^ Lsr.
Naffauifchr Zeitung.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Ldolkes!
Wiesbaden, Donnerstag, den 31. August. 18418.
Neue Bestellungen auf die „Nassauische Zeitung" nebst „Allgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanftalten des Herzogthums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.
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lieber fisten, Erörterungen und Aktenstücke.
Noch ein Wort über das System Preußens.
(Nach her Franks. O.-P.-Ztg.)
Wir haben uns in früheren Artikeln über die Unmöglichkeit au^etprvlhèn, in der man sich befindet, das preußische Interesse von dem deutschen zu trennen, und daß somit eine Bereinigung beider gefunden werden muß, gleichviel, welches das Widerstreben des alten Preußeuthüms und des sich überstürzenden Deulschthums gegen eine solche Vereinigung sein möge. Deßhalb haben wir auch unser ganzes Nachdenken darauf gerichtet, die Wege, die dazu führen könnten, ausfindig zu machen, und sie unsern Lesern zur Prüfung vorzulegen. Bou der Lösung dieser Aufgabe hängt ab, ob Deutschland ohne fernere gewaltsame Umwälzung in das Stadium, das ihm von der Geschichte angewiesen worden, ein treten könne, oder ob wir dieses Eintreten noch mit neuen Kämpfen und Opfern zu erkaufen haben werden. Den Beweis dieser Sätze wollen wir nunmehr durch eine neue Betrachtung zu führen suchen. Es ist von dem Reichsministerium bereits angekündigt worden, daß es demnächst der Nationalversammlung sein Programm verlegen werde. Die Vorlage dieses Programmes kann in dèr That auch nicht mehr länger verschoben werben, wissen muß, in welcher Richtung sie sich ;u bewegen hat, sie diese Kenntniß aber erst durch das massenhafte Gegcnüberstellen der Parteien erlangen kann. Es bedarf wohl keiner Ausführung, daß das Verfahren der Centralgewast und der Nationalversammlung ein anderes sein muß, je nachdem die einzelnen Negierungen sich mehr oder weniger bereitwillig bezeigen, ihr Interesse mit dem der Gesammtheit zu verschmelzen. Da nun Preußen der größte deutsche Staat ist, so liegt in seiner Hand die Entscheidung des von der Centralgewalt aufzustellenden Systems. Verläßt Preußen seine dermalige zuwartende Stellung, wirft es sich offen, frei und mit voller Kraft in die hiesigen Verhandlungen, stellt es sich dadurch an die Spitze derselben, so muß das System der Centralgewalt netbgcdrungen ein mehr conservativcs und dem wohlverstandenen Partieülarismus günstigeres werden. In diesem Fall wird die Centralgewalt ihren Stützpunkt in dem rechten Centrum der Narionalver sainmlung zu suchen haben, und alsdann werden wir einer baldigen friedlichen Reorganisation Deutschlands mit Zuversicht entgegen sehen können. Fährt Preußen dagegen fort, sich außerhalb der hiesigen Verhandlungen
Stolz und Liebe.
(Nach dem Englischen.)
(Fortsetzung.)
Verachtet von derjenigen, die ich anbetete, und sogar des Rechtes zu klagen beraubt, kam zum traurigen Uebermaß meines Geschicks die Gcwisscnangft hinzu. Ich breite über den glänzenden Horizont von AurorenS Lager das Leichentuch, und aus Herabsetzung und Elend, worein ich sie gestürzt hatte, wird sie vielleicht ein Asyl im Grabe finden. — Glaubt man nun, daß ich in je= ner Nacht voll schrecklicher Erscheinungen geschlafen habe?
Die ganze Nacht hindurch regnete es so sehr, daß bie Wege zwischen unserem Dorfe und Montelimar für mehrere Tage unfahrbar wurden. Dies verhinderte mich, nach solchen Sachen von Bedarf zu schicken, die wir höchst nothwendig brauchten, und wodurch AurorenS Zustand noch mehr gedemüthigt wurde. Man wird also glauben, daß ich mich früh des Morgens nach ihrem Befinden erkundigte. Ich bekam dunkle, jedoch nicht ent- muthigende Antworten. Sie wäre entschlossen, sagte bie Nichte deS Pfarrers, eine Kraft und Festigkeit der Seele, eine Entschlossenheit des Charakters und einen Muth zu zeigen, welcher in der schrecklichen Lage, worin sie versetzt worden, ihre nichtswürdigen Feinde erstaunt und bestürzt machen sollte. ES wäre mir erlaubt, sie zu sehen, hieß es. Es übersiel mich eine Todesfälle; ich
zu halten, benimmt es sich nicht als Mitarbeiter an denselben, will es die Resultate der Neugestalt Deutschlands sich zutragen lassen, statt sie aus und durch sich selbst zu erzeugen, so ist die Centralgewalt gezwungen, vor allen Dingen diesen passiven Widerstand zu beseitigen, somit angriffsweise gegen die preußische Negierung zu verfahren. Da sie diesen Angriff nur dadurch führen kann, daß sie die Gegner der preußischen Negierung für sich zu gewinnen sucht, diese Gegner aber in den Republikanern und angrenzenden Schultirungen zu finden sind, so würde der Centralgewalt nichts übrigen, als die linke Seite der Nationalversammlung zu Hülfe zu nehmen, und gestützt auf diese gegen die preußische Negierung Voranzugehen. Ist einmal dieser Weg betreten, so ist schwer zu sagen, wann und wie man ferneren Umwälzungen in Deutschland wird Einhalt thun können. Alsdann erst werden die sämmtlichen Monarchien Deutschlands für ihren Fortbestand zittern müssen, denn es gibt nichts Unbarmherzigeres, als eine gesetzgebende Versammlung, die das Schwert der Gerechtigkeit zu ihrer Selbftcrhaltung führt. Möge die preußische Negierung dies wohl bedenken; möge sie, ehe es damit zu spät ist, das Schauketsystcln verlassen, auf das wir zu unserm lebhaften Bedauern aufmerksam machen mußten, möge sie der Nationalversammlung, wie sie es verdient, Volles Vertrauen schenken, möge sie mit uns allen dasselbe Schiff besteigen, das Deutschlands Geschick trägt, möge sie die Hand an's Steuer legen, und den Blick auf die ©eget richten, um uns zum sichern Hafen zu geleiten. . . -
67. Sitzung der constituirenden National- Versammlung.
Frankfurt, 28. August. Die Sitzung wird durch den Präsidenten von Gagern eröffnet.
Die Abgeordneten Aue aus Dessau und Schmidt aus Briren haben ihren Austritt aus der Nationalversammlung angezeigt.
Für den Flottenbau sind mehrere Beiträge cinge- gangen.
Von mehreren Ausschüssen sind fertige Berichte zum Druck gegeben worden, so ein Bericht nebst Ge- setzcntwurf, gerichtliche Anklage gegen Mitglieder der Nationalversammlung betreffend, sodann ein Bericht, die Ergänzung der ständigen Ausschüsse betreffend rc. Eine Eingabe von preußischen Offizieren der Bundcs- festung Luxemburg wegen Ausschlusses derselben von Wahlen zur Nationalversammlung in Luxemburg, nunmehr wegen deßfallsiger gesetzlicher Bestimmungen für die Zukunft, wird dem Verfassungsausschuß als Ma
konnte freiwillig in den Tod gehen; aber ich spottete seiner. Endlich öffnete ich daö Zimmer, und sie ward meiner gewahr. Ich warf mich zu ihren Füßen, ich bc- näßte ihre Hände mit meinen Thränen; schweigend betrachtete sie mich eine Zeit lang in dieser Stellung. Dann ließ sie mich aufstehen und redete mich mit einem Tone von stolzer Würde an, die von keinem Unglück gebeugt werden kann:
„Du irrst Dich in mir; wenn ich Dir verzeihe, so ist es wegen Deiner Laufbahn, die Du jetzt betreten wirst. Wenn ein edler Gedanke Dein Herz beseelt, wenn Du nicht Willens bist, mich noch tiefer in'ö Elend zu stürzen, mache keinen Gebrauch von dem Rechte, das Du über mich erhalten hast. Diese Dame bietet mir bei ihrem Oheim ein Asyl an. Ich nehm' eS an, weil cö meiner Lage und meinen Wünschen angemessen ist. Du magst dahin kommen, damit wir uns über die Mittel verabreden, diesem schrecklichen Zustande zu entgehen. Berücksichtige meine Ehre und die Deinige."
Der Mann, welcher liebt, ist sehr bereit, seiner Geliebten zu trauen. Ein liebreiches Wort von ihr genügt, alle seine Qualen zu stillen. Ungeachtet der stolzen Verachtung AurorenS setzte ich Vertrauen in die Güte ihres HcrrenS, ohne zu bedenken, wie natürlich eS sein mußte, daß sie gegen mich von Haß und Groll entbrannt wäre. Ich hielt also noch zurück mit der Hoffnung, daß mir verziehen worden sei. Ich sah sie sogar lächeln, als sie von den P.änen hörte, welche die Liebe zu unserer künftigen Glückseligkeit ersonnen hatte.
In solcher Täuschung lebte ich eine kurze -Zeck, bis
terial zu dem künftigen Wahlgesetz zngewiesen. Mehrere, seit dem letzten Beschlusse der Nationalversammlung bezüglich des dänischen Krieges weiter eingegan- gene, die Entschädigung für erlittene Verluste betreffenden Eingaben werden, wie nach jenem Beschlusse die früheren deßfallsigcn Eingaben, der Cen- tralgcwalt zugewiesen. Von dem Ausschuß für Bildung der Centralgewalt wird die Vollendung eines Berichts, die Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten von Auerswald bctreffeiib, ««gezeigt. Der einstimmig beschlossene Ausschußantrag schlägt' vor : in Betracht, daß die Befugnis' der Nationalversammlung, das Versassungswerk für Deutschland selbstständig zu vollenden, feststeht; deßgleichen hiernach die Befugniß, die Reichsbehörben zu gründe»; in Erwartung," daß die einzelnen Negierungen den in die Compctcn; der Nationalversammlung fallenden Beschlüssen Folge geben werden, und daß die Versammlung erforderlichen Falls die entsprechenden Maßregeln zu ergreifen wissen wird; in Erwägung endlich, daß jene Erklärung nicht geeignet erscheint, Gegenstand eines Beschlusses zu werden, zur motivirten Tagesordnung überzugehen.
Stenzel bevorwortet Namens des völkerrechtlichen Ausschusses eine neuliche Interpellation Reh's dahin, daß der Ausschuss die polnische Angelegenheit, soweit die betreffenden Eingaben ihm zugrwiesew waren, für erledigt hält.
K erJ zeigt Nandus des Malutcauoichuges an, (daß die hier vorlleaeud.cn Anträge mm Flotten bau feiten 53,000 fl.J dem Relchsministerium als besonderer Fonds übergeben seien. Der Berichterstatter hebt hervor, daß die Beiträge vorzüglich von den weniger bemittelten Klassen und von den deutschen Frauen und Jungfrauen herrühren. (Beifall.)
Es wird hierauf zur Tagesordnung der Diskussion über § 13 des Entwurfs der Grundrechte geschritten. (Durch das religiöse Bekenntniß wird der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder bedingt noch beschränkt. Den religiösen Pflichten darf dasselbe keinen Abbruch thun.)
Kautz er von Württemberg erklärt sich für den Antrag des Vcrfassungsausschusses.
Martens von Danzig entwickelt einen Zusatz«»- trag: wegen der Befreiung vom Kriegsdienste aus Rücksichten des religiösen Glaubensbekenntnisses wird das über Wehrverfassung zu erlassende Gesetz die näheren Bestimmungen enthalten. Der Redner hebt hervor, daß die in Deutschland wobnenden Mennoniten, allgemein als fleißige, tüchtige Bürger anerkannt, Berücksichtigung verdienten, welche bei der geringen Zahl der Bethciligten (mit Weib und Kind böchstens 15,000) für das Heerwesen ohnehin nicht von Einfluß sein werde.
ein seltsames Geschick sie auf immer verscheuchte. Es war acht Tage nach meiner Ankunft im Dorfe, an einem schönen Morgen, nachdem ich durch die süßen Träume der Nacht mich glücklich gefunden und sogar meinen Schlaf über die gewöhnlichen Stunden verlängert hatte, als mein guter Vater mich weckte und mir zwei Briefe cinhändigte. Der erste war von meinen Freunden in Lyon. Sie schrieben mir, daß sie mit meiner Aufführung zufrieden wären und mir Mittel an die Hand geben wollten, um meine Lage zu verbessern. Sie versicherten mir, daß ich nicht den dritten Theil der Summe verthan hätte, welche sie zur Ausführung ihrer Rache bestimmt hätten. Jene Kleider und Zicrrathcn, womit ich die Leichtgläubigkeit eines vernarrten Vaters und feiner eitlen Tochter betrogen hätte, wären mir ebenfalls zurückgegeben. Sie empfahlen Aurora meiner Sorgfalt, und äußerten die Hoffnung, daß sie nicht zu bedauern haben würden, die Rache zu weit getrieben zu haben. Endlich, daß, wenn ich gesonnen wäre, in ein Geschäft zu treten, sie noch stets bereit sein würden, mir jeden möglichen Beistand zu leisten.
Alle Beschwerlichkeiten meines Zustandes schienen auf einmal verschwunden. Ich öffnete den andern Brief. Er war von meiner Frau. Sie bemerkte darin, daß sie wegen meiner liebevollen Aufführung gegen sie und aus Mitleiden mit mir die Sachen so geordnet hätte, daß sie noch vor meinem Empfange ihres Briefes die Thore von Lyon im Rücken haben würde. Um sich von meiner Gegenwart zu befreien, sei sie Willens in ein Kloster zu treten. Sie erklärte sich offen »lö meine Feindin und