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Vie Schut- und Hauszucht.
Was die Schule nur immer als allgemeine Forderungen der Zucht für Schüler aller Stufen aufstellen wird, es muß sich das gesetzliche und gesittete Leben, sowie es durch die Räume und Verhältnisse der Schule hindurch waltet, auch im Leben deS Hauses und den mit diesem zusammenhängenden Kreise und Beziehungen wiederspiegeln. Oder soll der Schüler ein anderer Mensch sein können und dürfen im dem Verhältnisse deS Gehorsams und der Bescheidenheit gegen seinen Lehrer, ein andererer dagegen wieder gegen ältere und der Achtung würdige Personen des Staates? Soll er in der Schule ein Bild des emsigen Einsammelns an Kenntnissen abgeben, zu Hause aber der Zerstreuung und dem leeren Müssigehen huldigen? Oder soll er, während eö die Schule für eine Sünde gegen den heiligen Geist halten würde, wissentlich dem Schüler ein Wort oder ein Bild der Unreligion und der bösen Sitte oder der Nichtachtung gegen die Gesetze des Staats und der angestammten Landesfürsten zu offenbaren, außer ihren Räumen schlechte Gesellschaften in Wirths- und andern Häuser, Tän- zereien und Schauspiele aller, auch der sittenverderblichsten Art besuchen, öffentliche Leihbibliotheken benützen und unerlaubte gesellschaftliche Verbindungen unter seines Gleichen oder mit Anderen eingehen dürfen? Nein, der Schüler kann nur der eine ganze jugendliche Mensch in und außer der Schule sein; er er kann nur einen inneren Charakter, wie äußeren in Kleidung und Genüssen, an den Tag legen, er mag stehen und gehen, weilen und sich bewegen, wo und wohin er will. Dieß verlangt die Schule mit zu augenscheinlichem Rechte, mit zu nothwendiger Vernunft, als daß das Haus und die Familie ein Recht ihrerseits dagegen geltend machen, und so trennen und zerreißen durfte, was durch Gott, was durch die Natur und den Geist zusammenbesteht und das geistige Werden der reinen und nur ganzen Individualität bedingt.
sA. Kapp, Gymnasialpädagogik.^
Pädagogische Lesefrucht.
Ver Seminarteheee.
Eine wesentliche Eigenschaft deS SeminarlehrerS ist Vereinigung der großen Entschiedenheit mit der höchsten Empfänglichkeit. Es giebt eine Entschiedenheit, welche dressirt aber nicht frei bildet. Bei Knaben thut das dadurch entstehende Exercitium â la Unterofizier, besonders in Dingen, wie Elemente fremder Sprachen, bei denen es auf festes, hurtiges Wissen, wie beim Einmaleins, ankommt, seine Dienste; aber junge Leute von 18 — 20 Jahren lassen es sich nur mit Widerwillen gefallen. Die mit Entschiedenheit verbundene Empfänglichkeit macht den Seminarlehrer zum Accoucheur deS Talents.
sDiesterweg.^
Vom 29. September bis 1. Oktober soll in Eisenach eine Versammlung der Deputaten sämmtlicher Schulen Deutschlands stattfinden. Die Anregung hierzu ist von Dresden ausgegangen.
(F. O. P. Z.)
Miscellen
39. Pestalozzi glaubt, einen Gang erfunden zu haben, der durch seine Lückenlosigkeit auch Den lahmsten Schulmeister zum Gehen zwänge. Er ist zurückgekommen von diesem Glauben. Wer ihn nicht im Geiste und in der Wahrheit zu erkennen vermag, der wird sich nimmermehr durch ihn von seinem alten Fleck heben. Nur was uns aus Geist quillt, sei's selbst erfunden, sei's Anderen nachempfunden, mit Bewußtsein aufgefaßt oder in den Tiefen des Instinkts verborgen, nur das kann wieder in Geist und Herz der Schüler dringen. Eine Schule, an der alle, ja nur einige Lehrer, den Blick auf das Ziel gerichtet, ihres Weges inne zu werden suchen, wird ihre Wirkung auf Befähigung und Bethätigung der Schüler nie ganz verfehlen.
Aeheenlefe auf dem Gebiete der Pädagogik.
20 sDie Kränklichkeit der Lehrers
Es ist statistisch erwiesen, daß nach den Fabrikarbeitern, Bcrgleu» ten und Aerzten unter keinem Stande eine solche Sterblichkeit herrscht, als unter den Lehrern aller Kategorien, und an körperlichen Schwächen, welche gerade nicht zum Tove fuhren, aber doch in den Berufsarbeiten hindern, kommt kein Stand ihnen gleich. (Bergl. die Jahresberichte der Gothaer LebenS-Versicherungs-Anstalt.) An den höheren Schulen ist mindestens die Hälfte kurzsichtig und Viele daneben augenschwach, an rheumatischen Beschwerden, an Halsübeln kränkelt gewiß der dritte Theil, und wer vermöchte, das ganze Heer der Uebel her- zuzählen, worunter sie leiden! Sobald dieses Uebel eine Folge der sitzenden Lebensart und der geistigen und gemüthlichen Anstrengung ist, welche den Umgang mit Kindern unzertrennlich begleitet, müssen wir es freilich geduldig ertragen, sofern es aber Folge verkehrter und ab. änderbarer Einrichtungen ist, wie könnte man davon schweigen? Die Krankheit des Lehrers ist ja eine Krankheit der ganzen Schule, und nicht bloß dann, wenn sie dieselbe ganz unterbricht, sondern schon, sobald sie ihn zwingt sich zu schonen, und ihm die Hingebung und Freundlichkeit benimmt, die ihn in seinem Amte keinen Augenblick verlassen dürfen. Daß aber wirklich die Kraft des Lehrstandeö ohne Nothwendigkeit und über die Nothwendigkeit hinaus in Anspruch genommen wird, das läßt sich dem Unbefangenen leicht darthun. Nicht die öffentlichen Lehrstunden ruiniren unsere Lehrer, sondern der Privatun- ter richt, den sie aus wirklicher oder eingebildeter Noth von früh bis in die Nacht ertheilen, — (Hier und dort fangen schon die Gemeinden an, gegen die Privatstunden-Geberei zu protestiren und mit Recht. Doch läßt sich schwer eine gesetzliche Einschränkung machen.) — nicht das Studium für ihren Beruf entnervt sie, sondern das Studium für ihre Eitelkeit, die SchriststeUerei. — Und was die Volksschullehrer insbesondere betrifft, so werden sie größtentheilâ schon auf dem Se- minarium zu Grunde gerichtet. Man klostert sie da 2 — 3 Jahre, gerade während der stärksten körperlichen Entwicklung ein, um die übel- vorbereiteten Landjungen voll unverdaulichen Kenntnisse zu pfropfen; man läßt sie kaum schlafen aus Furcht vor dem über ihr Lebensglück entscheidenden Examen, und sendet sie dann mit mürbem Körper in Schulen von 100 und mehr Knaben. Die traurigen Folgen für die Schule liegen am Tage, zumal da für stellvertretende Versetzung des Unterrichts eines kranken Lehrers selten Vorsorge getroffen wird und getroffen werden kann. Da kann es nicht Wunder nehmen, wenn viele Kinder, welche bas Unglück haben, einen kränklichen Lehrer zu besitzen, nach einem viel entsprechenben Anfänge zurückgehen, mit wenig Kenntnissen aus ver Schule heraustreten und auch dieser bald wieder verlustig gehen. sCurtman.)
Schuichronik.
sS chulinspektionJ Dem Defmmksvërwälter Pfarrer S/kep zu Ems ist die Schulinspection über die Schule zu EmS und Kemmenau übertragen worden.
Druckfehler-Berichtigung und Anzeige.
In dem Aufsatz: Eine deutsche evangelische Nationalkirche Nr. 19 des Kirchen- und Schulblattes ist statt: diese Zeit will einer ernsteren Befreiung aber auch der Losgebundenheit und Leidenschaften, drohet da der auf einmal ohne G o t t in den Sturm rc. ist zu lesen: diese Zeit will einer edleren Befreiung, aber auch der Losgebundenheiten aller Kräfte und Leidenschaften, drohet da der auf einmal ohne Halt in den Sturm re.
Spalte 1, Zeile 28 : statt Geltpunkt ist zu lesen: Haltpunkt.
Spalte 2, Zeile 17: statt Feier lebendiger Gliederung nach langer Knechtschaft und Zerrissenheit zur reich gefegten Wirklichkeit, ist zu lesen: freier lebendiger Glieder nach langer Knechtschaft und Zerrissenheit zur reich gesegneten Wirklichkeit bringt.
Spalte 3, Zeile 31 : statt im lebendigen Zweig lebt und sich fühlt und davon stark ist, soll es heißen: ein lebendiger Zweig lebt und sich fühlt und daran stark ist. Zwei Zeilen weiter statt: obgleich man ihr, lieü: obgleich man ihnen (den Urkunden.)
Spalte 3, Zeile 7 von unten: statt daran lies dann; statt Religionserziehung lies Religionserweisung.
Spalte 4, Zeile 14: statt des lies das; Zeile 41: statt Andeutung lieü Bedeutung; Zeile 48: statt Hause lies Haupte.
Anzeige.
Zugleich aber freut sich der Verfasser, hinzufügen zu können, daß in der großen Angelegenheit, für die der Aufsatz sprach, eben jetzt eine Versammlung auf den 21.September nach Wittenberg berufen worden ist, wozu gewiß viele evangelische Männer auö ganz Deutschland kommen werden, denen die Einheit und das Heiligthum ihrer Kirche wahrhaft am Herzen liegt. Möge Gott seine Gnade und seinen Geist dazu geben! Hoffentlich wird auch aus Nassau Mancher sich dahin gezogen fühlen. /.
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.