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einer Lu- »berathen
im ganzen Lande entgegenhalten, die nun zu rusanstalt beisteuern sollten. „ ,.
Bertram. Das ganze Land sei reichlich durch den Zehnten beschenkt und dabei Wiesbaden leer ausgegangen. Es sei ein großer Unterschied, eine Ltadt arm zu machen und Niemanden dadurch zu nutzen. Die Bauern müßten eben so viel bezahlen ohne als mit einer Unterstützung des Theaters. Eine Verbindung mit Main: würde eine reine Geldquelle für die Unternehmer des Mainzer Theaters abgeben und die Stadt selbst würde weder materiellen Nutzen haben, noch würde etwas Tüchtiges geleistet werden. Die ganze Summe sei 33,000 fl. und ohnedieß müsse man 17,000 fl. bezahlen für Pensionen und abgeschlossene Kontrakte. Es handle sich also nur um die Summe von 14,000 fl. und deßwegen wolle man die Stadt verarmen lassen.
Hehn er. Er müsse vorerst beklagen, daß die Petitionen über das Theater so spät eingegeben worden seien, während die Sache doch so schwierig und verwickelt sei und die genaue Information der Kammer dazu gehöre. Er habe sich allein deßwegen nach Mainz begeben und bei dem dortigen Stadtvorstande darüber erkundigt und erfahren, daß derselbe sich schon im Frühjahr d. I. an die Regierung gewendet und Unterhandlungen über eine Vereinigung gepflogen habe, die sich aber bald wieder zerschlagen hätten. Sie hätten folgende Anerbieten gemacht: das Theatcrpcrsonal ist während der sechs (Sommermonate immer in Wiesbaden, während des Winters in Mainz, so daß es aber in Wiesbaden wöchentlich drei Vorstellungen gibt. Dazu solle Wiesbaden außer der Kasseneinnahme einen Beitrag von 19—20,000 fl. geben. Er glaube, daß diese Anerbieten ganz und gar nicht zu verwerfen seien.
Werren. Die Stadt habe deßwegen mit der Petition so lange gewartet, weil sie gehofft hätte, daß bis dahin die Domänensrage sich aufgeklärt haben würde. *) Es sei dies aber bis jetzt leider noch nicht geschehen (!), damit wolle er jedoch keineswegs der Kammer einen Vorwurf machen.
Großmann. Gegen eine Verbindung mit Mainz sprächen alle Thatsachen. Mainz würde allein den Nutzen ziehen und Wiesbaden im Sommer schlechte Stücke und im Winter fast gar keine haben, denn die besseren Sänger und Sängerinnen ließen sich im Winter schwerlich über den Rhein setzen wegen ihre Stimme.
Der Herr Abgeordnete Hehner hätte seine Aufklärung nicht blos in Mainz suchen sollen, sondern auch hier.
Hehner. Er habe hier auch Aufklärung gesucht, aber keine gefunden, weil die Wiesbadener absolut von einer Vereinigung nichts wissen wollten.
Fresenius. Mainz scheine eine Vereinigung sehr zu wünschen, daraus könne man schon vermuthen zu seinem Vortheil, nicht zu dem von Wiesbaden. Was die Agitation in hiesiger Stadt beträfe, so sei diese doch wohl so gering und diese Volksversammlungen von so gemäßigten Leuten besucht gewesen, daß an eine Ruhestörung gar nicht zu denken sei.
Lang. Wenn die Kammer garantiren solle, so müsse sie jede angeforderte Summe, die das Theater dieses Jahr nöthig habe, bewilligen, dazu dürfe die Kammer sich keineswegs verpflichten.
Bertram. Wenn man nur bis zum 1. Januar 1849 bewilligen wolle, so solle man lieber sogleich sagen: wir geben euch gar nichts, statt die Leute in einer Hoffnung zu lassen, die nicht erfüllt wird.
Wen ckenba ch. Sein einziger Grund zu einer solchen Interpretation sei die Noth Wiesbadens und der durch die Aufhebung des Theaters erfolgende Ausfall an den Steuern. Daß diese Bewilligung eine Ehrensache sei, müße er jedoch bestreiten. Wo das Unheil
*) Es wäre zu wünschen, daß über die Arbeiten der Kommission über die Domänenfrage endlich einmal etwas veröffentlicht würde. Bis jetzt hat man noch nicht das Mindeste davon gehört. Anm. d. Red.
nur nach einem Ziele gerichtet — auf die Mittel, wodurch sich Aurora glücklich fühlen könnte. Jede Unterhaltung über sie brachte mir den Sommer meiner Liebe zurück, und ihr Bild, das nie aud meinem Herzen gewichen war, wurde mit desto größerer Liebe darin befestigt — und mein Kind, das ich noch niemals an mein Herz gedrückt hatte! Das war nun ein neuer Gedanke, es sollte ja meinem künftigen Leben neue Reize verleihen. Ich entschloß mich sie zu sehen.
Die Gläubiger von Auroren's Vater hatten durch Vermittlung eines der Kupferstecher alle ihre Forderungen bezahlt bekommen. Mehrere Sachen, die aus mancherlei Ursachen einen besondern Werth hatten, wurden in den Auctionen ihrer Habe für sie erstanden. Mein Banquier hatte mir Gutes von ihr gesagt, und er war ein Mann von vieler^ Achtung — ich machte ihn zu meinem Vertrauten. Ich erzählte ihm meine ganze Geschichte. Nach- em " von seinem Erstaunen erholt hatte, sagte er mir, bte Aebtissin seine Freundin wäre, daß er mir eine Zusammenkunft mit meiner Frau verschaffen und to9™*” "°"'-, '"" *1 1« Stobt ja „. ^" .“^ ““ .“4 «™ M-st-i auf. Sin d-r Ftfatotn sLré/^ >"»'"' grtmto au« P-n-. Sir mm,, <4<laff« “ SBÄ« Gemälde bietet sich meinem Blicke dar — Aurora' die bezaubernde Aurora selbst in all' dem Glanze ihrer Schönheit sitzt an der Seite der ehrwürdigen Aebtissin- ein Kind — ein Cupido schläft auf ihrem Schovße und be
worden sei, da müsse es auch ausgerottet werden.
Werren. Er könne auch keine Inkonsequenz darin finden, wenn man zur motivirten Tagesordnung übergehe, denn welcher Ansicht die Kammer bei ihrem letzten Beschluß gewesen sei, müsse sich jetzt entscheiden.
Ruf nach Abstimmung. .
Nachdem nochmals Justi und Naht gesprochen, tragen Schmidt und Wenckenbach auf namentliche Abstimmung an.
Diesem Antrag tritt die Kammer bei.
Für den Antrag der Kommission auf motivirte Tagesordnung stimmten: Fresenius, Müller L, Siebert, Hatzfeld, Krämer, Zollmann, Großmann, Bertram, Leisler, Keim, Heyl, Schlemmer, Born, Creutz, Unzicker, Kürtel, Wehrfritz, Justi, Wenckenbach L, Schütz, Bellinger.
Dagegen stimmten: Jung, Wenckenbach 2., Gergens, Lotichiuo, Naht, Eck, Habel, Preis, Wcilbächer, Wimpf, Schmidt, Gödecke, Lang, Hehner, Tripp.
Es folgt hierauf die Fortsetzung des Berichts über das Ministerialbudget.
Für die Bibliothek, das Alterthums- und das naturwissenschaftliche Museum werden zusammen angefordert 3098 fl. und genehmigt.
Es wird bei der Bibliothek von Keim und Wimpf der Wunsch geäußert, daß eine andere Einrichtung getroffen werde, damit auch den im Lande Wohnenden die Bücher verliehen werden könnten, ohne viele Umstände.
Der Bericht trägt darauf an, die Erhebung der Bibliothckötare bei den Angestellten aufzuheben.
Dieser Antrag wird verworfen, weil es jetzt nicht an der Zeit sei, diese Angelegenheiten zu ordnen.
Zur Entschädigung für aufgehobene Renten werden angefordert und genehmigt 47,898 fl.
' Für Leibrenten , Pensionen und Quiescierungen werden gefordert zusammen 204,000 fl. und zwar für Leibrenten . . 1082 fl. für Quiescirungen . . 12,927 fl.
Pensionen an Centralbiener 64,000 fl. Pensionen an Lokaldiener 62,000 fl. Mililärpensionen 1. u. 2. Klasse 76,000 fl. Militärpensionen 3. u. 4. Klasse 7,000 fl.
Gnadengehalte circa 5,000 fl.
Unterstützungen auf unbestimmte Zeit circa 2000 fl.
Die Kommission trägt auf Verwilligung dieser Summen an für dieses Jahr. Nur bei dem Gehalte des Herrn von Röntgen von 5000 fl. fordert sie genauere Nachweisung, weil derselbe über den ediktmaßigen Stand geht.
Ferner wünscht die Kommission, daß fortan keine Qn^escirungen mehr statt finden möchten und Leute, welche durch das alte System oder in Folge der letzten Ereignisse qulescirt worden seien, wieder aiigestellt werden möchten, z. B. der Amtmann Häusler in Runkel, die Herren v. Dungern und Wintzingerode u. s. w.
Jung. Bei dem Amtmann Häusler habe das alte System sich schwer versündigt, indem derselbe, in aller Mannskraft, ein ausgezeichneter Jurist und Beamter, wegen einer Kleinigkeit suspendirt worden sei. *) Er trage darauf an, die Kammer möge sich einstimmig erheben, um diesem Manne ihre volle Anerkennung zu zeigen und bei der Regierung dessen baldigste WiederansteUung zu bewirken.
Die Kammer erhebt sich hierauf einstimmig.
Der Antrag des Ausschusses auf Genehmigung dieser Summe wird angenommen.
Für außerordentliche Ausgaben werden angefordert 439 fl. und genehmigt.
Hiermit wird die Sitzung geschlossen.
Die nächste Sitzung ist Freitag den 1. September, Morgens 9 Uhr.
*) Wir werden in einem dcmnächstigen Artikel das Schicksal dieses Mannes mittheilen. Die Red. d. N. Z.
schäftigt ihre ganze Aufmerksamkeit. Ihre Augen begegnen den meinigen, sie erschrickt und wird beunruhigt; mein Antlitz ruft in ihre Seele schmerzliche Gefühle zurück; aber da ich von Einem, den sie recht gut kennt, eingeführt bin, so vermuthet sie gar nicht, daß der reiche Pariser Kaufmann der Blasebalgflickcr sei. —
Nachdem sich der Banquier einige Minuten mit der Aebtissin unterhalten, fragte er sie, ob sie nicht einige Aufträge in der Hauptstadt hätte, welche ich freundschaftlich übernehmen würde. Während er spricht, erwacht das Kind; anstatt nun über den Anblick eines Fremden erschrocken zu sein, betrachtet cS mich mit Lächeln, blickt auf seine Mutter, sieht mich an, als überlege es, wen es verziehen soll.
Ueberwältigt von Gefühlen fass' ich das Kind in meine Arme und werfe mich zu Auroren's Füßen. Blaß und ant ganzen Körper zitternd ruf ich aus: „Aurora, Dein Sohn bittet um Vergebung für seinen Vater!"
Aurora einer Ohnmacht nahe, blickt auf und abwechselnd und mit unaussprechlicher Rührung. Mein Kind scheint sie mit herzlicher Bitte zu betrachten. Die Aebtissin unterstützt sie, und nach einigen Minuten kehrten ihre Lebensgeister zurück. Sie zerfließt in Thränen, das Kind strebt nach ihr, ed kann sich nicht ihr Weinen erklären und erhebt ein wehmüthiges Geschrei.
„O, meine Anrora" — ruf ich aus — „Sie müssen mir vergeben!"
Sie wirft sich in meine Arme und sagt: O, ich fürchte. ^Du hast die Absicht, mich abermals zu hintergehen —
Tagesordnung:
1) Berathung des Entwurfes eines Gesetzes über die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden.
2) Bericht der Petitionskommission.
f Berichtigung des Artikels in Nr. 136 der Nassauischen Zeitung „Rechtfertig gung der Negiernttgen".
Wiesbaden, den 30. August.
Es wird in dem oben bemerkten Artikel wiederholt versucht, eine künstliche Aufregung gegen die Behörden hervorzurufen und dazu der Verkauf des in Oberlahnstein lagernden russischen Roggenmehls benutzt. Ref. glaubt nochmals auf die vorliegenden Verhältnisse mit wenigen Worten zurückkommen zu müssen, nicht um eine Rechtfertigung der Regierung zu versuchen, denn diese wird nöthigenfalls ihre Maaßregeln selbst zu verfechten wissen, sondern lediglich aus dem Grunde, um den Bewohnern des Amtes Braubach, welche durch derartige Artikel aufgereizt werden sollen, die nöthige Aufklärung und Beruhigung zu geben.
• In Oberlahnstein wurde seiner Zeit 963 Ballen des angetansten Mehles gelagert und davon im Wege öffentlicher Versteigerung 189 Ballen verwerthet. Von den hiernach noch restirenden 774 Ballen wurden vom 1. März bis 31. Juli dieses Jahrs, also in 5 Monaten, 145 Ballen aus Der Hand verkauft und waren am Schlüsse des Monats Juli noch 629 Ballen vor- räthig. Wenn sonach durchschnittlich bisher im Monat 29 Ballen veräußert wurden, so dauerte es noch circa 22 Monate, bis das ganze dermalen noch lagernde Quantum verkauft war und die Regierung durfte bei der durch anerkannt tüchtige Sachverständige ausgesprochenen Ansicht über die fernere Lagerungs- fähigkeit dieses Mehls dasselbe dem Verderben nicht Preis geben. Obige Zahlenvcrhältnisse sind nach genauer Information vollständig richtig und es bedarf daher einer weiteren Widerlegung der Angabe nicht, daß das Mehl bis zum Monat Octvber d. J. vollständig abgegangen sein würde.
Die Bemerkung, daß von der Regierung eine Benachrichtigung eingelaufen sei, der Käufer wolle sein Versprechen, 300' Zentner den Armen um den Kaufpreis zu überlassen, nicht halten, ist unrichtig. Ueber dieses Anerbieten des Käufers ist ein Protocoll ausgenommen und dasselbe von ihm auch unterschrieben — der Herr Einsender des obigen Artikels kann sich darüber vollkommen beruhigen. Sollte dieses aber selbst nicht der Fall gewesen sein, so würde der Käufer (so viel kennt ihn der Ref.) dennoch die eingegangenen Verpflichtungen getreu erfüllen und selbst wenn hierüber Anstände sich ergeben hätten, so darf man doch die feste Ueberzeugung" hegen, daß die 9tnptnrnR-bte ertheilte Zusicherung stets und in ihrem ganzen Umfange aufrecht zu erhalten wissen wird.
4" Ueber «teuer, insbesondere Capital und Einnahmensteuer und die von der Nassauischen Regierung darüber vorgelegten Entwürfe.
Wiesbaden, den 25. August. (Schluß.)
Das Vermögen in einem Staate ist zwar allerdings ungleich vertheilt, allein dieses beruhet auf einem sehr natürlichen Grunde, so daß, wenn heute alles Vermögen gleich vertheilt werden sollte, dasselbe schon morgen nicht mehr der Fall sein würde. Wer Vermögen einmal besitzt, hat dieses entweder selbst durch Anwendung seiner geistigen und körperlichen Kräfte, durch Fleiß und Sparsamkeit, einzelne Glücksfälle ausgenommen, oder von seinen Vorfahren, oft durch mehre Generationen, welche diese Eigenschaften hatten, geerbt.
aber Dein Sohn spricht für Dich — idj bin ganz die Deinige." —
Sie drückt mich an ihr hochklopfendeö Herz. Schweigend und innigst gerührt sehen wir und einige Minuten einander an.
„Meine Kinder" — sagte nun die Aebtissin, und eine Thräne der Rührung glänzte in ihren Augen: „W habt wohlgethan. Der Herr scheint und allzu gut, als daß er die Absicht haben sollte, und zu hintergehen. Aurora hat zu sehr gefühlt, als daß sie länger eine Sclavin deö Stolzes sein sollte. Möge diese Verbindung glücklicher als die erste sein! Der Himmel segne und beschütze Euch!"
Diese Worte auf eine feierliche und würdevolle Art gesprochen, beruhigten unsere Gemüther. Hierauf erzählte ich ihnen meine ganze Lebensgeschichte, ohne die Gewissensbisse wegzulassen, die ich durch manche meiner Handlungen fühlen mußte. Mit dem innigsten Vergnügen fühlte ich Auroren's Händedruck, als ich ihr die Pläne erzählte, die mich meine Liebe für sie erfinden ließ. Die Erzählung von meinen Reichthümern hörte sie mit Gleichgültigkeit an; aber innigst gerührt ward sie bei der Erwähnung, wie ich die Angelegenheiten ihres VaterS berichtigt hatte.
Bei der Gelegenheit unserer zweiten Vermählung veranstaltete nnser Freund, der Banquier, ein glänzende Gastmahl. Es mag hier auch noch erwähnt werden, daß in der Nachbarschaft unseres Freundes in einer angenehmen Gegend ein Haus zu verkaufen war. Ich bemerkte.