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WW Zciüing.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Samstag, den 2. September. S8â8.

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schul blatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogthums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprovi si on. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Naum berechnet.

Amtlicher Theil.

Frankfurt, 30. August.

Die Erklärung der königl. hannoverschen Regierung vom 7. Juli 1818 hat den Beschluß der Nationalversammlung vom 14. Juli veran­laßt, wonach die provisorische Centralgewalt ihre unumwundene Anerkennung, und jene des Ge­setzes vom 28. Juni 1848, von Seite der hannoverschen Regierung zu erwirken hatte.

Diese Regierung hat nun in, an den Reichs- verweser selbst und an die provisorische Central­gewalt gerichteten Zuschriften die gewünschte An­erkennung ausgedrückt, und in der Person des Abgeordneten der Nationalversammlung v. Both­mer ihren Bevollmächtigten bei der Centralge­walt ernannt, der auf Grundlage seiner unter Gegenzeichnung eines Ministers ausgestellten Voll­macht in einer am 21. Aug. 1848 an das Reichs­ministerium eingesendeten Erklärung, Namens seiner Regierung, die provisorische Centralgewalt und das sie begründende Gesetz förmlich und un­umwunden anerkannt hat.

Durch diese urkundliche Erklärung ist dem Beschlusse der Nationalversammlung vom 14. -MMt 8 tffi^'lffi*^ l sprechen.

Uebersichten , Erörterungen und

Aktenstücke.

Die Jesuiten, der gefährlichste Feind der deutsche» Einheit.

(Nach den Berliner Nachrichten.)

Berlin, 29. August. Die neuesten Bimuitbunqen, welche die Ceutralgewalt dem preußischen Staate ge­macht haben soll, nämlich außer neuen Geldopfern, nunmehr auch ein Heer von über dreimalhunderttanseud Mann, vielleicht gar zum Schutze außerdeulscher öster­reichischer Länder, ins Feld zu stellen, werden nicht verfehlen, wiederum bei einem großen Theile unserer Bevölkerung eine mächtige Entrüstung hervorzurufen, wenn diese Zumuthungen überhaupt nicht nur Wün­sche bleiben und deßhalb gar nicht zur Ausführung gelangen, denn eine Ablehnung wird zur Erhitzung eines übelberathenen Eifers für die deutsche Sache, von einer feindseligen Partei ausgcbeutet werden. Un­ter solchen Umständen dürfte daher ein wohlmeinendes Wort der Verständigung für alle diejenigen, denen es wahrhaft Ernst um die deutsche Sache ist, ganz am Orte sein.

In dem jüngsten leitenden Artikel dieser Zeitung ist bereits dargcthan, wie unheilvoll für Deutschland jede Einmischung in den italienischen Krieg Oesterreichs zu Gunsten dieser letzteren Macht ist, da es gerade die wahre Aufgabe eines freien Deutschlands wäre, sich der Freundschaft des freien und starken Italiens zu versichern. Hierzu kommt nun noch der ganz be­sondere Umstand, daß diese Opfer für Oesterreich gebracht werden sollen, welches nicht nur seine Zuge­hörigkeit zu Deutschland sich in aller Form noch vor­behalten, sondern auch Deutschland gegenüber bisher eine vollständig neutrale, wo nicht gar feindselige Stellung angenommen hat. Wir bedauern es, dies aussprechen zu müssen, aber Zeiten, wie die gegenwär­tige, verlangen nun einmal die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Wir sehen davon ab, daß das österreichische Ministerium, trotz seinesdemokratischen" Charakters, es bis jetzt beharrlich verweigert hat, sein Heer das deutsche Feldzeichen anlegen zu lassen, und als einziges Symbol seines deutschen Charakters die Fahnen zweier Wiener Regimenter auf einige Stun­den mit dem Schwarz-roth-goldenen Bande schmücken ließ; von solchen, wenn auch immerhin in der Gegen­wart bedeutungsvollen, Aeußerlichkeiten wollen wir, wie gesagt, absehcn; aber das dürfen wir doch nie verges

sen, daß in dem Neichskriegc gegen Dänemark Oester­reich ganz entschieden wie eine auswärtige Macht sich benimmt, und den Grundsatz der Nichteinmischung zur vollständigsten Geltung bringt, indem der diplomatische und Handelsverkehr zwischen beiden Staaten ohne alle Unterbrechung fortbauert: wir müssen ferner hier zur Begründung unserer Anklage das österreichische Verbot, baares Geld nach Deutschland zu versenden, anführen, und dürfen wohls besorgt sein, daß, wenn Oesterreich, das freie, demokratische Oesterreich, in einer Zeit, wo es der Hülfe Deutschlands bedarf, eine so feindselige Haltung gegen Deutschland annimmt, uns eine schlimme Zukunft von jener Politik bevorsteht, die seit den Zei­ten Karls des Fünften bis zum bayerischen Erbfolge­krieg es hinlänglich bewiesen hat, daß sie in Deutsch­land nichts anderes, als ein Mittel zur Gründung eines mächtigen slavisch-magyarischen Staats sehen will.

Man muß der Quelle solcher unglückseligen Poli­tik nur furchtlos nach forschen und man wird sie er­klärlich finden. Ein gefährlicher Feind hat sich der deutschen Einheit und dem deutschen Fortschritt gegen­über gestellt, ein Feind, der jetzt seinen schönsten Bo­den verloren und nun im altenLande des Gehor­sams", in Deutschland, den verzweiflungsvollen Kamvf um seine Cristen; führt. Dieser Feind sind die Jesu­iten. Faßt man nur die Ereignisse in ihrem Zusam­menhang auf, so dürften sich gegen diese unsre Be­hauptung keine stichhaltigen Gründe ergeben. Dieselbe Partei, welche früher den Conservalisinns für ihre eiaentliche Domäne crk mkn Gi'fâule» zu beschloßen versuchte, dieje Partei liebäugelt jetzt mit den eins dHebenfteurr^ sd) en Organen und sucht sie noch zu überbieten; der Dentsch- katholicismus, den sie sonst mit ganzer Wuth verfolgte, wird urplötzlich von ihr verschont, denn er ist, in Folge der vielen " Verkehrtheiten des gestürzten Systems, zu einem Feinde Preußens herangebildet worden, folglich ein bequemer, und bis auf bessere Zeiten 511 schonender Bundesgenosse. Man vergleiche nur hiermit den be­kannten Jesuiten-Moniteur für Deutschland, die Rhein- und Moselzeitung, zur Bestätigung des Gesagten, und man wird die in manchen Gegenden heimische, durch Preußenhaß dokumentirte, deutsch sein sollende Gesin­nung würdigen lernen. Die Republikaner gehen von dem Grundsätze aus, daß Preußen, als solches, auf­hören müsse, wenn es zu einer einigen deutschen Re­publik kommen soll, wir theilen, wie es sich versteht, diesen Grundsatz nicht, er ist der eines Gegners, aber eines ehrlichen und deshalb achtbaren Gegners, Die Jesuiten aber, die in Paris, wie in Coblcnz, mit den demokratischen Ultras buhlen, während sie in Tyrol der lästigen Maske überhoben sind, wollen Preußen vernichtet sehen, weil sie dein Protestantismus, den ihr oben erwähnter Moniteur schon offen befehdet, den letz­ten Schutz entziehen wollen: sie schwärmen jetzt für ein einiges Deutschland, weil es einigen Anschein hat, daß das künftige Reichsoberhaupt durch seinen Beicht­vater ein gehorsamer Diener der Jesuiten werden werde.

Wir haben es als eine dringende Pflicht erachtet, auf diese gefährlichen Feinde hinzuweisen, die, wenn sie je zur Macht gelangten, uns einen zweiten west- phälischen Frieden bereiten würden: doch, wären wir auch im Unrechte, immer werden wir doch darauf zu­rückkommen müssen, daß nichts so sehr zu einer Ver­nichtung Deutschlands führen muß, als eine Schwä­chung Preußens. Von seinem guten Willen für die deutsche Sache hat Preußen genügende Beweise gege­ben, und es wäre daher wohl endlich an der Zeit, daß unsre übrigen deutschen Brüder, wenigstens nach Ver­hältniß, auch das Ihrige für das Gejammtvaterland opferten ! Wenn überhaupt ein deutsches Heer von 800,000 Mann mobil gemacht werden soll, so ist es billig, daß Preußen 300,000 ins Feld stellt, wenn aber die übrigen deutschen Staaten gar nicht rüsten, so braucht es 'Preußen gleichfalls nicht, und selbst wenn Deutschland ein Centralstaat wäre und Preußen nichts als eine Provinz darin, so würden wir immer noch dagegen protestiren, auf diftatorftche Art regiert zu werden und uns die Ukase aus Frankfurt verbitten, nach denen vorzugsweise immer dieselben Provinzen zu Geld- und Truppen-Contingenten herangezogen werden.

DasReich" verfolgt gegenwärtig ohne allen Ein­

fluß Preußens seine eigene Polikik. Sehen wir auf beii ehrenvollen Erfolg. Das große Deutschland kann keinen Schritt vorwärts thun, gegen das kleine Däne­mark, und nachdem Preußen fast ausschließlich von der dänischen Blokade zu leiden gehabt, stand ihm doch durch die Politik der Centralgewalt die Möglichkeit einer e-nglisch-französischen Beschießung bevor, während seine Truppen im Dienste des Reiches viclleichr oder vielmehr in dem Oesterreichs jene Großmächte in Jta- kn bekämpfen sollen.

(SS. Sitzung der conffituircnbcn National- Bersammlung.

(Schluß.)

Frankfurt, 29. August. Wigard erklärt sich für das dritte und vierte Minderhcitserachten, beziehungs­weise für einen Verbesserungövorschlag nachstehenden Inhalts: Jede Religionsgesellschaft ist berechtigt, ihre innern Angelegenheiten frei zu ordnen und zu verwal­ten. Die Pfarrer oder Kirchcnbeamlcn der Gemeinden werden von diesen, die Oberaufscher (Bischöfe) und höhern Kirchenbeamten werden von der Gesammt­heit der Geistlichen und Laien der betreffenden Spren­gel gewählt und ernannt, ohne daß es hiezu der Be­stätigung von Seiten des Staates bedarf. In der gegenwärtigen katholischen Kirche ist die Freiheit des Glaubens für den Einzelnen, also die das Prinzip des neuen Staates bildende individuelle Freiheit, nicht

innern Verhältnisse " zustehen. Der Redner erklärt, für jeden Berb èfferMgs an trag stimmen zu wollen, welcher die individuelle Freiheit sichert, und daß er nie dazu wirken werde, daß ein Eldorado für die Priesterherr­schaft geschaffen werde. Wir wollen allerdings mit einem Vorredner die Bureaukratie in der Kirche nicht fortbcstehcn lassen, aber darum keine Priesterherrschaft. Friederich aus Bamberg für den Antrag von La- saulr re. re. G i s k r a: Die Glaubensfreiheit, die von der katholischen Kirche am meisten bekämpft worden ist, soll gewährt werden. Aber welche Gesellschaft kann völlige Unabhängigkeit von Staate, in dem sie sich be­findet, verlangen. Der Redner erinnert an die Ueber« griffe, welche sich die katholische Geistlichkeit im Staate und gegen Andersglanbende erlaubt habe. Selbst Fer­dinand 11., dem Niemand katholische Gesinnungen und katholischen Eifer wird absprcchen können, hat Amorti- sationsgcsctze erlassen, um dem Eingreifen der Geistlich­keit zu begegnen. Der Redner erinnert an die Bulle in coena domini, nach welcher jetzt noch die verflucht werden, welche anders glauben, welche den Zehnten verweigern re. Er verlangt zur Brechung des geist­lichen Einflusses das Verbot des Gütererwerbs in todter Hand, sowie Trennung ter Schule von der Kirche. Blömer von Aachen erklärt, daß die katholische Kirche nicht gestatten könne, daß die Gemeinde den Pfarrer wähle, welcher nach der Lehre der katholischen Kirche der Substitut des Bischofs ist. Dies schließt aber ein Enipfehlungörccht aus. Der Redner erklärt sich für den Antrag von Lasaulr. Rößler von Oels: Worauf beruht das gegenwärtige Verhältniß der katholischen Kirche in Deutschland zum Staate, welches viele Red­ner als eine babylonische Gefangenschaft darstellen, als auf den von der kirchlichen Autorität abgeschlossenen Concoreaten. Hat die Kirche die Trennung vom Staate verlangt? Ich habe nichts derartiges von ihrem gesetzlichen Organ gehört. Man spricht davon, daß 300,000 Familienväter darum petitionirt hätten; an­genommen auch, daß Alle wohl überlegt und mit den Folgen bekannt, unterschrieben haben, ist das die Mehr­heit des katholischen Volkes? Man sagt, in Belgien hätten Andersglanbende keine Verfolgung zu erdulden. Die HH. v. Radowitz und Döllinger sollen die Briefe eines protestantischen Geistlichen aus Belgien tmCou- stitutonel bci.qe" lesen, welche nicht fortgesetzt wurden, weil es auch jenes freisinnige Blatt nicht wagen konnte. Ich erinnere an die Verfolgung der Freimaurer. Als Hr. Pfarrer Zittel vor einigen Jahren in Baden einen Antrag auf Religionsfreiheit stellte, erhob sich ein Pe- titionssturm aus Gegenden, die jetzt um Glaubensfreiheit petitioniern. Die verlangte Unabhängigkeit der Kirche geht auf die alte Theorie von den zwei Schwertern