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Naffautschc Zntunq

Freiheit, Wahrheit und 'Dkcchtl

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Samstag, den 15. September. 88â8.

Für das vierte Quartal d. I. pro October bis December werden neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebst Allgemeines Kirchen- und Schulblatt" bei allen Postanstalten des Herzogthums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprovi­sion (ein höherer Pränumerationspreis kann contraetlich nicht angefordert werden) angenommen. Außerhalb des Herzogthums beträgt der einvierteljährige Abonnementspreis fl. 2. 15 kr. bis fl. 2. 30 kr.; in Wiesbaden bei der Expedition am Frievrichsplatz fl. 1. 45 kr.

Man wolle die neuen Bestellungen und da, wo nur bis September abonnirt wurde, für den 1. October bei der nächsten Postanstalt zeitig machen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt.

Das wöchentlich zweimal zur Nassauischen Zeitung gratis beigegebene Allgemeine Kirchen- und Schulblatt kostet apart vierteljährlich bei der Expedition 36 kr., bei allen nassauischen Postanstalten incl. Provision 48 kr.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Metternich beurlaubt ist, ist freilich Thatsache; viel weniger aber auch nicht die Triaö^ Jetlachich-Windisch- Grätz-Radetzky, wenn auch diese in der That mit ritterlichen Tugenden geschmückten Männer mir die­nende Brüder in der wohlorganisirten Loge sind. Desto schlimmer! Denn ein ehrlicher Soldat des alten Systems ist noch nicht der Freiheit unversöhnlichster Feind. Der Zeiger steht in Oesterreich nahe an der heißen Mit­tagsstunde der Revolution und zwar einer sehr verwor­renen. Vielleicht wird ihr Ausbruch durch einen schon angekündigten Kougreß^in Wien verhütet, bei welchem nicht bloß die Diplomaten der alten Schule verhandeln werden, sondern auch Ruge's einst in der Paulskirche verlachter Antrag, wenn auch mit mehrer» Amendements, zur Wirklichkeit gelangen kaun.

77. Sitzung der eoustiLuirerlden dèationat- Bersammlung.

Fra n kfurt, 14. September. Tagesordnung: Berathung der von den Abgeordneten Wurm uiiD Sledma n n , Namens der Mehrheit und Minderheit der vereinigten Ausschüsse für die völkerrechtlichen Fra­ge» und für die Centralgewalt erstatteten Berichte über den Waffenstillstand von Malmö.

Nach Eröffnung der Sitzung um 9% Uhr Vor­mittags macht der Präsident v. Gageru das Ergebniß der am Schluß der letzten Sitzung vorgenommcmen Ergänzungswahlen für den Marincansschuß bekannt. Die neuerwählte» Mitglieder sind: die Abgeordneten Moring aus Wien und Dröge ans Bremen. Die Vornahme der Ergänzungswahlen für den Geschäfts- ordnnugsausschuß wird auf eine der nächst folg.»den Sitzungen an beraumt und sodann^zur Tagesordnung geschritten.

Der Präsident verliest die Anträge der Majoritäi und Minorität der zur Begutachtung der schleswig- holsteinischen Frage niedergesetzten Ausschüsse, so wie drei fernere hierauf bezügliche Anträge:

1) des Abgeordneten von Lindenau;

2J der Abgeordneten Francke, Dropsen, Michelsen und Neergaard;

3) des Abgeordneten Hollandt^nud Genossen.

Hieran schließen sich theils weitere selbstständige, theils Verbesserungs- und Zusatzanträge der Abgeord­neten Winter, Blömer, Iahn, Adams, Edlauer und Mulley und v. Maltzahn nnd Genossen, welche sämmt­liche Vorschläge aus dem Laufe der Unterhandlungen sich ergeben werden.

Wescuchonck ergreift über die Geschäftsverhand­lungen das Wort und beantragt die unverweilte Mit- lhetlnng, resp. Anzeige der von vielen Seiten einge- lanfeueu, die Anerkennung des Majoritäisbefchlnsses und oie Verwerfung des Waffenstillstandes besprechen- den Zuschriften. Präsident macht auf den durch die Verlesung dieser Eingaben hervorzurufenden Zeitver­lust aufmerksam. Wesenvonck beschränkt seinen Antrag auf Angabe des Inhalts und der Unterschriftenzahl der Adressen, worauf der Präsident die Svnirnng der heute eingclausenen fünfzig Adressen, zur Vorlage im Laufe der Verhandlungen verfügt.

v. Lindenau begründet seinen Verbesseruugs- antrag. Der Redner spricht so leise, daß er nur in Der nächsten Nähe gehört werden kann. Sein Ver- mittlungsvorschlag wird darum von einem der Secre- tärc des Bureau verlesen; er lautet: Die National­versammlung beschließt die Genehmigung des Malmöer Waffenstillstandes an folgende Bedingungen zu knüpfen. l) daß die im Art. VII. des Vertrages festgesetzte Ans. Hebung der durch die provisorische Regierung oci As) tr zogthümer erlassenen Gesetze wegfalle; 2) daß die von Der preußischen und dänischen Regierung voupnpla- aenc Vernvaltungscomnüstion durch die Eentralgewali in Verbindung mit der Nationalversammlung ernannt werde; 3) daß alle beschlossenen und noch zu beschlie­ßenden Grundrechte, wie auf das übrige Deutschland, so auch auf Schleswig-Holstein ihre Anwendung fub

Uebersichten , Erörterungen und

Aktenstücke.

Die Krisis in Oesterreich.

Nach dem Frankfurter Journal.

Die Spannung, mit welcher wir der Entwickelung in Frankfurt und in Berlin zusehen, verhindert uns nicht, auch auf das ferner liegende Wien und den Gâh- rungsprozeß der ganzen österreichischen Monarchie mit warmer Theilnahme zu blicken. Die Gesandten der Magyaren einerseits und Jellachich'ö Worte und Thaten andererseits haben die österreichische Regierung, oder sagen wir lieber: die halbverhüllte Macht, die sich durch die Person des Kaisers repräscntiren laßt, genöthigt, ihr bisher gegen die Magyaren, mindestens gegen das Kossuth'sche Ungarn, verdeckt getriebenes Spiel anfzn- lcgcn. Wir gehören nicht zu den Partisanen des letz- tern; wir verkennen nicht den Despotismus, mit wel­chem die Magyaren bisher alle übrigen 'Nationalitäten ihres Königreichs niederhielten und somit einen gewich tiaen Rechtsgrund in die Wagschaale des ausgestandenen ^laveulbumö fteglen.? Wir können auch uns Deuz- ''Wil die Gefahr und den Schaden nicht verhehlen, mit uns ein durch eigene Kraft von Oesterreich loö- qerissenes Magyarenthum bedroht, indem dieses sehr bald sich zu einem'großen neuen Ostreiche ansbilden würde, das seinen Schwervunkt nicht in dem deutschen Wien fände. Noch ist es Zeit, wie wir glauben, sowohl die­ses Ostreich, als ein von Deutschland noch feindlicher getrenntes unter slavischem Zepter, zn verhüten und das gesammte Deutschland durch das nach wie vor in Oesterreich die Zügel führende deutsche Element mit den hochwichtigen Donanländern zu vermitteln. Dieß wurde geschehen, indem die noch heute in deutscher Hand ru­hende Regierung Oesterreichs den magyarischen Sepa­ratismus bändigte und dem slavischen dadurch vorbeugte, daß sie der slavischen Nationalität gleiche constitutio- nelle und volköthüinliche Rechte mit allen übrigen, zu­nächst der magyarischen und der deutschen, verbürgte, bevor jene diese Rechte und noch etwas mehr nicht im Namen des Kaisers, sondern in ihrem eigenen erkämpfte. In diesem letzter» Falle, wie in dem vorhin erwähnten jedoch jetzt kaum mehr denkbaren, einer völlig )vögc- riffenkn Magyarenmonarchie würde das denftche Oester­reich durch beklagenswerthe Schwache und Hulfloßgkeit in die Arme des deutschen Bnndesftaates getrieben wer­den. Geht dieß nur auf diesem Wege an, so wollen wir lieber einen uns zwar nahe verbündeten, aber in seiner Besonderheit kraftvoll centralisirten, seine man nigfachen Nationalitäten als gleichberechtigte umsaffenden österreichischen Bundesstaat neben dem unfern.

Von diesen Gesichtspunkten aus und im Interesse der Menschlichkeit selbst für die wahrscheinlich fruchtlos kämpfenden und blutenden Magyaren würden wir einen Sieg der österreichischen Regierung über die erceniu]d)e Nationalpartei in Buda - Pesth wünschen, bei welchem die Slaven nur als Schwertträger der fortwährend in Wien centralisirten Gesammtmonarchie kämpften und siegten. Aber leider gewinnt dieser Kampf immer mehr eine außerhalb der nationalen Bedeutung liegende und uns Deutschen, wie dem guten Geiste der ganzen Ge­genwart, feindselige principielle Macht. Dieß ist die Macht der Reaktion, des monarchischen Absolutismus, nicht ohne innern Zusammenhang mit dem verschiedenen Volkscharakter der Slaven und Magyaren, vorzüglich aber von der vorhin schon angedcuteten aristokraiiichen, soldatischen und hierarchischen Kamarilla ausgehend, deren Marionette eine geheiligte Person, ein unverletz­licher Gefangener ist, für welchen seine Wärter reden und handeln. Jellachich hat sich jüngst in einem Brief an den ungarischen Feldmarschall Hrabrowsky geradezu als Mandatar des Kaisers allein hingestellt, ohne eine konstitutionelle Gegenzeichnung, eine Mitwirkung der verfassungsmäßigen Reichsgewalte» bei diesem Mandate auch nur vorzuspiegeln oder in Aussicht zu stellen. Daß

den; 4) daß die einzulkitenden Friedensuiiter Handlun­gen mit der Krone Dänemark von der Centralgewakt in Verbindung mit der Reichsversammluug vorgeuom- men werden.

Heckscher:Die Stunde der Entscheidung über den Bestand, das Ansehen und die völkerrechtlichen VerhällUiffe der Centralgewalt ist gekommen. Nie hat eine inhaltschwerere Frage der Versamwluug vorgele- gcn. Von ihrer Entscheidung wird der Friede Euro­pas, die Einheit DeutfchölaiidS, das Glück und die Wohlfahrt der Herzoglhümer, die Richtung und der Geist des künftigen NelchsmiuisterrathS abhängen. Das abgetretene Ministerium ist viel getadelt worden. Ich verlange kein anderes (äquivalent als Gehör und Ge­rechtigkeit." Nach Aufstellung der 2 Hauptpunkte: 1) daß der Waffenstillstand von Malmö kein defini­tiver Friede mit Dänemark sei, und 2) daß der Zweck des Krieges nicht in die der Eroberung Schleswigs, sondern in der Wahrung der von Dänemark wider«- rechtlich angetastete Rechte der Herzogthümer gelegen habe, wirft der Redner in einem 2 stündigen Vor- naße einen Rückblick auf die Unterhandlung mit Dä­nemark, von dem Bestehen des ehemaligen Bundes­tags an, bis zur Errichtung der provisorischen Cru- tralgewalt. Hieran knüpft er eine Nechifertigung der .fcuiöiÄUtiSNMWjLJ^^ in dieser Frage, indem er sämmtliche hierauf bezüglichen Slcteiistücke spe­ciell durchgeht und die Stellung des Agenten der Cen- tralgewalt, ehemaligem Unterstaatssekretär M. v. Ga« gern, zu den WaffeiistlUstandsverhandlungen erörtert. Das Verfahren des Neichsministcriums fei von dem Geiste der Versöhnung und friedlicher Verständigung geleitet worden. Die der preußischen Regierung ertheilte Vollmacht anlangend, müsse erwogen werden, welche Opfer Preußen im dänischen Kriege gebracht habe; darum sei ihn» auch nicht das Vertrauen zu entziehen gewesen, welches cs noch nie verscherzt habe.

Sei auch das ReichSininisterinm mit mehreren Punk­ten des Waffenstillstandes nicht eiuverstanbeii gewesen, weil Verse Ide allerdings von den B llevuer Stipulatio­nen abgewichen, so habe es doch denselben ohne Rück­sicht auf das Wohl Deutschlands nicht verwerfen kön­nen. Wopl sei das Veto üvrig geblieben; dieses einzu­legen, dürfe jedoch in einer Angelegenheit nicht geschehen, in der die Regierung selbst die Initiative ergriffen habe. Zu einer Prüfung des Waffenstillstandes selbst über, gehend, setzt der Redner bei Der preußischen Regierung moralische Rechif.rligttligsgründe voraus, die co befugt, in seinem Namen zu handeln, und wobei von einer Zurücksetzung der Centralgewalt die Rede nicht sein könne. Die siebeumouatliche Dauer des Waffenstillstan­des habe das Rcichsminlsterium allerdings überrascht. Schweden habe diesen llmftanD zu einer conditio sine qua non gemacht, und seiner Theilnahme an den däni- Upen Begreeuugeu habe Preußen Rechnung tragen müssen. Beschließe man die Verwerfung des Waffen­stillstandes, so sei Preußens Ehre gekränkt und seine Entfremdung hervorgerufen. Solle der Krieg fortgeführt werden ohne Preußen, so werde ganz ykorddeutschlaud sich ihm anschtießen. Auch in Oesterreich könne man sich auf keinen Mann verlassen. (Bewegung.) Die Gefahren seien groß, ernsthaft müßten sie ins Auge gefaßt werden. Eine Ueberfchreituug Jütlands betrachte Rußland als eine Kriegserklärung; eine gleiche Ge­sinnung theile Schweden, und die Bemühungen Däne­marks beider französischen Regierung, sowie eine Unter­redung des Redners mit dem Bevollmächtigten der französischen Republik gebe zu gleichen Erwartnuge« Veranlassung. Drohungen schreckten ihn (den Redner) zwar nicht, allein Gefahren könne man nicht wegwer- seii, wo es sich um die Erhaltung der Einheit Deutsch­lands handle.

Uebrigend lägen in Camphausens neuesten Zusiche- rungen und in den Andeutungen, welche Wrangel der schleswig-holsteinischen provisorischen Regierung ertheilt habe, gegründete Aussichten auf Zulassung von Modi- sicationen im WaffenstiUstandsvertrage, und zwar zur Herbeiführung eines Ergebnisses, welches das Reichs-