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lich und christlich sind vor der Hand gleichbedeutend." Welche Begriffsverwirrung! Es ist doch schrecklich, daß diese Leute glauben, die Welt müsse ihren Unsinn sub fide paslorali für Weisheit hinnehmen. — Eben wird gesagt: „Wir haben doch eine katholische und evangelische Kirche im Lande", und dabei steht:' „Kirchlich und christlich sind gleichbedeutend." Hiernach sind also nur Katholiken und Evangelische kirchlich, d. h. christlich; Deutschkatholiken, Me- noniten re. sind wahrscheinlich mnh a m e danisch. — Ei, ei I Wen wundertS nun noch, daß der ehrenwerthe Mann nicht begreifen kann, wie sittlich-religiöse Bildung das Band zwischen Kirche und Schule sein könne, ohne das Prädicat „kirchlich" an sich zu tragen? — Lieber Freund! Wir haben die sittlichreligiöse Bildung (von einer „rein menschlichen Religion" steht bei uns nirgends ein Wort) am geeigneten Orte einrangirt; kann er nun seine Kirche nicht unterbringen, so lasse er sie in GotteS Namen dahin gehen, wohin er auch die „allgemeine Religion, das Ungethüm!" — hat fahren lassen. ■— Doch wir müssen kurz sein. Was über Mager'sche Citate gesagt ist, wollen wir übergehen. Göthe sagt:
Wir sind gewohnt, daß die Menschen verhöhnen, Was sie nicht versteh'n.
Wir haben zwar die beregte Entdeckung in Betreff des Religionsunterrichts noch nicht gemacht, d. h. nicht machen können; die Klerisei wußte uns das Handwerk zu legen. Die Lehrer werden aber den Preis erringen, sobald sie auch in dieser Hinsicht nicht mehr bloße Maschinen —willenlose Werkzeuge sein werden. — Wenn nun noch Aeußerungen folgen, wie: Die Vernunft der Lehrer habe wahrscheinlich so wenig Logik, wie die „Ansichten" (Vernunft mit Logik — Vernunft ohne Logik!?); so verstehen wir das nicht. Wenn es heißt, „die allgemeine Religion" sei „zum Teufel gefahren"; so freut eö unS, daß auch der Teufel.nun Religion bekommt und vielleicht bald als solcher verschwindet; — eS wird ja dann wohl besser in der Welt, auch bei den HH. Geistlichen. — Wenn weiter bemerkt wird, den „Ansichten" hätte wohl ein größerer Spielraum für Versetzungen vorgeschwebt, so daß eine TranS- location evangelischer Lehrer an katholische Orte, und umgekehrt stattsinden könne; — so verräth sich darin, freilich sehr ungeschickt, die Taktik einer gewissen Partei, die Landleute zum Unterzeichnen gewisser Petitionen zu bewegen, (Pfui! über solch' gewissen- und verstandlose Erfindungen. —) Wenn endlich alles Falsche der „Ansichten" von der anfänglichen Begriffsstimmung: „selbstständiger Organismus" hergeleitet wird (wobei übrigens wirklich zu verwundern, daß der Mann durch dieses infame Wort nicht am Herzkrampf gestorben ist); so giebt er unbegreiflicherweise auf einmal den „Ansichten" daS Zeugniß strenger Consequenz, strenglogischer Durchführung, während er vorher nicht fertig werden konnte, Kameele von Widersprüchen zu entdecken.
Somit geben wir dem Herrn den Abschied, nicht ohne noch einen guten Rath beigefügt zu haben, nämlich:
Wenn er sich wieder der Beurtheilung einer Sache unterziehen will, so bedenke er vor Allem, daß man solches nicht invita Minerva wagen darf; dann frage er sich, ob er auch eine gute Absicht — nicht die der Verdächtigung und Fälschung — dabei habe; — und zuletzt sorge er namentlich dafür, daß alles hübsch anständig, würdig und züchtig, wie eS der Wahrheit angemessen ist, geschehe. Sonst könnte er Gefahr laufen, daß man ihm die alten Verse in'ü Ohr sagte:
Splitterdichter, Schattenrichter!
Dein Verstand ist taub und glumm, Wann das Grad' dich dünket krumm.
Grillenschlichter, Ansichtsrichteri Du hast nicht so viel Verstand, Als ein Nagel an der Wand.
Solche Lichter machen schichter. Du hast ob dem Aug' ein Fehl Und heißt Meister Urtheilscheel.
Pädagogische Därte.
Es ist schon lange her, daß in Kurhefsen den Elementarlehrern amtlich gerathen wurde, nur kleine, bescheidene Backenbärte zu tragen. Wohl zu merken ist es aber, daß dies etwa zehn Jahre vor dem vierten März d. I., also im tiefsten Frieden war. Seit dem 4. März haben die Bärte erstaunlichen Zuwachs erlangt; Mancher ist ein Bartmann geworden, und das in optima forma. — Wer möchte eS jetzt einzelnen Elementarlehrern auf dem Lande übel deuten, wenn sie keine Backenbärte, wohl aber bescheidene Schnurrbärte tragen, gibt es ja doch auch Sendschöffen, welche der Zeitgeist so ergriffen, daß sie fetzt die Zierde deutscher Krieger, den Schnurrbart, pflegen^). Männer müssen Bärte tragen.
X.
Drei Nägel am Sarge des Lehrers.
In den „Rhein. Blättern" sagte einmal der gefeierte Diesterweg, er kenne drei Nägel am Sarge eines Lehrers, nämlich: Streit mit den College», Streit mit dem unmittelbaren Vorgesetzten, Streit mit der Frau. — Möchte doch kein Lehrer fe diese Dreieinigkeit kennen lernen!
Miscellen.
29. Wo das Princip der Autorität aufhört, beginnt der Verfall der Schuldisciplin: Sie muß diesem Grundsätze gemäß strenge und geregelt sein. Bei dem Grundsätze vorbegünstigter VerstandeSbildimg ist der Lehrer eigentlich Famulus des Schülers, berufen wie ein römischer Sclav, für gewisses Geld die vortreffliche Natur der Zungen zu entwickeln. Kaum vermag er dahin zu kommen, daß er als der Erste unter seines Gleichen erscheine; nie darüber hinaus, weil eben jeder sich zuerst aus sich selbst bildet und Dessen aufs sorgfältigste bewußt gedacht wird.
Aehrenlefe auf dem Gebiete dee Pädagogik.
16. sSchreibunterricht.s
Kein Unterricht fordert mehr die Aufmerksamkeit des Lehrers auf jeden einzelnen Schüler, als der Sch reib unterricht; darum muß bei keinem mehr auf Verminderung der Menge geachtet werden. Zugleich wird es sehr gut sein, wenn man sichrer harten Arbeiten und steifen Finger der erwachsenen Landleute erinnert, und deßhalb eine kalligraphische Vorschrift festhält, die etwas steife und starke Grundzüge hat. Manche neuere Vorschriften nehmen sich gefälliger und schöner aus, sind aber für die harte, zitternde Hand des Landmanns unnachahmlich, gesetzt auch, daß er in der Jugend eine entferntere Aehnlich- hätte erreichen können. (Ed. Glanzow.)
Schulchromk.
(Altstadt, Lierschied und Holzappel.) Dem Lehrer Wehr in Alstadt ist eine Gehaltszulage von 30 fl., dem Lehrer Otto in Lierschied eine solche von 45 fl. und dem Lehrer Brandenberger in Holzappel eine solche von 95 fl. und dem Lehrer Priester daselbst 50 fl. bewilligt worden.
(Friedrichsthal und Cranzberg.) Für die Gemeinde Fried- richöthal und Cranzberg ist eine Lehrgehülfenschule mit dem 1. October l. J. errichtet und dieselbe dem Schulcandidaten Wollstadt von Hattersheim in provisorischer Eigenschaft übertragen worden.
(Lindenholzhausen.) Am 8. August ist der pensionirte Lehrer Stockmann mit Tode abgegangen.
*) Warum denn nicht? Die Sendschöffen heißen ja auch Kirchenhusaren und folglich steht ihnen — ein tüchtiger Schnauzbart — wohl an. Anmerk. d. Setzers.
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.