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V- 196.

Nassauische Bfifuna.

Freiheit, Wahrheit uni Hecht !

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden,

Freitag, den 22. September.

IMS.

Für das vierte Quartal d. I. pro October bis December werden neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebst Allgemeines Kirchen- und Sch ul blatt" bei allen Postanstalten des Herzogt!- ums für fl. 2. 12 kr. ind. PostpröVi­sion (ein höherer Pränumerationspreis kann contractlich nicht angefordert werden) angenommen. Außerhalb des HerzogthumS beträgt der einvierteljährige Abonnementspreis fl. A. 15 kr. bis fl. 2. 30 kr.; in Wiesbaden bei der Expedition am Fricorichsplatz fl. 1. 45 kr.

Man wolle die neuen Bestellungen und da, wo nur bis September abonnirt wurde, für den 1. October bei der nächsten Poftanstalt zeitig machen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt.

Das wöchentlich zweimal zur Nassauischen Zeitung gratis beigegebene Allgemeine Kirchen- und Schuiblatt kostet apart vierteljährlich bei der Expedition 36 kr., bei allen nassauischen Postanstalten incl. Provision 48 kr.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zireck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnete

Uebersichten , Erörterungen und

Aktenstücke.

Amtlicher Theil.

Nachdem der zweite Vicepräsident der deut­schen Nationalversammlung, Friedrich von Her­mann, das ihm von dem Reichsverweser zur Bildung eines Ministeriums ertheilte Mandat zurückgelegt hat, so haben nach dem Wunsche des Reichsverwesers die hier anwesenden Mit­glieder des früheren Ministeriums, damit die nöthigen und dringenden Regierungsgeschäfte besorgt, und bei der ernsten Zeit des Vaterlandes die Verflichtungen der provisorischen Centralge­walt in ihrem vollen Umfange erfüllt werden, sich am 17. September 1848 bereit erklärt, alle 'GrMlfk?'*^ Verantwortlichkeit so lange fortzuführen, bis das neue Ministerium gebüdel sein wird, was, wie sie erwarten, in kürzester Zeit der Fall sein dürfte.

Uebrigens hat der Reichsverweser die Lei­tung der auswärtigen Angelegenheiten dem inte­rimistischen Reichsminister des Innern, jene der Finanzen dem interimistischen Reichsminister des Handels übertragen.

wurde, darüber spricht sich ein Korrespondent der A.A.Z., Frankfurt, 15. Sept., in Folgendem aus:

Seit meinem jüngsten Bericht hat sich der Stand der Waffenstillstaudsfrage insofern wesentlich geändert, daß die­jenige Partei, in welchlr schon der Zahl nach die Ent­scheidung beruht, der Württemberger Hof, aus der Sache eine Parteifrage gemacht und sich für die Verwerfung er­klärt hat. Die drei andern Fraktionen der linken Seite des Hauses drängten durch Deputationen auf gemeinsames Handeln, und sie dürften nunmehr ihren Zweck erreicht haben, nachdem v. Hermann den von ihm unglücklich ver­suchten Friedensweg verlassen und viele nach sich gezogen hat. Sie werden bis zur Uebertreibung davon hören und lesen, wie wenig v. Hermann gestern in der Paulskirche die Vermuthungen und Erwartungen gerechtfertigt hat, die man von ihm hegte; inzwischen wird sein Vortrag an dem Votiren nichts ändern, und nur wenige des Würt­temberger Hofes werden gegen die Partei stimmen und wahrscheinlich auch nur in passiver Weise. Die ganze Angelegenheit hat sich so gestaltet, daß von den Bedin­gungen des Waffenstillstandes nur wenig die Rede ist, sondern nur davon, ob der Anlaß nicht ergriffen werden muß, der Nationalversammlung und der Centralgewalt, Preußen und ganz Europa gegen­über, ihre Existenz kühn zu vindicire». Sein oder Nichtsein, Biegen oder Brechen, ist bei der Linken überall nur die Sprache. Noch wenige Stunden und die Würfel sind gefallen, und man kann nur in einer gro­ßen Unruhe leben, die Würfel mögen so oder so fallen. Heiteren Muthes können wohl nur die äußersten Radikalen sein.«

LZas ist zu beklagen und wer ist zu beklagen?

Als wir am Sonntage der Versammlung eins der Pfingstweide im Anfänge sieben, tröstete uns die Ruhe und fast gleichgültige Theilnahme des Publikums über vie Reden, die wir vernahmen, und wir ahnten nicht, daß längst alle Vorkehrungen getroffen waren, um des andern Tages auf so entsetzliche Weise in Frakturschrift zu sprechen, wie es die zerbrochenen Glieder anderer P arlame n tsmitglieder, die schrecklich verstümmelten Kör­per des alten Generals von Auerswald, eines Va­ters von 7 Kindern, und des Fürsten Lichnowsky zeigen. Nie waren aus des Erster» Munde andere als biedere, versöhnende Worte gekommen, nie hatte der Zweite, der im kräftigsten blühenden Manncöaltcr von Meuchelmördern dahin geschlachtet ist, die Regeln parlamentarischer Beredsamkeit verletzt, nie mit seinen Grundsätzen Versteck gespielt, und noch am Sonnabend sich gegen das auf die Spitzetreiben politischer Grund­sätze in praktischen Fragen, von welcher Seite es komme, erklärt, indem er für den vermittelnden Francke'scheu Antrag sprach unD stimmte. Es war also seine Per­sönlichkeit, es war also sein reiches Talent, welches lange vergeblich nach einem ihm entsprechende Felde der Wirksamkeit gesucht und endlich in der Paulskirche gefunden hatte. Dieses war es, was man haßte, das inan sich aus den Augen und aus dem Wege schaffen wollte, um einen Zustand roher Barbarei herbeizufüh­ren, der weder Talente noch jene Tugenden verträgt, welche bisher in Deutschland bei Hoch und Niedrig galten: deutsche Biederkeit und Treue und jene Mensch­lichkeit, die nur Cannibalen mit Füßen treten. Aber nicht bloß hochgestellte Männer sind die Opfer schänd­licher Aufwiegelei, sondern in demselben Hause mit der Leiche Lichnowsky's liegen in einem einzigen Zimmer 27 Leichen armer verführter Opfer, welche die Ausser- dernng eines der Sonntagsredner,sie sollten Banu kaden bauen mit ihren Leibern," birchstäblich verstanden und erfüllt haben, und deren klaffende Wunden jetzt die Gerechtigkeit der Menschen wie des Himmels gegen ihre Verführer anrufen. Nur diese hatten gewußt, was sie thaten, denn als der Kampf, den sie herbei- geschworen, und seine Gefahren eintraten, sahen sie ihnen sicher und ruhig ans dem Fenster zu oder spazierten, während das Gewehrfeuer krachte, auf der obern Zeile.

(F. O.-P.Z.)

Der Erzherzog-Reichsverweser hat an die in Frankfurt befindlichen deutschen Truppen fol­genden Tagesbefehl erlassen-

Soldaten!

Die Unerschrockenheit, Diensttreue und auf­opfernden Hingebung, mit welcher Ihr in den verflossenen denkwürdigen Stunden die strafba­ren Angriffe auf die Sicherheit und Unabhän­gigkeit der Vertreter des deutschen Volkes be­siegt, die Innigkeit, mit welcher Ihr als wür- dige Repräsentanten so verschiedener deutscher Heeresabtheilungen Euch auf dem Felde der Gefahr und der Anstrengungen die tapfere Bru­derhand gereicht, und hierdurch der Welt das schönste Beispiel der neu und kräftig erstehenden deutschen Einheit gegeben habt, verpflichtet mich, Euch meine Bewunderung auszusprechen. Möch­tet Ihr nächst dem schönen Bewußtsein, das deutsche Vaterland vor blutiger Anarchie bewahrt, und ihm hierdurch den wichtigsten Dienst gelei­stet zu haben, auch in dem herzlichen Danke, welchen ich hiermit den sämmtlichen Befehlsha­bern und Mannschaften der hier vereinigten Truppen zu erkennen gebe, einigen Lohn für Euer Verhalten empfinden.

Frankfurt a.M., den 19. September 1848.

Der Reichsverweser:

Erzherzog Johann. Der interimistische Reichskriegsmmrster:

v. Peucker.

Die Waffenstillstandsfragc.

In welcher Weise die Waffenstillstandsftage vor der verhängnißvollen Entscheidung am 16. d. M. von der deutsch-nationalen Partei im Parlament aufgefaßt

Öl. Sitzung der constituèrendcn deativnal- verfammlung.

Frankfurt, 19. September. Fortsetzung der Be­rathung über die Grundrechte. Die Sitzung wird um 9'/2 Uhr Vormittags durch den Präsidenten, Henrisv. Gagern, eröffnet.

Fuchs aus Breslau verlangt die nachträgliche Aüs- nähme folgender beiden Punkte in das Protokoll: I) daß während der Berathungen in der gestrigen Sitzung der Versuch gemacht worden, gewaltsam in die Pauls kirche einzudringen, und 2) daß in einer durch den Präsidenten verlesenen, von einer kürzlich auf der Pfingst­weide bei Frankfurt abgehaltenen Vclksversammlnug herrührenden Eingabe die Majorität des Hauses mit dem Namen Landesverräther bezeichnet workeff ist.

Nach Genehmigung des Protokolls richtet der Prä­sident folgende Worte an die Versammlung: Unter dem Eindruck der traurigsten Ereignisse eröffnete ich die Heu lige Sitzung, um zu Ihnen zu sprechen. Die Bewe­gung in unserm Vaterlande hat neue Opfer verlangt und diese sind muthwilligerweise geliefert worden. Unter den Opfern, die wir beklagen, befinden sich zwei loch- gcehrtc, ausgezeichnete Mitglieder der Nationalversamm- lung. Tief erschüttert zeige ich Ihnen den Tod des Herrn v. Auerswald und des Fürsten v. Lichnowskv an. Leider war cs diesen ritterlichen Männern nicht beschfeden, für das Vaterland in den Tod zu gehen; sie sind auf die niederträchtigste Art meuchlings ermor­det worden. (Bewegung.) Das Gefühl der Schmach, welche durch solche Thaten auf die Nation kommt, ver­mag ich nicht zu unterdrücken. Veranlassung zu diesen Ereignissen gab der Beschluß der Mehrheit der Ver­sammlung, der Beschluß, den Streit mit Dänemark ruhen zu lassen und den Frieden anzubahnen. Ich ehre alle Ueberzeugungen, wenn ich sie als redlich erkenne. Ich erkenne anch die Ueberzeugung Jener an, welche eine Fortsetzung des Kampfes wünschten. Aber die Mehrheit mit gleichen Rechten hat anders entschieden und diese Entscheidung verlangt Gehorsam. Daß der gestrige Aufruhr nicht ungestraft hingehe, darüber herrscht wohl kein Zweifel, denn durch ihn ist die Einheit ver­letzt. Diese ist aber nur möglich durch die Ausgleichung aller Stammcövornrtbeile, durch die Vermittelung zwi­schen Nord, Süd, Ost und West. Wer es ausspricht, der Süden habe ein feineres Gefühl, als der Norden, der zerreißt die Eintracht. Die gestrigen Vorfälle sind aber auch ein Verbrechen gegen die Freiheit, welche wir ehrlich wollen. Seien wir der Pflicht eingedenk, daß die Einheit nur Hand in Hand mit der Freiheit gehen kann, miD wenn auch manches Rachegesübl aufgeregt sein mag, so werden wir cs unterdrücken. Der Aufruhr war auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wenn die Barbarei zunehmen sollte, so müssen wir alle unsere Stärke zusammennehmen, diesen Geist zu bändigen. Die neuesten Ereignisse find hervorgegangen aus einem Zcr- würfniß in der Versammlung, zu welchem kein tiefer Grund vorhanden tvar. Hätte man sich nicht bemüht, in Parteigeist sich abzuschließen, wir hätten diese trau­rigen Ereignisse nicht erlebt. Es ist früher von einem Redner gesagt worden, das Reichsministerium habe feine Majorität. Es ist dies in gewisser Beziehung wahr, denn eine Majorität entsteht nur durch ein Aneinander- schlicßeu der Interessen. Hieraus folgere ich zwei Dinge; erstens, daß es leicht ist, ein Ministerium zu stürzen, schwieriger aber, ein neues zu bilden, und zweitens, daß wir in der Lage sind, unser Ministerium stürzen zu müssen. Unsere Lage ist ernst und die Verantwortlich­keit groß. Das Reichsministerium hat zur Erhaltung der gesetzlichen Ordnung Maßregeln getroffen, worüber der Minister des Innern sich äußern wird. Wollen wir die Freiheit, so müssen wir sie mit Maß wollen; wollen wir die Einheit, so lassen Sie uns einträchtiger sein als bisher. (Beifall Rechts und in den Centren.)

Der provisorische Reichsminister v. Schmerling. Als ich Ihnen vor 24 Stunden Die Eröffnung machte, daß bas Reichsministerium Angesichts Der vorgestrigen Ereignisse die erforderlichen Maßregeln zum Schutze der