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Jetzt tritt Mühlfeld aus Wien auf. Sein Standpunkt ist der oben bezeichnete. Zuerst läßt er sich ge- gcn die Adresse von Wien aus Das Tröstende dabei, sagte er, sei, daß sie nur 1300 Uutmchriftcn babe, während Wien 400,000 Bewohner zahlte. (Das macht Effect; indessen verweisen wir auf Giokra.) Er findet in der verlangten Trennung der schleswig-holsteinischen Truppen nichts Nachtheiligcs, sondern nur Vortheilbafies, indem er sich dabei auf Oesterreich beruft, welches früher seine deutschen Regimenter nach Italien und Böhmen geschickt habe, jetzt aber, zur Zufriedenheit Aller, dieselben in ihren Ländern lasse. (Diese Bemerkungen werden von der Rechten mit Bravo's begrüßt; andere Theile seiner Rede dagegen von der Linken und der Gallerte mit Zischen und Oh! begleitet.)
Er findet ferner, zur Verwunderung Aller, daß der Waffenstillstand nur Schmach auf Dänemark lade, und hofft zuversichtlich, die Nationalversammlung werde den Waffenstilist and anerkennen.
Jetzt tritt Giskra auf. Sein Standpunkt ist dem seines Vorgängers entgegengesetzt, was schon aus den von ihm angeführten Worten:
Und was das Schwert erworben,
Haben die Federn der Diplomaten verdorben!
ohne weitern Commentar erhellt. Nie haben wir einen solchen Redner gehört; sein Redefluß ist unbeschreiblich, wenn auch seine Phantasie dabei eine Hauptrolle spielt, so wird sie doch durch den Verstand geleitet und gc- zügelt. Manche Stellen seiner Rede machten einen so ungeheuern Eindruck, daß gewiß so viel Thränen vergossen worden sind, als bei einer Predigt des gemüthlichsten Geistlichen. „Ist," fragt er, „die Furcht vor dem Kriege das Mittel, ihn abzuhalten L Oder vermindert man ihn nicht vielmehr dadurch, daß man ihm gerade ins Auge schaut? Der Czar kommt nicht; er fühlt nur zu gut, daß sein Thron einstürzen wird, sobald seine Söldlinge Deutschlands Boden betreten. Man hat behauptet, Preußen und Deutschland seien den siamesischen Zwillingen zu vergleichen. Ein solcher Vergleich konnte nur dem Kopfe eines Jordan aus Marburg entspringen. Ich frage: Wollt ihr denn annehmen, Preußen und Deutschland seien, gleich jenen Zwillingen, eine Mißgeburt? Ihr wollt Schleswig-Holstein verlassen? War es nicht Schleswig-Holstein, das uns durch seine Widerstrebung gegen Dänemarks Unterjochung, als wir selbst noch in der finstern Knechtschaft seuslen, zeigte — daß der Tag des Gerichts über die Fürsten gekommen sei? Und welcher Mittel bedient man sich nicht, um die Aufhebung des Waffenstillstandes zu hintertreiben! Hat ja selbst ein Minister das Gerücht bis nach Berlin verbreitet, der Reichsverweser würde âankeii, wenn die Aufhebung angenommen wurde. tzPsUt t Pfui! hört man von allen Seiten.) Wie kann man eine solche Ungerechtigkeit gegen seine Brüder begehen. Ihr sagt: Es waren keine bessern Bedingungen zu erzielen. Wenn das wahr ist, dann wehe Deutschland! Wie wollt es dann es möglich machen, einen ehrenvollen Frieden zu gewinnnen!"
Auf ihn folgte Wilhelm Jordan aus Berlin. Er appellirt nicht an die Phantasie und nicht an die Leidenschaft; er will mit Jordan aus Marburg Ruhe und Ordnung hergestellt wissen. Er schlägt vor: Man solle zwar den Waffenstillstand nicht «»nehmen, ihn aber auch nicht verwerfen. Mit vieler Beredtsamkeit und unter häufigen Unterbrechungen von Seiten der Linken sucht er seinen Vorschlag zu rechtfertigen. Er findet den Grund aller Mißhelligkeiten zwischen Preußen und Deutschland in dem unseligen Huldigungsakt, worin er die größte Taktlosigkeit des Reichsministcrüims findet. Bei dieser Gelegenheit wird das Ministerium tüchtig mitgenommen ; auch das preußische Ministerium will er getadelt haben. Die Preußen, sagt er ferner, seien durch und durch deutsch, allein sie wüßten es nicht. (Ein schallendes Gelächter folgt dieser Bemerkung; dem Redner rinnt der Schweiß vom Gesicht ; er nimmt das
Taschentuch aus der Tasche und steckt cs wieder cm und zwar so häufig und so kurz nach einander, daß man nicht begreift, warum er cs nicht in der Hand behielt.) Er behauptet ferner, Preußen habe gar keine Vorstellung vom Parlament zu Frankfurt; was dieses bisher gethan habe für Preußen, sei nichts, das habe Preußen schon seit 33 Jahren gehabt. Erschöpft verläßt er mit der Hoffnung die Bühne, die Nationalversammlung werde sein Amendement annehmen.
Jetzt erhebt sich ein großer Tumult, als Vogt auf- gcrufen wurde. Die Rechte verlangt Vertagung, während die Linke auf Fortsetzung dringt. Endlich gelingt es Vogt, seine Rede zu beginnen.
Er habe eigentlich gar keinen Standpunkt; doch wolle er lieber keinen haben, als wie ein Pendel von Schleswig nach Berlin und von Berlin nach Schleswig schwingen. Man habe gesagt, Preußen sei durch und durch deutsch, aber er wisse es nicht; das begreife wer könne; er seinerseits glaube, es sei Niemand in der Versammlung, der nicht wisse was er sei und was er denke. (Großer Beifall von allen Seiten.) Wenn gesagt worden sei, Preußen habe alles das seit 33 Jahren gehabt, so frage er nur, ob Preußen je Preßfreiheit und das Associationsrecht gehabt habe? (Beifall.) Heckscher habe gesagt, Schweden sei eine Deutschland befreundete Macht;'nun sei eS aber aktenmäßig, daß Schweden hauptsächlich dazu beigetragen habe, einen so schmählichen Waffenstillstand für Deutschland zu schaffen. Das sei wirklich eine Erklärung der Freundschaft, die nur zu der Erklärung des Reichsministers Schmerling über das Veto passe.
Jordan hat gesagt, fahrt der Redner fort, er müsse die Dänen für Dummköpfe halten, wenn sic nicht auf ihren 7 Monaten stehen geblieben wären; gut! Aber ich frage:,, Soll denn Deutschland allein das Privilegium der Dummheit besitzen?" Franke hat uns die Constitution von Schleswig gelobt. Gewiß die Camerilla zu Schönbrunn und Potsdam könnte wohl damit zufrieden sein. Plan hat ferner gesagt, Preußen habe so willig seine Garden nach Schleswig geschickt. Ja, aber warum? Das will ich Ihnen sagen: „Weil sie aus Berlin fort mußten, da sie sich dort verhaßt gemacht hatten." Und wenn man sagt, um wieder auf den Waffenstillstand zu kommen, man könne jetzt in Deutschland nichts thun, weil daselbst noch zu viele Partheien seien, auch der Feind an allen Ecken und Enden stehe, so mache ich wiederholt auf Frankreich aufmerksam. ES war zu seiner Zeit in seinem Innern zerrüttet und von allen Seiten vom Feinde angegriffen und dennoch unternahm es den Kampf und ging siegreich aus demselben hervor; aber, meine Herren, so etwas kann nur ein — Convent thun. Damit verließ er die Tribüne und die Verhandlungen wurden ans Samstag den 161 Sept, vertagt.
Wollte man es wagen auö dem Gesagten und dem Eindruck, den eS auf die Versammlung zu machen schien einen Schluß zu ziehen, so dürfte man geneigt sein — zu vermuthen, der Waffenstillstand könne ausgehoben werden.
77. Sitzung der constituirenden National- Vcrsammlung.
(Schluß.)
Frankfurt, 14. Sept. Von einem andern Gesichtspunkte, als sein Vorredner, betrachtet Venedey die schleswig-holsteinische Frage. Er ist sich bewußt, im Sinne der große n Majorität des deutschen Volks zu sprechen. Vorerst erörtert der Redner den Gebrauch, welchen die preußische Regierung von der Voll- macht hat. Habe Preußen auf Bundesbeschlüsse sich bezogen, so müsse es sich nun vor allen Dingen auf die Bestimmungen der Centralgewalt beziehen. Nach einem Rückblick auf die Friedenspräliminarien Englands und v. Bunsens Urtheil über diesen Gegenstand, geht der Redner auf eine Kritik der auf den Waffen-
I stillftand bezüglichen Aktenstücke mit Hervorhebung der v. Auerswaldschen Erklärung und Camphausens Schreiben an das Reichsministerium über. Dänemark würde nachgegeben haben und würde noch nachgeben, beharre die Reichsversammlung auf ihrem Beschlusse. „Die Forderung einer unumschränkten Vollmacht von Seilen Preußens war ein Unrecht, welches das erste von uns geschaffene Gesetz mit Füssen trat. Sollte es, was ich nicht hoffe, zu einem Kampfe zwischen Deutschland und Preußen kommen, so werden die deutschen Provinzen wissen, wo sie ihr Heil und ihre Rettung zu suchen haben. Machen Sie einen Strich durch die vorliegenden diplomatischen Correspondenzen. Die Männer, welche in den Befreiungskriegen ihr Blut für Deutschland vergossen haben, werden cs wiederum vergießen, wenn auch in Folge des Krieges, in welchem man uns mit Schmach bedecken will, cin Kampf mit ganz Europa über uns hineinbricht. Man wird uns achten, sobald man weiß, daß wir kämpfen für die Ehre Deutschlands."
' Arndt spricht mit patriotischen Ergießungen über die gegenwärtige Stellung der Reichöversammlung. Er findet es bederklich, daß seit 14 Tagen keine Regie- rung in Frankfunt mehr bestehe und daß die Möglichkeit kaum vorauszusehen sei, wann eine andere entstehen werde. Dieser Zustand bringe Gefahr. An England müsse das deutsche Volk sich spiegeln und nach gleicher Festigkeit seiner Zustände trachten, wie jene Nation. Dort seien Ministerwechsel nicht an der Tagesordnung. In Betreff des Waffenstillstandes bekennt der Redner, daß er als Mitglied der beiden Ausschüsse von der Majorität zur Minorität sich gewende habe, und zwar vor Allein, weil eine Verständigung in dem gegenwärtigen gefahrvollen Zustande noth thue.
Eisenmann kann der Anerkennung ungeachtet, die er dem Vorredner zollt, „welcher in guten und schlimmen Tagen mit Deutschland gestanden," von seinem Urtheile nicht abgehen, und erörtert den Waffenstillstand als solchen und die Art, wie er zu Stande gekommen ist. In letzterer Beziehung sei zu bemerken, daß man damit angefangen habe, dem Reichsverweser preußischerseits die Huldigung zu verweigern. Man habe im Vertrauen erklärt, daß die preußische Regierung auf nichts sich entlassen werde, wobei sein Einfluß auf Deutschland, wenn auch nur temporär, gehemmt würde. „Ich gestehe mit Bedauern, daß eS in Preußen, aber auch in Süddeutschland, anders wird, wenn das Definitivum den König von Preußen zum Kaiser macht. Mit Ausnahme eines schmalen Küstenstriches, herrscht allenthalben, des Waffenstill- 'tands wegen, die größte Aufregung. Diese Stimmen nüssen gewogen werden. Was ziehen Sie vor, einen Conflict mit Preußen oder einen Conflict mit demckrcâ. eben Volke. Wir find hier nicht, um Preußens Kkone zu wahren; Preußen ist nur stark, wenn es mit Deutschland geht, außer Deutschland ist cs ein Zwerg. Aber auch Deutschland wird stark sein, hat es einmal einen festen Punkt außer dem Bereiche des Despotismus und der Reaktion. Die Revolution hatte Frankreich zerrissen; aber aus ihr find tapfere Krieger hervorgekommen. Sollen wir schlechter sein als die Franzosen?" Der Redner stellt sofort drei Anträge: 1) Die Nationalversammlung versagt dem Abschlusse des Waffenstillstandes die vorläufige Genehmigung und fordert die Centralgewalt auf, Unterhandlungen über die Mo- dificationen desselben vorzunehmen. 2) Die Centralgewalt fordert alle deutsche Regierungen, die ihre Anerkennung nicht ausgesprochen, hierzu auf, sowie 3) zur Zurückziehung ihrer Gesandten im Auslande.
Francke aus Schleswig stimmt weder für den Majoritälo- noch für den Minoritätsantrag und schlägt den Weg der Thatsachen ein. Daß das Verhältniß der Centralgewalt zur preußischen Regierung einer Untersuchung bedürfe, gibt der Redner mit Stedmann zu. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, daß Preußens edler König zuerst die Dänen aus dem
hört schwer; es konnte diese schauerliche Last nur von einer von Ergebenheit und Vaterlandsliebe durchglühten Seele übernommen werden, die an ihren Kaiser und an ihre Heimath weit mehr, als an sich selbst dachte.
Feldmarschalllieutenant Baron Jellachich hat, trotz der ungünstigsten Verhältnisse, Unglaubliches geleistet. Das Land hat ihm die Ordnung zu verdanken, der Monarchie hat er dadurch eine ihrer gewaltigsten Stützen erhalten, und dies alles ist die natürliche Wirkung seiner höchst seltenen Gaben, wie auch der allgemeinen Liebe und Verehrung, welche er von jeher mit vollem Recht genießt. Wie natürlich auch ist diese Hingebung zu ihm! Man sehe nur einmal den General vor der Fronte reiten, man höre ihn die Soldaten anreden, so überzeugt man sich augenblicklich und für immer, daß er zum Befehlen geschaffen iß. Es gibt aber auch selten eine einnehmendere RCter-Erscheinung, man findet nirgends einen solchen Redner, dessen kurze Worte daS Innerste der Menschen besser zu bewegen vermöchten. Die Massen bewundern ihn und beten ihn an. Der Soldat wird stets dem Jel- lachich gehorchen und folgen, wenn er sogar in voller, wilder Empörung von diesem General überrascht werden sollte, weiter Soldat weiß und fühlt, daß Jellachich selbst, ein solbat ist. Folgen wir dem Staatsmann in eine öffentliche Sitzung: hier gibt ihm sein biederer, gerader Sinn, in Verbindung mit seinen Erfahrungen'und Talenten einen Nimbus, wie ihn die Menge bei einem Oberhaupt sucht und verlangt. Außerdem werden, wie bekannt, die Menschen durch persönlichen Muth, durch männliche Energie und Ausdauer stets bestochen und beugen
sich unwillkürlich davor. Man schaue nur den Varon Jellachich an, und man wird auf seiner Stirn, in seinen feurigen Augen die eiserne Willenskraft erblicken. Unter Napoleon wäre Jellachich gewiß sehr jung Marschall von Frankreich geworden, und würde auch für die Sitzungen deS Staatsraths oft in Anspruch genommen worden sein — daS ist meine Ueberzeugung. Dringen Sie in daS Cabiuet deS Banus, so sehen Sie den fleißigen, ordnungsliebenden Mann zwischen zwei Haufen von Akten, die in Militärisches und Nichtmilitärisches eingetheilt sind, mit einer seltenen Leichtigkeit gediegen arbeiten. Wenige Menschen wissen ihre Zeit so gut einzuiheilen und zu benutzen, wie er. Seine Thüre steht einem Jede» offen. Stört man ihn in den anstrengendsten und schwierigsten Arbeiten, so wird er doch selten böser Laune. Sein milder, wohlwollender Charakter bleibt sich fast immer gleich, obwohl er sonst von reizbarem Temperament ist. Bei Tafel ist er munter und unterhält fröhlich seine Gäste, für welche immer einige Plätze bereit sind. Nach Tisch wird eine Cigarre geraucht und eine trauliche Con- versation geführt. Aber bald geht eS von neuem an die Arbeit, und ein Jeder entfernt sich, den Mann bewundernd und verehrend. Die Abendstunden verlebt er am liebsten im Kreise seiner Freunde, wenn ihn keine Geschäfte rufen, waS aber ziemlich selten ist. Er schläft wenig, wie alle Männer, die viel denken. Die Thätigkeit verscheucht den Schlummer, während dessen ohnehin tausend Bilder vor dem geschlossenen Auge schweben.
* Bilder von J. Stahl.
V.
Vive l’emg»ere«v!
1804.
Auf dem selbstgebauten Throne Sitzt Napoleon;
Auf dem Haupt die goldne Krone, In dem Auge Haß und Hohn. Und ein lautes Jauchzen schallet Aus dem Volksgewühlc her, Daß der Thronsaal widerhallet: Vive l’empereur !
1815.
An dem Strande stehn die Glieder Langhin aufgestellt;
Durch die Reihen auf und nieder Fliegt der hartgeprüfte Held.
Er begrüßt die alte Garde Präsentirend das Gewehr Ihm, auf den sie lange harrte: Vivo l’empereur!
1840.
Masten knarren, Segel rauschen Dumpf au Frankreichs Strand; Bon rem Meer und Lande tauschen Die Geschütze ihren Brand;
Und der Garde Trümmer weinen Trauernd nieder in das Meer: Mög' uns ihm der Tod vereinen Vive l’empereur!