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V»- 178.

Mffauische ßnfiinq

Freiheit, Wahrheit and Recht!

Materielles »nd geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden,

Sonntag, den. September.

1848.

Für das vierte Q u a r t a l d. I. pro Oktober bis Dezember wolle man neue Bestellungen auf die //Nassauische Zeitung" nebst //Allgemeines Kirchen- und Schulblatt" schleunigst machen bei der nächsten Postanstalt des Her- zogthums für 2 ff. 12 kr.

Uebersichten , Erörterungen und

Aktenstücke.

erfocht wurden gewonnen durch Deutsche gegen Deut­sche. Die Dänen sind ein Volk von wenig mehr alö einer Million Menschen. Sobald die Deutschen zu- sammenhalicn, ist ein Krieg der Dänen gegen Deutsch­land lächerlich. Die »remven Mächte wollen sich schon hüten Krieg zu machen aus Liebe zu Dänemark; wenn sie Krieg machen, so ist's um die Zerrissenheit, die Schwäche Deutschlands zu verlängern, zu sichern. Die Klugheit gebietet die deutschen Kräfte zu vereinigen ebensowohl zur Vertheidigung Schleswigs als zur Vertheidigung des linken Rheinufers. (A. A. Z.)

Die deutsche Kriegsmacht und der Ver- , trag von Malmö. I

Wir haben in diesen Tagen die Truppen, von zehn ' verschiedenen deutschen Staaten durchmarschiren sehen. Sie fliehen den Boden Schleswig-Holsteins, als wenn sie die Erde unter ihren Füßen beben fühlten. Kanin hat je ein ähnlicher Fall eristirt. Die Dänen sind freiwillig geflohen, oder wo sie Stand hielten gleich geschlagen,' und dennoch fliehen die siegreichen deutschen Waffen über die Elbe aus Furcht, daß der Befehl aus Frankfurt wegen Sistirung des Rückzugs sie noch treffe. Natürlich daß unter dem Volk eine Menge Gerüchte und Verläumdungen umlaufen. Wir wollen nichts davon wiederholen, sondern uns auf eine Bemerkung beschränken. Die Brüderlichkeit unter den deutschen Truppen bat noch keine großen Fortschritte gemacht, trotz dem einen kleinen gemeinschaftlichen Erkennungs­zeichen der schwarzrothgoldenen Cocarde. Mehrmals habe ich z. B. Hannoveraner von den Preußen so spre­chen hören, daß es nicht nur meinen Ohren, sondern auch meinem Herzen weh gethan hat. Bei jeder Ge­legenheit und auch ohne Gelegenheit wollen die Han­noveraner das Verdienst und den Ruhm der Preußen verkleinern. Und gar die Süddeutschen von den Preu­ßen sprechen zu hören, ist kaum auszuhalten für den, welcher die Ueberzeugung hat, daß nur durch dieEin- Heit der deutschen Waffen die Existenz Deutschlands möglich ist. Wenn Frankreich oder Rußland Krieg macht gegen Deutschland, wer kann helfen und schü­tzen? Das preußische Heer. Also was ist der drin­gendste Wunsch, was ist das Eine Nothwendige? Ehr­licher Anschluß aller deutschen Waffen an das preu­ßische Helr. Damit dieß in Wahrheit geschehe, ist zu wünschen, einHeerverein der deutschen Krieger nach Art des deutschen Zollvereins." Gleiches Avancement durch alles deutschen Heere, im hessischen, sächsischen, hannöverischen u. s. w., so gut wie im preußischen. Jeder hessische, sächsische Officier habe die Aussicht, preußischer, das ist deutscher General zu werden. So­bald das erlangt wird, ist Deutschland gesichert gegen â und West, und nicht eher. Die wahre sichernde Einigung der deutschen Männer geschieht nicht allein, nicht zur Hälfte in der Paulökirche, sondern durch Verschmelzung der deutschen Heere unter Einem Ober- feldherrn, dem Prinzen von Preußen. Die Bildungs­anstalten für Officiere in allen Waffenarten, die Or­ganisation der Heeresabtheilungen, die Bewaffnung, der Heeresbefehl alles das sei gemeinschaftlich! Dann und nur dann wird der französische Soldat und Bürger, der russische Soldat und Czar das deutsche Heer als ebenbürtig respectiren. Die Buntscheckigkcit der deutschen Contingente, die in diesen Tagen vor un­sern Augen passirten, hat diesen Wunsch in uns zur Flamme' angefacht. Einheit der bewaffneten Macht, daraus folgt unmittelbar die Einheit der Vertretung Deutschlands gegen die fremden Mächte, welche konse­quenter Weise am besten durch die Gesandten derjeni­gen Macht geschieht, welche den Oberbefehl über sämmt­liche Abtheilungen der deutschen Heere führt. Hege­monie Preußens! Es gibt kein anderes Panier unter dem die Sache Deutschlands siegen könne. Werden die Erfahrungen, welche in dem kurzen deutsch-dänischen Kriege gesammelt werden konnten, dazu benutzt, die ganze deutsche Heercömacht zu reorganisiren, so ist's möglich, daß wir den zunächst bevorstehenden Kamps auf dem linken Rheinufet mit Glück bestehen werden. Wo nicht, so haben wir im größeren Maßstabe noch viel bittrere Erfahrungen zu machen.

Dänemark hatte mit Hülfe von ein Paar Fregat­ten mehr als hundert deutsche Schiffe genommen. Preußen, statt Entschädigung zu verlangen, bewilligt noch obendrein eine Zahlung von baarem Geld an Dänemark. Das erinnert an die alte Einrichtung, daß die Soldaten, welche Spießruthen gelaufen hat­ten, am Ende noch für gnädige Strafe banken muß­ten. Schwedens Auftreten im dreißigjährigen Kriege war großartig nur wegen der Zerrissenheit Deutsch­lands. Gustav Adolf hatte nie mehr als 20,000 Mann Schweden in Deutschland, die Siege, die er

Die Aachener Zeitung vom 21. sagt heute in ihrem Leitartikel über die Frankfurter Vorfälle: Deutschlands Ehre! Der Waffenstillstand hat sie nicht gekränkt; die Männer, welche ihm zugestimmt haben, sind so ehrenwerth, als die, welche ihn zu verwerfen geneigt waren. Die für ihn gestimmt, haben Opfer für ihn gebracht, ihre Familien haben dafür geblutet und jener Haufe, welcher sich auf der Pfingstweide versammelt hatte und so stolz sprach, war ruhig zu Hause geblie­ben, als es einem ernsten Kampfe an der Eider galt. Deutschlands Ehre! Aber nicht darum war es ihnen zu thun, sondern darum, die Majorität der Na- non mit Gewalt zu unterdrücken und ihr eine Herr­schaft auszudringen, die sie nicht wollte. Deutschlands Ehre! Aber die Ehre liegt nicht im Morde, sie liegt darin, die gesetzlichen Gewalten des Volkes anzuerken­nen. Die Ehre des Vaterlandes^ DerDWassm war nur der Vorwand, der Zweck war die Republik, die rothe Republik, wie man sie in Worringen ausge­rufen, wie man sie früher in Baden versucht hat. Man wollte das Parlament sprengen, der äußersten Linken die ganze Vollmacht geben, die Eentralgewalt auflösen und glaubte bann, ganz Dem sch land werde der neuen blutigen Gewalt zufallen. Sie sind Einer wie der Andere, die Reaktion und die Anarchisten, auf ein wenig Bürgerkrieg kommt es ihnen nicht an. Nur daß diese täppischer sind mit Zuschlägen und desto ra­scher den Kürzern ziehen. Freilich sind sie desto bereu­ter, wieder anzufangen. Den Männern, welche den Juni-Insurgenten die bleiche Stirn mit rothen Krän­zen schmücken wollten, kann es auf etwas mehr oder weniger Blut nicht ankommcu, besonders wenn co fremdes ist. Es ist Methode in ihren verbrecherischen Bestrebungen. Sie haben sich lange genug bemüht, Schmach auf die Truppen zu werfen, deren Widerstand sie fürchten. Wir wollen auch ein Aufgehen des Hee­res im Volke, die Unterordnung des Heeres unter Das bürgerliche Gesetz, aber wollen es nicht unter dem Ein­fluß der Feinde des Gesetzes.... An dem Parla­mente ist es jetzt, sich gegen ähnliche Angriffe sicher zu stellen. Es wird hoffentlich seiner Aufgabe gemach­en sein. Es wird sich beeilen, dem Lande d.e Ver­fassung zu geben, welche Die große Mehrheit der Na- tion will. Wir bedürfen eines festen Anhaltes, um gegen alle Gefahren gesichert zu sein. Der «ampf m Frankreich ist nicht zu Ende, Die Parteien m Deulich- land werden nicht aufhören zu wühlen, bis ein Gist) da ist und dem Gesetze Vollstrecker gegeben sind, welche ihm Achtung zu verschaffen wissen."

Deutschlands Ehre!

wir auch den Gouverneur von Königsberg, General v. Colomb, bemerkten, aus seinem Hauptquartier Char­lottenburg zum Brandenburger Thore herein, wo er von einem Theil der berittenen Bürgerwehr unter dem Befehl des Commandeurs, Hru. Rimpler, empfangen wurde, und ritt von dem Hurrahruf der Truppen und des zahlreich versammelten Publikums begleitet, die Front der Truppen entlang bis zum Palais des hochsel. Königs Majestät, wo er hielt und die Trup­pen vorbeimarschiren ließ. Den Zug eröffnete das Garde-Jäger-Bataillon, dann folgten die Bataillone des 9. (Colbergschen), des 12. und das 24. Infan­terieregiments, das Gardehusaren-, das 3. Ulanenregi­ment und die Lehresquadron. Nach dem Vorbeimarsch ritt der General nach dem Platz am Lustgarten, hielt hier still, und redete die ihn umgebenden Offiziere, die Bürgerwehrabgeordneten und die Bürger folgender­maßen an:

Meine Herren! Es ist heute ein sehr glücklicher Tag meines Lebens. Ich bin schon vor den Thoren so freundlich von der berittenen Berliner Bürgerwebr begrüßt worden, und in der Stadt war es wie ein Triumphzug. Ich weiß, das konnte ich nicht auf mich beziehen, sondern auf die Truppen, die ich die Ehre gehabt habe, in Schleswig zum Siege zu führen. Ich werde diese Truppen auch hierher führen, wann es die Zeit ist. Zetzl noch nicht, aber sie werden kom­men. Meine Herren! der König hat mir den größten Beweis der Gnade und des Vertrauens gegeben, in­dem er mir das Commando über die in den Marken stehenden Truppen übergab. Ich soll die Ordnung, oa, wo sie gestört, und vaö Gesetz, wo es übertreten wgrd, wieLerherffeffen. .Aber nicht zuerst, sondern nur dann, wenn es der Lürgerwehr nicht gelingen sollte. Dann erst werden wir einschreiten, und es wird uns gelin­gen. Die Truppen sind gut, die Schwerter haar­scharf geschliffen, die Kugeln im Gewehr. Aber nicht gegen Euch, Berliner, sondern zu Euerm Schutz, zum Schutz der Freiheit, die der König gegeben, und zur Aufrechthaltung des Gesetzes (allgemeiner jubelnder Zuruf). Gefällt Euch das, Berliner? das freut mich. Für Euch und mit Euch werden wir Auftreten und handeln. Keine Reaction (Bravo!), aber Schutz der Ordnung, Schutz Dem Gesetze, Schutz der Freiheit. (Bravo!) Wie traurig sehe ich Berlin wieder. Zu den Straßen wächst Gras, die Häuser sind verödet, die Läden sind voll Waare, aber ohne Käufer. Der fleißige Bürger ohne Arbeit, ohne Verdienst, der Hand­werker verarmt. Das muß anders werden, und eS wird anders werden, ich bringe Euch das Gute mit Der Ordnung. Die Anarchie muß aufhören und sie wird aufhören. Ich verspreche es Euch, und ein Wrangel hat noch nie sein Wort gebrochen (stürmi­scher Zubel). Meine Herren! es macht mich sehr glücklich, die Truppen in diesem guten Zustande zu sehen. Sie werden sie darin erhalten, Verträglichkeit mit Dem Bürger muß statt finden (Bravo!) Sie sind mit Euch verwandt, sie haben denselben Zweck, Preu­ßens Größe und Ruhm aufrecht zu erhalten, und Deutschlands Einigkeit mit zu begründen. Sie sind Eure Brüder, (zu Den Bürgern gewendet) und -sic werden nicht vergessen, daß in Der Armee Zhic Brü- der, Freunde, ihre Väter find. Meine Herren. ES thut mir leid, daß ich an Dem heutigen, glücklichen Tage Die Truppen nicht Seiner Majestät verführen könnte. Er erkennt Die Beschwerden, die der Dienst ihnen macht, er hat den Soldaten daher eine Zulage bestimmt. Es macht mich sehr glücklich^ dies Ihnen bekannt machen zu können. Es lebe Se. Maj. der König. (Zn welchen Ruf Alle jubelnd elnstlinmten.)"

Nach Beendigung dieser Rede wurde der General mit erneuertem Freudenrufe entlassen und ritt nun, gefolgt von seinem Stabe, den Linden zu. An der Königswache angekommen, wo die Bürgerwehr unter das 'Gewehr getreten war, hielt der General einen Augenblick still, dankte und wechselte mit dem wachha­benden Offizier freundliche Worte, und setzte dann, unter Dem Hurrahruf des Volks, seinen Ritt weiter fort.

Wrangels Anrede an die Berliner.

Bei den gegenwärtigen auf die Spitze getriebenen Berliner Zuständen ist die Ernennung Wrangels zum Commandanten sämmtlicher Truppen der Marken ein Ereiqniß von großer Bedeutung. Der tapfere Genc- neral besitzt in seltenem Grade die Sympath.ecn des Heeres, seinen ächt deutschen biederen. Charakter hat er in Schleswig auf's glänzendste bewahrt. Die Berl. N. v. 21. theilen seine Anrede an die Berliner mit, sie bedarf keines Commentars und Wrangel ist der Mann, der Wort zu halten weiß.

Am 20. Vormittag hatten Die Truppen der ^erl. Garnison Parade vor dem General der Cavallenew. Wrangel, zu welchem Zweck d.e Zu antene auf der Nordseite der Lindenallee, die Kavallerie vor dem Brandenburger Thore aufgestellt war. ^rberuhme Feldherr kam mit einem glanzenden Gefolge, m dem