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tion Frankreichs gegen die Erneuerung der Feindseligkeiten unserem Ministerium übergeben oder vielmehr vorgelesen. Diese Proklamation ist aus die Garantie bafirt, welche Frankreich in Verbindung mit England bei dänischen Krone 1720 auf ihre Besitzungen gewährt habe. Auch eine Protestatio» Englands ist hier eingetroffen und wird bald in die Hände des Conseils- Präsidenten niedergelegt werden. Alle diese Nachrichten sind authentisch.
Berlin, 23. August. [Unruhen und Straßen- Tumulte.) Es liegt uns einmal wiederum die sehr schmerzliche Pflicht ob, über beklagcnswerthe Vorfälle, welche die Ruhe unserer Stadt vorgestern gestört haben, zu berichten. Die Charlottenburger Auftritte vom Sonntag hatten besonders am folgenden Tage hier übelen Eindruck gemacht. Gruppen auf den Straßen erzählten davon, und die Erbitterung stieg, als ein in aufregender Sprache verfaßter Maueranschlag des demokratischen Clubs die Vorfälle in Charlottenburg mit den übertriebensten Farben schilderte. Schon Vormittags wurde, nachdem die Arbeiterbewegung vor dem Hause des Ministers für Handel, Gewerbe und öffentlichen Arbeiten stattgehabt, in dem Kastanienwalde cr- zählt, daß Abends auf dem Opernplatze eine Volksversammlung sein werde. Wirklich begann dieselbe um 7% Uhr am angezeigten Orte, und es wurden Reden gehalten, bei welchen, nach dem Vorgänge der engl. Chartisten und irischen Conförderirten die Namen der Redner wenig oder gar nicht bekannt wurden. Die Charlottenburger Vorfälle waren au der Tagesordnung, und es wurde der Ruf nach der Absetzung des Ministers des Innern laut. Bald darauf zogen Tausende von Menschen nach der Wohnung des vorgenannten Ministers (Linden 73), wo der Bescheid aus dem Fenster ertheilt wurde, daß der Minister nicht zu Hause sei. Dieser Bescheid genügte den tobenden Massen aber nicht, sie erzwangen den Eingang und zogen, als sie sich von des Ministers Abwesenheit nach Dnrch- stöberung der Zimmer überzeugt hatten, nach der Wohnung des Zustizministers (Wilhelmsstraße 67.) Da auch dieser nicht zu Hause, vielmehr in der Moutagö- Soiree des Ministerpräsidenten war, so wälzten sich die Massen nach dem gegenüberliegenden Hotel des letzter» (Wilhelmsstraße 74.) Die ganze Straße bis zu den Linden war, wie in den Maitagen, mit Menschen dicht angefüllt. Eine Deputation, wie man hört, des demokratischen Clubs, erhielt Eintritt in das hell- erleuchtete Haus, um den Ministern ihr Anliegen: Amnestie für alle politische Verbrecher, vorzutragen. Inzwischen war namentlich die Rampe dieses, wie des gegenüber liegenden Justiz-Minister-Hotels mit Menschen besetzt. Plötzlich erschien — man weiß noch nicht woher — ein Piket Schutzmänner, um die Rampe des erstgedachteu Hotels zu säubern, und man erblickte die gezogenen Säbel der Schutzmänner. Mâ erhvW.sich ein furchtbarer Sturm. Die Massen drängten vorwärts, das Steinpflaster wurde aufgerissen und Steinwürfe flogen gegen die Schutzmänner und mannigfache Verwundungen in den Volkshaufen sind zu beklagen. Die entfesselte W. th wandte sich nun gegen die Scheiben des Hotels des Minister-Präsidenten, und es wurden nun im Hause selbst Zerstörungen angerichtet, die eisernen Latcruen-Candelaber vor dem Hause aus- gerissen und so stieg der schmähliche Unfug hier und im Hause des Justizministers, welcher letztere durch einen Wurf am Fuße verletzt ward. Unter den blinden wurden die eisernen Querstangen, welche die Bäume einschließen, ausgebrochen, das Straßenpflaster von muthwilligen jungen Buben, unter Leitung aufgerissen und an der Ecke der Behren- und Friedrichsstraße erhob sich aus Steinen, Stangen, Bänken u. s. w. eine Barrikade, welche indeß baldigst beseitigt wurde. So boten die Linden und die Wilhelmsstraße ein trauriges Bild roher Zerstörungswuth dar. Noch muß bemerkt werden, daß während des Tumults vor dem Hotel des Minister-Präsidenten aus den Volkshaufen zwei Pistollenschüsse fielen, deren Abfeuerer man nicht gewahren konnte; es soll gegen die Schutzmänner gezielt worden sein. Als der Tumult überhand nahm, rückte vom Wilhelmsplatze und von der Neustadt Hess Bürgerwehr, welche unter Trommelschlag öfters im ^tutm- schrilt vorgehen mußte, um Platz zu schassen. Das Allarmiren nahm freilich Zeit hinweg und in der französischen Straße wurde sogar dem allarmirendcn Hornisten das Horn entrissen.' Noch um Mitternacht waren die Linden und die benachbarten Straßen mit wo- Zenden Massen angefüllt, während die Bürgerwehr fortdauernd auf dem Posten blieb. Erst in später Nacht verlief sich die Menge allmählig. Einige fünfzig Er- ccdcnten wurden verhaftet, darunter einer mit einer geladenen Schußwaffe. Von der Schutzmannschaft sind etwa dreißig Personen mehr oder minder verletzt, getödtel ist keiner.
Berlin, 17. August. Der Reichsvcrsammlnng ist eine summarische Nachweisung der Einnahmen unD Ausgaben des Staatsschatzes seit seiner Errichtung im Jährt 1820 bis Ende December 1847 vvrgelcgt wor- beu, wobei zugleich der Jahresrechnungsschluß für 1847 bis zum 16. März 1848, also genau bis zum Endpunkte des alten Regirrungssystems, hinausgerückt worben ist. Am 16. März d. J. befanden sich in der Schatzkammer 8 Mill. 112,807% Thlr. in Friedrichs, bor zu 5 Thlr., ferner 903,9(56% Thlr. in Dukaten zu 2% Thlr., endlich 5,266,000 Thlr. in Courraul, überhaupt also 14,282,804 Thlr., wozu noch an Agio treten 1,244,426 Thlr., so daß die @e sammt summe Msträgt 15,527,230 Thlr. Bei der Rendantur des Staatsschatzes befanden sich ferner in Staatsschuld-
scheinen unb in Courrant 3,906,736 Thlr., außerdem ein zur Realisation der Caffenanweisungen angesam- melter Scparatsonds von 4 Mill. Thlr., welche aber am Ende vorigen Jahres nicht baar vorhanden war, da dessen ÖefammtbeftanD zu einem Vorschuß an die GeneraMatecasse behufs der Getreideausfuhr verwendet worden war. Das Vermögen des Staatsschatzes betrug hiernach Ende 1847 die Summe von 23 Mill. 433,967 Thlr.
Stettin, 17. August. Das zu bildende Marine- Bataillon wird bestehen aus: 13 Df steteren, 22 Un- teroffieieren, 440 Gemeinen. Es wird im Laufe des Sommers oder Herbstes zusammentreten und auf dem damm'schen See während der Dauer von 8 Wochen auf den jetzt im Bane begriffenen Kanonenböten und Jollen Uebungen anstelle».
Wittenberg, 21. August. Am l9. d. M. hatten sich in unserer friedlichen Stadt die Deputirten der Frankfurter und Berliner National - Versammlungen, Robert Blum und Graf Reichenbach, in deren Gefolge sich noch vier andere Herren befanden, ein Rendezvous gegeben. Der Assessor Ebert von hier stellte sich in ihrer Gesellschaft ein.
Bochum, 13. August. Wie ein Inserat der Köln. Ztg. berichtet, haben hier bei Gelegenheit der Erb- cheilung eines Käimnereivermögens, um welches die Berechtigten 20 Jahre proccssirt haben, Unruhen stattgefunden, welche 7 Menschen das Leben gekostet haben sollen. Die durch Generalmarsch berufene Dürgerwehr erschien nicht auf diese Aufforderung.
Hannover, 21. August. Das Schiff „Grönland" von Lesum, soll mit einer reichen Ladung von 3 Wallfischeu und 5000 Robben auf der Rückkehr von Grönland am 8. d. M. von einem bei Helgoland stationir- ten dänischen Kriegsschiffe genommen worden sein. Die Ladung wird auf 25—26000 Rthlr. geschätzt. Die Bemannung besteht aus 54 Mann, unter denen 30 verheiralhet, größtMtheils Hannoveraner, deren Fami' licn durch Entbehrung des Lohns und des Antheils
am
Gewinne in große Noth gerathen. (H. Z.)
Kchleswig-Hotsteittische Angelegenheiten.
* Flensburg, den 21. August 1848.
(Correspondenz - Artikel.)
So eben rückt auch das 3ie Bataillon des nass. Contigeiitü hier ein. General Major Alefeld übernimmt nun den Befehl über die combinirle Brigade, bestehend aus 3 Bataillonen Nassauer, 1 Bataillon Weimarner und 1 Bataillon Frankfurter.
Morgen den 22. rückt diese Brigade zur Uebernahme der Vorposten aus und erhält folgende Diolo- cation:
Der Generalstab und das Bataillon Weiz nach Grasenstein.
Das Bataillon Weimar, nach.Atzbüll und Fischbeck.
Das. Bakailloo^Zwankfurt nach. Rinkeness, Alsnoer und Troppë.
Das Bataillon Gödecke und der Regimen csstab nach Berken, Randerof und Monkmühle.
Das Bataillon Dümmler nach Collund, Süder- Haf und Hohnschnap.
Um 11 Uhr des 22. müssen die Vorposten übernommen werden, das Bataillon Dümmler, das heute die Wache bezogen, wartet seine Ablösung ab.
Die bisher auf Vorposten gestandene hannöverische Infant.rie-Brigade besetzt mit 2% Bataillonen Flensburg , je 1 Comgagnie Wupersleben und Cruson. Ein Bataillon (Oldenburger) geht zu seiner Brigade nach Dem Lundtoff.
Der Brigade Alefeld ist eine Schwadron Dragoner und eine Batterie 9 Pfänder betgegeben.
Unsere Artillerie — noch nicht angekommen — wird vorläufig in Rendsburg bleiben.
Die Gesundheit der Truppen ist gut. Die gelieferten Lebensmittel bestehen in 2 Pfund Brod, % Pfund Fleisch, 8 Loih Reis, 2 Loth Salz und % Quart Branntwein.
Außerdem hat jeder Mann beständig bei sich:
1% Pfund Zwieback, % Pfund Reis, 2 Lth. Salz, % Quart Branntwein.
Da, wo es gewünscht wird, kann für je % Pfb. Brod 1 Loth Kaffee und für % Quart Branntwein 1% Loth Kaffee verabreicht werden.
Die Lebensmitteln werden bei den Einwohnern, so lange es geht, gekocht und sind dieselben^ insbesondere das Fleisch, sehr gut.
Privatbriefe aus Dänemark besagen, daß der König den abgeschlossenen Waffenstillstand genehmigen werde. General von Below wird feit zwei Tagen im Hauptquartier von seiner diplomatischen Sendung erwartet.
Instand.
Republik Frankreich.
Paris, 21. August. Rußland hat die französische Republik anerkannt und einen besonderen Bevollmächtigte hiehcr gesandt. General Leflot, Freund deS Generals Cavaignac, ist zum Gesandten nach St. Petersburg er- nannt.
Paris, 21. Aug. Nachdem „Journal deâ Debats ist der Geschichtsschreiber Friedr, v. Raumer dahier mit dem Auftrage angelangt, dem General Cavaignac die Sympathieen beß Erzherzogs Reich âvcrwcscrö für Die französische Regierung auozusprechen. Das gedachte B.att fügt bei: Wenn der Auftrag beß Herrn v. Raumer fiep nach auf andere Fragen und insbesondere auf den etwaigen Wunsch Deß ganzen deutsche» Reichs erstrecken sollte,, an den Unterhandlungen in Betreff Ftalienö Theil zu nehmen, so würde dies, wie man unS versichert, nur mit der deutlich ausgesprochenen Absicht geschehen, eine rein
versöhnende Stellung zu Gunsten der italienischen Freiheiten für den Fall anzunehmen, daß diese durch ungerechte Ansprüche sich bedroht finden sollten. Eine solche Politik stürbe eben so sehr der gesunden Vernunft, als den Interessen Deutschlands gemäß sein. — Vier Bri- gadegencrale sind zu Divisionsgeneralen und sieben Obersten zu Brigadegencralen befördert worden.
Paris, 21. Aug. Was Lord Palmerston neulich im englischen Parlamente über die irrig verbreitete Ansicht gesagt hat, nach welcher Frankreich ganz außer Stande wäre, eine bewaffnete Intervention auözusühreu, wird hoffentlich nicht verfehlen, am geeigneten Orte den nöthigen Eindruck zu machen und zu vorsichtigerer, milderer Sprache und Politik aufzufordcrn. Es wäre in der That ein beklagenâwerther Irrthum, wenn man sich auf die inneren Verlegenheiten Frankreichs und der scheinbaren Unmöglichkeit, die Kosten eines Krieges aufzubringen, verlassen wollte, um Ansprüche geltend zu machen, welche die hiesige Regierung in ihrer Eigenschaft als Vermittlerin von der Hand weisen müßte. So groß auch von Seiten Cavaignac's der Wunsch sein mag, die Ruhe und den Frieden Europa's aufrecht zu erhalten, so wird er doch nie dieser Rücksicht die Würde und Ehre deS französischen NamenS opfern wollen. So weit eS uns möglich gewesen-, uns von dem Charakter deS Generals ein Bild zu machen, glauben wir annehmen zu dürfen, daß er nicht der Mann ist, mit schönen Phrasen zu bezahlen oder sich bezahlen zu lassen, daß eS ihm Ernst da- mm ist, in der italienischen Frage vermittelnd aufzutre- ten, daß câ ihm aber nicht weniger Ernst ist, wenn seine Hoffnung, daß man in Wien und Frankfurt versöhnliche» Vorschlägen geneigtes Gehör geben werde, fchlschlägt, seinem Manifeste und dessen Consequcnzcn treu zu bleiben. In dieser Rücksicht ist der Einmarsch deö Generals Melden in die päpstlichen Staaten ein Ereigniß von großer Wichtigkeit; man hatte gehofft, daß die Nachricht, die österreichische Regierung habe diese GcbietSvcrletzung nicht gut geheißen, sich bestätigen würde, aber dem ist nicht so, und sowohl dieser Umstand, alö die Langsamkeit und Unentschlossenheit, welche in Wien zu herrsche». scheint, soll daS hiesige Cabinet veranlaßt haben, an das österreichische , so wie an daS Rcichüministerium eine Note zu richten, daß von Vermittelung französischerseitS nur erst von dem Augenblicke an zu denken wäre, wo die österreichischen Truppen die Legationen gänzlich geräumt hätten, und daß jede darauf bezügliche Weigerung einer Kriegserklärung gleich betrachtet werden würde. Niemand wird in dieser Anforderung eine zu tadelnde Anmaßung finden wollen, vielmehr verdient cö die größte Anerkennung, daß Frankreich, dem sich seit den letzten Ereignissen ganz Italien mit Hoffnung zuwendet , fortwährend Mäßigung beweist, und wollte die deutsche Diplomatie dieselbe zurück stoßen und sich in gewohnter Weise zur
wcrSd' sich mit Macht dagegen erheben und nicht dulden, daß man der deutschen Ehre, sowie der deutschen Sache einen so empfindlichen Schlag beibringe.
— In der Nacht vom 16. August waren bei Ca- vaignac die Minister, der Seinepräfect, der Polizeipräfect, der Präsident und etwa 20 Mitglieder der National- Versammlung zu einem außerordentlichen Conseil versammelt. Cavaignac bezweckte dabei, eine Art Berathung über den jetzigen Zustand der Republik zu veranlassen, um zu wissen, ob sie verloren oder gewonnen habe, ob sie auf gutem Wege sei oder nicht, und insbesondere ob ihr Heil von Anwendung dieser oder jener Mittel abhange. Zuerst wurde anerkannt, daß, trotz der Unbe- quemlichkeiten, welche die Veröffentlichung aller auf die Untersuchung bezüglichen Aktenstücke für einige Förderer Der Republik ober für diese selbst haben könne, jetzt ein Zürücktreten nicht mehr möglich sei, da die National« Versammlung sich durch dreifache Abstimmung gebunden habe. Cavaignac seinerseits erklärte auch, daß er, wie Die Sachen ständen, weder die Kraft noch den Wille» in sich fühle, dagegen aufzutreten, daß die DiScussio» ihren Gang gehe, gleichviel ob ihr Ergebniß mehr oder minder beklagenswcrth sei. Man sprach sodann weitläufig von dec feindlichen Stimmung, welche sich allgemein in Der Provinz gegen Paris und sogar gegen die Republik kund gebe und so ansteckend zu werden drohe, daß man sie bald nicht mehr werde bekämpfen können, wenn Die Regierung nichts zu thun vermöge, um ihr daS Gegengewicht zu halten. Die Deparrementalpresse theile, wenige republicanische Blätter ohne Einfluß ausgenommen, offen jene Stimmung und scheine sic krä'tigst unterstützen zu wollen. Man besprach ferner die wichtige Thatsache, daß daS Volk von Paris und die Arbeiter selbst sich dem Glauben hinzugeben begännen, unter der Republik würden die Arbeit und die Geschäfte nicht wie- der aufleben, während vielleicht ein König, dess plötzlich bas Vertrauen zurückbringe und den Reichen Sicherheit einflöße, mehr Garantiecn für eine Stabilität in der Regierung barbieten und somit der Gesellschaft jenes Vertrauen auf sich selbst zurückgeben würde, ohne welches sie sich unmöglich ihrer ganzen Thätigkeit hingeben könne. Der Arbeiter äußere, man müsse ruhig sein und auf den nächsten Tag zählen können, wenn von Geschäften, vo» Bestellungen, Kauf und Verkauf die Rede sein solle. Könne die Republik ihre Versprechungen nicht halten, so müsse sie die Arbeiter ohne Beschäftigung lassen und bann würden diese eine Monarchie vorziehen, unter der sie doch wenigstens ihr Brod verdienen könnten. Am meisten bekümmert war baß Conseil über die stets sich verschlimmernde Lage deö Handels und der Industrie, während der Winter und somit die Einstellung so vieler Arbeiten vor der Thüre sind. Mehrere Anwesende wiesen darauf hin, was in drei oder vier Monaten, zumal da die Cho-