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Briefe vom 1. September, Gerüchte verbreitet, als ob es schon zum activen Widerstände in Schleswig-Holstein gekommen sei, ja es war sogar die, indeß nach neriesten Briefen ungegründete Nachricht verbreitet, daß m^lcl, Schleswig und Rendsburg die Republik proklamirt werden solle oder gar schon proklamier worden >ei. — „Durch ein Schreiben der proviiornchen Regierung, beißt es in dem Briefe, „erfahren wir weben, daß nach Bekanntwerdung des WaffenMstandsabschluffes das ganze Land in große Bewegung gerathen sei, gewiß ist, daß 4 schleswig-holsteinische Reg,meuter sich gegen,eilig verbündet haben, einem unehrenhaften Waffenstillstand sich in keiner Weise zu fügen. Die Stimmung iß auch bier eine solche, daß nach dem Einlaufen dieser Nach richten tie schon beschlossene Freilassung der hier in Stade verhafteten dänischen Kriegsgefangenen wieder aufgeschoben ist."
Schleswig-Holstein. Zu R e n d s b u r g erregten die Gerüchte, daß auch die Festung den Dänen ringe- räuint werden sollte, großen Mißmuth. Zn Rendsburg sollte eine Bürgerversammlung gehalten werden und man sah stait der deutschen Cocarde hie und da eine rothe, republikanische anstauchen.
— Die „schlesw.-bolst. Zlg." sagt in einem Artikel: Ist die Resignation unsere einzige Tugend? wie folgt: Es ist mancher schon je^i der Meinung, daß Deutschland im April sicherer gethan bätte, mehr zu wagen; und nicht Wenige, die bisher keineswegs an eine neue Umwälzung dachten, sind durch die letzten Ereignisse gebellt worden von ihren constitutionellen Sympathien. Unser Widerstand hier kann in einer Zeit, wo Alles wandelbar ist, und heute wankt, was gestern felsenfest stand, vielleicht von unberechenbaren Folgen sein. Aber Muth müssen wir baden, wir müssen auf uns vertrauen, auf unser Recht und unsere Kraft, das ist das wahre Gottvertraren"
Apenrade, 29. August. Am 24. und 28. d. M. hat General v. Wrangel in Begleitung des seit dem 22. d. M. dem Hauptquartier attachirtcn Prinzen Friedrich von Baden, eine Recognoscirung im Sunde- wilt bis Nübelmühle, resp, gegen die jütische Grenze, bis nahe an Kolbing unternommen, und dabei zugleich die Truppen besichtigt, deren Cantonnements auf den betreffenden Wegen berührt wurden. Heute hat nun "^der General in Folge dieser Besichtigungen einen Armeebefehl erlassen, worin er sich sehr befriedigend aus- spricht.
HttSlttttd.
Nepublik Frankreich.
Paris, 31. Aug. Die zu spät erfolgte friedliche Vermittlung Frankreichs und Englands wird endlich wohl eine bewaffnete Intervention von Seiten Frankreichs nach sich ziehen, die, auf dem Punkte, wohin jetzt die Differenzen zwischen Oesterreich und Italien gelangt sind, die Dimension eines allgemeinen europäischen Krieges annch- nien könnten. Der politische Barometer, die Börsencourse, sind seit einigen Tagen wieder in stetem Sinken begriffen. Oesterreich scheint nicht gesonnen zu sein, auf sein wieder erobertes lombardisch-venetianüLeS Königreich Verzicht zu leisten, und gibt den französisch-englischen Vermittlern ausweichende Antworten; die Lombarden und Venetianer bestehen hartnäckig auf ihre Unabhängigkeit, und unsere Regierung sieht sich durch das Stillschweigen Oesterreichs in die Nothwendigkeit versetzt, ihre Truppen marschiern zu lassen. Wenn auf die letzte Depesche, die vor einigen 'Zagen von hier aus an das österreichische Cabinet abgc- gangen ist, keine sofortige entscheidende und günstige Antwort erfolgt, so wird der Krieg unvermeidlich. Cavaig- nac, der in dieser, wie in jeder andern Angelegenheit sehr besonnen verfährt, ist nicht der Mann, der vor den konsequenten eines einmal nothwendig gewordenen Schrittes zurückweicht. „Er werde nicht dulden," sagte er gestern zu den Abgeordneten der Lombardei und Venedigs, zu den Herren Mengaldo und Bargnani, die mit ihm conferirten, „er werde nicht dulden, daß Mailand und Venedig in der Macht der Oesterreicher bleiben." — Eine imposante Streitmacht der besten französischen Truppen steht an der italienischen Grenze. Am Rhein wird
jetzt ebenfalls ein BeobachtungscorpS zusaminengezogen. Man ist auf einen Krieg mit Oesterreich und nöthigcn- foüö mit Deutschland und Rußland gefaßt. — Sämmtliche Blätter wiederholen ein Gerücht, das gestern in der Nationalversammlung verbreitet war, wonach 4000 Mann in Toulon eingeschifft und Venedig zu Hülfe geschickt werden sollen. — Zn den ofsicicllen Kreisen spricht man viel von einem möglichen Kriege mit Oesterreich. Zur Volke dagegen hat der Enthusiasmus bedeutend nachgelassen. Es kümmert sich viel mehr um seine materiellen Interessen. GibtS Krieg, dann wird der Wirrwarr noch ärger, als er schon ist, und die Noth wird aufs Höchste steigen. — Der Kampf zwischen den Legitimisten und den Communisten in Montpellier hat blutig geendet. — Wichtige "Nachrichten auü Wien! ruft der „Courier". Zwischen Karl Albert und Oesterreich ist Friede geschlossen; Alles ist aufs Beste arrangirt; dem Erzherzog Rainer, chcmaligerlombardisch-venetianischerVicekönig, Schwiegervater dcö sardinischen Kronprinzen (Prinzen von Sa- voyrn-Carignan) sei dieses schöne Resultat zu danken. Laut demselben entsagt König Karl Albert der Lombardei, ferner entsagt er im Namen seines Sohnes, des Herzogs von Genua, der Krone von Sicilien und endlich zahlt er sechs Millionen an Oesterreich.
Großbritannien.
London, 2. Sept. (Die Neutralität Englands bei einem Ausbruch des Kriegs.j Die gestern hier cinge- troffene Kunde von dem Abschlusse eines siebenmonatlichen Waffenstillstandes, übte nicht die erwartete günstige Einwirkung aus die Course, weil gleichzeitig verlautete , daß Oesterreich die Vermittelung Frankreichs und Englands entschieden abgelehnt habe. Letzteres ist zwar bis heute noch nicht amtlich bestätigt worden; die Fonds blieben aber bei der herrschenden Besorgniß wegen des Ausgangs der italienischen Frage heute ziemlich flau und es wurden wenig Börsengeschäfte gemacht. Allgemein ist man übrigens nach dem „Globe" in der City der Ansicht, daß England, falls unglücklicher Weise der Krieg ausbrechen sollt., sich klüglich ganz neutral verhalten werde, da es vom Anfänge an sich jeder Drohung mit feindseligem Einschreiten für den Fall, daß seine freundschaftliche Vermittelung abgelehnt würde, durchaus enthalten habe.
Aus Dublin wird unterm 31. August berichtet, daß dort eine Anzahl bewaffneter deutscher und zwar größten- theils preußischer Auswanderer, die mit einem Londoner Dampfboote anlangten, von der Polizei verhaftet, entwaffnet und nach dem nächsten Polizei-Bureau geführt wurden. Da keiner von Ihnen Englisch verstand, so ward ein Dolmetscher geholt und eS ergab sich, daß die für verdächtig gehaltenen Deutschen sich am 31. Juli zu Antwerpen nach New-Jork eingeschifft hatten, um sich im Innern der Vereinigten Staaten anzusiedeln. Das Schiff, welcher noch 300 andere Passagiere führte, wurde leck und mußte zu Plymouth einlaufen. Da die Auswanderer hörten, daß die Ausbesserung des Schiffes sechs Wochen erfordere, so entschlossen sie sich, über Dublin und Liverpool nach New-Jork zu gehen, um nicht zu viel Zeit zu verlieren, und fuhren, nach Zurücklassung ihres Gepäcks und eines Theiles ihrer Familien auf dem Schiffe zu Plymouth, auf dem londoner Dampfschiffe „Athlone" nach Dublin. Der Polizeibeamte ließ sie nach Ermittelung dieser Umstände frei und befahl den Constablern, ihnen bei der Abfahrt nach Liverpool, die noch am Abend erfolgen sollte, die weggenommenen Flinten rc. wieder zurück zu geben.
— Im Unterhaus« kündigte gestern Hr. Hume an, daß er beim Beginne der nächsten Session den Antrag stellen werde, daS HauS solle erklären, daß es, da das Parlament in seiner jetzigen Zusammensetzung die Bevölkerung, daS Eigenthum und den (Seroerbfleiß des Landes nichtgehörig vertrete, ratsam sei, zur Abänderung dieser Sachlage dem Wahlrecht eine größere Ausdehnung zu geben, die Abstimmung durch geheimes Scrutinium einzuführen und tie Dauer der Parlamente auf 3 Jahre festzusetzen. — L ord Palmerston zeigte an, er habe am Morgen eine Abschrift des zwischen Preußen und Dänemark abgeschlossenen Waffenstillstandes empfangen, der wahrscheinlich heute ratisicirt sein werde; mit der Ratification werde sofort die Einstellung der Blocade be
ginnen. Ferner erklärte der Minister auf Befragen, ruf« fische Truppen seien mit Einwilligung der türkischen Regierung in die Moldau eingerückt; ihr Aufenthalt daselbst werde aber nur temporär sein; sie sollten dort die Ordnung herstellen, und hätten keinen weitern Zweck oder Absicht. Das Hauâ vertagte sich sodann biü zum Montage. — Das Oberh aus hielt heute eine kurze Mit- tagssitzung, in welcher eine Anzahl Bills theils durchs Comite gingen, theils zum dritten Male verlesen und angenommen wurden.
Italien.
In R o m ist schon wieder ein neuer Kriegsminister ernannt: Latour hat abgedankt oder abgelehnt, und jetzt ist für ihn ein Graf Lovatelli von Ferrara ein- getroffen, um angenehmen Beschäftigungen entgegen zu gehen. Denn da nun nicht inarschirt wird, so bleiben dem Gouvernement alle jene Leute, die sich zum Fr-i- willigen-Dienst erboten haben, zur Last und vermehren die Schwierigkeiten. Sonst herrscht eine dumpfe Ruhe in Rom, die auch für den, der nicht weiß, was sich vorbereitet, etwas Verdächtiges hat. Und in der That spricht man von Munitionsaufkanfen und allerlei Ver- suchen, das Volk der Lethargie zu entreißen, der es anheimzufallen droht. — In Genua waren am 24. v. M. die abenteuerlichsten Dinge über Rom verbreitet. Der Papst, hieß es, fei gefangen, 3 Cardinale ermordet und die übrigen von Rom geflüchtet. Diese neuesten Nachrichten aus Rom haben die Landbevölkerung sehr entrüstet. Ihre Stimmung ist schon seit einiger Zeit sehr unvorteilhaft gegen die Stadt Genua, deren wohlhabende Einwohner, wie sie meinen, den Krieg mit Oesterreich herbeigeführt haben, um den gemeinen Mann, der fast ausschließlich den Kriegsdienst verrichtet , haufenweise zur Schlachtbank zu führen. Da die Rädelsführer der Kriegspartei in Genua notorisch alle kirchlichen Zustitutione» verhöhnen, so laßt sich leicht erachten, daß die Landgeistlichen sich wenig bemühen, diese Stimmung der Bauern zu ändern. Seitdem sie von der Angst und den Gefahren des Papstes gehört haben, ist der Haß aufs Aenßerste gestiegen, und sie drohen, nach Genua zu kominen, um die Stadt an allen Ecken in Brand zu stecken. Zugleich ist ihr Haß gegen die Tedeschi gänzlich erloschen.
Neueste Nachrichten.
Frankfurt, 5. Sept. [72. Sitzung der Nationalversammlung. Wiedereröffnung 11% Uhr.I Dahlmann als Berichterstatter legte in einer ausgezeichneten Rede die Gründe dar, weßhalb der von Preußen abgeschlossene Waffenstillstand von der Nationalversammlung nicht zu ratiftciren sei. Von mehrer» Rednern der Linken wurde der Antrag unterstützt. Die Rechte und die Reichsminister vermögen nichts gegen den gewaltigen Eindruck, den Dahlmanns Rede auf die Versammlung ausgeübt hat. Nachdem Wurm für Dahlmann als Berichterstatter daS Wort ergriffen, wird zur Abstimmung geschritten und der Antrag der Majorität der vereinigten Ausschüsse mit 238 gegen 221 Stimmen mit namentlicher Abstimmung in folgender Fassung angenommen : Die Nationalversammlung beschließt die Sistirung der zur Ausführung des Waffenstillstandes nöthigen militärischen und andern Maßregeln. Der Antrag der Minorität wird mit 244 gegen 234 Stimmen verneint. (Die Minorität war für Genehmigung.)
Die Sitzung wird gegen 7 Uhr Abends geschlossen.
Nach dieser Abstimmung hat das gcsammte Reichsministerium seine Entlassung eingegeben. Herr Dahlmann soll sogleich zu dem Erzherzog Reichsverweser berufen worden sein.
Nebst „Allgemeines Kirchen- und Schnlblatt Nr. 21."
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Druck und Verlag von Vv ilholm Friedrich am Friedrichsplatz. — Redaction unter Verantwortlichkeit des Herausgebers Wilhelm Friedrich.