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lera schon Hereinbreche, auS Paris werden müsse, wenn die Geschäfte in der jetzigen Stockung blieben und alle Mittel zur Bekämpfung des Elendes sich fruchtlos erweisen sollten. Ein Republicancr von früher her wagte die Aeußerung, daß man vor der Rückkehr zur Monarchie es mit der rothen Republik versuchen müsse. Der allgemeine Ruf der Versammlung ließ ihn nicht weiter reden und Cavaignac stand mit dem Worte auf: Nie!
Paris, 22. August. Nicolo Tommasseo ist in einer diplomatischen Sendung Seitens der provisorischen Regierung von Venedig nach Paris abgereist. — Das Gerücht, daß auch die Presse suspendirt werden solle, hat sich bis heute nicht bestätigt. — Die öffentliche Stimmung ist heute wieder ziemlich beruhigt. Es haben keine weitern Demonstrationen stattgefunden.
— Der deutsche Reichsgesandte bei der französischen Republik, Hr. Fr. v. Raumer, ist in Paris angekom- men.
— Der Kaiser von Rußland soll dem französischen Cabinet erklärt haben, daß eine Intervention Frankreichs in Italien die unverweilte Abberusung des russischen Gesandten von Paris zur Folge haben werde. Herr v. Kisseleff soll sogar am Samstag Abend seine Pässe schon verlangt haben.
Paris, den 24. August. Contreadmiral Trehouart soll mit seiner Flotte vor Venedig gegangen sein, um die dortigen Franzosen zu schützen und die Eingebornen an Bord zu nehmen, welche durch die Ereignisse genöthigt werden könnten, die Stadt verlassen zu müssen.
Paris, 24. August. Gestern ist der famose Rian- court, früher Galeerensclave, dann durch Herrn Ledru- Rollin zum Commissair der Republik ' befördert, und zuletzt wegen eines Meuchelmordes flüchtig, arretirt, und sogleich in sicheren Gewahrsam gebracht worden.
— Ein Enkel des General Kleber ist als Volontair in die mobile Garde eingetreten und von seinen Kameraden mit Stimmeneinhelligkeit zum Fourier befördert worden.
Italien.
Rom, 7. Aug. Unsere Martialisten sind seit gestern in einer verzweifelten Lage, nachdem fünf Staffelten rasch nach einander eingetroffen sind, welche die Invasion von drei Legationen zur Meldung ausgebracht haben. Dee Kammern sind sofort in geheimer Sitzung zusammengetreten und befanden sich spät am Tage noch in heißer Berathung. Unterdessen hat der Kriegsminister eine Proklamation an die Soldaten und Bürger gerichtet, in welcher er onzeigt, daß die Legationen in der That schon besetzt seien von feindlicher Heeresmacht. Das Vaterland wende sich daher setzt in seiner Noth an die braven Soldaten, die tapferen Bürgergarden und Freiwilligen und an fene Helden, die sich bei den letzten KriegSereignissen ihrer so würdig gezeigt hätten. Fern sei es von ihm, dem Kriegsminister zu glauben, daß der Heldengeist von ihnen gewichen sei. Er erinnere sic an niedergebrannte und zerstörte Städte, an geschändete Frauen und Töchter, an die Greise und Kinder, welche niedergemetzelt worden seien. Zu den Waffen rufe er, zu den Waffen im Namen des Gottes, welcher ein Volk, das seine Rechte und seine Laren vertheivige, unmöglich der vandalischen Wuth eines grausamen Feindes überlassen könne. Nach Abhörung des Willens Sr. Heiligkeit verordne er daher, daß die Bürgerlegionen und Freischaaren, welche aus dem Venetianischen zurückgekehrt seien, ihre Reihen mit allen denjenigen verstärken möchten, die sich anschließcn wollten. In allen Städten und Ortschaften des Landes sollen bewegliche Colonnen in Compagnieen von nicht weniger als fe 150 Mann gebildet werden. Jedes Corps soll Füh. rer des eigenen Vertrauens und einen Verwaltungsrath erhalten, der für Kleider und anderen Bedarf zu sorgen hat. Das nöthige Gelb solle dem KriegSministerium abverlangt werden. Sobald diese Milizen geordnet sein würden, sollen sie augenblicklich nach zwei Seiten hin ab- marschiren, die Einen nach der Cattolica, die Anderen nach Ancona. — Beim Volke ist das Vertrauen allgemein gesunken. Daö welthistorische Zu spät! erschallt
von allen Seiten. Diejenigen, welche sich nach Ordnung und Frieden sehnen, danken Gott für die Aussicht auf Befreiung von einer Revolutions-Despotie, die täglich drückender wird, die viele Cardinälc veranlaßt hat, sich von Rom zu entfernen, und die den ganzen Cleruü vor sich herschcucht wie flüchtige Rehe. — Die Fanatiker haben gestern Abend allerlei Versuche gemacht die Begeisterung zur wilden Flamme aufzuschüren. Man hörte sogar zum Niedermetzeln aller hier anwesenden Fremden im Cassé nuovo auffordern, und zu wiederholten Malen zog man zu dem französischen Botschafter, um ihn zur Beschleunigung französischer Hülfe aufzufordern.
Palermo, 1. August. Gestern, und was ziemlich merkwürdig ist, am St. Jgnatiustag hat die Depu- tirtenkammer den Jesuiten- und alle mit demselben verbundenen oder verwandten Orden aufgehoben. Die fremden Mitglieder sollen das Land meiden, die Staatsbürger hingegen mögen bleiben und erhalten einen sehr mäßigen lebenslänglichen Gehalt.
Schtveiz.
Zürich, 22. Anglist. Die Verfassung haben weiter angenommen:
Luzern mit 15114 gegen 10931 Stimmen,
Schaffhausen „ 3878 „ 1138 „
Aargau „ 20668 „ 8631 „
In St. Gallen kann man die Annahme bereits als sicher betrachten.
Die Schweiz (sagt die schweizerische Nationalzeitung vom 19. August) ist gegenwärtig von nach Frankreich sich begebenden italtemschen Flüchtlingen überschwemmt; vom Münsterthal . in Graubünden bis zum Simplon kommen sie von allen Seiten schaarenwcise herein. L>ie reisen in verschiedenen Richtungen über Basel, Bern und Genf nach Frankreich und werden auf ihrer Durchreise von Privaten oder Behörden unterstützt. In Bern hat ihnen die Regierung eine Caserne eingeräumt und die dortige französische Gesandtschau versieht dieselben mit Paffen und Reisegeld. Laut dem „Berner Verfassungsfreunb" wäre am 17. durch einen Privatbrief aus Chur der Bericht nach Bern gelangt, daß sich gegen 5000 Piemontesin, Lombarden und andere Freiwillige, vom Tonale, Stilfserjoch u. s. w. nach einem mit den Tyrolern bestandenen Gefecht in das benachbarte Münsterthal zurückgezogen, die Waffen niedergelegt und den Wunsch ausgedrückt haben, nach Piemont befördert zu werden. Churer Blätter »cm 16. d. melden nichts davon.
Bon der Schweizergränze schreibt die Deutsche Zeitung: Am 11. fand in Badem (Schweiz) eine Versammlung deutscher Flüchtlinge Statt, um über ihr ferner einzuhallendes Verfahren zu berathen. Hecker, mit welchem die Flüchtlinge unzufrieden und verfallen sind, war nicht zugegen. Struve hatte den Vorsitz. Die Ueberzeugung, daß für die nächste Zeit keine Aussicht auf Erfolge vorhanden, machte sich, trotz aller sonstigen Selbsttäuschung dieser Partei, denn doch geltend, wozu namentlich Radetzky s Siege beigetragen zu haben scheinen. Es ist bezeichnend für die Bestrebungen dieser Leute, daß sie, während sie auf Deutschland feine Hoffnung mehr setzen, ihr künftiges HAl wiederum nur von Frankreich erwarten. Der Beschluß war nämlich: eine neue Umwälzung in diesem Lande sei abzuwarten, ehe man die Bestrebungen für Deutschland erneuern wolle. Da Frankreich aller Umwälzungen sehr müde zu sein scheint, ja sich so sehr nach Ruhe, Wiederbelebung des Credits und Erwerbes sehnt, daß es selbst dem Einzug Radetzky's in Mailand friedlich zusieht, so werden sich die deutschen Flüchtlinge wohl lange Ferien gönnen dürfen. Hecker's Gesundheit hat gelitten und seine Stimmung ist gedrückt. Am 7. September reist er nach Amerika ab. (Aehnlich lautet eine Corre- sponbenz in der Karlsruher Zeitung in Betreff obiger Versammlung. Auch aus Colmar wird uns neuerdings geschrieben, Hecker reise gegen Mitte September nach Amerika. Daß er selbst diesem Gerücht widerspricht, haben wir angeführt. Jener Brief aus Colmar fügt
bei, mit der Fraktion Heinze-Struve hätten sich auch die Schweizer unter Becker und Lommel vereinigt und alle zusammen hätten dieser Tage in Basel mit Pompeo Litta und Mazzini Unterhandlungen gepflogen.)
Ungarn.
Pest h, 15. Aug. Gestern hat sich hier die Nachricht verbreitet und eine in hohem Grave freudige Sensation verursacht, daß die rebellischen Raizen oder Ser- ben bei Perlasz eine entscheidende Niederlage erlitten, bei welcher Gelegenheit ihr dortiges Lager, freilich nach vielem Blutvergießen, erstürmt worden sei. 6000 Rai- zen sollen niedergemctzelt, von Seite der Ungarn über 1000 gefallen sein, worunter 20 Offeriere. Vorzüglich wurden die Reihen der Nationalgarde gelichtet; eine Abtheilung derselben soll in dem dortigen Kanal ihr Grab in den Wellen gefunden haben. So viel steht fest, daß eine große Anzahl unserer Ofsiciere theils ge- tödtet, theils verwundet, theils gefangen genommen wurde. — Jellachich hat Fiume besetzt. — Wir haben hier eine sehr große Geldverlegenheit in Folge deS vom ungarischen Finanzminister als Repressalie ansgegangenen Verbots, die österreichischen Ein- und Zweiguldenbanknoten bei den öffentlichen Kassen anzunehmen, da auch viele Privaten dieselben anzunehmen sich weigern, was im Handel und Verkehr besonders große Stockung und Verwirrung verursacht.
Königreich der Niederlande.
Maestricht, 19. Aug. Ueberall herrscht Ruhe. Die Aufregung hat sich gelegt, und die mobile Solenne wird dieser Tage in die Festung zurückkehren.
Belgien.
Brüssel, 21. Aug. DaS „Journal de Brurelles" meldet: Die Nachrichten, welche uns von vielen Seiten zulaufen, deuten auf eine gewisse Wiederbelebung der Geschäfte. Das Zutrauen kehrt zurück, die Kapitalien werden aufs Neue in Umlauf gesetzt, man nimmt die eingestellten Unternehmungen wieder auf, und die arbeitenden Classen finden wieder nach und nach Beschäftigung. Diese Bewegung ist ein gutes Vorzeichen; sie beweist, daß die Gefahren eines allgemeinen Zusammenstoßes schwinden, daß die öffentliche Meinung sich genugsam gekräftigt hat, um den Sieg der abscheulichen Lehren nicht mehr zu fürchten, welche von Müssiggängern und neidischen Menschen gepredigt werden.
Amerika.
Vom Missouri, 8. Juli. Auf die Auswanderung nach Amerika werden die neuesten Zeitereignisse einen großen Einfluß ausüben. Verfolgte Patrioten, die bisher zu unsern besten Bürgern gehörten, werden nun wohl nicht mehr an unsern Küsten landen; dagegen wird vielleicht eine andere Art „Europamüder" künftig hier eine Zufluchtsstätte suchen. Wie solchen das hiesige Leben behagen wird, müssen wir erwarten; Wir können ihnen die Versicherung geben, daß Titel und Würden, die sie früher getragen haben, uns nicht verhindern werden, sie willkommen zu heißen, wenn sie nur in unsere hiesige Weise sich fügen, d. h. zugreifen, wo es zu arbeiten gilt, und die andern neben sich selbst gleich achten. Nach dem, was ich von den Zuständen Deutschlands weiß, wird für einen nicht unbeträchtlichen Theil seiner Bevölkerung auch unter der vortrefflichsten Verfassung nur dann eine befriedigende Lage herzustellen sein, wenn die Auswanderung unter Schutz des Staates gestellt und die Uebersiedelung überhaupt gefördert wird. Die beste Verwendung der Summen, welche an Militärausgaben re. erspart werden können, wäre wohl die Uebersiedelung der Besitzlosen nach Nordamerika, doch so ausgerüstet, daß sie diesem Lande nicht zur Last fallen und wir nicht genöthigt sind, Einspruch gegen ihre Einwanderung einzulegen. Der fleißigen Hände können nicht zu viele hierher kommen; doch die Seestädte find zum Theil schon überfüllt.
Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.
Edictalladung.
Ueber das Vermögen des Philipp Corcelius und seiner Ehefrau Anna Maria geborne Schmidt von Zorn ist der Concursproceß erkannt und das Urtheil rechtskräftig geworden.
Dingliche und persönliche Ansprüche an die Masse sind Dienstag, den 26. Sept. 1848 Morgens 9 Uhr dahier unter dem Rechtsnachtheile deS ohne weitere Decretur eintretenden Ausschlusses von der vorhandenen Masse geltend zu machen.
Langenschwalbach, den 22. August 1848. r A Herzoglich Nassauisches Amt.
Winter.
° '<?en 201 September Morgens 11 Uhr ™ t Ge^g Friedrich und PL m t e$r öon Orlen gehöriges Wohn- «fto^ '""^ schä-hä- iff-M-ch
Wehen, den 21. August i848.
Herzogs. Landoberschultheißerei. Seyb erth,
(770) a. A.
Edictalladung.
Concurs über das Vermögen der Johann Arnolds Wittwe zu Weinähr.
Nachdem über das Vermögen der Johann Arnolds Wittwe von Weinähr rechtskräftig der Concursproceß erkannt worden ist, so wird zur Anmeldung dinglicher und persönlicher Ansprüche an jenem Vermögen bei Vermeidung des von selbst eintretenden Ausschlusses Termin auf
Mittwoch, den 27. Septbr. l. I. Morgens 8 Uhr anberaumt.
Nass au, den 15. August 1848.
Herzoglich Nassauisches Amt.
(772) Heye.
Am Dienstag, als den 29. l. M. des Mittags um 12 Uhr soll in der hiesigen Gemeindestube die Jagd in hiesiger Gemarkung zum zweiten Male meistbietend verpachtet werden.
Kloppenheim, den 24. August 1848.
Goßmann,
(773) Schultheiß.
(774) Bei Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz ist zu haben:
Wichtige Schrift für die Herren Volksabgeordneten in der nassauischen Kammer.
Der Domainenstreit im Herzogthum Nassau. Nach seinen Urquellen erläutert und nach Rechtsgrundsätzen gewürdigt. Frankfurt, bei Sauerländer, 1831. Preis 1 Gulden.
Drues und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Redaction unter Verantwortlichkeit des Herausgebers Wilhelm Friedrich.