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MffauM Irifuna.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Dienstag, den 29, August. 1S48.

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogthums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Naum berechnet.

Uebersichten , Grörternngen und Aktenstücke.

63. Sitzung der constituirenden National- Versammlung.

(Schluß des Berichts.)

Frankfurt, 24. August. Hagen aus Heidelberg erklärt sich vom Standpunkte der Demokratie aus für die Unabhängigkeit der Kirche. Wir wollen die Selbst- regierung auch dem religiösen Clemente nicht vorent­halten. Wir verkennen nicht das Gefährliche, welches die Freigebung der katholischen Kirche hat. Doch die religiöse Freiheit war auch durch den Staat nicht besser geschützt. Das Gefährliche wirde gemindert durch Trennung der Schule von der Kirche, sowie durch voll­kommene Religions - und Cultusfreiheit. M üller von Aachen erklärt sich für vollständige Unabhängigkeit des Staats von der Kirche und umgekehrt. Man hat von der linken Seite konsequenterweise diese Freiheit zugegeben, aber in einer das Gefühl des Volkes ver­letzenden Weise, indem man sich gleichgültig oder feind­selig gegen die Religion erklärt hat. Hoff in a n n von Ludwigsburg hat anfänglich ein eigenes Amendement gestellt, tritt aber fetzt einem von vielen Mitgliedern gestellten Anträge bei. Jetzt ist das Princip der Volks- souveränetät an die Spitze des Staates gestellt; der frühere christliche Staat hat aufgehört. Wir (die Partei dcer ^^ffl^W»«), fe1 . diesem Act des Volkswillens, aber wir erkennendem Staate, welcher sch vom Christenthuine, der Quelle alles Heils, losgesagt hat, keine Gewalt mehr zu in der Kirche. Herr Vogt hat der Kirche einen Vernich­tungskampf angefaßt, den wir ausnehmen. Ich glaube, daß der Kampf unter der nächsten Generation stattfin­den wird, zwar nicht auf Grund jener Prophezeiung, die achtzehn Jahrhunderte älter ist. Ich glaube, daß die Kirche im nächsten Kampfe unterliegen wird. Beide Theile aber müssen sich zum bevorstehcudeu Kampfe rüsten und zusammeaschaaren können. Darum Frei­gebung der Kirche und des Glaubens. Ich glaube, daß das deutsche Volk nach der Barbarei, welche dem Sieg über die Kirche folgen wird, sich zur Kirche zu ° rückbegeben wird. Z t m m erina n u aus Stuttgart: Ich finde es bedenklich, neben der politischen Aufregung auch religiöse wunde Stellen zu berühren. Doch es ist geschehen. Ich muß offen sagen, daß ich kein Freund von dem bin, was man Kirche nennt, wohl aber ein Freund der Anstalt, welche die Menschen veredelt. Ich kenne aus Studien und eigener Erfahrung die Licht- und Schattenseite der Kirche. Mir erscheinen die Schat­

tenseiten überwiegend. Dennoch und zum Theil eben darum möchte ich die Kirche völlig frei gegeben haben, schon aus dem Princip meines Lebens: Freiheit für Alle und in Allem. Ich weiß aber das Gefährliche wohl zu würdigen. Die Mehrheit des Volkes, welchem das Kirchliche als das Höchste gilt, will die Trennung der Kirche vom Staat. Ob nicht äußere Einflüsse, und welche gewirkt haben, kömmt nicht in Betracht; das Volk hat seinen Willen in Petitionen kund gegeben. Ich habe es erlebt, wie sich die Kirche in den letzten 25 Jahren in Spanien, Portugal, der Schweiz, Bayern rc. benommen hat. Ich weiß, wie man von Seiten der protestantischen wie der katholischen Kirche der Er­ziehung in den Weg getreten ist. Ich weiß, wie pro­testantische und katholische Jesuiten dem Königthum wie dem Volksthum gleiche Entwürdigung bereitet haben, um auf den Trümmern des Verfassungsstaates ihre Pricsterherrschaft zu gründen. Noch zittern, auch in meinem engern Vaterlande, die Schmerzen nach, die wegen der gemischten Ehen bereitet worden sind. Ich verkenne nicht, daß die Männer des Throns wie des Altars noch jetzt die Mächtigeren sind, daß sie die Mittel, die zum Theil nur ihnen zugängig sind, noch lange haben werden. Wir sind auf der Schwelle der neuern Zeit; noch aber steht uns der Feind entgegen mit etwas veränderter Stellung und verändertem Na­men. Er will uns glauben machen, daß auch er vor­gerückt sei, er trägt die Cocarde des Tages. Der Feind ist zu klug, als daß er durchs eine Niederlage eines Ludern belehrt worden wäre. Dennoch iviü ich dem 'FkMve ' vie -FMWk geben, auch die, die -er

bis fetzt noch nicht herauSgenommcn hat. Die Kirche, hoffe ich, wird in der Freiheit bald eine andere werden; sie allein wird nicht dem Geist der Zeit entgegen unverändert bleiben. Auch die Kirche hat bereits ihre große Zeit gehabt, wo sie der Freiheit der Völker zur Seite trat; sie hat mehr als einmal dem Despotismus einen Damm entgegengesetzt. Vor 600 Jahren hat der Hauch der Freiheit den päpstlichen Stuhl berührt. Hr. v. Beisler hat getadelt, daß der Papst seine Sol­daten gegen die Oefterreichcr geschickt hat. M t r scheint, daß auch hier der Hauch der Freiheit den päpstlichen Stuhl berührt hat. Die Schweizer, welche in der Lombardei der italienischen Nationalität zur Hülfe ge­zogen sind, stehen höher als diejenigen, die in Neapel d in König geholfen haben, gemachte Versprechen mit dem Blutè der Staatsbürger auszulöschen. Die Kirche hat bereits angefangen eine andere zu werden, in vielen ihrer ausgezeichnetsten Mitglieder. Hr. v. Nadowitz hat heute erklärt, die Politik der Kirche werde eine sittliche werden. Wenn ich nicht irre, so waren die Namen Sepp und Döllinger unter denfenigen, welche

für die Kniebcugnng in Bayern gefochten haben. Wir sehen sie heute kämpfen für allgemeine Gewissensfreiheit. (Stürmischer Beifall.) Daraus erkenne ich die Macht des freien Geistes. Die besten werden hierüber treten auf unsere Seite. Die Kirche wird vielleicht zu Grabe getragen werden, aber nicht um, wie mein Freund Vogt meint, vernichtet zu werden, sondern um verklärt auf­zustehen. Die Religion des Geistes ist im Anzug. Da­mit die Kirche dahin komme, muß sie frei gemacht werden. Das deutsche Volk bedarf gar sehr einer Re- ligion des Geistes. Kein Volk ist groß geworden, dem die höhere Weihe gefehlt hat. Besonders in dem nahen Entscheidungskampfe wird die Freiheit des Volkes der ganzen Begeisterung bedürfen, die befähigt, freudig die Todeöwunde zu empfangen, wenn das Auge über sich einen Himmel offen sieht. Ich will die Fciheit der Kirche auch aus einem andern Grunde, aus dem Grunde der Bewegung und des Kampfes, den auch ich will. Zum "Kampfe braucht man gute Waffen, wenn man kein Thor sein will. Eine solche gute Waffe ist die Freiheit des Unterrichts, die Trennung der Schule von der Kirche, auf der ich bestehen werde. (Stürmischer Beifall.) Förster von Breslau erklärt sich für Un­abhängigkeit der Kirche, welche die Kirche stets verlangt hat und nöthig hat, den Reichthum ihres Wirkens ent« falten zu können. Schwarz aus Halle ist für Tren­nung der Kirche vom Staate, welchem das Recht blei­ben muß, sich gegen Uebergriffe zu sichern. Kuen- zs r von Kanstanz verlangt Anerkennung deß im § 11 des Entwurfes nusg«^»p»chsnen Prmssps. Entweder w^MMöü?- ^^-dre-ââlef zum Gejetz erhoben werden. Ich selbst gehöre einer Richtung' an, die fetzt in der katholischen Kirche nicht herrscht, nämlich der fosephinischen, die sich vorzüglich in der Duldsamkeit ausspricht. Wenn ich gegen die Einmischung des Staates spreche, so muß ich doch, um nicht unge­recht zu sein, hervorheben, daß der Staat mitunter in der Lage war zu thun, was die Kirche vernachlässigt hat. Dies war in der fosephinischen Zeit sehr der Fall. Trotzdem hoffe ich von der Unabhängigkeit der Kirche, daß dann frühere Einrichtungen, denen die fetzt herr­schende Richtung entgegentritt, wieder ins Leben treten werden. Ich muß übrigens widersprechen, daß nur der Polizeistaat dem Begehren nach Synoden entgegen- getreten ist. Ich könnte Beweise vom Gegentheil liefern. Bei Freiheit der Kirche werden Synoden zusammen­treten, auch trotz einem widerstrebenden Kirchenfürsten. Die Synoden werden die kirchliche Gesetzgebung sein, und die kirchlichen Behörden würden die Beschlüsse zu vollziehen haben. In den Gemeinden werden sich Kir- chenräthe, und diese zu Bezirkskirchenräthen bilden. Dies ist die alte Hierarchie der ursprünglichen katho-

Bilder von J. Stahl.

III.

Banditenloos,

Es saßen drei Männer in einsamer Nacht Im Dunkel der Schlucht zusammen, Fern durch das Gewölk in ihrer Pracht Erglühten des Himmels Flammen.

Es wandert' gefüllt mit goldnem Wein

Von Hand zu Hand der Becher;

Und oft in das Dunkel der Nacht hinein Erwartungsvoll lauschten die Zecher.

Sollst leben!" rief lachend der eine Mann Und leerte den Becher schnelle;

Doch eine funkelnde Thräne rann Ihm in die beschäumte Welle.

Deß lachten die Andern im wilden Hohn: Was scheren Dich Sorgen und Schmerzen? Stolz ist und glücklich der Freiheit Sohn, Fern stehet die Welt seinem Herzen!"

Der Andre sprach;0 lasset mich

Der Jugend die Thräne weihen, Dann trete zum blutigen Kampfe ich Gekräftigt in Eure Reihen;

Auch mir hat die rosige Liebe gelacht;

Ach, sie ist lange verdorben, Seit mich in solcher Gewitternacht Der Hauptmann zum Räuber geworben!"

Da blicken still vor sich hin die Drei, Sie mögen nicht trinken, nicht scherzen; Es zog wohl von Jugendlust vorbei Ein Bild vor ihrem Herzen.

Da horch! da durchtönt ein gellender Ton

DeS Donners Nollen und Krachen, Daß auS dem Sinnen und Träumen davon Die drei Gesellen erwachen!

Schnell ist die sichere Büchse gespannt, Der Hut auf die Locken gebunden; Dann geht es hinaus in das dunkle Land Zu neuen Schmerzen und Wunden!

Stolz und Liebe,

(Nach dem Englischen.)

Meine Lebensgeschichte ist reich an seltsamen Zufällen. Durch meine Geburt zur Dunkelheit verdammt, habe ich dem boshaften Eigensinne der Menschen meine Erhebung zu verdanken.

Ich bin geboren in einem Dörfchen in der Nachbar­schaft von Montelimar. Mein Vater wurde in seinem hohen Alter so arm, daß er sich genöthigt sah, Blasc- balgfliker zu werden. Dieses Handwerk nun, wirklich niedrig genug, sollte auch daS meinige werden. Anfangs zufrieden, bei meinem Vater zu arbeiten, blieb ich auch bei ihm, bis ich darin mehr Geschicklichkeit erlangte, als er befaß; bald aber wurde ich begierig, meine Talente auf einem größeren Theater anSzuüben. Ich machte also einen Ausflug bis vor die Tbore von Montelimar. Es glückte mir über meine Erwartung, und ich wurde dadurch bestimmt, mich auf gut Glück in die Welt zu wagen. Durch Arbeit hatte ich einiges Geld erspart, davon gab ich nun einen Theil, meinem Vater, und mit dem Reste machte ich mich auf nach Lyon. Ich kam nach dieser schönen Stadt; mit allem Zubehör meines Hand- werks auSgerüst.t, machte ich mich und meine Beschäf­tigung in feder Straße und in feder Versammlung bekannt. Ich war jung, hübsch und thätig, und mein Glück war gemacht.

Eines AbendS, als ich spät nach Hause zurückkehrte, d. h. nach der Dachstube meines Hauses, welche näm­lich Schlafkammer und Kornboden zugleich war wurde ich von vier wohlgckleideten jungen Männern angeredet, die wahrscheinlich von einer nächtlichen Schwärmerei zu- rückkamen. ES war in einer abgelegenen Straße, in dem Theile von Lyon, der St. Cair heißt. Einer von ihnen machte sich über mein Handwerk lustig; ich ant­wortete ihm gleichfalls mit einer Neckerei, die wohl kräf­tig gewesen sein muß, denn überrascht blieben sie stehen,