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Naffauischr Seifung
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Nölkes!
Wiesbaden, Dienstag, den 5. September. 1848.
Neue Bestellungen auf die „Nassauische Zeitung" nebst „Allgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogthums für fl. 2. 12 kr. incL Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.
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Uebersichten , Erörterungen und
Aktenstücke.
Preußische Sonderäußerungen.
Wie eine höhnende Antwort auf die unter dem ^Zeichen in der Fr. O.-P.-A.-Z. erschienenen Besprechungen des Verhältnisses Preußens zur Centralgewalt, deren Grundgedanken ist: Preußen ist durch seine Re volntion der Centralgewalt anheim gefallen, kann jetzt nicht mehr aus freieigenem Willen als Großmacht auf- treten, und muß entweder in Deutschland verbluten oder den Versuch wagen, mit dem Schwert ein neues Deutschland an die Stelle des jetzt erstehenden zu setzen —- wie eine höhnende Antwort darauf klingt es, wenn die „Berliner Nachr." schreiben, es fei „widersinnig", wenn Preußen der hieher gelangten Aufforderung der Centralgewalt nachkommen wolle, sieben Ar- meeeorps mit einem Bestand von 310,000 Mann zur Disposition zu stellen. Man (wer?) habe auch nach Frankfurt (an wen?) geschrieben, Preußen könne nicht allein 310,000, sondern 500,000 Mann ins Feld rük- ken lassen, „doch dürfe cs wohl diese nicht so ohne weiteres dem Reiche zur Disposition stellen." Und weiter fährt der Aufsatz fort: die reichsministeriellen Organe würden freilich nunmehr „das bekannte^Zelcr- geschrei gegen die von Berlin aus gepflegten Souder- intereffen erheben." Wahrend aber dieß Geschrei gegen Preußen unterhalten werde, sey es bekannt, daß es wiederum Preußen gewesen sich. welches neuerlich eine Million Thaler nach Frankfurt geschickt habe, um dem dringenden Geldmangel daselbst 'abzuhelfen, (dem widerspricht der eben erst von Hru. v. Beckerath in der Panlskirche verlesene Bericht über den Bestand der Reichscasse, bei Rothschild deponier), was „kein anderer Staat konnte oder wollte." Dieß sollten die preußischen Abgeordneten in Frankfurt bedenken, und ihm diejenige '„Stellung sichern, welche Preußen in Deutschland gebührt." Und wie spricht sich dasselbe Blatt in Bezug auf die Regelung der dänischen Frage aus? Ihre entscheidende Lösung werde durch Englands und Frankreichs Intervention wohl nur auf einige Tage aufgehalten werden. Aber Preuße n werd, auch in dieser Frage jetzt den Weg gehen, welchen „ihm seine Vage verzeichnet, und selbst Frankfurt kann nur bis auf einen gewissen Grad maßgebend für uns sein, denn wir haben hier unserer eigenen Provinzen Wohl zu wahren, und wahrlich im Sinne Deutschlands genug geopfert." Während man solchermaßen dem Sonderpreußcnthum schmeichelt, erscheint
doch das Verhältniß zwischen dem Volk und den obersten Mächten, sowie dieser niiteeeinander keineswegs zu einer gar festen Einheitlichkeit gediehen. So steht jetzt ein Veto gegen einen Reichstagobeschluß bevor, da der König (Niirnb. Corr.) durchaus nicht geneigt sein soll, die Abschaffung der Todesstrafe zu sanctioniren. Ferner erhalten wieder Mitglieder der Reichsversammlung von ihren Wählern Mißtrauensadressen, verbunden mit der Bitte um sofortige Niederlegung ihres Mandats, ©o (nach dem Nürnb. Corr.) Prof. Bauerband eine Adresse in diesem Sinne mit 20,000 Unterschriften; so ferner Hr. v. Meusebach. Die Zustimmungsadres- sen sind nur selten. (A. A. Z.)
Ueber die Gesandten des Reèchsverwcsers in Frankreich und England.
Zu unserem lebhaften Erstaunen vernehmen wir, daß die Anerkennung der von dem Reichsverweser nach Paris und London abgeorbneten Gesandten von Seiten der französischen und englischen Regierung auf Anstände gestoßen ist. Wahrscheinlich hat man gegen sie geltend gemacht, daß die Centralgewalt nur eine provisorische Regierung sei, und daß man mit einer solchen wohl geschäftliche Verbindungen (officiöse) zu unterhalten plege,, wie denn deren auch in Frankfurt unterhalten werden, daß man die Besetzung der Gesandschafts- posteu aber bis zur Einsetzung der definitiven Regierung, oder doch bis dahin verschieben müsse, wo man die Ueberzeugung gewonnen J?abe, dass die neue^Re- gi^ung auch hinreichende. Üia^uH &e tu^ tung eines regelmäßige» (ofsiciellen) Gefandtschasts- verkehrs darbiete. Wir wissen, daß man dieser Ansicht von verschiedenen Seiten Eingang zu verschaffen sucht. Gleichwohl liegt ihr ein großer Irrthum und ein gänzliches Verkennen deutscher Verhältnisse zu Grunde. Die Nationalversammlung und die Centralgewalt sind, wie wir schon öfter ausgefüyrt haben, keine revolutionären Institutionen. Sie sind in gesetzlicher Form aus den Institutionen des alten deutschen Bundes hervorgegangen. In der Gesammtvertretung Deutschlands hat keine Unterbrechung stattgefunden, und somit kann es auch keinen Unterschied machen, ob die Centralgewalt nur eine vorübergehende oder eine definitive Form dieser Vertretung sei. Wir wollen uns nicht auf den schalen Satz stützen, daß alle politischen Institutionen nur provisorische seien, wozu uns Frankreich den nächsten Beleg liefern könnte, vielmehr gehen wir davon aus, daß die Ordnung der innern Angelegenheiten Deutschlands Sache der deutschen Nation sei, und daß cs fremden Nationen nicht zu
komme, dasjenige zu bemäkeln, was sie als die legale Form ihrer StaatSeinrichtüng anerkannt und prokla- mirt hat. Hierin sind sämmtliche deutsche Regierungen, sämmtliche deutsche Volkstämme mit der Nationalversammlung und der Centralgewalt einverstanden, und es ist daher gemeinsame Sache aller Deutschen, der Staatsform, die sie sich selbst gegeben, Achtung und Anerkennung zu verschaffen. Nun gibt es aber für eine große Nation nichis dcmüthigendercs und kränkenderes, als wenn ihre Repräsentanten, wenngleich unter höflicher Form, nicht über die Schwelle fremder Regierungen gelassen werden, man ihnen vielmehr Bedingungen ihrer Zulassung setzt. Eine große und mächtige Nation sagt, ich bin, weil ich bin, und meine Anerkennung liegt in der Macht, die ich besitze, meinem Willen Nachdruck zu geben. Indessen versteht es sich von selbst, daß im diplomatischen Verkehr keine Stufe zu überspringen ist, daß vielmehr alles aufgeboten werden muß, solche Anstände auf freundlichem Wege zu beseitigen. Sollte jedoch durch Anwendung dieser Mitel Verzögerungen entstehen, durch die der Würde der deutschen Nation zu nahe getreten wird, so ist in solchen Fällen nach den Grundsätzen der Reciprocität zu verfahren. Diese Reciprocität würde unter den Oermaligen Verhältnissen darin bestehen, daß die Gesandschaften sämmlicher deutschen Höfe, mit Einschluß derer von Oesterreich und Preußen, auf den gleichen Fuß gesetzt würden, auf den die Gesandtschaften Frankreichs und Englands in Frankfurt gesetzt sind, wobei wir bemerken, daß bis zur Stunde Lord Cowley., keinen biplomatzschLu CüapajM yahier entfal- TH such imi^itU.ai»sfr-^r-nfr«M> ^ 6»«f<^rt0« .----
träger, mithin seinen eigentlichen Repräsentanten dahier besitzt. Sonach wären die Gesandten sämmlicher deutschen Höfe in Paris und London abzuberüfen und nur das nöthige Personal zu Besorgung der laufenden Gc- schäfte zurückzulassen. Sollte die Ankündigung einer solchen Maßregel nicht zur Anerkennung der Reichs- gcsandtcn in Paris und London führen, so sollte nach unserer Ansicht das Reichsministcrium keinen Anstand nehmen, die gedachte Maßregel zur Ausführung zu bringen. Da indessen auch der Vollzug gesichert sein muß und diesem durch die bcstehenden diplomatischen Verbindungeit vielfache Hindernisse in den Weg gelegt werden könnten, so würden wir den Rath ertheilen, die gedachte Anordnung als Ersuchen der Centralregierung an sämmtliche deutsche Regierungen öffentlich zu verkünden, und die Folgeleistung der Ehre der deutschen Nation, den deutschen Negierungen und der deutschen Stäudeversammluugen zu übertragen. Hierin würde zugleich ein Prüfstein liegen, wie weit cs in Deutschland mit dem Gefühle für die Geltendmachung
Die Cholera.
(Nach der Augsb. allg. Zeitung.)
24. August. Als im vorigen Jahre die Cholera Europa näher rückte, dann die Grenze überschritt und in Rußland auftrat, verbreitete sich Furcht und Schrecken vor der Wiederkehr ähnlichen Jammers, wie unö die Krankheit schon früher gebracht. Beunruhigt und zugleich getröstet durch die angeblich durch Ansteckung erfolgende Verbreitung der Krankheit, forderte man die Staatsgewalten auf zur Fernhaltung des Uebels; durch Absperrungen hoffte man sich von neuen Besuchen der Seuche sreizuhalt.n. Wir haben damals (Allg. Zeitung 8. Oct. Beilage) uns bemüht, in Erinnerung zu bringen, daß die Erfahrungen ter dreißiger Jahre in keiner Weise für die Nützlichkeit der Absperrungen sprachen, daß im Gegentheil ungeachtet der fast allgemein ins Leben gerufenen Cordone und Contumazanstalten die Cholera denn doch ihren Lauf nach Westen vollendet und so ziemlich Europa durchseucht habe. Wir forderten auf, die Cholera als ein unvermeidliches, unausbleibliches Uebel zu betrachten, und demgemäß sich vorzubereiten zu ihrem Empfang — nicht mit Herrichtung von Cordon- und Contumaz-Stationen, sondern mit Zurüstung von ärzlicher Hülfe und von allem dem, was die LebenSnothdnrft der Armen und Dürftigen erheischt. Als später bei dem Näherrücken der Cholera an die russisch-deutsche Grenze die Besorgnisse vor dem dcm- nächstigen Ausbruch zunahmen, ja tausend Gerüchte bald
da, bald dort in Deutschlands Gauen den wirklich erfolgten Ausbruch der gefürchteten Krankheit verkündeten, sprachen wir (Allg. Zeitung 21. December Beilage), gestützt auf den früheren Gang der Seuche, unsere volle Ueberzeugung dahin aus, daß wir in diesem Winter (18‘’/„) in Deutschland, oder doch in Süddeutschland von der gefürchteten Krankheit noch frei bleiben werden. Das hat sich bestätigt. Die Cholera schritt über Moskau , das bereits Mitte September war ergriffen worden, nicht hinaus, und erlosch im Laufe des Winters in allen befallenen Orten fast gänzlich.
Seitdem sind Stürme über Europa dahingegangen, welche wohl geeignet waren, alle Aufmerksamkeit von der gefürchteten Krankheit abzulenken und für sich allein in Anspruch zu nehmen. Diese Stürme haben nicht ausgetobt und schon steht drohend die unabweisliche Krankheit an unseren Pforten und fordert auch für sich die gebührende Aufmerksamkeit, daß auch ihr Rechnung getragen werde unter den Forderungen der Zeit. Nichts wird ihren Verderben verbreitenden Einbruch abhalten. Wohl denen, die vorsorglich ihrem Andrängcn entgegenkommen! Nach kurzer Winterrast brach die Cholera im Frühjahr (im Mai) in fast allen Orten, namentlich in Moskau, wieder auö, und Ende Junius that sie einen entschiedenen Schritt vorwärts, indem Petersburg befallen wurde, wo die Seuche heftig wüthete, jetzt aber ihrem Ende sich naht, während sie in den Ostseeprovin- zen sich verbreitet, und namentlich in Riga ziemlich heftig auftritt. ,
Es dünkt uns an der Zeck, von Neuem den Gang
der Seuche ins Auge zu fassen, und den hie und da sich kundgebenden übergroßen Besorgnissen entgegenzutre- ten. Allenthalben tauchen Gerüchte auf, Heuer wie von- ges Jahr, von dem Ausbruch der Cholera, bald da, bald dort, und versetzen in ängstliche Spannung; denn wer entscheidet, ob es die Vorläufer, die äußersten Vorposten des gefürchteten FeindeS sind, oder die seit Jahrtausenden alljährlich zu dieser Zeit sich einstellenden Fälle der einheimischen Brechruhr, die Heuer natürlich häufiger und allenfalls heftiger sind, da der Sommer, wenigstens in Süddeutschland, sehr früh eintrat und verhält- nißmäßig sehr warm ist, gar nicht zu gedenken der äußeren Umstände, welche Störungen im System der Gallebereitung in hohem Maße begünstigen. Noch hat die Cholera, so weit amtliche Berichte reichen, die russische Grenze nicht weit überschritten; sie ist erst seit wenigen Tagen in der Bukowina und in Galizien an der Grenze von Oesterreichisch - Schlesien ausgebrochen; wenn aber den „Berliner Nachrichten" und der „Litho- graphirten Correspondenz" zu trauen ist — und hierfür spricht, daß sie auch von dem Ausbruch der Cholera in Petersburg die erste Kunde gebracht — so ist in Berlin und Stettin seit dem Beginn dieses Monats die Seuche bereits aufgetreten, und zwar wenn auch vorerst noch in geringer Verbreitung, so doch in solcher Heftigkeit, daß in Stettin fast alle, in Berlin mehr als drei Viertel der Ergriffenen unterlagen. Diese Bösartigkeit läßt keinen Zweifel aufkommen, daß es die wahre epidemische und asiatische Vrechruhr sei; aber um so unbegreiflicher erscheint, daß keine amtliche Erklärung über den AuS-