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Ria MU,

Naffauischc Zsifung.

Freiheit, Wahrheit und Recht;

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Donnerstag, den JUL September. 18L8.

Für das vierte Quartal d. I. pro October bis December werden neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebst Allgemeines Kirchen- und Schulblatt" bei allen Postanstalten des Herzogtums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprov i- sion (ein höherer Pränumerationspreis kann contractlich nicht angefordert werden) angenommen. Außerhalb des Herzogthums beträgt der einvierteljährige Abonnementspreis fl. 2. 15 kr. bis fl. 2. 30 kr.; in Wiesbaden bei der Expedition am Frievrichsplat) fl. 1. 45 kr.

Man wolle die neuen Bestellungen und da, wo nur bis September abonnirt wurde, für den 1. October bei der nächsten Postanstalt zeitig machen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt.

Das wöchentlich zweimal zur Nassauischen Zeitung gratis beigegebene Allgemeine Kirchen- und Schulblatt kostet apart vierteljährlich bei der Expedition 36 kr., bei allen nassauischen Postanstalten incl. Provision 48 kr.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Amtlicher Theil.

Frankfurt, 12. September.

Zur Feststellung des Verhältnisses der provisori­schen Centralgewalt gegen die Bevollmächtigten der Landesregierungen ist nach dem Vorschläge des Mini­sterrathes von dem Erzhcrzog-Rcichsverweser die Aus­fertigung des folgenden Erlasses verfügt worden:

Von der provisorischen Centralgewalt für Deutschland.

Durch das Gesetz über die provisorische Central- gewalt vom 28. Juni 1848 ist der Wirkungskreis der­selben, sowohl was die Oberleitung des Heerwesens, als auch den völkerrechtlichen Verkehr und die Ausü­bung der vollziehenden Gewalt in allen AiigelegenHei­ken/ welche die allgemeine Sicherheit und Wohlfahrt des deutschen Bundesstaates betreffen, festgestcllt worden.

In diesem Gesetze ist in §. 14 die Bestimmung enthalten, daß sich in Beziehung auf die Vollziehungs- Maßregeln, so weit thunlich, mit bett Bevollmächtigten der Landesregierungen ins Einvernehmen zu setzen sei.

Bereits unterm 15. Jujj ML bot, sich die pro; vMpischc Centralgewalt dahin aubgcsprocheii, daß sie bei Ausübung ihrer Befugnisse und Verpflichtungen auf die vertrauungsvolle Mitwirkung aller teutschen Regierungen zählte, mit denen sie nur ein gemeinsa­mes Ziel erstrebe, und daß sie, wie sic hierbei auch auf freimüthige Mittheilung rechne, diese auch stets zu beobachten wissen werde.

Diesem ihrem Ausspruche getreu, glaubt sie, da nun von beinahe allen Regierungen Bevollmächtigte bei der Centralgewalt ernannt sind, übec^ihre Bezie­hung zu denselben sich erklären zu sollen.

Die Eentralgewalt erkennt die Größe und Wichtig­keit ihrer Verpflichtungen; sic weiß, daß ihre Lösung in der Kraft und Entschiedenheit bei ihren Anordnun­gen bedingt ist, und daß, wenn auch den gerechten Ansprüchen der einzelnen Staaten Rechnung getragen werden soll, die Einheit Deutschlands vor Allem erstrebt

A Deutschlands Ghre! Deutschlands Schmach!

Dom Abhang des Westerwaldes, 10. Sept. .

Wiederum hat es einmal geschienen, es solle der ' alte Fluch auf Deutschland ruhen; daß die Federfuchser verdarben, was die Schwerter gut gemacht haben, oder doch leicht gut machen konnten. Schonwiederum scheint es, daß die fremden Mächte die deutschen Angelegen­heiten zu unserem größten Nachtheile, zu unserer tiefsten Schande richten unb schlichten sollen! Die sauberen Waffeisstillstandsbedingungen zwischen Deutschland, resp. Preußen und Dänemark liegen vor uns; und wir müssen gestehen, daß wir kaum Schmählicheres und Entehren­deres für ersteres erwarten konnten. War je ein Ausstand gerecht, so war der Schlcswig-Holstei..s; war je ein Krieg, wie um Deutschlands Ehre, so um seiner Interesse willen, geboten, so war cs der gegen Dänemark! Nach tangerem Zögern nahm.den» dieser auch einen schönen Äufsa wimg, und jeder Patriot^ gab sich der Hvffmmg hin: Dänemark wegen seiner Treu­losigkeiten und Ungerechtigkeiten derb gezüchtigt und Deutschland einmal nach außen kräftig vertreten zu sehen. Allein mitten in der Siegesbahn mußte dieses inuchalten, während die Däne» fortfuhren, seine Schiße zu kapern, seinem Handel und Wohlstände die empsinv- llchsten Wunden zu schlagen. Das Berliner Cabinel horchte in seinem engherzigen Preußenthum hierhin und dahin und sah als drohende Gespenster englische, fran­zösische, russische und schwedische Schiffe und Heere; es verbuchte deßwegen einen Waffenstillstand, der so schimpf­lich für Deutschland war, daß er nie recht an das Tageslicht kommen durfte. Mittlerweile war eine deutsche Eentralgewalt mit einem verantwortlichen Reichs Ministerium ernannt, die jenen Vertrag verwarf; auch erklärte der brave Wrangel,er werde nur für Deutsch­land ehrenvolle Bedingungen eingehen." Das Reichs- Ministerium schien die Sache energisch betreiben zu wol- : U-n, als es so bedeutende Truppenmaffen nach Schles-

und gewahrt werden muß.

Mit diesen Grundsätzen ist das Verhältniß der Eentralgewalt zu den bei ihr Bevollmächtigten bezeich­net. Es wird darin erkannt, daß durch sie die Voll­ziehung der Beschlüsse der Eentralgewalt vermittelt, befördert und erleichtert werde, ohne daß ihnen die Befugniß eingeräumt werden könnte, auf die Bcschliiß- nahme der Centralgewali entscheidend einzuwirken oder irgend eine eollektive Geschäftsführung auszuüben.

Die Eentralgewalt behält es sich daher vor, nach Umständen unmittelbar mit den Regierungen der cl»- zelnen deutschen Staaten und deren leitenden Organen in Verkehr zu treten, wobei sie dergleichen Erwiede- rung entgegen sieht. Sie wird aber auch, nach Lage, sich wegen Durchsührung von Vollzichuugsmaaßregcln an die Bevollmächtigten selbst und allein, wenden, un in entspredjenbem Wege Deren Zuschriften entgegen nehmen, wenn dieser Weg ihr zur Förderung geeignet

erscheinen wird. , , . . .

Dabei wird die Eentralgewalt bedacht sein, durch Verkehr mit den Bevollmächtigten von den Wünschen, Bedürffnissen und Verhältnissen der einzelnen deutschen Staaten fortgesetzt sich zu unterrichten, und benfil cn jene Rücksicht ungeheißen zu lassen, die mit den al ge­meinen Interessen Deutschlands vereinbarltd; ist.

Frankfurt, am 30. August 1848.

Der Rcichsvcrwcser: (gez.) Erzherzog Johann.

Der Reichsminister des Innern: (gcz.) Schmerling.

Frankfurt, 9. Sept. Der Reichsverwefer hat heute um 2 Uhr dem Herrn Grafen Camlll vou Jvriey eine Audienz zum Behufe der Ueberreichung des Schrei­bens Sr. Maj. des Königs der Belgier ertheilt, durch welches derselbe als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister bei der provisorischen Cen- tralgewalt für Deutschland beglaubigt wird.

Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

Feindseligkeiten mit Dänemark nicht gleichgültig ange­sehen haben. Hat diese Betrachtung uns den schimpf- lichen Waffenstillstand gebracht, so wäre damit das ent­ehrende Zeugniß abgelegt: daß Deutschland nichts ist und nichts werden soll. Zeigen wir einmal dem Auslande, daß wir eine Nation sein wollen, und es wird uns als solche anerkennen, und nicht mehr Gesetze verschreibe». Wahrhaftig, wenn das Ausland noch fortwährend unsere Angelegenheiten ordnen, unsere Rechte bestimmen soll, so bedurfte es der Erhebung des deutschen Volkes nicht, so konnten wir im alten Drecke fort verehren, so lange es ging. Denn der Staat, der nicht eine achtunggebietende Stellung nach außen ein- nimmt, hat im JnncrcuZeine Kraft und Dauer. Zeigen wir einmal in der schleswig-Holsteinischen Angelegenheit, daß es uns Ernst ist mit deutscher Einheit, Macht und Ehre! und das stolze Albion, das renommirende Frankreich, das barbarische Rußland und das schwäch­liche Schweden werden anstatt sich um fremde Han­del zu bekümmern zu Hause die eigenen zahlreichen Schaden auszubessern suchen.*) Und mögen sie selbst kommen! Die deutschen Schwerter werden allen zu be­gegnen wissen und sie über die Grenzen zurückwcisen!

voller Fall ist einer schmachvollen Cristen; vorzu ziehen ! Der Sraat, der feine Selbstständigkeit und seine heilig­sten Rechte nicht zu schützen vermag, verdient nicht zu eristiren!

Von der Genehmigung oder Verwerfung des Waf­fenstillstandes hängt noch die Hauptfrage ab: soll es eine deutsche Volkösouveränität geben, oder sollen fort­während einzelne C a b i n e l s p o l i t i f e n die deutschen Angelegenheiten leiten? Bleibt der Waffenstillstand in Kraft, so sind die die deutschen Völker wieder der letz­teren lind Hunderttausende herrlicher Deutscher ihrem alten Bedrücker und seinen zahllosen Ungerechtigkeiten preis, gegeben. Ueberall tritt der Engländer mit Festig­keit und Selbstvertrauen auf, weil er weiß, daß er England repräsentirt und daß zum Schutze seiner Rechte die englische Flotte und das englische Heer bereit stehen. Und wir sollten Tausende solcher, die ächte Deutsche sind und es unter den größten Opfern bleiben wollen, fremder Willkür hingeben? Wir sollten sogar zugeben, daß eine angesehene, ächt deutsche Familie für heimath­los erklärt würde? Nie!

Warum aber hat man die wichtige schleswig-hol­

wig-Holstein entbot. Allein dort angekommen, mußten sie' müßig lagern, während die Dänen ungestört ihre Seeräubereien' fortsetzte». Waren ja doch wieder Waffen- stiUstanbsruiterffandlu n gcn zwischen dem preußischen n»d caniicßen Cablnete tm Gange, die uns dann endlich den sauberen Waffenstillstand von Malmö, vom 26. Aug., gebracht haben.

Dahlmann hat in seiner herrlichen Rede (leider ist es das Beste von Allem, was bis jetzt für Schles­wig-Holstein gethan worden!) gezeigt, daß die Zur Deutzchland so nachtheiligen und schimpflichen Beding­ungen nicht angenommen werden dürfen; das Rcichs- muufterium ist abgetreten. Von den Bedingungen des Waffenstillstandes schließen auf die dcö Friedens, trotz aller Diplomatischen Redensarten, denn wir wissen, wie wenig Wahrheit die Diplomatie kennt; dieser würde über alle Maßen entehrend und nachtheilig, und Deutsch­land im großartigsten Maßstabe in den April geschickt

Welche Entschuldigung hat man aber? Allenfalls die: Preußen habe durch den Krieg allzuviele materielle Nachtheile gehabt, als daß es nicht ein Ende desselben a tout prix habe suchen müssen? Wir entgegnen: will Preußen ein einiges Deutschland, >vill co selbst e>n Hauptpfeiler desselben sein, so muß es auch bereitwillig vorübergehende Opfer dafür bringen, die das Cablnet sicherlich für die dynastischen Itercssen gebracht hatte. Dieses letztere möge sich wohl hüten, dem grössten Theile Deutschlands gegenüber nicht noch mehr den Verdacht aus sich zu laden, es se- in Sonder,nteressen befangen und antideutsch. Oder will man sagen, die Fortsetzung des Krieges mit Dänemark habe uns mit einem allgemeinen Kriege gedroht; England, tfianO reich, Rußland und sogar Schweden wurden fernere

steinische Angelegenheit in die Hände des preußischen Cabmets und diesem gleichsam plein pouvoir gegeben? Warum ließ man die deutschen Truppen nicht ganz Jütland erobern und den braven General Wrangel den Takt ohne Noten schlagen, wie einst Blücher sagte? Warum ergriff man nicht die energischsten Maßregeln, um eine tüchtige deutsche Flotte zu bekommen? Das Vaterland hat mehr Hilfsquellen als irgendein anderes Land; und vom Frühjahre bis jetzt konnte in dieser Beziehung viel gefchehen. Dann konnte das winzige Dänemark dahin gebracht werden, daß es das große Deutschland kniefällig um Frieden bat und (in Gemein­schaft mit Schweden) ein Bündniß mit diesem als sein größtes Glück ansehen mußte.

Die schleswig-holsteinische Frage ist Deutschlands wichtigste; ihre Lösung ist seine Kraft und Ehre oder seine Schwäche und Schmach. Auch wir haben früher schon erklärt, daß daö Ausland gegen Deutschlands EiN- Heit allein ankämpft und in obiger Angelegenheit hat sondiren wollen, ob jene Einheit eine Wirklichkeit oder wieder eine bloße deutsche Träumerei sei.

Das Parlament hat zur Ehre Deutschlands den Waffenstillstand verworfen. DaS gesammte deutsche Volk aber muß beweisen, daß eS nicht bloß beim Gläserklange singen kann:

*) Oesterreich, das in so großer Noth ist, zeigt doch dem Auslande gegenüber in Beziehung auf Italien, daß Bangemachen nicht gilt. Wir glauben fest, daß es Frankreich bloß bei Nodv- mondaien bewenden lassen wird. Allein sollte cs mit den Was­sen interveniren, so wird und muß es seinen Mann auch hier finden. Wir kommen später vielleicht einmal auf diesen Gegen­stand zurück.