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gelingen, auch dem schon erwachsenen, aber bisher im Schönschreiben verwahrloseten Jünglinge, welcher die Schreibkunst als aufgedrungenes Handwerk und den Unterricht darin als überflüssig betrachten pflegt, Theilnahme daran einzuflöffen und die Menschenbildung durch daö Schöne auch von dieser Seite zu befördern. (F ö h l i s ch.)
Ueber den Unterricht in der Naturgeschichte.
Lehrer, die auch nicht eine Ahnung von ächter Naturgeschichte haben, hatten sich zum Vortrage derselben berufen; schlimm genug, wenn sie den Unterricht ohne innerem Drang vorschriftsmäßig lehren müssen. Ein tüchtiger, mit der Natur vertrauter und für ihr Studium begeisterter Lehrer, der auch dafür in seinen Schülern Enthusiasmus zu erregen vermag, ist ein Haupterforderniß: und da ist die Methode leicht gefunden. Daß hierbei gleichfalls ein systematischer Gang späterhin eingeschlagen werde, ist wegen größerer Ordnung und Bestimmtheit, die dadurch daö ganze Naturstudium erhält, sehr empfeh- lungSwerth. Vorzugsweise mag jedoch der Schüler mit der umgebenden lebenden Natur bekannt gemacht werden, indem man stets auch die durch Kunst veränderten Naturprodukte berücksichtiget, und überall auf die technische und ökonomische Anwendung hinführt. Nur von wichtigen ausländischen Gegenständen, die wir nicht lebend erhalten können, sind todte Exemplare und Kupfer vorzuzeigen, allein nicht leicht dergleichen von einheimischen. Keineswegs nämlich wird das Kind z. B. die Giftpflanzen aus Kupferstichen oder gar getrockneten Pflanzen hinlänglich erlernen, und sie dann in der freien Natur wieder unterscheiden, sondern der Lehrer muß sie unmittelbar selbst im Freien aussuchen, und von andern unterscheiden lehren. Nur auf solche Weise wird der Unterricht wirklich nützlich und fürs ganze Leben von höchster Wichtigkeit, da jeder andere leicht verfliegt und kaum eine Spur zurückläßt.
Durch überall zweckmäßig angebrachte Bemerkunaeu-wird ferner stets der fromme Sinn des _ura»n^lèrk "Gëinüths geweckt uno eine Bildung begründet /"dlè' , da allerwärts das Walten und die Vaterhuld der Gottheit erkannt wird, dem ganzen folgenden Leben eine höhere Bedeutung und Weihe verleiht. (I. C. Z.)
Verbesserung der deutschen Sprache.
Ich dachte gerade an den Weltverbesserer in der Erzählung: „der Kürbis und die Eiche" und wurde dadurch an folgende, freilich schon etwas betagte Geschichte erinnert.
Es mögen wohl noch nicht zwanzig Jahre her sein, als die Vorsteherin und Lehrerin eines Töchterinstituts W * * von ihren Schülerinen alle unregelmäßigen Zeitwörter regelmäßig conjugiren ließ. Die Dame, scheint es, hat daS linde E sehr geliebt, der Wohlklang hat ihrem Ohr wehe gethan. Wie euphonisch ist nach obiger Abwandlungöweise folgendes Beispiel:
Ich rufete (rief) meinem Bruder, der in der Laube sitzete (saß) und meinem Oheim auS Schiller vorlesete (las).
Eine solche Sprechweise erinnert an daS verketzerte Deutsch unserer Handelsjuden.
Auf diese Weise wollen wir unsere kernige, deutsche Sprache, wenn gleich sie auch verbessert werden kann, nicht verbessert wissen. W.
Auch eine Ansicht über die Emancipationfrage.
Der Erzbischof voon Gnesen und Posen hat am 12. August eine Verfügung an sämmtliche Geistliche erlassen, worin die von den Lehrern angeregte Emancipationsfrage als der Reli
gion Gefahr bringend bezeichnet wird, — und in welche die katholischen Lehrer nur deßhalb mit eingestimmt hätten, weil sie mit den protestantischen Lehrern in Gemeinschaft den Versammlungen beigewohnt hätten. (Pos. Zeit.)
Geschichtliches.
Vor einem halben Säculum und etwas später gab es auf dem Westerwalde — sicherlich auch anderwärts — noch Schule«, in welchen der Schreibunterricht für Mädchen vom Schulregiment verpönt war. Man hat in der damaligen liebearmen Zeit die sogenannten Liebesbriefe gefürchtet und es nicht gerne gesehen, daß dem schönen Geschlechte die verderblichen Hyro- glyphen entziffert werden sollten. Die Besorgniß war allzuweit getrieben. Manche brave Hausfrau war und ist heute übel daran, daß sie in ihrem ausgedehnten Geschäfte die Kunst zu schreiben nicht versteht. Nicht das Schreiben, wohl aber das Lesen verderblicher Romane, hat schon manche ehedem brave Tochter in namenloses Unglück gestürzt. Die Tochter, welche in der Furcht des Herrn erzogen ist, wird nie daö Nützliche mißbrauchen, was ihr ein tüchtiger Unterricht geboten hat.
Uebrigens ist eö doch weit erträglicher, die drei Kreuze einer Frau als Unterschrift in vorkommenden Fällen zu bemer- ken, als wenn Männer im kräftigsten Manneöalter auf diese Weise die Ehre deö Jahrhunderts schänden und, wie dies auch noch vier und da der Fall ist, ihre Namen mit fff unterzeichnen. W.
Miscellen.
38. Welchen Werth Gefühlsbildung hat, sagt Jean Paul in seiner Selina S. 123 mit folgenden Worten:
„Der GlMx ruht nicht auf einzelnen Beweisen wie auf Pfählen »nv-Msieii, die man nur umzubrechen braucht, um ihn umzu- stürzen, sondern er wurzelt mit tausend unsichtbaren Kasern: auf dem breiten Boden des Gefühls. Daher kann manMtand' zum Verstummen widerlegen, ohne ihn doch zu überzeugen; das Gefühl überlebt die Einsicht, wie der Schmerz die Trost- gründe."
Aehrenlefe auf dem Gebiete der Pädagogik.
19. sDie Dictir - Methode.)
Die Dictir-Methode ist unter allen die einfachste, leichteste und bequemste für den Lehrer, der bei Anwendung derselben sich nicht viel mit Fragen, und für den Schüler, der sich eben so wenig mit Antwort zu quälen braucht. Am Ende des Vierteljahrs hat denn der Schüler ein artiges Heft und, wenn einzelne Abschnitte des Heftleins gelesen, abgefragt und überhört werden, so können Schüler und Lehrer bei der Prüfung sich trefflich hervorthun. — Wie meist alle guten Methoden erst entstellt werden und dann in Mißkredit gerathen, so ist's auch der Dictir-Methode ergangen. Mancher Lehrer trägt vor und verlangt, daß die Schüler nachschretben sollen, d. h. er dictirt so langsam, daß nothwendig ein schlechtes Heft entstehen muß. Viele neuern Pädagogen und leider solche, denen man nicht gern widerspricht, sagen auch geradezu: Dict i ren sei eine schlechte Methode und höchstens auf Universitäten zu dulden, weil da darauf ankomme, ob einer etwas lerne oder nicht. Eine so einfache Methode wird aber darum nicht aus der Welt verschwinden. Ja, wenn die neuen Pädagogen nur etwas Besseres an die Stelle zu setzen hätten! Bei der entwickelnden Methode kommt man nicht von der Stelle, und was sie dialogische Lehrform nennen, bildet nur Raisonneurs, die zuletzt gar keine Raison mehr annehmen! (Pädagog. Wörterbuch von Hellweg.)
Schulchronik.
sDillenburgJ Am 30. August ist der pensionirte Elementarlehrer Flick mit Tode abgegangen.
sBrandoberudorf.j Auf Antrag des Ortsvorstandes ist einem jeden der beiden Elementarlehrer in Brandoberndorf, dem Lehrer Chun und Wey el, eine Remuneration von 60 fl. bewilligt worden
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.