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des Aeußern die auf die Limburger Frage bezüglichen Aktenstücke vorgelegt und der Druck derselben von der Versammlung beschlossen worden war.

Nassauisches.

W Kammer - Verhandlungen.

38. Sitzung.

Wiesbaden, den 7. September.

In der heutigen Sitzung wurde mit der Berathung des Gemeiiidegesetzes fortgefahren. Es wurden bera­then die §§. 8, 9, 10, 11. Der Entwurf der Negie­rung wurde mit vielen wesentlichen Abänderungen an­genommen.

Näheres morgen.

Die nächste Sitzung ist morgen Mittwoch den 8. September.

Tagesordnung :

Fortsetzung der Berathung des Gemeiiidegesetzes.

Pelltiouoberlchte.

Theater!

^ fl Montabaur, den 31. Ang. 1848.

Nach Wiesbaden haben eine Menge Bürger aus allen Theilen des Landes sich übergesiedelt, sie haben ihr Vermögen im frühern Wohnorte veräußert, versilbert und betreiben damit sie nährende Gewerbe. Fremde Capitalien finden bei dieser Rührigkeit sichern Unischlag das Arbeitseinkommen aber nährt seinen Mann. Die Verwendung der Einnahmen einer großen Reihe Angestellter mehrt den Umschlag: das ist die Bühne des wirklichen Lebens man vergrößere dieselbe und der Wohlstand der Stadt wird seine Rückwirkung aus das ganze Land nicht versagen. Ein starkes Bienen­volk lebt im Ueber flug ein kleines stirbt: daß man zur rechten Zeit füttert, darin liegt die große Idee für das materielle Wohl eines Staates.

Ueber das bittere Mehl zanken die Oberlahnstcincr heute noch mit der Regierung; die Anschaffung von Saatfrüchten, die Ernährung der Aermsteu wir wollen die Bezeichnung mit Schneeschöpfen anerkennen, denn in einem gewissen Städtchen verdienten die Tage­löhner damals 600 fl. und alle diese Summen, welche einer gewissen Bürgcrelassc aus Staatsmitteln zur Unterstützung hingewiesen waren, sie stehen vereinzelt in größerem Maßstabe wie die 40,000 fl. zum Be­triebskapital in der Stadt Wiesbaden. Leben und leben lassen ist ein bekannter Gemeinplatz, cs betrifft diesmal die Handwerker m Wiesbaden.

--Wir können nicht erzählen, welche Summe durch das bestehende Theater in Wiesbaden von Hand zu Hand geht, aber cs muß eine Wahrheit sein, daß viele Handwerker zu Grunde gerichtet sind mit seinem Aufhören. Der Schaden, welcher der Gemeinde zuge­fügt wird, daß ihr Capital, welches zur Erbauung des Theaters, jetzt zur Ernährung vieler Bürger, selbst unserer zugezogenen Verwandten, verloren geht es wird in den Folgen schlimmer sein, als gegenwärtig von den Statisten begriffen ist Jene 16 Deputaten nebst den neun andern, wir müssen denselben alle Kennt­niß der Landesverhältnisse absprechen oder sie fröhnen einem Sonderinteresse, welches in größerem Umfange ins Leben tretend, das gejammte deutsche Vaterland unglücklich machen wird. In Wien, in Berlin, in München haben wir blutige Aufstände der Arbeiter ihr Nothstand ist der Wühler; ans dem Gerümpel der zusammen gest firmen StaalSgebaude kann der Schreiner keinen Stuhl, keinen Leisten machen es fehlt Allen an Arbeit; um den Schutt hinwegzuräumeu sind Andere berufen, sie beziehen 5 Gulden 30 Kreuzer Tagelohn. Diese Erscheinung, sie verschwindet zur Beurtheilung des Augenblicks, spurlos bei den Sechszehn! Man Hai im Herzogthum Gew erbcve reine gebildet, ist bemüht, einen Fond zur Unterstützung des Gewerbestandes zu schaffen, man hat diese Nothwendigkeit anerkannt und in Wiesbaden besteht durch das Theader ein solcher Fond, welcher keineswegs partikulär ist, aber man setzl denselben außer Thätigkeit, weil man keinen hinreichen­den Zuschuß geben will. Wahrlich, die Dcpnlirten nahmen vor ihrem Beschluß keine Erfahrung des poli­tischen Lebens auf, aus welchem sie selbst, freilich durch ein Mißverständniß, größten Theils doch hervorgingen wir dürfen versichern: das Volk hat bisher mehr gelernt und wird es eintretcnden Falles beweisen!

Man tadelt die Demonstration der Wiesbadener Gesellschaft für Freiheit, Recht und Ordnung der Tadel mag in der Form begründet sein, aber in der Sache fragen auch wir, worin liegt das Unrecht, daß man sagt: die Depulirten wüßten keinen verständigen Gebrauch von ihrem Mandat zu machen, sie zerrissen die Ordnung des Bestehenden und bei den wichtigsten Fragen seien die Abstimmenden nicht einmal vollzählig wodurch eben sowohl die Freiheit beeinträchtigt ist. Daß die Ordnung zerrissen wird in den Theilen, welche nach den bisherigen Bestimmungen das Materialver- mögen verwalteten, darum geschieht die Reorganisation; deß man aber die Bedingungen der Reorganisation darin findet, das Materialvermögen des Landes, wie in der Zehntfrage für Alle, in dem Zuschuß zur Erhal­tung des Theaters für sehr Viele in Lebensfrage stellt, P ein Beweis, daß unsere Dcpniirtenkainmcr die De­vise: Freiheit, Recht und insbesondere Ordnung im Prinzip sich nicht aneignen will. Wir aber, wir wollen weder todt geleckt noch todt gebissen werden!

Das ganze Land spaltet sich bei dieser Thealerirage in Für und Gegen. Man kömmt selbst nicht einmal zu Landleulen um mitunter ein recht gesundes Urtheil zu vernehmen. Es wird bald aus dem Gesichtspunktc der freien Gemeindeverwaltung, bald aus Liebe zur Wohlfahrt des Landes gebildet. Die Anhänger der freien Gemcinvewaltung, welche z. B. auf einer Kirch­weihe 300 fl. aus dem Gemeinbevermögen in einem Tage verjubeln, dieser Genre sagt ganz â la Caliban: Wir wollen eben so gut ein Theater hier haben wie die in Wiesbaden. Wir müssen zugestehen, daß diese Ansicht etwas Einschmeichelndes besitzt und cs würde unserem Prosper Ehre machen, wenn mit einem Worte jeder Ort, jede Stadt auf einmal Wiesbaden, überall solche Capitale coucemrirt wären und Shakspeare dürfte kühn seine lustigen Weiber von Winsor in die lustigen Männer von Wiesbaden travestiren. Allein wenige Manner sind uns bis jetzt begegnet, welche bei der Bemerkung, daß das Capital zur Erbauung des Theaters nicht vom Staate, sondern von der Stadt gegeben wurde, nicht sogleich gesagt hätten, daß sie lieber kein Theater haben wollten gerade wie sie den Bestand und seine Con- sequenzen anerkennen.

Wir dürfen versichern: die Zehntfrage hat im gan­zen Lande heißes Blut gesetzt und die Theaterfrage kühlt dasselbe keineswegs ab. Alle, welche die Wohl­fahrt des Vaterlandes lieben, gestehen ein, daß der ganze Zuschuß für das Bestehen des Wiesbadener Theaters nuf breiter Basis zur Unterstützung des Gewerbestandes gegeben werden müsse gerade wo die hohe Besteuerung der dortigen Bürger» in ihrem Beiträge zur Anschaffung von Brod- mit) Saatfrüchten, von Schneeschöpsen und bitterem Mehl kein Sonderinteresse kund gegeben hätte»; oder Wiesbaden dürfte in toller Consequenz alle Zu­züge erpülsiren das hieße aber dem Staate Arbeite- binnen ausstoßen, nicht futtern! des Landes Wohl eben so gut gefährden!

Tagesgeschichte.

Deutschland.

Frankfurt, 3. Sept. sTrauerfeierlichkeit für die in Italien gefallenen Krieger, j Die österreichischen Ab­geordneten in der deutschen Nationalversammlung haben für die in Italien gefallenen Krieger eine Trauerfcier- lichkeit veranstaltet, die gestern Vormittags in dem Dome abgehalten wurde. In dem Schiffe der Kirche, die mit würdigem Ernste geschmückt war, prangte ein Katafalk von Waffen gebildet, mit Trophäen umgeben; die Na­men der denkwürdigsten Schlachtfelder, mit Kränzen um­geben, zierten seine Wände, der Hut eines Generalen uno der Tschako eines Gemeinen ruhten auf dem Sarge. Vier Säulen, aus Waffenstücken zusammengesetzt, umga­ben bad Trauergerüfte, ober weichem die deutschen und österreichischen Fahnen reich sich entfalteten. Der Erz- Herzog-Reichöverweser, eine große Zahl Abgeordneter aus allen deutschen Ländern mit dem Präsidenten der Natw- na.Versammlung, das preußische und österreichische Ossi- ziercorps der Bundesfestung Mainz und Abgeordnete der Mannschaft aller Waffengattungen, der Senat von Frank- ;urt mit den Behörden, alle hier anwesenden deutschen Officicre und jene der Bürgerwehr waren in der Kirche erschienen, in der die Bürgerwehr die Ehrenwache ver­sah, und deren Räume überfüllt waren. Der Abgeord­nete der Nationalversammlung Al.is Flir aus Innsbruck sprach die Trauerrede in tief ergreifenden Worten. Der Abgeordnete Beda Weber aus Meran hielt daS Hochamt, während welcher Cherubini'o Trauergesänge ertönten, und als die Priester Ine Einsegnung vollzogen, erklang die Melodie der österreichischen VockShymne in leisen Accor- ten. DaS deutsche Heer wird in der Weise, in welcher man hier gefallene Helden ehrt, erkennen, wie innig be­freundet ihm jene sind, die die friedliche Umgestaltung unsers schönen Vaterlandes zu bewirken berufen wurden.

(Frkf. O.-P.-Ztg.)

Julius Fröbel ist an die Stelle des verstorbenen Dr. Wirth zum Abgeordneten in die Nationalversamm­lung von den reußischen Landen gewählt worden.

Gießen. Aus der über die lehren bedauerlichen Vorfälle in Gießen cingeleitcten gerichtlichen Untersuchung hat sich leider ergeben, daß wirklich ein Bürgergardist, ein Bäckermeister von Gießen, den tödtlichen Schuß auf den Studenten Pfannmüller gethan hat.

Oesterreich. Wien, 31. Aug. (Stenogr. Cor.) sVerwirrung in der Reichötagösitzung. Erörterung und Annahme des Lasser'schen Antrags. Oeffentliche Ruhe.) Die Kammer war heute in vollkommener Verwirrung. Die Verhandlungen über den Kudlich'schcn Antrag sollten endlich ihr Ende erreichen, doch bis zu diesem Augenblicke ist dies nicht geschehen, obwohl das Princip der Entschä­digung, um welches so lebhaft gestritten und woraus so« gar eine Eabinetsfrage gemacht worden war, die Ober­hand behielt. Der größte Theil des Vormittags wurde dazu verwendet, gestern gefaßte Beschlüsse wieder zu ver­werfen. Die Linke benutzte die Stimmung des Augen­blicks zu verschiedenen Manövern; sie verließ einmal gänzlich den Saal, als sie aber vernahm, daß die Zahl der zurückgebliebenen Mitglieder noch beschlußfähig sei, kehrte sie sogleich wieder zurück. Protest, Zwlschcnrcden der verschiedensten Art wurden eingeworfen, der Lärm erreichte einige Mal eine so beispiellose Höhe, und die Versammlung gerieth in so außerordentlichen Zwiespalt, daß die.Selbstbeherrschung und der Glcichmuth des Prä­sidenten Strobach dazu gehörten, die Ordung im Ganzen einigermaßen ausrecht zu erhalten. Der Losscsische Antrag,

schon gestern als Ausdruck der Majorität bezeichuct, wurde auch heute als Hauptantrag behandelt, so daß der Kud- lich'sche Antrag neben diesem in den Schatten tritt. Die Punkte desselben, wie sie amenbirt und angenommen wur­den, sind folgende: 1) die Unterthänigkeit und daS schütz- obrigkeitliche Verhältniß ist aufgehoben; 2) Grund und Boden ist vollständig zu entlasten; 3) alle aus dem Un- terthänigkeitöverhältnisse entspringenden Lasten salâ Zehn- ten, Robot re.) hören auf. Diese drei Punkte wurden einstimmig angenommen. 4) Füc den Wegfall der per- . sönlichcn Lasten ist keine Entschädigung zu leisten (wurde mit großer Majorität angenommen). 5) Für den Wegfall der Natural- und Geldlasten ist baldigst eine billige Ent­schädigung auSzumitteln. (Ueber diesen Punkt ward mit Namensaufrufen entschieden, nachdem die Sitzung zehn Minuten lang suspendirt worden war, um den, der deut­schen Sprache nicht kundigen Mitgliedern den Antrag verständlich zu machen. Das Resultat war: 174 Stim­mn für, 144 Stimmen gegen Entschädigung. Majo­rität 30. 36 Mitglieder enthielten sich der Abstiinmuug, was berechtigt, die eigentliche ministerielle Majorität höher anzuschlagen.) 6) Eine aus Abgeordneten aller Provinzen zu bildende Commission hat einen Gesetzesentwurf auözu- arbeiten über den Maßstab und die Höhe der zu leisten­den Entschädigung und über den aus den Mitteln dec be­treffenden Provinz zu bildenden Fonds, aus welchem le- ciglich die für die betreffende Provinz zu berechnende Entschädlgungsquote durch Vermittlung deS Staates getilgt werden soll. 7) Patrimonalbchördcn haben provisorisch auf Staatskosten zu verbleiben. DaS Ministerium der Finanzen veröffentlicht heute die morgen beginnende Emis­sion von LpCt. Kassaanweisnngen . in Beträgen von 30, 60, 120, 240, 4b0, 960 fl., welche als Baarzahlung von sämmtlichen S aatskassen angenommen werden. Für Zahlungen, welche vom Auslande hierher geleistet werden sollen, dürfte diese Geldsorte besonders zu empfehlen sein. Obwohl Ruhe herischi, so sind doch die Mauern mit Anschlagzetteln bedeckt. Die radicale Pr.ffe wirs von dein Zorn der beleidigten Nationalgarde stark ver­folgt; jo soll z. B. Häfner, Redacteur vcrConstitution", mißhandelt, und jetzt sogar verschwunden sein.

Wien, 30. Aug. D eWiener Zeitung" schreibt; Nach den heutigen Nachrichten aus Mailand vom 26. b. M. war Karl Albert fortwährend in Alessandria. Sein neues Ministerium, in welchem sich die Grafen Alfieri de Sostegno uno St. Martin als Minister d s Aenßeren befinden, prognosticirt e.ne friedliche Ausgleichung mit dem Marschall Graf Radetzky. Aus dem in Turin und Alessandria veröffentlichten Programm seines neuen Mi­nisteriums geht deutlich hervor, daß sich nach erhaltener so derben Lektion der Traum der italienischen Einheit, womit Karl Albert und sein nun zersplitterter Anhang nach den Märztagen schwanger ging, jetzt auf einen ita- ueur,a-e.n Zollverein und poiiki,cheii Bund der iranenisdien Regierungen reduc-rk. Garibaldi hat sich biâ 24. b. M. noch nicht ergeben. Er zog sich, von unseren Trup­pen gedrängt, bis an die äußerste Grenze der Schweiz zurück.

Aus Padua wird vom 27. d. M. gemeldet, daß der sardinische Admiral Albini den größten Theil seiner Truppen und des Kriegsmaterials eingefasst hatte, und daß er Venedig definitiv am 1. September mit Allem verlassen wird. Die herrschende Partei, unter Maniu, will trotzdem noch nichts von einer baldigen Cap.tulation wissen.

Preußen. Berlin, 31. August. Es ist jetzt keinem Zweifel mehr unterworfen, daß die Cholera auch in Berlin epidemisch geworden ist.

Am 31. August liefen in Stettin die beiden aus freiwilligen Beiträgen erbauten KanonenjollenCon­cordia" undGermania" vom Stapel. Nach dem ein­stimmigen Urtheil aller Sachverständigen haben sich die beiden Kanonenjollcn als dem Zwecke in jeder Beziehung entsprechende Fahrzeuge bewährt.

'Nach einer Angabe and Wismar in der Ro­stocker Zeitung, die aus dem Munde dcö Hrn. V. Below selbst herrühren soll, werden die Fricdensuntcrhandlungen zwischen Deutschland und Dänemark in Lübeck (nicht, wie neulich gemeldet, in London) Statt finden.

Berlin, 31. Aug. (Das Gesetz über Aushebung der Todesstrafe, vom Könige noch nicht genehmigt.) Es erregt Befremden, daß die Genehmigung des Königs zu teilt von der Nationalversammlung angenommenen Ge­setz, die Aufhebung der Todesstrafe betreffend, noch nicht erfolgt ist; man spricht von nicht geringen Schwierigkei­ten, welche die Erledigung dieser Angelegenheit macht, und der Justizminister Märker würde unzweifelhast zurück­treten, wenn diese Schwierigkeit nicht beseitigt wird. Es könnte sein, daß auf diese Veranlassung hin die wichtige Principienfrage erörtert würde, ob die Nationalversamm­lung den Charakter einer conäituircuden oder vereinba­renden Versammlung habe; ein deßfallsiger Antrag, die Versammlung wolle sich conflituirenbe nennen, liegt be­reits seit längerer Zeit vor, ist aber noch nicht auf die Tagesordnung gekommen.

Hessen-Kassel. Kassel, 2. September. Gestern Abend wurde unsere Stadt durch den Gencralmarsch dcr Bürgergarde aUarmirt. Vor verschiedenen Bäcker­laden hatten sich Haufen Volks versammelt und begon­nen, die Fenster einzuschlagen, in die Hauser ein- zudringen und die darin befindlichen Mobilien zu zer­trümmern. Der Grund hiervon ist, daß die polizei­liche Brodtare gestern nm % Heller das Pfund erhöht wurde. Diese Erceste wurden fast unter den Augen der Dürgerwehr verübt und es dauerte über 1 Stunde und nachdem mehrere Läden fast gänzlich verwüstet wa­ren , ehe energisch eingeschrittcn wurde. Es erscheint