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^°- 109.

Naffauischc -Zeitung

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden,

Dâen^tÄg, veit R2. ^c^tembes?

isas

^ür das vierte Quartal d. J. pro Oct ob er bis December werden neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebst Allgemeines Kirchen- und Schulblatt" bei allen Poftanstalten des Herzogtums für fl. 2. 12 kr. incl. PostpHövi- sion (ein höherer PrauumeratlonspreiS kann comraetlich mcht «»gefordert werden) angenommen. - Außerhalb des Herzogthums beträgt der einv iertelsährige Abonnemcntspreis fl. 2. i5 fr. bis fl. 2. 30 ir. in Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz fl. 1. 45 fr.

Nlün wolle die neuen Bestellungen und da, wo nur bis September abonnirt wurde, für den 1. October bei der nächsten Postanstalt zeitig machen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt.

Das wöchentlich zweimal zur Nassauischen Zeitung gratis beigegebene Allgemeine Kirchen- und Schulblatt kostet apart vierteljährlich bei der Expedition 36 kr., bei allen nassauischen Poftanstalten incl. Provision 48 kr.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Amtlicher Theil.

Frankfurt, 8. September.

Der Reichsverweser hat die von dem Ge- sammt-Reichs-Ministerium zur Regelung der im schriftlichen Verkehr zwischen ihm und den Reichs­behörden, sowie der letztern untereinander und gegenüber von den Behörden und Beamten der Einzelstaaten zu beobachtenden hier unten folgen­den Formen der Ueberschrift, der Anrede und des Schlusses beantragten.Bestimmungen am 2. d. M. genehmigt und verfügt, daß hiernach von

Seite der Reichsministerien und Behörden fahren werde.

I. An den Reichs Verweser.

1) Aufschrift: an den Rcichsverwcser.

ver-

2) Der Reichsverweser hat folgende Anreve: hoher Reichsverweser, im Contexte: der hohe

Reichsverwesex, Sie und Kaiserliche Hoheit.

der Minister de ......

II. An die Ministerien.

1) Aufschrift und Ueberschrift, statt der Anrede:

An das Reichs-Ministerium de .... .

2) Im Context: das Reichsministerium.

3) Kein Schluß, sondern blos Ort und Datum, dann die Unterschrift.

III. An Vie

1) Aufschrift:

oder:

oder:

2) Anrede: oder: oder:

3) Statt der

Minister und Unterstaats- secretäre.

An den Ministerpräsidenten des Reichsministeriums, Herrn..... An den Reichsminister der ausw. Angelegenheiten, Herrn.....

An den Unterstaatssecretär im Reichsministerium des Innern, Herrn .....

Herr Ministerpräsident!

Herr Minister!

Herr Unterstaatssecretär! Schlußanrede bloß Ort, Datum

und Unterschrift.

IV. Die Anreden und Aufschriften Excellenz, Hochwohlgeboren rc. sind aufgehoben.

V. Die Reichsministerien gebrauchen, gegenüber von den Behörden und Beamten der einzelnen deutschen Staaten, eine gleich einfache Titulatur, wie sie dieselbe für sich selbst eingeführt haben.

Sie bedienen sich daher in der Ueberschrift und Anrede lediglich ?ber Amtsbezeichnung der be- .reffenden Behörden oder Beamten, ohne den Beisatz:Hoch" und ohneExcellenz" und ähn­liche Titel.

Der Ministerpräsident setzt unter Mittheilung Der beim Reichsministerium eingeführten Titula­tur die Einzelstaaten durch die Bevollmächtigten ihrer Regierungen hiervon mittelst eines Circular Schreibens in Kenntniß. Nur im Verkehr mit außerdeutschen Staaten und Behörden bleiben andere TitulaturenZnach dem Grundsätze der Reciprocität bestehen.

Nebersichten, Erörterungen

Aktenstücke.

und

A Zur Judenfrage.

V o in Abhang des W est e r >v a l d e s, 5. Sept.

(Schluß.)

Es ist mehr als abgeschmackt, ja es ist abscheulich, den Juden allein den eucher anfzubürden und gerade ihnen denselben zum Tedesvcrbrecheu machen zu wollen. Wenn Jemand Entschuldiguiig wegen des Wuchers ver­dient, so sind es gerade die Juden. Der christliche Staat schloß sie Jahrhunderte lang von Korporationen und Ständen, worin ein ehrenhafter Gewinn zu machen war, aus und ließ ihnen nur den Wucher übrig. Die deutfcheii Fürsten des Mittelalters waren indeß die Haupt- fchacherer, die Juden nurihre Untermäkler. Im deutschen 3teiche konnten sie von Alters her nur Geld und Mobilien er­werben und stets mußten sie schwer zahlen. Was blieb ihnen nun anders übrig, als dieses mit List von den Chirsten zu gewinnend Dazu nun noch die allgemeine Ver­achtung, die auch noch p$t im Blute des deutschen

.Philisterö .jlccki,â andlunaenundBeäCilnaen

eines rohen Pöbels! Wegen ihrer eigenen

und um alte n nmäßigen Forderungen zu befriedigen, waren die Juden auf den Wucher angewiesen, ja zettgt Vie Rachsucht mußte sie dazu treiben; konnten sie sich nicht an der Perzon ihres Drängers rächen, so rächten sie sich an seinem Beuiel. Hohn, Verachtung und Mißhandlung entsittlichen den Menschen immer mehr, daher der Wucher bei den Juden, daher ihre strenge Absonderung. Ein Jahrhunderte lang eingeschossener Rost kann nicht auf einmal wegpolirt werden. Daß der Wucher auch jetzt sich noch vielfach unter den Juden findet, laßt sich nicht leugnen. Allein sind die Juden schlecht geworden, so hat das Aflerchristenthuni uno eine verkehrte Politik es zu verantworten. Der Behaup­tung aber, daß alle Juden Wucherer feien, müssen wir entschieden widersprechen. Wir haben eben so ehr­liche Yen le unter den Juden als unter allen andern Religionögenossen getroffen. Wir haben dagegen unter unsern reichen Landöleulen und selbst unter den soge­nannten seinen Herren, die einen modernen Rock tra­gen und in nobler Gesell chaft ihre Schoppen trinken, armen Bergleuten, Handwerkern und Bauern 34 kr. monatlichen Zins für den preußischen Thaler abnehmen sehen. Da müssen sich doch wahrhaftig unsere Juden schämen, daß sie im Wucher ihre Meister gefunden haben.

Wir übergehen die übrigen ungerechten, perfiden, abgeschmackten Beschuldigungen Bauers und verweisen auf das gediegene Buch Grüns.

Sehen wir nun noch auf die Gegner der Eman­zipation der Juden, die im Glauben kein Hinderniß finden. Darunter gibt es nun solche, die nur vorü ver­gehende, wie solche, die best änbige Hindernisse sta- tuiren. Die erstem sagen: Die Juden haben in dem langen Drucke, worin sie gelebt, so manches angenom­men, was sie vorerst noch nicht geeignet macht, in die volle Gemeinschaft des Bürgerlebens ausgenommen zu werden. Ihre Mehrzahl ist sehr ungebildet; sie sind meist nur zum Handel, besonders zum Schachcrhandel, geneigt; andere Berufsarbeiten widerstehen ihnen; sie würden unsere Handels- lind Geiverbsleute ruiniren, wenn sie jetzt gleichgestellt würden. Sie sollen eman- zipirt werden,'aber nur nach und nach, nachdem sie dazu erzogen worden sind. Da haben wir wieder ein­mal den ächten deutschen Philister! Da haben wir die saubere Metlernich'sche Politik, in die Judensrage über­setzt. Das Volk ist nicht reif für die Freiheit, darum darf es sie noch nicht haben! Die Juden sind noch nicht der Emanzipation fähig, darum dürfen sie noch nicht emanzipirt werden. Lächerlich! die Juden haben die so heftig getadelten Schattenseiten nur unter dem Drucke angenommen und können sie nur in der voll­kommenen Freiheit ablegen. Auch unser deutsches Volk

war nicht reif für die Freiheit und wäre es unter Metternich und Konsorten nie geworden; es hat sich dieselbe errungen und reift bald für sie!

Die jWciten noch heftigern Gegner der Emanzipa« tion der Juden behaupten; Die Juden seien nicht blos eine verschiedene Neligionssekte, sondern ein verschiedenes Volk, mit einem ganz ausgeprägten, von dem unsern grundverschiedenen Typus und mit Eigeiuhümlichkeiten, gegen welche in unsern Völkern ein entschiedener Wi­derwillen vorherrsche; sie würden stets Fremde unter uns bleiben. Selbst ihr Religionsgebäude sei ein mehr politisch - soziales und enthalte unübersteigliche Hinder­nisse. Endlich mache die Juden ihr Zusammenhalten und ihr Scharfsinn gefährlich für die Christen und man dürfe sie nicht zu sehr aufkommen lassen, damit sie die­sen nicht über den Kopf wüchsen. Diese Gründe oder vielmehr Nichtgründe sind eben so philisterisch als der Wahrheit entbehrend.

Warum sollen unsere Völker einen entschiedene«. Widerwillen gegen die Juden haben? Kein Vernünf­tiger wird einen Juden verachten, weil er Jude ist. Mit demselben Rechte könnte uns einer zuwider sein, der einen andern Schnitt oder eine andere Farbe am Rocke trägt. Das vermag bloß jene Bornirtheit und jen Farbe für eine genugere Meuscheukiaffe erklärte. Der brave, vernünftige Mann achtet den braven, Ver­nünftigen, sei er beschnitten oder linbeschuitten. Zuge­geben auch, daß die Juden ein eigenes Volk seien und Eigenthümlichkeiten haben, die unsern Einrichtungen cnt- gegenstchen so läßt sich doch auch nicht leugnen, daß sie sich in Deuischland mehr oder minder germanist'rt, daß sie insbesondere seit der Zeit, wo der Druck gegen sie nicht mehr so unmenschlich war, bedeutende Fort« schritte gemacht haben und daß sie im Genusse aller Menschenrechte bald ganze Deutsche werden. Das Aller­lächerlichste aber ist, daß man von dem Zusammenhalten der Juden und ihrem Schärfst u Nachtheil für die Christen fürchtet. Es ehrt die Juden, daß sie in den Zeiten, wo sie von allen Seiten drangsalirt wurden, unter sich zusammengèhälten haben. Ihr Scharfsinn aber ist jedenfalls besser als Dummheit und wenn man ihnen deßwegen dci Emanzipation verweigern sollte, so müßte man alle gescheuten Leute in das Zuchthaus stecken, wenn ein gescheiter Kerl gestohlen hat.

Alle die so heftig getadelten Mängel der Juden haben ihren Grund in dem gegen sie ausgeübten Drucke; je härter dieser, um so entmenschlichter wird der Mensch; nur in voller Freiheit bildet er sich wahrhaft zum Men­schen. Gebt den Juden alle Menschenrechte und ihr werdet ihnen nicht mehr Vorwürfe machen können, als den übrigen Staatsbürgern. Die Erfahrung bestätigt euch dieß. In den Ländern, wo die Juden völlig emam zipirt sind, in Frankreich, Holland und Belgien, hat man in ihnen sehr gute Staatsbürger gewonnen. Sie werden es auch bei uns in der Freiheit treiben. Trotz allen Druckes und der daraus nothwendig entsprin­genden Charakterfehler haben die Juden außerordentlich viele gute Eigenschaften bewahrt. Sie sind ordnungs­liebend, pünktlich , gesetzmäßig; sie haben durchgängig Verstand, sind fleißig, mäßig, verschwiegen; ibr Fami­lienleben, ihre Armenpflege sind höchst lobeswerth; die Kriminalstatistik legt das günstigste Zeugniß für sie ab. Kurz, weder in ihrem Charakter noch in ihrer Religion liegt etaab, das ihre Emanzipation verhindert. Ge­rechtigkeit und Humanität machen es dem Staate zur Pflicht, sich durch Emanzipation der Juden Tausende guter Staatsbürger zu erwerben. Der sogenannte christliche Staat hat unendlich an den Juden gesün­digt; der vernünftige Staat muß diese Sünden süh­nen. Denn den einen Grundsatz muß er festhalten: Ohne den Juden gewährte Rechtsgleichheit k e i n v o l l st ä n d i g c s R c ch l!

Darum getrost, ihr Juden, weder Hr. Moritz Mohl noch andere ähnliche Zopfträger werden es verhindern, daß euer Messias erscheine!