698
umlagerten, mit allerlei Geberden, wodurch die Wuth des Volkes sich nur immer steigerte. Ein Soldat des 27. Regiments wurde in der Schildergafsc vom Volke mißhandelt, durch die Bürgerwehr aber vor ärgeren Mißhandlungen geschützt, nachdem er sich in ein Haus geflüchtet hatte. Unbegreiflich «st es, weßhalb man, da man die Stimmung des Volkes )ab, noch Soldaten des 27. Regiments auf die Straße ließ. Einige Genèd' armen, die eine Tumultuanten vcihasten wollten, wurden vom Volke gezwungen, denselben loszu- lässen, und dabei mißhandelt.
Köln, 13. September. Der erste außerordentliche Gesandte Ungarns bei der französischen Regierung, Graf Ladislaw Teleky, ist gestern auf der Durchreise nach Paris hier angekommen. Bei der jetzigen Lage Ungarns wird seine Mission kaum von Dauer sein, da für die Unabhängigkeit Ungarns dem Auslande gegenüber wohl die Todesstunde geschlagen hat.
Koblenz, 13. Sept. Seit einigen Tagen herrscht zwischen hier und Frankfurt ein sehr lebhafter Courier- wechsel. Jeden Abend gebt eine Stafette von hier ab, welche die während des Tags durch den Telegraphen für Hr». Camphausen von Berlin hierher gekommenen Depeschen an denselben nach Frankfurt bringt. — Die Dislokationen der in der Rheinprovinz stanonirten Truppen sind in vollem Gange.
Schleswig-Holstein. Rendsburg, den 11. Sept. Gestern Abend machte der General von Wrangel bei seiner Reise durch Rendsburg den Mitgliedern der provisorischen Regierung einen Besuch und theilte denselben die erfreuliche Nachricht mit, daß er die bestimmte Hoffnung zu hegen Veranlassung habe, es werde das dänische Gouvernement darein willigen, daß die Trennung unserer Truppen in schleswigischc und holsteinische während des Waffenstillstandes wegfalle und daß ferner der §. 7 der Waffenstillstands-Convention dahin verändert werde, daß die von der provisorischen Regierung erlassenen Gesetze und Verfügungen in Kraft erhalten würden und es der neuen Regierung nur freistehe, einzelne Erlasse der provisorischen Regierung aufzuheben.
Kiel, 10. September. Sogleich, nachdem die Landesversammlung in der vorgestrigen Nacht das Staatsgrundgesetz für Schleswig-Holstein beschlossen, hatte sie in einer Eingabe an die provisorische Regierung um die Genehmigung desselben nachgesucht Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr langte das Regiern ngsmitglied Hr. Bremer hier an, um die Antwort zu bringen. Dieselbe lautete dahin, daß er Vollmacht von der provisorischen Regierung habe, das Staatsgrundgesetz zu sanktioniren, wenn die Versammlung einige Modifikationen eintreten lassen wolle. Es bestanden diese, außer mehr unwesentlichen, wie über die Gewalt des Herzogs, Verträge mit fremden Mächten zu schließen, und das Recht der lauen- bur,gischen Regierung bei Besetzung des ObcrappeUa-
tionsgerichts, in Abänderungen, das suspensive Veto und die Statthalterschaft, wenn der Herzog ein fremder Landesherr ist, betreffend. Das suspensive Veto war von der Landesversammlung als Princip angenommen, die provisorische Regierung wollte es nur für den Fall eintreten lassen, wenn Schleswig-Holstein von einem Herzog regiert wird, der auch Oberhaupt eines andern Staates ist. Nach dem Beschlusse der Versammlung sollte ferner der Landtag das Recht haben, dem Herzog drei Mitglieder aus deutschen Fürstenhäusern zur statt- Halterwürde vorzuschlagen und der Herzog verpflichtet fein, einen derselben zu wählen, und war über eine Entlassung nichts bestimmt. Die provisorische Regierung wollte aber dem Herzog die freie Wahl semeo Statthalters gewähren, nur daß derselbe ein deutscher Prinz oder schleswig-holsteinischer Staatsbürger sein müsse; auch sollte der Herzog dos Recht der selbstwilligen Entlassung des Statthalters haben. Hr. Bremer motivirte diese Modifikation mit Berufung auf das Programm der provisorischen Regierung vom 24. März, in welchem diese versprochen, die Rechte des Landesherr» zu sichern und zu wahren, so weit sie mit dem wahren Wohle des Volkes in Einklang standen, sie sei aber der Meinung, daß letzteres durch die gewünschten Modifikationen durchaus nicht beeinträchtigt werde. Obgleich die Majorität der Laudesvcrsammlung keineswegs durch di se Motivirung überzeugt war, so stand doch nunmehr zur Frage, ob Schleswig-Holstein überhaupt ein Sioatögrundgesetz erhalten werde oder nicht, da nämlich dieser Tag der letzte der legislativen Wirksamkeit der provisorischen Regierung, nach de» Waffenstill- standöbediiigunge», sein sollte, und mußte dies Interesse über die entgegengesetzten politischen Ansichten entscheiden. Die Landesversammlung genehmigte daher die von der Regierung vorgeschlagenen Modifikationen gegen eine geringe Minorität, worauf Hr. Bremer, Namens und in Vollmacht der provisorischen Regierung, dem Slaats- grundgesetze seine Sanktion ertheilte. Der Präsident, Hr. Bargum, schloß die Sitzung, nachdem er ein dreimaliges Hoch auf Schleswig-Holstein und die provisorische Regierung, worin die Versammlung und das anwesende Publikum mit Begeisterung einstimmte, ausgebracht hatte. So ist Schleswig-Holstein nunmehr nach dem Beschlusse seiner nach dem freiesten Wahlgesetz von und aus dem ganzen Volke gewählten Vertreter, was es nach dem Willen des Volkes längst war, ein einiger, unteilbarer, deutscher Staat, geschützt durch eine freie Verfassung, welche mit äußerster Kraft aufrecht erhalten wird.
Anstand.
Republik Frankreich.
Paris, 11. September. Wie man sagt, beabsichtigt die Regierung in den nächsten Tagen bet der
I Nationalversammlung den Antrag zu stellen, den Prinzen Louis Napoleon von den Wahlen auszuschließen.
Die italienische Frage hat an ihrer Bedeutsamkeit verloren, seit Oesterreich die Vermittelung Frankreichs und Englands angenommen hat; indessen soll, wie man vernimmt, Oesterreich nur unter der Bedingung in die Annahme dieser Vermittlung eingewilligt haben, daß es seine ^feiner italienischen Besitzungen einbüßt. Wenn sich dies bestätigt, und wenn Frankreich mit dieser Bedingung sich einverstanden erklärt hat, wie das Gerücht sagt, dann kann man den europäischen Frieden so ziemlich für gesichert halten.
Straßburg, 12. Sept. Die weiteren Truppenbewegungen nach dem südlichen Frankreich sind bereits durch Weisungen des Kriegsinitisteriums eingestellt.
Amerika.
Nachrichten aus Montevideo vom 3. Juli bestätigen, daß die Blokade von Buenos-Ayres aufgehoben war. Man vernimmt ferner, daß die Firma 3 u m a r a » und Comp., welche bisher die französische Flottille und die Regierung von Montevideo mit Geldern versorgt, die weitere Annahme französischer Wechsel verweigert. In Folge dessen waren die Betheiligten darauf bedacht, sich andere Hülfsquellen zu eröffnen.
Vermischtes.
P. Wiesbaden, den 15. September. Auf die Erklärung deS Herrn Naht gegen unfern Artikel zur Zehntfrage haben wir nur wenige Worte zu erwiedern : Wenn das erwähnte Schreiben des Herrn Naht Privatschreiben geblieben wäre, so hätten wir dasselbe keiner öffentlichen Kritik unterworfen. Es wurde aber öffentlich gedruckt ausgegeben und daher auch Gegenstand öffentlicher Besprechung. Ob das Schreiben des Hrn. Naht wider seinen Willen veröffentlicht wurde, hatten wir nicht zu untersuchen; ein Vorwurf von seiner Seite sann daher nur diejenigen treffen, die cs gegen seinen Willen veröffentlichten. Haben Gegner der Zehnt- ablösung ebenfalls persönliche Angriffe in ihre Diskussion eiligemlscht, so werden wir dieß gewiß nie billigen. Es bedarf daher kaum erwähnt zu werden, daß uns nie so kleinliche Motive leiten werden, wie sie uns Hr. Naht unterschieben möchte, haben wir doch durch wörtliches Abdrucken der betreffenden Stellen die Leser selbst in den Stand gesetzt, über die Sache zu urtheilen.
D ruck feh l riL mdjtt q um).
In dem Aufsatze in Nr. 168 unter der Rubrèt : Vermischtes, muß es heißen in der letzten Zeile statt 24 fr. — Amphitheater 12 kr.
Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.
Im Verlage des Unterzeichneten ist erschienen:
pierundzwirnzig
Vegetation^ - Ansichten von
Küstenländern und Inseln des stillen Vceans.
Ausgenommen
in den Jahren 1827, 28 und 29 auf der Entdeckungsreise der Kaiserlich Russischen Corvette Senjawin unter Capitain Lütke
durch
F. H. von Kittlitz.
Der Cyklus dieser vergleichenden Vegetations-Ansichten, unter den Auspizien des Herrn Alexander von Humboldt erschienen, berührt folgende Länder:
1) Die Küste von Chili mit...................1 Kupfertafel.
2) Die Insel Silcha an der Westküste von Nordamerika . . 2 „
3) Die Insel Unalaschka der Aleüten ......... 1 „
4) Die Insel Ualan im Archipel der Karolinen........4 „
5) Die Korallengruppe der Morlloks-Inseln . .........2 „
6) Die Insel Guaham der Marianen..............3 „
7) Die Insel Peel der Gruppe von Bonin-Sima.......3 „
8) Die Halbinsel Kamtschatka..................6 „
9) Die Insel Luzon der Philippinen..............2 „
Preis des Ganzen: Rlhlr. 24. — II. 42 rh. — fl. 36 C. M. Dasselbe prachtvoll gebunden in Saffian mit Goldprägung und gleichem Texteinband Rthlr. 30. 25 Sgr. — fl. 54. rh.
Dieses Praelitwerk hat durch die Kritik die rühmlichste Anerkennung gefunden. (853)
WieebmUew, im März 1848. Wilhelm Friedrich,
Buchhändler am Friedrichsplatz.
I» Wiehls neuerfundene chem. Gichtsocken gegen Gicht, kalte Füße und Frostbeulen.
Die Wirkungen dieser mit einer chemisch präparirten Sohle versehenen, in Norddeutschland, Holland und Eng- land berühmten Locken sind außerordentlich; ärztliche und ErfahrungSzeugniffe bestätigen die erfolgreiche Anwendung derselben gegen obige Leiden. Sie werden an den bloßen Füßen vorzugsweise bei Nacht getragen und belästigen die Füße nicht im Geringsten, da sie aus den weichsten Stoffen fabrizirt sind.
Preis pro Paar fl. I.
Zu haben bei der Expedition dieses Blattes. 68541
Cosmétique -Americain.
Neues, untrügliches und durchaus unschädliches Mittel zur Vertreibung der Finnen und des Kupferausschlages im Gesicht, sowie zur Herstellung der reinsten und zartesten Haut.
Preis â Flacon mit Gebrauchsanweisung fl. 1. 12 kr.
Die unfehlbare und überraschende Wirkung dieses Mittels hat sich durch die vielfachsten damit an- gestelken Versuche so bewährt, dass man dasselbe allen Personen, die an obigen fatalen Entstellungen des Antlitzes leiden, mit vollkommenem Rechte empfehlen kann. (855)
I Allein zu bekommen in der Expedition d. BI.
Aufforderung eines Abwesenden.
Nachdem Adam Müller von Nierstadt länger denn zehn Jahre unbekannt wo? abwesend, von seinen Jntestaterben aber um die Auslieferung seines Vermögens liachgesucht und von Herzogl. Hof- und Appella- tionSgericht zu Usingen die Ermächtigung zur Einleitung des Abwesenheitsverfahrens ertheilt worden ist, so wird Adam Müller aufgefordert, binnen 90 Tagen von dem Erscheinen dieses in öffentlichen Blättern an gerechnet, sein Vermögen dahier in Person oder durch einen gehörig Bevollmächtigten in Empfang zu nehmen, widrigenfalls dasselbe seinen Jntestaterben nutznießlich gegen Caution, nach dem Ablauf von 15 Jahren jedoch eigenthümlich übergeben werden soll.
Königstein, den 8. September 1848.
Herzoglich Nassauisches Amt.
(856) Weber.
Edictalladung.
Nachdem über daS Vermögen des Friedrich Christian und seiner Ehefrau Elisabethe gebornc Müller von Soden rechtskräftig der Concursproceß erkannt worden ist, so wird zur Anmeldung dinglicher und persönlicher Forderungen an der Masse Termin auf Mittwoch, den 25. October l. J.
früh 8 Uhr bei Vermeidung deS NechtsnachtheilS des Ausschlußes von der vorhandenen Masse anberaumt.
Höchst, den 7. September 1848.
Herzoglich Nassauisches Amt.
(857) Westerburg.
Geld - Cours.
Neue Louisd’or..................
Pistolen......................
Preuss. Friedrichsd’or..............
Holländische Zehn gülden stücke........
Randducaten ...................
Zwanzigfrankslücke...............
Engl. Souverains.................
Laubthaler , ganze................
Preuss. Thaler..................
Fünffrankenthaler.................
®nt(f und Verlag von Vilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Redaction unter Verantwortlichkeit deS Herausgebers Wilhelm Friedrich.