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wir können nichts dazu, daß er unter seiner Nro. 2 ganz um- sonst so viele Worte gemacht hat.

ad 3. Der Vers. sagt hier selbst, daß der Staat da einzugreifen habe, wo es sich um allgemeine Interessen handle. Hätte er nun diesen Gedanken fcstgehalten, und dann den wei­ter unten folgenden, daßder Staat die Gemeinde so weit selbstständig hätte gewähren zu lassen, bis es ohne Nachtheil für das Schulwesen immerhin geschehen könnte," vorerst in ordentliches Deutsch gefaßt, und dann vorurtheilsfrei mit in die Wagschale gelegt; so wäre er vielleicht schon dadurch zu an­deren Resultaten gelangt. Doch, daS bei Seite. Ich habe weder Lust, noch Zeit, mit dem Verf. über das Verhältniß der Schule zu Staat und Gemeinde zu streiten. Es handelt sich mir bei meinem Zwecke hier nur um die beiden Sätze:Die Ansichten erkennen zwar in dem, der für die Wahl der Lehrer redet, einen Feind. Allein es ist wirklich zu verwundern, wie sic hier so kurzsichtig sind." WaS den ersten Satz betrifft, so muß ich wieder fragen: wo haben wir denn das gesagt' was er enthält? Unser § 34 schließt in keiner Weise die Be­hauptung ein, daß Jeder für einen Feind der Schule gelten müsse, der sich der freien Wahl aus ganz lautern, wenn auch nach meiner Ansicht irrlgcn Gründen über die Sache selbst mit uns nicht gleicher Ansicht ist. Ich bin deßhalb wiederholt in dem unangenehmen Falle, das Mißgeschick bedauern zu müssen, das den Verf. bei der Auffassung, wie bei der Reproduktion unserer Gedanken verfolgt. Wir sahen allerdings Feinde und bezeichnen diese auch alseine gewisse Partei-, die "ihren löb­lichen Bestrebungen mit aller Gewalt Thor und Thüre ge­öffnet sehen möchte." ES ist die Partei der Finsterlinge, die zu den verabscheuungSwürdigen Zwecken ihrer niedrigen Selbst­sucht das arme Volk durch Lug und Trug hintergeht. Und sagt man vielleicht mit bekannter Dreistigkeit, das sei ein all­gemeiner Vorwurf, der der Begründung ermangle, gut, so will ich durch Beispiele reden. Wir sahen einen Priester, der durch die unwürdigsten Mittel die Stellung eines Lehrers in seiner Gemeinde untergräbt und ein Pasquill schreibt, das voll der gemeinsten Schmähungen und Verläumdungen gegen den Leh­rerstand ist; wir sahen eine Versammlung von Priestern, welche eine Berathung über Inhalt und Fassung jenes Pasquills sich zum speciellen Zwecke gesetzt hatte; wir sahendann weiter im Lande umher eine bedeutende Anzahl von Priestern, welche sich die Verbreitung des Machwerks der Bosheit emsig angelegen sein ließ, wir sahen eine gewisse Canzlei mit löblichem Beispiele vorangehen und fanden einzelne Glieder des CleruS hor- ribile dictu so entsetzlich gewissenlos, daß sie jene Schand- schrift unter ihre Consirmandcn vertheilten; wir thaten einen Blick in gewisse nächtliche Zusammenkünfte, und hörten, wie ein Diener der Kirche in Betreff eineâ Lehrers, der nichts wei­ter gethan hatte, als daß er an der Versammlung zu Oranien- stein Theil genommen, die Drohung ausstieß: jetzt muß er fort, und wenn ich kein Haar auf dem Kopfe behalte; wir sahen einen Priester, der in den Apriltagen dieses Jahreâ den Schultheißen des Orts zu sich einlud und mit diesem bei dem Genusse einer angemessenen Quantität Rebensaftes das Wohl der Schule so gründlich berieth, daß der Eingeladene beim Nachhausegehen durch das Gewicht der in seinen Kopf ge­schafften Argumente zu Boden gebracht wurde, und, im Flosse liegend, rief: alleweil ist Freiheit, jetzt wird der Schulmeister fortgejagt; wir erfuhren, was in den Beichtstühlen und in geheimen Privatunterredungen vorging, wir hörten, wie pflicht­vergessenes Pfaffenthum von den Kanzeln herab , von denen das Evangelium der Wahrheit und der Liebe gepredigt werden soll, mit frecher Stirne unsern Mitbürgern die schamlose Lüge aufzubinven bestrebt war, wir suchten ihre Kinder um die Re­ligion zu bringen. Diese und hundert ähnliche Dinge sahen wir, deren Herz für das Wohl der Schule und das des Volkes schlägt, dem wir ganz angehören. Wenn uns das aber nun trotz der behaupteten Kurzsichtigkeit ohne alle Mühe möglich war, was mag donnerst noch ungesehen geblieben sein! Wir wollen unS aber die Sache merken und das Auge be­waffnen , damit wir zur Enttäuschung der Betrogenen künftig noch besser erfahren, waS in dem Reiche der gottlosen Finster­niß vorgeht.

Der Religionsunterricht kein Hinderniß tür die Emancipation der Lehrer.

*** Von der Lore-Lep, im September.

Die gewaltige Zeit, Liebereingebrochen, hat gar mancher, ler Ideen, Wünsche und Hoffnungen rege gemacht. Auch die Lehrerwelt ist durch sie aufgeregt worden u d sicht zuversicht- llch der Verwirklichung ihres gerechten und lange gehegten Wunsches, ihrer Emancipation entgegen. Sie hat dafür ge- strebt, gelebt und gerungen; aber auch die ihrem Wunsche feindliche Parthei ist nicht müßig gewesen und hat zum Theil auf recht giftige und gemeine Art alle möglichen Triebfedern in Bewegung gesetzt, es zu verhindern, daß diejenigen freier und besser, unabhängiger und gerechter gestellt würden. an denen sie bisher ihre Herrschsucht gar herrlich zu befriedigen verstanden. Daß sie es wagten, endlich einmal laut und lästig ihre gerechten Beschwerden und ihre sehr gegründeten Forde­rungen hören zu lassen, ohne die mächtigen, ehrgeizigen biS- hcrigen Schulvorstandöprästdenten erst recht demüthiglich um Erlaubniß gefragt und ihnen sehr bescheidentlich die gehorsamste Vorstellung und Bitte deßhalb vorgetragen und um hochgeneigte Unterstützung derselben gebeten zu haben, daS war wirklich zu viel. Wir, bisher ihre vermeinten Fußschemel, wollen nun gar auf gleiche, unabhängige Stellung Anspruch machen. Denkt, welche Kühnheit!

Doch immerhin ja, das wollen wir, das werden wir, das müssen wir. Das Volk, Las Volk, daâ unsere Leistungen kennt und würdigt, das wird uns die gebührende Stellung nicht vcr- sagen; und alles euer Geschwätz, ihr Herrn der bekannte» Partei, es wird euch nichts helfen. Schreit soviel ihr wollt, die Religion sei in Gefahr, dieser Spruch, sonst so mächtig, hat seine Geltung verloren.

Von wesen Seiten hat man sich gewundert, daß wir in der jetzigen bewegten Zeit nicht, wie Alle, die Journalistik besser benützen, um unsere Interessen zu wahren; Loch wir waren und sind fest überzeug , Laß es dessen nicht bedürfe, daß der gesunde Sinn unsers Volkes sich nicht Lurch das Geschrei der Gegenpartei, die plötzlich ihren Boden, der sonst io fest, so herrlich war, Mjchevâ-. Mfe.Ä. Mk^a-He ist die der Wahrheit und Gerechtigkeit und daS, waS wer ge­pflegt, daS wird unS den Sieg erringen.

Euch darum, ihr Herren, die ihr so bösartig, so roh auf­tretet, wie Hörter, R. v. vom Rhein rc., werden wir nicht weiter beachten; doch den gemäßigteren und allen denen, welche glauben, daß wirklich der Religionsunterricht eine schwere Klippe für unS fei, ihnen wollen wir antworten.

Man sagt also und hat vielfach gesagt, der Religionsun­terricht lasse eine Trennung der Schule von der geistigen Auf­sicht gar nicht zu. Und warum denn? Gründe hat man nicht angegeben, man hat das nur so gerade hingesetzt, weil man ja gewöhnt war, daß das liebe Volk Alles gutwillig glaubte, was die Herren im schwarzen Rocke zu sagen beliebten. WaS haben denn diese Herren bisher für den Religionsunterricht ge- tban? fragen wir, Nichts, gar nichts lautet die Antwort. Sie haben höchstens den Stunden- und Lectionsplan darüber eingefordert, sind alle Vierteljahre nachzusehen gekommen, da der Sckulstaub ihrer sorglich gepflegten Constitution gar zu be­schwerlich war. Doch, bald hätten wir es vergessen, und daS wollen wir gerechtigkeitöhalber nicht sie haben auch alle Jahre Kirchenvisitation gehalten. Doch selbst hier haben sie uns unwillkürlich und ohne daß sie, die sie doch sonst so psilfig sind, eS merkten, uns gerechte Anerkennung gezollt und unsere Tüchtigkeit für den Religionsunterricht zugegeben. Denn bei den Katechisationen haben die Herrn Dekane uns jedesmal zu- gewüthet, aus dem ganzen behandelten Stoffe deS Jahres über irgend ein beliebiges Thema, das sie unS erst in der Kirche gaben, stundenlang gut nnd nach ordentlicher Disposition zu katechisiren. Kam an den Herrn Pfarrer die Reihe, so erhielt er sein Thema 14 Tage voraus. Ist das nicht sprechend?!! Und was haben jene Herren, ohne die der Religionsunterricht gar nicht soll bestehen können, waS haben sie gethan seit 1846, wo ein bekanntes Rescript den Religionsunterricht fast ganz in ihre Hände legte, und uns nur in demselben zu gehorsamen