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wegen ihrer Plötzlichkeit dazu bei, die Gemüther wenig zu beruhigen. Selbst die Offiziere waren von den Maßregeln überrascht. Wie man hier wissen will, wird das gestammte 5tc Armee CorpS mobil gemacht, um an der Gränze aufgestellt zu werden.
Sachsen. Leipzig, 15. Sept. (Die Unruhen in Chemnitz.) Die Unruhen in Chemnitz find in einen blutigen Arbeiter-Aufstand ausgeartet, der wahrscheinlich setzt noch nicht unterdrückt ist. Leider scheint man Anfangs, am 11. d., zu sorglos gewesen zu sein, wodurch die Tumultuanten Muth bekamen und die Befreiung zweier Gefangenen, fast ohne Widerstand zu finden, durchsetzen konnten. Die zu spät zusammcngcrufene Communälgarde erschien nur in schwacher Anzahl, und die wenigen, welche sich einfanden wurden von den Arbeitern entwaffnet, gemißhandelt und schimpflich fortgesagt. Die Stadt siel in die Hände der Unruhestifter. Am Morgen des 12. rückte von Freiberg Cavallerie, von Zwickau Limen-Jn- fanterie ein; auch von andern nahen Garnisonen trafen Truppen-Verstäkungen ein. Die Stadt war bis Nachmittags ziemlich ruhig. Gegen 2 Uhr erst sammelten sich die Arbeiter in starken Haufen, es ward Generalmarsch geschlagen, und die Thätlichkeiten nahmen ihren Anfang. Nachdem der Markt durch Cavallerie-Angriffe gesäubert war, zogen sich die Arbeiter zurück und errichteten an mehreren Orten Barrikaden. In der Lohgasse, die am 'tärkstcn vertheidigt gewesen zu sein scheint, entbrannte der Kampf zuerst. Die Cavallerie ward zurückgeworfen, worauf Linientruppen anrückten und von der Schießwaffe Gebrauch machten. Ein Mann ward dabei gelödtet, mehrere stürtzten verwundet zu Boven. Diese ersten Schüsse waren aber nur das Signal zu erbittertem Kampfe. Viele Arbeiter warfen sich in die Hauser und griffen die Truppen mit Ziegeln, Steinen und Flintenschüssen an. Andere errichteten überall Barricaden. Eine derselben ward von der Linie mit Sturm genommen, zugleich entbrannte der Kampf an mehreren Puncten. Abends bei Abgang der Post knatterte ununterbrochenes Pelotonfeuer, und auf beiden Seiten zählte man bereits mehrere Todte und Verwundete. Die neuesten Briefe melden, daß der Kampf die ganze Nacht fortgcdaueit hat, und Reifende, welche die Stadt heute früh verließen erzählen, daß die Straßen von allen Seiten so stark mit Barrikaden verrammelt seien, daß ohne Anwendung von Artillerie wohl kaum auf baldige Besiegung der Aufständischen zu rechnen sei. Die Arbeiter scheinen gute An- 'ührer zu haben. Man nennt Namen darunter, die auch fier nicht unbekannt sind. Hier sind bereits mehrere Kompagnien Schützen von Wurzen und aus den Kantonnements in den umliegenden Dörfern eingerückt. Eine ängstliche Spannung beherrscht die Gemüther.
Chemnitz, 13. Sept. Unsere Straßenschlacht scheint fielen heute Morgen 2 Uhr am Pulverthurm, den die Arbeiter schon abgedeckt hatten. Das Militär bivouakirt auf dem Markte, die Artillerie, sowie noch ein Bataillon Infanterie werden stündlich erwartet. Jetzt ists Mittag und alles ruhig. Man befürchtet indeß den Abend.
Breslau, 13. Sept. Von Lüttich gehen jetzt sehr häufig, meist unter Benutzung von Eilzügen große Sendungen von Gewehren nach Ungarn; bis jetzt sind nahe an 10,000 hier durchgekommen und große Sendungen werden noch erwartet. Aus Oesterreich gehen ebenso große Transporte von Sensen über Schlesien nach Krakau.
Mecklenburg. Aus Schleswig-Holstein nichts Neues von Belang. Die Truppenmärsche nach Süden
dieser neuen Richtung nicht Mitwirken könne und wolle; er hat, gleich Wiedas Ministerium, sein Amt nieder ge- l e g t und wird Paris verlassen, sobald jein Nachfolger ernannt ist.
— In der am 14. Sept, anberaumten Sitzung der preußischen constituirenden Versammlung waren die Ministersitze leer. Der Präsident zeigte an, daß der Umzug von der Singakademie nach dem Concertsaal des Schauspielhauses am 15. beginnen und die nächste Sitzung sodann für den 19. Sept, anberaumt werden könne. Sollte zwischen dem 15. und 19. Sept, eine Sitzung nothwendig werden, so ist hiefür die Universitätsaula in Bereitschaft gehalten. Nach Erledigung einiger minder erheblichen Gegenstände läßt der Präsident unter großer Stille ein vom 13. Sept, datirtes Schreiben des Ministerpräsi- denten verlesen, worin angezeigt wird, daß Hr. v. Beckerath erst am 14. Nachmittags hier erwartet werde und die Bildung des Ministeriums deßhalb noch nicht habe zu Stande kommen können. Er (der Ministerpräsident) bitte daher um fernere Vertagung der Sitzungen. Präsident: Die Versammlung befinde sich in derselben Lage, wie am Montage, und sein Vorschlag sei daher, ganz so wie damals zu handeln. Auf der heutigen Tagesordnung befinde sich zudem nichts. Es liegen zwar zwei dringende Anträge der Herren Hartmann und Temme auf Beschleunigung der VerfassungSberathung vor, beide HHrn. haben indeß erklärt, ihre Anträge für heute zurückzunehmen und sie in der nächsten Sitzung zur Sprache zu bringen. Er schlage deßhalb den Schluß der Sitzung vor und beraume, falls kein Widerspruch erfolge, die nächste auf Dienstag den 19. d. M. Vormittags 9 Uhr im Concertsaale des Schauspielhauses an. Dem Vorschläge wurde stattgegeben.
Stettin, 13. Sept. (Dänische Forderungen.) Gestern kehrte der »preußische Adler" wohlbehalten von der Kopenhagener Rhede zurück, wohin er Matrosen für preußische Schiffe gebracht hatte. Die Thätigkeit des Herrn Philippsborn war durch die bisher nicht abgelaufene Quarantäne noch gelähmt. Dänischerseits wurde die Herausgabe der Schiffe noch an allerlei, in der Waffenstillstandsconvention nicht vorhergesehene Nebenbedingungen geknüpft, darauf hinauslaufend, ihnen noch möglichst viel Geld abzupressen. Die wichtigste jener Bedingungen aber, und dazu eine Bedingung, die geradezu vertragswidrig erscheint, ist das Erstatten sämmtlicher Kosten für den Unterhalt der Mannschaften der gekaperten Schiffe! Diese Mannschaften waren als Kriegsgefangene behandelt worden; man hatte es nicht in ihr Belieben gestellt, nach Hause zu gehen; nach dem klaren Wortlaut der Convention werden die beiderseitigen Kriegsgefangenen gegen einander ausgewechselt. Dem Vernehmen nach haben sich, da der Verkehr mit der Quarantäneanstalt sehr weitläufig und zeitraubend gewesen wäre, die bisher abgegangenen Schiff? in scue Bedingungen ^gëfugff' um nur wecMtom^ men. —
Stettin, 14. Sept. Am 13. find hier als an der Cholera erkrankt 49, als daran gestorben 37 angemeldet worden. Bis gestern sind hier überhaupt 1186 Personen erkrankt, und 697 gestorben.
Posen, 14. Sept. Am 12. sollten in Krotoschin die ausrangirten Cavalleriepferde versteigert werden. Schon hatten sich Kauflustige eingestellt, als plötzlich eine Estaf- fette vom Kriegödepartement eintraf, den Ausverkauf der noch halbtauglichen Pferde einzustcllen. Gleichzeitig über- brachte eine andere Estaffette die Ordre, die vor nicht langer Zeit entlassene Landwehr wieder aus den 26. d. MtS. mobil zu . machen. Natürlich tragen diese Befehle
dauern fort und im Nordschleöwig'schen stehen nur noch von Reichstruppen die hanseatische Cavallerie, die Frankfurter und die Mecklenburger. General v. Below ist am Abend des 13. von Kiel in Hamburg eingetroffen und am 14. früh nach Berlin weiter gereist. In Cuxhaven ist am 14. Sept, die dänische Fregatte „Bellona" vor Anker gegangen.
Ausland.
Italien.
In Marseille, kam am 8 das Staaisdampf- boot Tancrede von Malta an. Auf seiner Reise hatte cs Messina berührt, und berichtete nachdem Semaphore über die dortigen Vorfälle folgendes: „Am 2 Sept, erhielten die Messincse» Nachricht daß die neapolitanischen Flotte sich nähere und bereiteten sich zn einem heftigen Widerstand vor. An den Ausgängen der Stadt, auf dem Lande überall wurden Barrikaden errichtet. Der Enchusiasmus der Messwesen war groß, bewaffnete Bauern strömten ihnen von allen Seiten zu Hülfe. Als der Morgen des 3 anbrach, zeigte sich vic neapolitanische Flotte; 20 Kanonenboote stellten sich in einer Linie vor der Stadt auf, und ein von der noch von den Neapolitanern besetzten Citadelle fallender Kanonenschuß gab um 7 Uhr das Zeichen zum Kampfe. Bon den Kanonenbooten und von der Citadelle ans wurde die Stadt beschossen: die von den Mes- sinesern besetzten Forts antworteten mit Kanonen schlissen; um 10 Uhr versuchten es die Neapolitaner zu landen; 500 Schweizer stiegen ans Ufer, aber kaum hatten sie dieses betreten, als ein furchtbares Gewehrfeuer einen Theil von ihnen tödtete, die andern zum Rückzug auf die Flotte zwang. Die Forts von Messina feuerten inzwischen mü Erfolg auf die Citadelle ; um 2 Uhr schoß letztere nur noch von einer einzigen Bastion her auf die Stadt; das Feuer der beiden andern Bastionen hatte aufgehört, ebenso wie das der Kanonenboote. Als der Tancrede abfuhr, waren die Sicilier überall im Vortheil.
Turin, 10. Sept. Die Regierung hat gestern durch einen Courier ans Mailand die officielle Mittheilung erhalten daß das österreichische Cabinet die französisch-englische Vermittelung am 3 d. angenommen habe. Zugleich widerspricht das hiesige Ministerium durch eine halbofsicielle Bekanntmachung dem allgemein verbreiteten Gerücht daß directe Friedensunter- Handlungen zwischen dem König Karl Albert und dem Marschall Radetzky im Gang gewesen. Alle auf diese Angelegenheit bezüglichen Documente will das Ministerium den Kammern sobald wie möglich vorlegen. Die Berichte aus Genua lauten immer ernster. Die miss zedem" TaDe'M^ nnv blikanische Partei regt sich in ihren Clubs mit steigende Keckh c it.
Neueste Nachrichten.
Frankfurt, 18. Sept. Nachmittags. Alle Laven sind geschlossen, — keine Börse, — der Kampf hat begonnen, — man baut in der ganzen Stadt Barrikaden.
Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.
Aufforoerung eines Abwesenden.
Nachdem Adam Müller von Nierstadt länger denn zehn Jahre unbekannt wo? abwesend, von seinen Jntestaterben aber um die Auslieferung seines Vermögens nachgesucht und von Herzogl. Hof- und Appellationsgericht zu Usingen die Ermächtigung zur Einleitung des Abwesenheitsverfahrens ertheilt worden ist, so wird Adam Müller aufgefordert, binnen 90 Tagen von dem Erscheinen dieses in öffentlichen Blättern an gerechnet, sein Vermögen dahier in Person oder durch einen gehörig Bevollmächtigten in Empfang zu nehmen, widrigenfalls dasselbe seinen Jntestaterben nutznießlich gegen Caution, nach dem Ablauf von 15 Jahren jedoch eigenthümlich übergeben werden soll.
Königstein, den 8. September 1848.
Herzoglich Nassauisches Amt.
(859) ' Weber.
B(830) In dem von N a u e n d o r f'schen Landhause am Cursaalwege ist die Bel-Etage, welche besteht: in 1 Salon, 6 Zimmern,
_ wovon eins zur Küche zu verwenden ist, 2 âchkammern , 1 Abtritt, 2 Pferdeställen, 1 Bedienten- ftube, * 1 Heuboden nebst Holzbehälter, 1 Char- senremi e für 2 Wagen, einem großen Theil Garten und Anlage, und in dem Mitgebrauch der Waschküche, Rcgensapcr und Pumpe und des Trockenspeichers — zu vermiethen, und kann sogleich oder auch später bezogen werden. Näheres bei Herrn Negierungsrath Freiherrn v. Gagern oder bei Herrn Rcgierungsprvbator Gasteyer zu erfragen.
Edictalladung
Den Concurs über den Wittwer Georg Mühl I. von Niederjosbach betreffend.
Nachdem über Georg Mühl I. von Niederjosbach rechtskräftig der Concurs erkannt worden ist, so wird Terinin zur Anmeldung dinglicher oder persönlicher Ansprüche an dessen Vermögen auf Mittwoch den 11. Oktober d. J. Morgens 10 Uhr anberaumt, bei Vermeidung des Ausschlusses von der vorhandenen Masse.
Idstein, den 1. September 1848.
Herzoglich Nassauisches Amt.
(861) Metzler.
I Jch bin nunmehr gesonnen, mein ganzes Geschäft in der Art aufzugeben, daß ich von heute an meine sämmtliche Waare, bestehend aus Herren- und Damen-Stiefeln und Schuhe, unter dem Fabrikpreis verkaufe.
Wiesbaden, den 17. August 1848.
J. G Bücher,
(831) Neue Colonade Nr. 44.
Im Verlage des Unterzeichneten ist erschienen: Historische Novellen.
Von Eduard Duller.
Erster Band, enthält: Mohammed der Prophet — Don (825) Juan von Oesterreich.
21 Bogen. 8. fl. 1. 45 fr.
Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz.
(743) Eine große Auswahl von Tuschkasten, einzelnen Stücken Malerfarben, Pinsel und anderes Zeichnen- und Maler-Material ist angekommen bei Wilh. Friedrich am Friedrichsplatz. (796) Ausgezeichnet gute Stahlfedern, Briest couverts, Visitenkarten, sowie sämmtliches Schreibmaterial sind in größter Auswahl vorräthig bei Wilh. Friedrich am 'Friedrichsplatz.
Frachtbriefe (»io zur Versendung von Gütern auf der Taunus- Cisenbahn sind zu haben — per Dutzend 5 kr. — b" Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz-^
(815) Beste schwarze Tinte, per Schoppen 12 kr., in der Expedition d. Bl.____________
(817) Aechtes Eau de Cologne ist stets vorräthig bei Wilhelm Friedrich am Friedrichsplch« (814) Eine neue Sendung aller Arten Stahl" federn erhielt heute
i Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz'
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichüplatz. — Redaction unter Verantwortlichkeit des Herausgebers Wilhelm Friedrich.