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deren er sich im Wchmuthsschmerze erinnert. Die GemüthS- welt der Jugend drückt dem ganzen innern Menschen einen Stempel auf, der sich nie verwischt und nach dem es ihm unter fremden Volke nicht wohl wird, weil dasselbe nicht mit ihm fühlt und denkt. Daher wollen wir als Lehrer und Erzieher der Jugend sorgsam wachen, daß wir das Jugendleben unsern Kindern angenehm machen, daß wir ihnen keine unschuldige Freude verkümmern und selbst durch Kinder- und Jugendspiele, Schul- und Familienfeste (einfache, prunklose: das Kind bedarf keine theuern mit Geld erkauften Freuden).
Den Ernst des Lernen würzen Turn- und andere Jugendspiele, wie z. B. das erheiternde Ballspiel bilden die Fortsetzung und Erweiterung jener Jugendlust und beleben daS Gefühl für Gesetzlichkeit und Gemeinsamkeit. Vor Jahren sah man diese Art der Ergötzung in der Nähe jedes Ort von Alt und Jung genießen; in der neuern Zeit war daS anders und fängt eben jetzt in dem Turnerleben an, sich neu zu gestalten. Soviel ist gewiß, vergessen wir nicht, die Heimathliebe tief in dem Gemüth zu begründen, dann gehen wir auch sicher, die Vaterlandsliebe die eigentlich nur eine Heimathliebe im größerem Maßstabe ist, zu entzünden und zu pflegen.
Der Ruf der Trennung der Schule von der Kirche.
Wie die Männer des Rückschrittes dem Volksunterrichte nur eine geringe Kraft auf das Volksleben einräumen, seinen unermeßlichen Einfluß aus die Nationalwohlfahrt verkennen und ihm mißtrauen, so huldigen die rücksichtslosen Eiferer des Fortschritts dem entgegengesetzten Irrthume. Sie wollen den Volks- schnlunterricht nur wie bloße Lehrsätze einer Wissenschaft gefaßt, verstanden, begriffen und vorgetragen wissen, ohne sich darum zu bekümmern, ob die Schuljugend durch diese Lehrsätze erzogen, erbaut, im Gemüthe erwärmt, im Wandel geleitet, im Guten belebt und gestärkt, für ein sittlich-religiöses Leben herangebildet und stark gemacht werde. And^Drejenigen, welche der Modefreiheit der neuern Zeit huldigen und- von einer großen Selbstüberschätzung befangen und nach theatralischen Schaustellungen strebend, im Sturmschritte die ihnen angewiesene Sphäre überschreiten, sind es allzumal, von welchen der Ruf nach Lösung des innern Bandes, welches Kirche und Schule umschließen soll und dessen Wiederherstellung oder Befestigung alle edleren Geister erwünschen und erstreben, immer lauter erschalt.
Arbeitet vor allen Dingen an Euch selber und machet Eure Schule zu Tempeln, und erziehet durch Gesinnung und That, durch Lehre und Beispiel Eure Zöglinge zu Kindern Gottes! Segen und Ehre allen denjenigen Lehrern, welche in diesem Sinne leben und wirken!
Miscellen.
31. Es hat Jemand behauptet: Die Frauen, von welchen man am wenigsten spreche, seien die Besten. Ich glaube mit den Schul- lehrern verhält es sich eben so.
32. Die Angst vor dem Pfaffenthum bringt uns zuletzt um die Religion.
33. Das Centralisationssystem ist eine der schlimmsten Feindinnen einer gedeihlichen Schulentwicklung.
Feste Grenzen muffen wohl gestellt sein; aber innerhalb dieser: Freiheit für die individuelle Entwicklung auch der kleinsten Schul- Anstalt.
34. Dem Kinde müssen die in schönem Ebenmaße sich aus einander entwickelnden aristokratischen Grundoperationen so in besondern Zahlen vorgeführt, und so ost selbstthätig von ihm ausgeübt werden, daß es unwillkürlich zu dem Bewußtsein des Verhältnisses dieser Operationen zu einander und ihrer Entwicklung auseinander gelangt.
35. Der Lehrstand wird in demselben Grade an öffentlicherLAch- tung gewinnen, als die bürgerliche Gesammtheit, wovon er einen Theil bildet, an wissenschaftlicher Ausbildung zunimmt; denn der gebildete Mann steigt und fällt in der Wagschale der öffentichen Wertschätzung mit der Zahl der Weisen und Thoren. fThierschJ
36. Die Stadtschullehrer find verhältnißmäßig weit übler daran, als die Landschullehrer, nicht blos rücksichtlich des Gehaltes, sondern auch der Arbeit. Denn fie werden von der Last der Disciplin erdrückt.
37. Sehr sorgfältig hüte sich der Lehrer vor ungegründeten Tadel; sonst erbittert er. Wäre dieß doch einmal geschehen, so scheue er sich nicht, den unvorsätzlich ungerechten Tadel zurückzunehmen, eine Art Ehrenerklärung zu geben. Dieß wird ihm, weit entfernt, ihm in seinem Charakter zu schaden, vielmehr die Zuneigung seiner Schüler in hohem Grade erwerben. Gerade die Lehrer, die alle ihre Aussprüche als Orakel und unwiderrufliche Sentenzen angesehen wissen wollen, haben gemeiniglich das wenigste Ansehen; denn an wirkliche Zuneigung und Liebe ist für einen solchen stets auf dem Dreifüße fitzenden Orakelmann ist nicht zu denken. fGedikeJ
Aehrenlese ans dem Gebiete der Pädagogik.
18. ^Literatur der Schulbücher.)
Gegenwärtig ist in der Schulbücherliteratur eine wahrhaft chaotische Verwirrung. Man braucht nur das halbjährige Verzeichniß der neu erschienenen pädagogischen Schriften durchzulaufen, um sich eine augenscheinliche Vorstellung davon zu machen, und überzeugt zn werden, daß selbst in dem Felde der Romanliteratur kein ärgeres Uebermaß und Verderbniß herrsche, als in dem Fache der Schulbuchschrei- bcrei. Hunderte an Lesebüchern, Rechenbüchern, Liederbüchern, Denkübungen , sokratischen Behandlungen, Katechisationen, Sprachlehren, Kinderfreunden, Leitfäden, Handbüchern, worin ein Ragout der empirischen Wissenschaften zusammengetragen, Singanleitungen, Methoden- büchern, Vorschriften u. s. w. zeugen sowohl von dem Treiben der modernen Pädagogen, als von ihrem geringen Verstände an dem, was die Elementarschule sagen und leisten soll. Alle Professoren aller deutschen Universitäten zusammengc- nommen schreiben über sämmtliche Wissenschaften ihrer vier Fakultäten in einem Jahre nicht so viel, als die fast ohne Ausnahme in gründlichem Wissen ganz unbewanderten Schul- und Erzichungsfreunve.
sEd. GlanzowJ
Schulchronik.
sCaub.f Dem Lehrer Geiß ist auf Antrag des Stadtvorstandes eine persönliche Gehaltszulage von 60 fl. vom 1. Januar l. J. an bewilliget worden.
Der Lehrer Stoll zu Stangen, Amt Wehen, ist zum Lehrer in Dachsenhausen und Lehrer Wagner in Dachsenhausen zum Lehrer in Stangen mit dem I. Oktober d. J. ernannt worden.
Briefkasten.
DaS Herzog!. Schullehrer-Seminarium in Idstein
wird von einem Freunde des Schulwesens, welcher diese ehrwürdige Pflanzschule der Volksschullehrer und die Bestrebungen der Herren Seminarlchrer sehr hoch hält, mit Beziehung auf Nro. 16 des Kirchen- und Schulblattes S. 63 ersucht: „die Marimen der alten Regierung, welche in den letzten Jahren mehr und mehr dahin zielten, den ganzen dortigen Bildungsgang auf ein handwerksmäßiges Fertigmachen zu beschränken," zu veröffentlichen, und zu erklären, ob und daß dasselbe die anvertrauten Zöglinge „handwerksmäßig fertig gemacht," d. h. geistlos dressirt habe.
Sehr viele dankbare Zöglinge des Seminars, welche mit Segen wirken, fühlen sich durch diese oftmals erhobene Beschuldigung beunruhigt und verletzt.
B ruckfeh ler-Berichtigung.
In dem durch Nro. 5 bis 7 fortlaufenden Artikel: „Versuch über die Stellung der Kirchenglieder re." find durch ein Mißverständniß die Ueberschriften verwechselt worden. Es muß heißen: A. die Geistlichen; B. die Decane; C. die Kirchenglieder. Nebrigens sollte, wie aus der Haupt-Ueberschrift zu ersehen ist, der letzte Abschnitt voranstehen.
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.