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Dienern derselben machte, was haben sie gethan? Sie haben nach wie vor nichts gethan; sind geblieben auf ihrem wohlge­polsterten Sopha und haben die Zeitung gelesen. Sie ha­ben weder in ihren Kirchdörfern den Religionsunterricht er­theilt, noch sind auf ihre Filiale gekommen. (Einige wenige löbliche Ausnahmen lassen wir gelten.)

Und das war uns lieb. Sie sollen und mögen immerhin zu House bleiben. Das Volk weiß eS ja, daß für so vor­nehme Herren unmöglich ist, in der Schulstube lange auszu­dauern, daß sie zu solchen Anstrengungen viel zu gut leben. Nur bei Mäßigung und Genügsamkeit ist man zu solchen Anstren­gungen tauglich. Ja, der Religionsunterricht kann ganz gut ohne euch, meine Herren, ertheilt werden. Wir werden fer­nerhin einen Religionsunterricht geben, der fern von allem con- fessionellen Hader und Dogmenstreit, die kindlichen Herzen schon frühe mit ihrem Gotte, diesem gütigen und mächtigen Vater aller Menschen, bekannt macht, werden es ihn lieben lehren und Ehrfurcht fühlen vor dem Schöpfer, dem Erhalter mnd Regierer der Welt. Wir werden des Kindes Blick auch auf sich selbst richten und fern von allen Spitzfindigkeiten es die Menschenwürde erkennen, ehren und bewahren lehren und ihm Abscheu einflößen gegen alles Böse. Wir werden ein strenges, reges Pflichtgefühl in ihm erwecken und seinen Blick und seine Hoffnung auch zu dem Jenseits erheben.

Alle Kinder ohne Unterschied werden diesem Religionsun­terrichte anwohnen können; da werden die kindlichen Herzen sich zusammensinLcn lernen und wird ihnen klar werden, daß wir in der Hauptsache alle eins sind: in die trennenden Formen möge es dann später der Herr Pfarrer einweihen. Die Geistlichen werden und bleiben Diener ihrer Confession und nicht wehr die Herren und Repräsentanten der Kirche, wie bis­her sie sich glaubten. Wir sind ihnen nicht verantwortlich, sondern Lem Staate, der Behörde, die künftighin die National- erzichung, wozu auch der Neligionsmmrricht gchöel', beitet uud überwacht. Und wir hoffen und wissen es, die Religiosität wird nicht darunter leiden, eS wird schwinden, der kleinliche RcligionSzwist und Hader, die Unduldsamkeit und der Glau- benszwang und in Len kindlichen Herzen wird sich die Religio­sität ungestört, weil uneingeengt in zwängende Formen, entfalten.

Das nordamerikanische Volk, worauf sich setzt so vieler Auge richten, ist auch hierin vorangegangen, indem eS die Geist­lichen von aller unmittelbaren Einwirkung auf die Schulen aus­schloß und eS fand sich wohl dabei. Es hat festgesetzt,d«ß in den Schulen, ohne feindliche Entgegensetzung der verschie­denen Sekten, nur diejenigen religiösen Wahrheiten und Grund­sätze gelehrt werden, über welche Unter den Christen kein Streit ist, damit schon frühe das Vereinende über das Trennende ge­setzt, Duldsamkeit gegen Verschiedenheit gepflanzt, Freundschaft fürs Leben geschlossen und Freude empfunden werde über den Fortschritt in der gleichartigen Erkenntniß. Will eine Sekte über das Allgemein-Christliche hinausgehen, so liegt dieß dem Geistlichen in dem ihm lediglich zugewiesenen kirchlichen oder confessionellen Religionsunterrichte ob."

Und so wollen auch wir eS. Auch wir wollen Diener der allgemeinen Nationalerziehung sein, und als solche auch allgemeinen Religionsunterricht ertheilen, auf den die Geistli- lichen keinen unmittelbaren Einfluß haben werden. Wir wollen und können es; wir baden bisher ganz allein gethan und werden es auch in Zukunft thun, da die sicher zu erwartende Emancipation alle Kräfte zu neuem Leben anspornen wird.

Aphorismen

von Fr. Kapp. (Ausruf zur Umgestaltung der deutschen Na­tional -Erziehung. 1848.)

3. Das Gymnasium verweise vorerst aus seinen Klassen die verstand- und maßlosen Epiker, diese Urväter aller Nebel­haftigkeit, oder lese sie mit Vorsicht und zwar mit Schülern vor­gerückten Alters, wenn man nicht mehr an ihre Schnurren und Wun­der zu glauben gefährdet ist, sondern sich nur an ihnen erheitern will.

4. Der Unterricht ist der mächtigste Hebel des Geistes in der Hand der mild lächelnden Freiheit, aber leider auch die dichteste Ne­belkappe in der Hand der drei finsteren mittelalterlichen Gestalten, des Despotismus, des Aristokratismus und des Orthodorismus.

9)t ideellen.

42. Die ausgezeichnetsten Pädagogen waren ursprünglich Theo­logen, so wie umgekehrt fast alle hervorragenden Geistlichen den Durch­gang durch das Schulamt gemacht haben.

43. Für den französischen Sprachunterricht sollen in Zukunst in der Regel nur wissenschaftlich gebildete Philologen angestellt, und unter diesen hauptsächlich solche berücksichtiget werden, die in Gegen­den , wo die französische Sprache die herrschende ist, eine hinlängliche Zeit zugebracht haben. (Großherz. Baveu'sche Verordnung über die Gelehnenschuleu von 1831. § 30.

Schulchronik.

sMarrhe i mJ Am 27. Mai l. J. ist der pensionirte Lehrer Eolloscng mit Tode abgegangen.

fGrieshcimJ Dem Lehrer Jungmann ist auf Antrag des Ortsvorstandes eine Gehaltszulage von 25 fl. bewilligt worden.

(Errichtung einer neuen SchuleJ Der Schulverband zwi­schen den Gemeinden Driedorf und Heiligenboru ist aufgehoben, und die in Heiligenboru mit dem 1. Oktober neu errichtete Lehrerstelle rem Schuleandivaten Petry von Hörbach in provisorischer Eigenschaft übertragen worden.

(Erledigte kathol. SchulstclleJ Am 10. September ist der Lehrer ZirvaS in Hübingen ( geb. 1778; im Schulfache angestellè 1804) mit Tode abgegangen. Die mit dieser Schulstelle verbundene Besoldung betrug bisher 280 fl.

Nekrolog.

Z. Von der Lahustraße, 18. September.

Am 10. d. M. starb zu Hübingen im Amte Montabaur der da- sige Lehrer, Christian ZirvaS, in einem Alter von 73 Jahren.

Er war bis zur Stunde seiner letzten Krankheit ein unerWUdli« chersaeUoerArbeiterim Weinberge deö Herrn.

Außer einer zweimonatlicher Krankheit im Winter 1846/47 und einer zebumonatlichen vor dein Hintritt in das bessere Jenseits, störte seine 45>iäbrige Wirksamkeit kein körperliches Leiden. Gewiß ein sel­tenes Beispiel!

Mehr aber leuchtet er als uachabmungSwllrdiges Beispiel in sei- seinen Dienstfunktioneu, welche er stets mit frommem, gottergebenen Sinne in strengster Gewissenhaftigkeit erfüllte. Er klebte nicht an dem gewohnten Alten, sondern eignete sich mit großer Ausduier und feite/ nein Fleiße auch das erprobte Neue an; so, daß Vorgesetzte und vertraute College', seiner beispielsweise oft rühmlichst gedachten. Von bin kann daher in Wahrheit gesagt werden:Sein Gedächtniß bleibt im Segen und seine Thaten wirken fort von Geschlecht zu Geschlecht."

In Hübingen wirkte der Verstorbene 37 volle Jahre; der Geist der dortigen Schule krönt heute noch sein Andenken. Dasur genoß er auch die Achtung und Liebe Aller, die ihn kannten; sie folgten mit trauerndem Herzen seinem Sarge am 13. des l. M.; es waren nicht nur seine theuren Angehörigen einer Wittwe mit 6 Kindern, wo­von 2 Söhne ebenfalls als Lehrer wirken und die dankbaren Schü­ler zu Hübingen, sondern and) die Schüler von Garkenbach und Hor­bach, die Lehrer der Umgegend und die Ortsbewohner zu 2 und 3 aus jedem Hause, welche den Lcichcnzug zu dem eine Stunde entfernten Gottesacker bildeten.

Der ihm lange zur Seite stehende brave Geistliche war so sehr ergrissen, daß er seinen Gefühlen kaum Worte verleihen konnte. Bei dem Satze:Jbr guten Hübinger , ihr Alte seid Schüler des in die Gruft Hinabgesenkten, ihr Väter, Mütter, Jünglinge, Jungfrauen und Kinder, wir Alle wissen, was er uns war und was wir au ihm ver­loren !" blieb kein Auge thränenleer.

Daß das rastlose Streben und der rege Eifer aber auch in dem­selben Verhältniß Anklang und billige Anerkennung fand, beweist nicht nur die rasche Besoldungserhöbung (1841 um 25, 1843 um 20, 1845 um 10 und 1816 um 25 fl.), sondern auch der Umstand, daß man in der Gemeinde, da der ältere schon eine größere Besoldung hat, allge- inein seinen jüngsten Sohn (Lehrer zu Langheck) als Nachfolger wünscht, um in der Familie selbst das Andenken des Heimgegangenen, der als Lehrer, Bürger, Freund und Nachbar gleich geliebt, zu ehren.

Sanfte Ruhe seiner Asche!

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.