Einzelbild herunterladen
 

K"- 153.

Raffauifchc Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutsche» Volkes?

Wiesbaden, Samstag, den 26. August. 18L8.

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogtums für fl. 2. 12 kr. incL Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Uebersichten , Crörternngen und

Aktenstücke.

Die deutsche Secunmacht.

<Aus der Augsb. Allg. Zeitung.)

Von der Nordseeküste, 15. Aug. Heute ist der Tag, an welchem die angedrohnte Sperrung unserer Nordscrbäfrn von der Eidèr bis zur Jahde ins Leben tritt, und schon seit einigen Tagen kreuzen die hierzu bestimmtenZvier dänischen Kriegsschiffe .unter dem Be­fehl des Admirals Steen Bille zwischen Helgoland und der Mündung der Weser und Elbe. Das heißt also: höchstens 1600 Dänen mit höchstens 160 Geschützen halten eine Küstcnstrecke im Schach, welche nach einem mäßigen Anschläge wenigstens 10,000 ebenso gute, viel­leicht noch tüchtigere Seeleute, und vermöge ihrer rie­sigen Geldkräfte wenigstens 1000 Geschütze ihnen cnt- gègenznstellen , also mit einem Viertheile dieser Macht die Feinde in einem Tage zu vernichten vermöchte wenn seit dem Wiedererwachen des deutschen National- sinns, seit 1840, nicht blos Journalisten und einige Poeten , sondern auch die Regierungen oder doch we­nigstens die großen Handelsherrn in Hamburg und Bremen sich mit dem Gedanken der Nothwendigkeit ei­ner deutschen Flotte innig vertraut gemacht und sich mit der Ausführung ernstlich beschäftigt hätten. Wir wollen nicht müde werden, an solche Mißverhältnisse zu träniern , so lange der Krieg noch dauert und die Obren für solche Vorstellungen noch offen sind: indem zu fürchten steht, daß nach dem Eintritte des Friedens die alte saumselige Sorglosigkeit wieder die Oberhand gewinne. Aber wohl dürfen wir fragen: warum ist von deutscher Seite noch nicht mehr geschehen i Der Hamburger Handelsstand hat durch die preiswürdigsten Anstrengungen bereits eine Flottille ausgerüstet, die bei günstigem Wetter immerhin einer und auch wohl zwei dänischen Fregatten den Kampf anbieten kann: eine Fregatte von 36 Kanonen, mit 18 Pfändern auf dem Deck und 36 Pfünder in der untern Batterie; eine Corvette von zwölf 18 Pfändern und drei Dampfboote, die vorne einen 56 Pfänder und auf den Seilen einige 24 Pfünder führen, und die vor der Hand von eng­lischen Offizieren befehligt sind. Dazu kommt der hol­steinische Schooner Elbe mit 8 Kanonen und wenigstens ein Kanonenboot. Viele Hunde aber sind des Hafens Tod. Wenn diese Flottille während einer Windstille, wie sie in der jetzigen Jahreszeit zu erwarten sind, eine vereinzelte dänische Fregatte oder selbst zwei der­selben angreift, und die Dampfschiffe sie unter guter Führung mit glühenden Kugeln aus ihren großen Ka­nonen bedienen, so kann ihr Dieg fast nicht zweifelhaft sein. Aber bisher hat es niemand auf sich neh­men wollen, dem deutschen Geschwader das Auslaufen zu gestatten, was allerdings ein Act von der höchsten Bedeutung und den größten Folgen ist, da cs jedoch nur unter der deutschen Reichsflagge geschehen darf, mithin das gesummte Deutschland sich dadurch zur ern­sten Führung des Seekrieges verpflichtet. Vergebens haben die HH. Godefroy und Vidak von Seiten des Flottenausschusses bis jetzt deßhalb Schritte gethan. Daß der Hamburger Senat für sich allein die Verant­wortlichkeit ablehni, darf man ihm nicht verübeln, aber auch der tapfere Wrangel hat geglaubt, in dieser An­gelegenheit nicht den Ausschlag geben zu dürfen; und die neue Reichsgewalt war leider drei Wochen lang, drei entscheidungsvolle Wochen lang, so gut wie gelähmt, weil der verehrte Reichsverweser seinen frühern Verpflichtungen in Wien nachkommen zu müssen glaubte. In seinen festen Händen liegt jetzt die Entscheidung; möge sie in dem Augenblick, wo wir dieses schreiben, bereits erfolgt sein!' Denn der geringste Erfolg zur See wird die Dänen lähmen, Deutschland aber elek- trisiren; während ein Mißlingen, auf das wir uns auch gefaßt machen müssen, bei dem ersten Schritte auf einem Elemente, dessen wir uns entwöhnt haben, uns nicht entmuthigen darf, sondern uns nur zu erneuten und großartigeren Anstrengungen ausstacheln darf. Es wäre aber gar schön, wenn die erste Waffenthat auf der Nordsee wieder von der alten Hansestadt ausginge, die einst die Elbe beherrschte; wenn Hamburg, das

öfter, mit Recht oder Unrecht, fremdländische Gesin­nungen geziehen worden ist, durch einen kühnen und tapfern Schlag, einen glänzenden Beweis seines in­nigen Anschlusses an das große Vaterland gäbe. Wird Bremen dann zurückbleiben ?

64. Sitzung der constituirende» National- Versammlung.

(Fortsetzung des Berichts.)

Frankfurt, 22. August. Vogt; Ich bin für das nämliche Prinzip wie der Vorredner, aber aus andern Gründen. Ich werde gewöhnlich als Sprecher- einer Partei betrautet. Hier bin ich ganz neutral, so daß ich sagen kann, ich habe fast gar keinen Stand­punkt. Man hat davon gesprochen, daß in der vorlie­genden Frage die Parteien sich trennen werden. Es mögen andere Parteien sich theilen; wir (auf Die Linke deutend) bleiben einig. Wir sind für Trennung der Kirche vom Staate, allein nur unter der Bedingung, daß die Kirche vernichtet werde, daß sie spurlos ver­schwinde. Mir ist jede Kirche ein Hemmschuh der Civi­lisation, weil sie Glaubenssätze hat, für die sie Gehor­sam verlangt. Man behauptet, daß die Kirche als Anstalt der Sittlichkeit zu erhalten sei. Die wahre Sittlichkeit geht auö der Freiheit hervor. Die Kirche ist eine Zwangsanstalt, weil sie Glaubenssätze hat. Es ist ein Unterschied zwischen denen, die die Freiheit für Alle wollen, und solchen, die sie nur für sich wollen, um die Andern zu unterdrücken. Sehen sie auf Die Partei, welche in Frankreich die Freiheir des Unterrichte proklamirte, um ihn in die Hand zu bekommen, und welche dem Sonderbunde zärtlich die Hand drückte! Wir wollen die Freiheit für Alle, und nicht, daß die Glieder einer Kirche im Innern geknechtet werden. Wenn das Volk für die Hierarchie gewonnen werden soll, so sind es die Waffen der Verdummung, mit denen es geschehen soll. Wir wissen, daß der Fanatis­mus an der Thüre steht, daß daö Volk mit allen Mitteln aufgestachelt wird. Aber wir fürchten den Kampf nicht, wenn er ausgefochten wird auf dem Boden Der Freiheit, welche ein Gegengift ist gegen jene Bestrebun­gen. Geben Sie volle Freiheit, dann brauchen wir Den Polizeistaat nicht. Sie müssen auch den Unglauben frei gewähren lassen. Es wäre eine Beschränkung, ju verlangen, daß Jedermann einen Glauben haben müsse. Wir wissen, daß wir in Dem bevorstehenden Kampfe nicht die Gegenwart für uns haben. Wir lassen Ihnen, Die Partei der Vergangenheit zu sein, oder Die Der Gegenwart, aus der man die Minister macht. (An­dauerndes Gelächter.) Wir sind Die Partei Der Zu­kunft. Wir verlangen Trennung der Schule von Der Kirche. Wir wissen, daß ein Theil Die Kirche frei haben will, um durch die Schule zu knechten. Aber Dem werden wir entgegentreten und die vollständige Trennung verlangen. Dann werden wir die nach­wachsende Generation erziehen und siegreich mit dieser aus dem Kampfe hervorgehen. Jürgens entwickelt ein eigenes Amendement. Döllinger aus München: Ich gebe Herrn Vogt bei aller Verschiedenheit Der Principien zu, daß auch der Unglaube frei sein müsse, als Consequenz Der religiösen Freiheit. Ich gehe aber nicht zu der Consequenz, daß dies auch für den Atheis­mus gelte, da selbst in Nordamerika von jedem, der Bürger werden will, die Erklärung verlangt wird, daß er an einen Gott glaube. Ich wende mich nun zu Hrn. v. Beisler, dem ich als Dem bayerischen Cultusminister gewissermaßen untergeordnet bin. (Unter­brechung.) Man sagt mir, daß es hier nur Den Ab­geordneten v. Beisler gebe; es wird sich zeigen, warum ich des Cultnsministers zu erwähnen hatte. Zuerst muß ich einen Ausfall gegen das Oberhaupt Der katho­lischen Kirche zurückweisen. Wer Die Verhältnisse kennt, wird sagen müssen, daß das Verhalten des Papstes gegen Oesterreich ein erzwungenes ist. Die Behaup­tung, daß Der Papst absoluter Monarch sei, ist grund­los.' Jeder, der vom katholischen Kirchenrecht etwas versteht, muß zugeben, daß der Papst strenge gebunden ist an Die kirchlichen Gesetze. _ Die kirchliche Ordnung ist so genau vorgezeichnet, daß unter 50 Fällen 49mal ein Canonist voraussagen kann, wie der Papst entschei­den wird. Ich hoffe, daß nicht die schreiende Ungerech­

tigkeit geschieht, daß nach Dem Ausschußantrage die neuen Sekten vollständig frei sind, während Die bereits bestehenden Kirchen in den bisherigen, d. h. gebundenen Verhältnissen bleiben. Blicken sie auf Belgien, auf Nordamerika, wo das Prinzip des ersten Minoritäts­gutachtens erprobt ist. Man wirft der katholischen Kirche vor, daß sie nach der weltlichen Herrschaft trachte, und weist darauf bin, daß Die Geistlichen bei Den Wah­len sich betheiligt haben. Sollten sie dies nicht thun, dann hätte man ihnen das active und passive Wahl­recht nehmen müssen. Wenn sie nur keine unerlaubte Mittel gebraucht haben; und das kann mau ihnen nicht vorwerfen. (Eisenmann: Allerdings, die Bischöfe.) Dann muß ich bitten, daß der Vorwurf bewiesen wird. Man wirft der katholischen Kirche vor, daß sie keine Synoden berufen hat; allein wer trägt die Schuld als Der Polizeistaat, welcher keine Zulam- menberufung duldete. Es wird nunmehr durch die katho­lische Kirche das Beispiel einer deutschen Synode ge­geben werden. Die Verfassung kann nicht nach dem Wunsche eines Vorredners abgeändert werden; denn Die Principien gehören zu den unabänderlichen Dogmen. Wenn Die Paragraphen des Entwurfes in Der fetzigen Fassung angenommen werden, so ist der dadurch hervor­gerufene Zustand nicht haltbar, v. Beckerath (bei dem 2. Minoritätserachten unterzeichnet,) verwahrt Deutschland dagegen, daß die Aeußerungen Vogt's nicht vereinzelte seien. Göritz aus Frauenberg für das Minderheitserachten. Christ aus Baden verlangt Trennung der Kirche vom Staate, aber BesiitigunA des »er GllsUlchlW^Näner w« Bamberg erklärt sich gegen unbedingte Trennung, tvctl' bei solcher dem Staate die Möglichkeit genommen ist, bei Conflict zweier Kirchen den Streit zn schlichten. Wenn es der ultramontanen Partei gelingt, (sagt der Redner, der sich auf seine Erfahrungen und Kämpfe in der bayeri­schen Kammer beruft,) unter dem Panier Glaubens­freiheit, welches sie früher so sehr verfolgte, und jetzt so hoch in den Lüften flattern laßt, ihre Herrschaft- wieder zu gewinnen, so verlieren wir in Frankfurt, was wir in' München gewonnen haben. Die Fort­setzung der Diskussion wird auf die nächste Sitzung. (Donnerstag den 24. August) vertagt.

Nassauisches.

è Kammer - Verhandlungen.

33. Sitzung.

Wiesbaden, den 24. August.

Ausführlicher Bericht.

Präsident: Wirth.

Regierungskommissäre: Bertram, Werren.

Nach Verlesung Der neu eingelaufenen Petitionen erklärt Regierungskommissär Werren in Bezug auf eine neuliche Anfrage, daß über die Haussuchung bei dem Pfarrer Snell in Langenbach von dem Amtmann in Weilburg ein Bericht erugelaufen, dieser aber von der Regierung für ungenügend gehalten und ein neuer Bericht von den Aemtern Weilburg und Usingen elu- gefordert worden sei. In Bezug auf die Anfrage des Herrn Abgeordneten Preiß müsse er erklären, daß heute ein Bericht des Amtmanns von Usingen eingelaufen, nach welchem das Militär Dori noch unumgänglich nöthig sei.

Es wird nun zur Tagesordnung übergegangen und zwar zuerst zum Bericht des Ausschusses über das hie­sige Theater.

Berichterstatter ist Creutz.

Der Bericht geht auö von denselben Motiven, wie diese schon in der vorigen Sitzung genügend dargelegt wurden, und behandelt besonders die geistige und bil­dende Seite deö Theaters.

Er geht dann über auf die zu leistenden Zuschüsse.

Die Regierungsvorlage beantrage eine Unterstützung von 40,000 fl., die Petition von Wiesbadener Bürgern eine von 36,000 fl. Die Kommission habe durch Tech­niker und Sachverständige erfahren, daß durch zweck­mäßige Ersparnisse vielleicht auch 32,000 fl. hinreichend sein wurden. Ueber einen bestimmten Antrag sei jedoch die Kommission nicht einig geworden, sondern es würden drei verschiedene Anträge von Den fünf Mitgliedern des Ausschusses gestellt werden.