IV0' 193.
Wauif^r 3ri(iinfl.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!
Wiesbaden ,
^i^ü^’it^ , feen 1Ö. EePtenLbeL'.
ISAS.
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Heberfid)tcn, Crörterungen und Aktenstücke.
Die ersten folgen der Abstrntnsun«; vom
16. September über den Waffeuftillstand mit Dänemark.
X X Wiesbaden, den 18. September.
Die Schlacht ist geschlagen; nach dreitägigem Kampfe über den von Preußen mit Dänemark abgeschlossenen Waffenstillstand ist am Sonnabend spät um 8 Uhr in der Paulskirche der Antrag der Majorität gegen Ratifikation mit 258 gegen 237 Stimmen verworfen, dagegen der Franckesche Antrag mit 257 gegen 236 Stimmen, also die Annahme des Waffenstillstandes beschlossen worden.
Alle Adressen ans allen Gauen Deutschlands gegen Ratifikation des Waffenstillstandes haben nichts genutzt; die Lincke stand entschlossener denn je, vereinigt mildem linken Centrum, auf der Seite des deutschen Volks, der deutschen Ehre und der Einheitsfrage Deutschlands — und Lei.noch wurde ihr der vor ernten Tragen gewisse Sieg entrissen. Die Aufregung nach Bekanntwcrden der Abstimmung hat bereits'in Frankfurt zu tumultua- rischen Demonstrationen geführt am Abend des 16. Septembers. Am 17. Nachmittags wurde eine große Volksversammlung auf der Pfingstweide abgehalten; aus den benachbarten Städten Hanau, Darmstadt, Mainz, den nahen Orten Nassaus und Hessen hatten sich viele tausend Menschen versammelt und in den feurigen Reden von Mitgliedern der Linken wurden diejenigen Abgeordneten des Volks, welche den Beschluß vom 16. für Genehmigung des Waffenstillstandes bewirkt hatten, offen und unumwunden für Verräther des deutschen Volks erklärt. Die Massen wurden aufge- sordert, Frankfurt vor Montag, der nächsten Parlamentssitzung, nicht zu verlassen. Abends des 17. sollten noch an verschiedenen Orten nähere Verständigungen statt finden; es wurden durch Handaufhebung Zustimmungen ertheilt zu jenen Schritten, welche die Linke des Parlaments, durch die Ereignisse gedrängt, vornehmen würde, — und namentlich sollte das deutsche Volk in allen Gauen schleunigst unterrichtet werden von dem, was die Volksversammlung auf der Pfingstweide in Frankfurt beschlossen habe — mit den Adressen sei es
Schleswig.
Viele Leser kennen wohl bereits Kohls „Bemerkungen über die Verhältnisse der deutschen und dänischen Ratio- nalität und Sprache im Herzogthumc Schleswig. (Stuttgart 1847.)" Leicht und gewandt, klar und übersichtlich ist auch dieses Werk von Kohl. Und der Mangel an Gründlichkeit, welchen man seinen Schriften wohl zum Vorwürfe gemacht hat, kann dieser wenigstens nicht zum Nachtheile gereichen. Denn sie macht sich nicht anheischig eine gründliche Erörterung zu liefern, welche die streitenden Parteien selbst, die Dänen und SchleSwig-Holsteiner, aufklären könnte. Sie will nur den Deutschen, welche sich an diesem Streite so lebhaft beteiligt haben, ohne ihn näher zu kennen, diese nähere Kenntniß verschaffen. Je mehr die Deutschen dasjenige erkennen, waS an den Ansprüchen der Dänen Billiges ist, mit desto größerer Entschiedenheit können sie alle unbilligen Forderungen derselben zurückweisen. .
Fast das ganze „meerumschlungene" Schleswig bis nahe an die Eider, ist einmal dänisch gewesen. DaS ist gewiß und unzweifelhaft, und schwiege die Geschichte darüber, so würden doch die dänischen Namen der schleswig - schen Ortschaften davon sichere Kunde geben. Mancher durchreisende Däne hat mit bitterem Unmuthe die Dörfer, deren Namen auf — strup und — lev und — ild sie als ursprünglich dänische bezeichnen, jetzt von Deutschen eingenommen gesehen. Aber eö wäre Thorheit daS Land
am Ende ■ cs sei die Zeit der Thaten für das deutsche Volk erschienen.
Nach Beendigung der Volksversammlung zogen die dichtgedrängten Massen mit vielen Fahnen singend dlirch die Straßen Frankfurts. Vor der Konstabler- und Hauptwache, welche knrhessischc Truppen besetzt hatten, wurden die Fahnen unter Hurrah geschwenkt und einzelne Pistolenschüsse gelöst. Am deutschen Hause, in welchem, wie es hieß, ein großer Theil der Linken für die Nacht in Permanenz verbleiben ivolltc, schien bas Hauptquartier und der Sammelpunkt für viele Taufende zu sein.
Referent verließ um 9 '/2 Uhr Frankfurt, man konnte der Stadt für heute bedeutende Unruhen prophe- zeihen; an allen Orten sprach man sich laut und entschieden aus gegen den Parlameutsbcschluß vom I6. unb wir fürchten, daß Henie in und außer der Panls- kirche unheilvolle Ereignisse sich begeben werden.
Von Castel ging bei Ankunft des Zuges um 10% Uhr bereits 1 Bataillon Preußen und 1 Bataillon Oesterreicher nach Frankfurt ab; heute sind noch weitere Neichstruppen von dort nach Frankfurt befördert
Durch eine große Deputation der Volksversamm lung von gestern, welcher sich die Masse von Tausenden nach der Paulskirche anschließen sollen, will man heute der Majorität, d. h. den Mitgliedern der Rechten, erklären, daß sie Volksverräther an Deutschlands Ehre und Einheit seien, und in dieser Weise ihren Austritt erzwingen und die Linke, welche nur das Vertrauen des deutschen Volkes besitze, von dem gedrohten Austritt dadurch zurückhalten.
Wir müssen leider Ereignisse der ernstesten Art befürchten. — Du armes VaNrland! Soll der Zwiespalt dich zerreißen in deinem Innern — und sollten wir von einer Einheit Deutschlands nur geträumt haben?
Das aber steht fest, die deutsche Revolution hat jetzt ihre erste Phase vollendet und wir stehen bei'm Beginne der zweiten — jedenfalls verhängnißvollen.--
79. Sitzung der constituirenden 92atiyiiaü Versammlung.
Nach Vorlesung des Protokolls von gestern und Anzeige einiger für die deutsche Flotte eingegangenen
deßhalb als ein dänisches wieder in Besitz nehmen zu wollen. Mit gleichem Rechte könnte ein Slave, welcher durch Pommern oder Rügen reist, und so viele Dörfer sich auf — ilz, — vitz und — ow endigen hört, das Land als das seinige in Anspruch nehmen. Ja, mit demselben Rechte könnten die Deutschen daS ganze feste Land der Dänen znrnckfordern, weil alldort in unvordenklichen Zeiten das deutsche Volk der Angeln gesessen. Kein Besitz auf der Erde ist bleibend; kein Geschlecht und kein Volk kann einen Theil derselben auf ewige Zeiten sein eigen nennen. Er gehöret demselben nur, so lang eö ihn behaupten kann; hat ein Volk einmal ein Stück se:- nes Landes verloren, so geht eö dem Rechte deü Volkes wie dem Rechte des Einzelnen: eS wird durch Verjährung verloren. Früher, wo auf Erden noch mehr als heutzutage, Gewalt vor Recht ging, waren solche gewaltsame Veränderungen häufiger alö jetzt. Heute kann ein Volk zäher als ehedem an seinem Besitze sesthalten; denn daS Recht dazu wird von der ganzen gesitteten Menschheit anerkannt, und ein Volk in seinem Wiverstande gegen Vergewaltigung unterstützt, wenn auch o't nur durch machtlose Worte. Es handelt sich daher bei dem Streite über die VolSthümlichkeit eines Landes zunächst um den jetzigen Besitz. Diesen gibt für Schleswig daö Buch von Kohl möglichst genau an.
Mehr als ein Drittel des HerzogthumS, 60 Quadratmellen mit 150,000 Einwohnern, 'st völlig deutsch. Dazu gehören zunächst die Friesen, d.e überall wohnen, wo das deutsche Meer mit dem Lande tm Kampfe .st, und sich vor undenklichen Zeiten aus den östlichen Inseln
stimmen wird die Disemsiou über den Waffenstillstand forra.e sci.it.
v. Vincke beginnt mit der Versicherung, er werde die Sache mit Ruhe behandeln, nicht wie Vogt verlangt. mit Leioenschaft, weil er nicht zu so Großem bern en sei, als dieser Minister der Zukunft. (Oh! oh!) Es liegt klar vor, daß durch den Waffenstillstand mehr erreicht worden sei, als Deutschland und Schleswig- Holltein bei Anfang des Krieges zu verlangen beab- fichtigl hätten. Sonach sei die'Ebre gerettet' — Ver- sucht eine Widerlegung der Sprecher für die Verwerfung und vertheidigt sogar die Wahl des Grafen Moltke zum Präsidenten der Regierung. — Den Ausdruck „Denifcher Bund" betreffend,^so behauptet er, der deutsche Bund sei noch nicht aufgehoben (Gelächter) und da sei Gott vor, daß er aufgehoben sei. Dem Ausland gegenüber haben wir die alte Firma noch nicht geändert, es wäre ein Verstoß gegen daS Völkerrecht gewesen, in einen andern Namen zu verhandeln; na« mentlich würde es das Ausland nicht geduldet haben, daß der Waffenstillstand im Namen der 'Centralgewalt abgeschlossen werde, ganz Europa würde dies nur mit JJUltll Ill>u41»ln r><» l^n—an—fai^wnrai»,.»'■.*, ■' HOus feustl'llüauds sei nur zum Vortheil Deutschlands. Nicht nur Armee und Flotte können in diesen sieben Monaten geschaffen werden, auch im Innern würden wir uns cönsolidiren und des Anslaiidö Anerkennung sowohl als Bundesgenossen erhalten. Eisenmanns Behauptung, es seien geheime Artikel vorhanden, könne er nicht widerlegen, indem er nichts davon wisse, er könne nur sagen: ich sehe keine geheime Artikel.*) (Gelächter.) In Bezug auf das von einigen Rednern ausgesprochene Lob des frühern preußischen Minister von Arnim behauptet er, man dürfe über Abwesende hier gar nicht sprechen. (Gelächter.) Lob rufe von der andern Seite Tadel hervor und er würde sich nie entschließen können, Jemand 51t tadeln, der sich nicht Angesicht gegen Angesicht vertheidigen könne. Gleichwohl tadelt er sogleich den Minister v. Arnim wegen seiner zu sanguinischen Ansichten! Das Rcichsininisterium greift der Redner ebenfalls an. Preußen habe mit der Nationalversammlung gar nichts zu schaffen und
*) Da Herr Eisenmann keine Reaction sah, als sie schon längst da war, so scheint diese Aeußerung ein verschleiertes Ge- stândniß zu enthalten.
und einem ein bis zwei Meilen breiten Küstensaum bis zur Stadt Tondern hinauf niedergelassen haben. Einige von ihnen reden Plattdeutsch, die meisten aber die alte friesische Sprache, welche dem Deutschen näher verwandt ist als dem Dänischen. Sie halten sich zu den Deut- schen. In ihre» Kirchen und Schulen wird hochdeutsch geredet, und diese Sprache ist so hoch geachtet bei ihnen, daß sie eü sogar nicht gerne haben, wenn ein Prediger mit ihnen oder ihren Kindern friesisch spricht, wähnend, er mache sich dem Volk durch dessen Sprache beliebt. Deutsch ist ferner daö ganze Land zwischen Eider und Schlei nebst der Insel Fehmern. Dazu kommt ein Strich Landes nördlich von der Schlei, wo jetzt nur deutsch ge- sprochen wird: bid inö 17te Jahrhunddrt machte die Schlei die Grenze der beiden Sprachen. Dieser schmale Strich von etwa 9 Quadratmeilen und 30,000 Einwohnern, ist aber auch der einzige im ganzen Lande, wo die dänische Sprache von der deutschen völlig verdrängt worden ist.
Dänisch ist der Norden des Landes von Tendern an, ungefähr 70 *) Quadratmeilen mit 115,000 Einwohern. Doch befinden sich hier eine Menge kleine Gebiete, namentlich um die Städte herum, wo deutsch gesprochen wird, und Deutsch wird überhaupt auch hier von den Gebildeten verstanden. „Ueber das ganze Herzogthum Schleswig hin streicht während des größten Theils des
*) Der Verfasser sagt an einer Stelle 80 Quadratmeilen. Vielleicht hat er im letzter» Fall die deutschen Einschiebsel mit» gerechnet.