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Wien, 16. Sept. Die große wiener Revolution löst sich in Prügeleien auf. Es ist traurig, aber wahr. Seit gestern sieht unsere Stadthaus wie ein Jahrmarkt, wenn auch nicht in mercanlilischer Hinsicht, doch in Beziehung auf die streitenden und schreienden Gruppen, die sich leider nur zu oft in die Haare fal­len. Und des Pudels Kern? Die Knopstoch-Zolttik, die Gesinnung der Farben, ^eit gestern hangen die Schaufenster aller Bandhaudlnngen wie aus einen Zau­berschlag voll schwarzgelber Bänder. Zuerst erschienen schaamhaft bescheiden kleine schwarzgelbe Bändchen im Knopflochs, die Ländchen wuchsen in der Mittagssonne zusehends, am Nachmittag sah man schon stattliche schwarzgelbe Schärpen, manche von unverschämter, her­ausfordernder Breite. Und als die Sonne hinter rothen Abendwolken golden unterging, ward daS Roth und Golo in den Straßen immer seltener; und hier

und da wehte schon ein schwarzgelbes Fähnlein von der Bel-Etasche eines Banquierhauses. Es kam zu Thätlichkeiten der bedrübendsten Art auf den Straßen; eine Bemerkung über das bisher so verhaßte schwarz­gelb, das ironische Lächeln eines Vorübergehenden wurde von den Rittern der österreichischen Farbe als Herausforderung betrachtet und ihr mit Fäusten und Stöcken geantwortet. Ein solches auffallend rohes Verfahren wäre räthselhaft, wenn wir nicht wüßten, daß zumeist die Banquiers, die reichen Kaufleute und überhaupt die Reichen der inneren Stadtzur^Wiedcr- berfMlung der Ruhe", wie sie meinen, das Schwarz- gelbthum zu Ehren bringen wollen, und daß daher manche tüchtige Faust nicht sowohl aus Patriotismus, als für gutes Geld zngcschlagen haben mag. Wenn wir von preußischen schwarzweißen Enthusiasten hören und lesen, so finden wir dies ganz natürlich und ha-

I mancherlei Vermuthungen und Schlüffen Veranlassung «gibt. Er befindet sich noch hier, ein österreichischer Cou­rier ist nach St. Petersburg abgegangen. Verlängert der nordische General hier seinen Aufenthalt, so geschieht es wohl nicht zum Vergnügen, denn ein Aufenthalt in Mai­land gehört jetzt nicht zu den Annehmlichkeiten. Freilich, so hübsch als im Kaukasus mögen es die Russen hier immer finden. Für den 18. d. M. ist im Publikum die Meinung eines neuen Ausbruches von Unruhen varhan- I ben; an diesem Tage endet der Waffenstillstand, und der 18. Sept, erinnert die Leute an den 18. März. Von einer Verlängerung des Waffenstillstandes ist hier nichts bekannt gemacht.

Baiern. München, 18. Sepl. (Bildung einer deutsch-katholischen Gemeinde.) Sonntags in frühester Morgenstunde hatte hier die erste öffentliche Versamm­lung zum Zwecke der Bildung einer deutsch-katho­lischen Gemeinde statt. Die provisorischen Leiter der Gemeinde, Prof. Kreutzer an der hiesigen Veteri-

für Preußen enthält. Die deutsche Einheit soll in de n Her zen sein und zu einer Föderation, nicht aber zu einer Centralisation führen; die deutsche Einheit soll wie 1813 ein alle Deutschen beseelendes Gefühl sein, welches die neugeschaffene und demokratisirte Föderation zu Frankfurt lebenskräftig erhalten wird, wogegen die der Geschichte und dem Genius Deutschlands widerstrebende Centralisa­tion das Werk in seinem Beginne vernichten, Entwicke­lung und Freiheit der Nation in ihrem Keime ersticken würbe.

Paris, 18. Sept. Während 'die «Presse« wissen will, daß noch am Abend nach der Debatte über das Vorhaben, Kommissare in die Departements abzusenden, ein Cabinetsrath abgehalten und darin der Plan definitiv aufgegeben worden fei, behauptet das «Bien Public», daß Gataiignac entschlossen sei, die Maßregel auf seine eigene Verantwortung auszuführcn. Ueber das Ereig- niß der hiesigen Wahlen verlautet noch nichts. Die . .Stadt ist ziemlich ruhig; doch bildeten sich gestern Abend

närichulk, und Hr. Tumhof, fmreftgnirter Pfarrer von an den Thoren St. Denis und Martin zahlreiche Volks- Ilmmünster, Landgerichts Pfaffenhofen, hielten entsprc- ' " ...... ' '

ben uns nie gewundert, daß cs in Preußen Palriotis- muß gebe; der Preuße hat auch Grund dazu. Ad.r österreichisch-kaiserlicher Patriotismus! den kannte man früher in Wien nicht, und es läßt sich auch schnür annehmen, daß die Freiheit ihn zur Welt gebracht hat, wenn man die widersprechenden Elemente in der Kam­mer betrachtet, die schwerlich geeignet sind, den Glauben an eine künftige große, starke, einige österreichische Monar­chie zu erzeugen. Wie wir hören, wollen einige Compag­nien der Garde im Laufe der nächsten Woche die Wache in der Burg mit schwarzgelben Abzeichen beziehen, und wir fürchten, daß eine solche thörichte Herausforde­rung zu traurigen Scenen Veranlassung geben könn­te. Die große Menge haßt diese kaiserlichen Farben^ denn die Zollschranken waren von jeher mit ihnen angestrichen, und ein schwarzgelbeS Bändchen fiel zu­erst in die Augen, wenn die mißllilligen Steuerboten ins Haus der Bürger kamen. Nur der gebildetere Theil des Publicums fast auch die innere Bedeutung dieser Farben auf, dem gemeinen Manne betauten sie so viel wie Reaction, Druck, Erpressung, Metternich.

Mailand, 12. Sept. Der Widerwille, der Haß der Lombarden gegen die österreichische Regierung, gegen die Deutschen hat einen noch höheren Grad erreicht, als er vor dem Ausbruch der Revolution war, obschon man sich allseitig bemüht, versöhnend zu Werke zu gehen. Die Neckereien gegen die Tabackraucher haben auch wieder be­gonnen; zwei darüber ergriffene Vagabunden wurden zu achtmonatlichem schweren Kerker und allwöchentlich einma­ligem Fasten bei Wasser und Brod verurtheilt. Wenn nur die Hälfte von dem, was während der Revolutions­zeit an den Zurückgebliebenen und Gefangenen verübt worden sein soll, wahr ist, so will ich lieber ein Barbar genannt werden, als ein Italiener. Garibaldi bat an Marschall d'Aspre eine Anzahl österreichischer Gefangenen ausgeliefert und an ihn ein Schreiben gerichtet, worin er sagte, er (Garibaldi) habe gehofft, eine Schaar italieni­scher Freiheitsmänner anzuführen, allein er habe nur Ge­sindel gefunden, dessen Führer er nicht ferner sein wolle; er habe sich entschlossen, wieder nach Amerika zu gehen. Die gestrige Mailänder Zeitung schildert die große militä­rische Feier des vorhergehenden Tages. Es war ein schö­ner, imposanter Anblick; über 30,000 Mann standen am Platz ausgerückt; aus 18 Batterien, (108 Stück Ge­schützen) donnerten die Salven während der Vertheilung der Preismedaillen; zwei scharf geladene Batterien stan­den vor dem Castell in Bereitschaft. Es versteht sich von selbst, daß die Anwesenheit des russischen Generals zu

Ichende Vorträge an die zahlreich Versammelten ans allen Ständen im Sinne deS bckanntgegebcncn Prö- Igrammes, nach deren Beendigung sich alle jene in die Listen der neuen Gemeinde einzeichnelen, welche mit den aufgestellten Grundsätzen übereinstimmten. Es be­trug die Zahl der sofort Eingezeichneten gegen Hundert, Idie meisten derselben aber waren aus dem Handwerker­stände. Von jetzt an werden indeß keine öffentlichen Versammlungen zu diesem Zwecke mehr statlfinoen, son­dern die einzelnen- beigetretenen Gemeindeglieder wer­den durch Circulare zu weiteren Besprechungen einge- laden werden, wobei es ihnen jedoch gestaltet bleibt, Gleichgesinnte einzuführen.

Hessen-Darmstadt. Mainz, 20. Sept. Gestern Abend kamen unter starker militärischer Bedeckung die Gefangenen des Frankfurter Aufstandes hier an und wurden auf die Citadelle gebracht. 500 Mann preu­ßischer Schützen sind gestern mit dem Dampfboote hier cingetroffen; auch eine Schwadron preußischer Ulanen wird erwartet. Seit gestern ist die Zapfenstreichstunde von 9 auf 8 Uhr festgesetzt worden.

Bremen, 18. September. Eine sehr auffallende Nachricht wird von Bremerhaven gemeldet. Kapitän Poppe, von der Bremer BarkFlorian," der am 17. in Bremerhaven ankam, berichtet, 4 dänische Fregatten und 1 dänisches Kriegsdampsschiff nahe vor der Weser

Haufen; man erörterte über die Wahlen, und jede Partei suchte die Placate abzureißen, worin die ihrer Ansicht entgegenstehenden Candidaten empfohlen wurden. Um 9 Uhr zogen starke Patrouillen der republicanischen Garde zu Fuß und zu Pferde umher und zerstreuten durch ihr Vorrücken die Haufen. Auf den Quais und Boulevards

sprengten mehrere Kavallerieregimenter umher; Um 9% llhr war Alles still. Im Burgfrieden warf gestern ein Ballon unzählige Wahlbulletins aus, auf denen unter An­dern der Name Louis Napoleon's verzeichnet war. Ein Riesenplacat enthält die von General Montholon unter­schriebene Erklärung, daß Louis Napoleon auf seiner Can- ditatur beharre. Um ein mit «Blanqui« unterzeichnetes und aus dem Kerker von Vincennes datirtes Placat wa­ren stets große Volksinassen versammelt; die Arbeiter werden darin aufgefordert, für die Socialisten zu stimmen. Nach dem «Journal des Debats» haben unter den bei der Alpenarmee befindlichen Angehörigen des Seinedepar­tements über 6000 für Bugeaud gestimmt; auf Roger kamen 4050, auf Fould 3190, auf Adam 2400 Stim­men. In einem Saale auf dem Boulevard hielten gestern die Anhänger von Cabet, Thore und Raspail eine Versammlung; etwa 56000 Personen, worunter sehr viele Frauen, waren anwesend.

Italien.

Genua, 13. Sept. (Näheres über die furchtbare Erstürmung Messinas.) Mit dem Dampfer Palermo

gesehen zu haben. Dw Erklärung, mit welcher man in kamen gestern Nachrichten von Sizilien bis zum 8. Hamburg die Anwesenheit derBellona" ans der Elbes Nach diesen landete das neapolitanische Geschwader zu deuten sucht, scheint denn doch nicht auszureichen " - ' "" ~'

und man wird in der Anwesenheit dieser dänischen Kriegsschiffe wohl eine politische Absicht erkennen müssen.

H äinbuM

18. Septbr

Hier ist ein Gerücht

am 3. d. in Messina. Schon einige Stunden vor der Landung feuerten die Schiffe auf die Stadt und setz­ten dieselbe an mehreren Stellen in Brand. Die Flotte bestand aus drei Fregatten, 13 Dampfern, 20 Kano-

Hamburg, 18. Septbr. Hier ist ein Gerücht nierbanken, 8 Brandern und 30 Transportschiffen, verbreitet, nach welchem Vie in Eurhaveii vor Anker 'Die Landung ^and' an" der Küste von Maregrosso statt

liegenden dänischen Fregatten eine Demonstration beab^

sichtigen sollen unb zwar, wie man glaubt, allen un­ter schleswig' Holsteiner Flagge fahrenden Schiffen den Eingang in die See zu wehren. Ein anderes Gerücht, welchem man mehr Glauben schenkt, besagt, daß die dänischen Kriegsschiffe dazu bestimmt seien, den Hafen sofort wieder zu blokiren, wenn die Nachricht von der Nichtratifiziruug der Waffenstillstandsconvention von Frankfurt eintreffen sollte. Freilich sind dies nur Muth­maßungen; aber auffallend ist es immer, daß Bellona

nach Aufhebung der Blokade noch immer in der Nord- kreuzie und sich endlich in unserm Hafen vor An-

Ke ker

legte.

Ausluud.

Republik Frankreich.

Paris, 18. Sept. Ueber das mögliche Resultat der Wahlen, welche diesmal im höheren Grade die Einwoh­ner beschäftigen und in Aufregung versetzen, als es zur Zeit der zuletzt stattgehabten ver Fall war, lassen sich die verschiedenen Organe ziemlich kleinlaut vernehmen; nur aus der Haltung der Socialisten und Communisten spricht ein gewisses Vertrauen, und ich bin sehr geneigt, dasselbe für ein begründetes zu halten. Das «Journal des Debüts« bringt in seiner heutigen Nummer einen den frankfurter und berliner Zuständen gewidmeten Artikel, welcher wohl zu beherzigende Winke für Deutschland und

und unter heftigem Feuer der Messiner. Ein wüthen­der Kampf von mehreren Stunden fiel zum Nachtheil der königlichen Truppen aus, welche sich gegen 8 Uhr- Abends genöthigt sahen sich wieder einzuschiffen um am nächsten Tage gegen Mittag in Spadafora zn landen. Am 4 und 5 wurde nun die Stadt regelmäßig von den Truppen und vom Hafenschloß beschossen. Obgleich an mehreren Orten brennend und halb in Ruinen

widerstand die Stadt mit dem Beispiellosesten Helden- muthe bis zum 6 Abends, wo die Einwohner sich zu­rückzogen und den königlichen Truppen der Einzug in die brennenden Ruinen frei stand. Trotz dieses Kriegs­schreckens beharren die Palermitaner sowie die ganze Insel in ihrem Widerstand gegen die Bourbonische

Dynastie.

Türkei.

Sm yrna, 2. September. Der heute von Constan- tinopel eingetroffene Lloyds-Dampfer brachte die Nachricht, daß in der Hauptstadt am 28. v. M. auf's Neue und zwar in den Quartieren Foundoucli und Sali-Bazar ein großes Feuer ausgebrochen ist, welches mehr als 400 Häuser, eine Moschee, den Pallast des Pascha Achmet- Fethi und 15 prächtige Sommersitze in Asche legte. Die Cholera ist in Folge der heftigen Nordwinde wäh­rend der letzten Tage bedeutend im Abnehmen. Die Zahl der von ihr Befallenen betrug noch Anfangs der letzten Woche 100 täglich, jetzt ist sie auf 20-T-23 herabge«

fünfen.

(O. Ll)

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