infanterie v. Pfu el Ministerpräsident und Kriegsminister, der Land- schaflödeputirte, Landrath v. Bonin, aus Neustettin, Finanz- und der Oberpräsident Eichmann Minister des Innern werden sollen. Für die Stelle des Iustiz- ministers werden drei Candidaten, der Abgeordnete Rei­chensperger, der Abgeordnete Professor Dr. Bauerband und der geheime Oberrevisionsrath Schnaase genannt. Betreffs der übrigen Stellen verlautet noch nichts.

Raum bürg, 18. Sept. Seit dem 15. d. M. haben die Ereignisse hier eine bessere Gestaltung angenommen. Die Ruhe der Stadt wurde durchaus nicht weiter gestört, weßhalb auch kein Militär mehr hier eingetroffen ist. Der guie Sinn der Einwohner­schaft hat sich aufs erfreulichste darin bewahrt, daß man sich allen zur Herstellung der Ruhe und Ordnung ge­troffenen polizeilichen Anordnungen willig fügte und selbst zu deren Durchführung nach Kräften milwirkte. Wir dürfen hoffen, daß wir hiermit unsere Berichte über solche bedauerliche Ereignisse schließen können.

Köln, 19, Sept. Der Kriegsminister hat unterm 13. d. folgendes Schreiben an den interimistischen kom- mandirenden General der Rheinprovinz erlassen:

Ueberzeugt, daß Ew. Excellenz mit mir über die Nothwendigkeit einverstanden sein werden, möglichst alles zu vermeiden, was benutzt werden kann, die Trup­pen und ihre Befehlshaber, resp, die Militär-Behör­den, reaktionärer Bestrebungen zu verdächtigen, muß ich mich durch die jetzt in den Verhältnissen eingetre- teue große Spannung besonders aufgefordert fühlen, ihnen wiederholentlich auozusprechen, daß die Regierung Sr. Majestät des Königs keine reactionären Tenden­zen hegt, sondern mit redlichem Willen den betretenen konstitutionellen Weg zu verfolgen, und die königlichen Verheißungen zu verwirklichen bestrebt ist. Daß sich dies überall in der Behandlung des Dienstes und der öffentlichen Angelegenheiten kund gebe, daß dieserhalb burd) alle Instanzen auch auf die Untergebenen zur Verhütung von Mißgriffen richtig eingcwwkl werde, Hierauf in mein besonderes Vercrauen zu Ew. Erecl- lenz gerichtet."

Koblenz, 20. September. sErceffeI Unsere bis- heran so ruhige Stadt ward gestern Abend leider der Schauplatz ruhestörenden Skanvals, wie wir ihn hier noch nicht erlebt. Nachdem nämlich schon den ganzen gestrigen Tag hindurch durch Verbreitung von allerhand größtenthells unwahren Nachrichten von Vorfällen in Frankfurt die Gemüther aufgeregt waren, sprach man auch davon, daß dem Abgeordneten Adams am Abend eine Katzenmusik gebracht werden würde» weßwegen man denselben gestern unter allerhand Gestalten in die Stadt schleichen ließ, wo er doch, dem Vernehmen nach, bis zur Stunde nicht angekommen ist. Schon gegen halb neun Uhr hatte sich eine Anzahl Neugieriger vor dem Hause des Hru. Adams eingefunden, wozu sich nach und nach Einige gesellten, welche durch unartikuliries Schreien den Anfang zu dem Tumulte, welcher immer größer wurde, machten, bis auch endlich das Werfen mit Steinen begann. Fenster, Thüren, Fenstergesponle, Laden, Alles wurde bemolirt, zu welchem Ende man auch zuletzt durch die Fenster in die Wohnung einstieg sind Möbel und andere Gegenstände zum Fenster hin­auswarf. Es war herzzerfchneideud, mit anzuhören, wie dies Alles in einer Stadt geschehen konnte, deren Bürgerwehr noch vor Kurzem das Lob des Reichsver- wesers erhalten hatte, deren Oberbefehlshaber bei jeder Gelegenheit von Freiheit und Ordnung sprach. End­lich, nachdem der Skandal zwei volle Stunden, gewährt, wurde Generalmarsch bei der Bürgerwehr geschlagen, bei welcher Gelegenheit einem Tambour von den Tu­multuanten die Trommel abgenomnien wurde, worauf eine schwache Abtheilung vor dem Hause erschien und mit gefälltem Bajonncue mit leichter Mühe die Straße säuberte; es erschienen auch andere Abtheilungen und die Straßen wurden abgesperrt. Damit war die Ruhe hergestellt. Verwundungen sind außer der eines Gens- därmen, welcher durch einen Steinwurf bedeutend ver­letzt wurde, und einigen Contusionen keine vorgekommen, da sich die Bürgerwehr mit großer Mäßigung benahm und alle herausfordernden Schnnpfreden mit männlicher Ruhe ertrug. Von einem jungen Menschen ward ein Pistol auf einen ihn verfolgenden Gensdarmen abge- feuert, ohne jedoch zu treffen. Während dem alles dies vorging, ertönten die Lärmkanonen von den Festungs­werken als Zeichen des Generalmarsches von Seilen der Garnison, welche sich an den Shoren aufstellie und nur eine schwache Abtheilung von 20 Mann nach dem Schauplatze sendete, »velche aber bald wieder abzogen. Wir können nicht umhin" sagt dieRhein - und Moselzeitung," der wir obigen Bericht entheben, _ unser Mißfallen darüber auozusprechen, daß nur höch­stens 150 entschlossene Männer von der 2000 Mann

it-uken Bürgerwehr sich bei dieser Gelegenheit auf dem ^^f eni^n^bu, so wie wir cd nicht crfldrcn sonnen baß der Befehlshaber derselben so lange Zeit nichtS- fruchtende, begütigende Reden an die Ruhestörer ver­schwendete, ohne die Wehrmäniier sich versammeln und einschreiten zu lassen, da er doch Augenzeuge von den Gräueln der Verwüstung war, wenn anders die Bür­gerwehr den Zweck hat, neben nutzlosen Paraden auch den Schutz des Eigenthums und der Ruhe der Stadt zu handhaben."

Aachen, 20. Sept. Bei Kreuznach wird ein bewegliches Corps preußischer Truppen gebildet, das zur Verfügung der Centralgewalt stehen soll. Das 29. und 25. Regiment ist dahin aufgebrochen. In Köln erwartet man das 13. von Wesel und einen Theil des 24. Die in Aachen stehende Abtheilung wird morgen früh abgchen.

Breslau, IS. September. Seit ein paar Tagen herrscht wieder große Aufregung in unserer Stadt. Es wurden 2 Abende hinter einander dem Major v. Friks, Commandeur der Iägerabthciluug, Katzenmufiken ge­bracht, weil er einigen Jägern, welche den demokratl- schen^Club besuchen, Vorwürfe ertheilt haben soll, eine Thatsache, die jedoch nicht für wahr gehalten wird. Die bezahlten Katzentnusikanten betrugen sich außerdem aus eine höchst rohe Weise und fügten die gemeinsten Schimpfwörter ihrem Geheule hinzu. .Der demokratische Verein, dessen^ Zweck jetzt etwas zu offen und ohne den gewünschten Erfolg dahin gerichtet ist, die Disciplin im Heere aufzulösen, um dann zu herrschen, eine Herr- sd)aft, welche der Annehmlichkeiten gewiß sehr viele dar­bieten würde beschwert sich auf das bitterste über bie rohe Gervaltthat einiger durch reaktionäre Offiziere irregeleiteter Soldaten, warnt aber zugleich, deßhalb auf dieBrüder Soldaten" keinen Haß zu werfen, >velche es mit dem Volke hielten. Das Ganze ist offenbar eine Provokation der demokratischen Partei, bestimmt, die Disciplin des Heeres zu untergraben, mit der Aus­sicht auf einen demnächst auszubcutenden Zusammenstoß. Es ist wahrlich hohe Zeit, daß endlich dieses Provi­sorium aufpöre und der verfassungslose Staat dasje­nige erhalte,^ weßhalb seine Vertreter jetzt schon fünf Monate in Berlin tagen und Taggelder erhalten.

Oesterreich. Wien, 17. September. Aus dem Hauptguartier des Banus von Coratien in Letenye meldet die ^Wiener Zeitung":General Graf Adam Teleki) hat sich mit seinen Truppen den Befehlen des BanuS untergeordnet. Nirgends bat sich Widerstand gezeigt. Der von seinen Truppen so sehr verehrte Ba­nus wurde bei seinem Einzüge in Letenye von der magyarischen Bevölkerung mit Eljenruf empfangen. Die 10,000 Nationalgarden, welche Widerstand leisten soll­ten, waren weiß Gott wo versteckt. Sie haben eine Drücke bei Serdahely zerstört und der Banus ließ eine neue über die Piur schlagen. Ju Lelenye befindet fiel) jetzt eine 2)iviftpn Sc^miol mit 14,000 Mann, 14 Ka­nonen und 8 Raketenbatterièn. Am fix' rumsen sich eine Division Kempen, 16,000 Mann mit 12 Kanonen, mit dem Banus. Die Division Hartleib ist in Czaku- thurn mit 18,000 Mann und 16 Geschützen , nebst 8 Batterien Brandraketen, ohne Schwertstreich eingezogen. Die vereinigte Armee rückt über Kanischa nach Ofen vor. Einer Meldung des Chefs des ersten Banatre- giments zufolge hat Murad Beg einen ungarischen Emmissär, welcher Briefe hochgestellter Personen in Pest bei sich hatte, an das Banalregiment abgelicfert. Man wollte Murad Beg verleiten, in Kroatien einzufallen."

Wien, 16. September. Die Volkswuth steigert sich seit gestern immer mehr, nachdem die Mitglieder des constitutioneU-lnonarchischen Vereins die hier verhaßten schwarz-gelben Bänder angelegt haben. An die Straßen­ecken werden Plakate angeschlagen, welche dieGutgesinn­ten" auffordern, sofort die schwarz-roth-goldnen Flaggen einzuziehen und die schwarz-gelbe herauSzuhängen. Man erwartet, daß bis Montag den 18. b. dieser Auffor­derung Folge gegeben werde. Vier Vorstädte haben erklärt, Jeden, der sich in ihren Bezirken mit schwarz- gelben Bändern zeige, ohne Weiteres todtfchlagen zu wollen. Aus der Nationalgarde, welche die ßsterreO chischcn Farben anlegen will (bis jetzt trug sie nur deutsche) sind gestern und heute 8000 ausgetreten. Die Ungarn und Polen, welche sich in Wien aufhalten, tra­gen heute neben ihrer Nationalfarbe die deutsche. ^So eben wird eine Versammlung allerDeutsch- und Frei­gesinnten" zu Montag Nachmittag 3 Uhr im Odeon angekündigt. In demselben Lokale predigt morgen früh Rouge und heute Abend hält Fröbel daselbst eine Vor­lesung überdie StaatSverfassung der Zukunft."

Wien, 16. September. Die Stimmung ist noch immer nicht die beste. Heute war ein Plakat ange­schlagen, welches alleWohlgesinnten" aufforderte, sich der schwarz-gelben Farbe nicht zu schämen, sondern selbe vom 18. ab offen aufzu stecken. Es war von Herrn Mathias Koch und Quirin Endlich unterzeichnet. Da mehrere Personen schon heute mit diesen Abzeichen öffent­lich erschienen, so sammelte sich ein Volkshaufc, der sie pfeifend und schreiend verfolgte. Eine Modenwaarcn- Handlung auf dem Graben, welche eine schwarz-gelbe Fahne aufsteefte, wurde schon seit Morgens früh von einer neugierigen, über diese Schaustellung höchst miß­vergnügten Volksmasse belagert. Geübte Wetterpro­pheten meinen, daß im Laufe der nächsten Woche irgend eine Volksmanifestation zu gewärtigen sein dürfe, indem die Wogen der politischen Bewegung wieder ziemlich hoch geben. Wegen der Vorgänge am 13. b. soll eine förmliche Untersuchung eingcleitct werden. Man erwartet auch, daß dem Reichstage Repressivmaßregeln gegen die Presse werden vorgeschlagen werden. Der consti-