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M">- 158.

RaffauisPt Zcikung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Freitag, den LL. August. I8L8.

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Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogt Hums für fl. 2. 12 kr. incl. P 0 stpr 0 vifi 0 n. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

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Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

Diè Neugestaltung von Deutschlands Vertretung nach Außen.

Dem Charakter der deutschen Revolution gemäß wird die Hauptverände ung der Vertretung des Reichs in einer verminderten Vertretung der Fürsten und einer vermehr­ten deS Volks bestehen; cs werden die ConsulatSposten an Zahl und Ausstattung in derselben Weise besser ge­stellt, als die kleinen Gesandtenstellen in beider Hinsicht verringert werden müssen. Die GcsaudtschaftSvostcn der einzelnen deutschen Staaten unter sich werden, sobald ein Gesetz die Rechte aller deutschen Staatsbürger außer ihrem engeren Vaterlande festgesetzt, durch die Bevollmächtigten an der Centralgewalt überflüssig und nach Außen durch außerordentliche Gesandtschaften in einzelnen Angelegen­heiten ersetzt werden können. Den größten beiden Staa­ten aus Courtoisie eine besondere Vertretung nach Außen zuzugestehen, scheint verderblich, da solche Nachgiebigkeit die Eifersucht der andern größeren Länder, zunächst Bay­erns, erwecken und wenn man weiter ngchgeben wollte,

die Grenzlinie schwer zu ziehen sein würde. Nur für , seine ungarischen Lande und für seine italienischen, wenn es sich zum Staatenbund gestaltet, könnte Oesterreich eig- ' neS Gesandtschaftsrecht in Anspruch nehmen; nicht aber für daS Binneulauv Galizien, oder, gar Preußen für das kleine Herzogthum Gnesen. Daß keine großartigen Ge­sandtschaften kleiner Staaten aus reinen Verwandtschaftö- rücksichten, wie Württembergs im Haag und in Peters­burg, oder gar, wie in Darmstadt, solche, welche ihr ho­hes Gehalt in der Hauptstadt des eignen Landes verzeh­ren, mehr vorkommen können, versteht sich von selbst. Dagegen muß Deutschland, mit einer Flotte hinter sich, ganz anders zum Schutz seiner Auswanderer und seiner in fremden Landen wohnenden Bürger als bisher auftre­ten. Das Geld, welches die Vermehrung der Consulate fordert, wird nicht nur für die Ehre Deutschlands ver­wandt sein, sondern auch wirklichen materiellen Nutzen bringen. Wir erinnern an die Klagen aus Neapel, wo Engländer und Franzosen Entschädigung erhielten für ihren Schaden bei der Catastrophe vom 15. Mai, wäh­rend die zahlreichen deutschen Kaufleute sowohl hier als in Messina bei dem Bombardement der Stadt, wo der Freihafen abbranntc, als Beschädigten leer auögingcn. Wir erinnern an die Klagen aus Canton, wo den De» tschen von den erbitterten Chinesen im vorigen Jahre nicht nur Schade an Hab und Gut, sondern an Leib und Leben drohte, während den andern Völkern , den Engländern, Amerikanern, Franzosen, Holländern u. s. w. Schutz und Genugthuung durch ihre Kriegsschiffe zugesichert war. AehnlicheS erlitten die Deutschen schon früher mehrmals in Südamerika, aber ed ist auch der Würde unsrer Na­tion nicht angemessen, daß in Peru deutsche Bergleute aus Preußen auf einseitige Anklagen zur schimpflichen Strafarbeit verurtheilt worden sind durch die käufliche Justiz des Landes, weil kein preußischer Consul sich dort befindet und der hanseatische, der einzige deutsche Consul in Lima, nicht Ansehen genug besaß, sie zu schützen; es ist unsres Volkes nicht würdig, daß der englische Con­sul zugleich der hannoversche sei und daö Recht der Deutschen so wenig vertrete, wie die bekannte Geschichte der Mißhandlung jener Hannoveraner in Bukarest ge­zeigt hat. Es müssen den deutschen Consuln an allen Orten, wo deutsche Auswanderer sich einzuschiffen pflegen, die Mittel zu Gebote stehen, um solchen monatelang fortgesetzten Bettelscandal zu verhüten, wie wir ihn jetzt zur Schande der betheiligten Regierungen in Havre er­leben; es muß ihnen zur Pflicht gemacht werden, in fremden Städten mit Rath und That an die Spitze aller solcher Vereine und Anstalten zu treten, welche die Fort­bildung der deutschen Bewohner, ihre Unterstützung und Erhaltung in heimatlicher Religion und Sitte zum Zweck haben, als da sind: der deutsche Hülfsverein zu Paris, das deutsche KrantenhauS zu London, der deutsche Hülfs­verein zu Petersburg, das deutsche Krankenhaus zu Con- stantinopel, die deusch-evangelischen Gemeinden zu Lissa- ,7 _ ... ,

bon, Neapel, Rio de Janeiro, der deutsche BildungSver- PMeirock. In dem ersten Satze des Ausichußantrags ein zu Lyon u. f. w. (Frkf. O.-P.-A.-Ztg.) ------- - ^

6L. Sitzung bet constiturrenden Matioual- Bersammlung.

Frankfurt, 22. August. Die Sitzung wird um 9X Uhr von dem Präsidenten v. Gagern eröffnet. Der Abgeordnete Joseph von Kalchberg hat seinen Austritt aus der Nationalversammlung angezeigt. Nach einem achten Verzeichniß der Beiträge für den Flotten- >au sind wieder namhafte Beiträge eingegangen. Bei

Fortsetzung der allgemeinen Diskussion über Art. 3 der Grundrechte nimmt von Beislcr aus München das Wort: Der Ruf nach Trennung der Ktrche vom Staat ist von verschiedenen entgegengesetzten Seiten erklungen. Es müssen also wohl verschiedene Gründe abwallen. In Folge der Reformation sind die Landesherrn in den Besitz der protestantischen Kirche gekommen. Der Papst ist absoluter Monarch der katholischen Kirche geworden. Der Wunsch nach Trennung der Kirche vom Staate gehört gänzlich der Neuzeit an. Es soll ein tausend­jähriger Zustand geändert werden. Ist diese Trennung naturgemäß? Was sich trennt, liebt sich nicht; was naturgemäß geschieden werden soll, muß naturgemäß von einander abgesondert werden können. Ich kann mir nicht denken, wie das Christenthum wie eine In­nung, wie eine Zunft dastehen soll, welcher sich der Staat nicht anzunehmen hat. Hat die Kirche durch ihre Or­gane diese Trennung gefordert? Es ist mir nichts da­von bekannt. Die Kirche hat aus der frühern Zeit,

wo es nothwendig war, den Trieb, zu herrschen, mit herübergenommen. Der Redner geht über auf die Ge­fahren, welche bei völliger Unabhängigkeit der Kirche von einem auswärtigen Kirchenreglinent zu befürchten

sind. Die Soldaten des Papstes haben sich mit dem Kreuze geschmückt zu einem Kreuzzuge gegen einen christ­lichen Staat, gegen den Staat, der bis in die neueste Zeit der hauptsächlichste Schutz der Kirche war. Man sagt, der Papst hat sich gegen den Krieg gesträubt; nun ja, er hat sich gesträubt wie eine Braut. (Gelächter.) Die monarchischen Institutionen der Kirche vertragen sich nicht mit den demokratischen Institutionen der Ge­genwart. Ich erblicke in dem Ruf nach Trennung, den eine Seite erhebt, nur das Bestreben, die Kirche der

demokratischen Einwirkung des Staates zu entziehen, welche bei fortdauernder Verbindung sich geltend machen müßte. Wenn Sie Staat und Kirche trennen, wenn Sie auch die Schule mit hinübergeben, wie auch ver­langt wird, wenn Sie ein Wahlgesetz auf breitester de­mokratischer Basis geben, wie gleichfalls verlangt wird, so haben Sie die Priesterherrschaft: aber Sie haben dem Christenthum eine Wunde geschlagen, wie seine war seit achtzehnhundert Jahren. Wenn Frieden wer­den soll zwischen Staat und Kirche, so muß die Kirche ihre absolutistische Einrichtung ändern; sie muß sich nach einem alten Ausspruche reformiren an Haupt und Glie­dern. Die Kirche war demokratisch, wurde aristokra­tisch und dann monarchisch-absolutistisch. Warum sollte sie nicht zurückkehren können zur ersten Verfassung, wie sie der göttliche Meister wollte. Man gebe uns das ökumenische Concil, Landes- und Provinzialsynoden, dann wird die Umbildung statt finden können. Man

hat viel von der Kirche gesprochen, aber nichts von den Gemeinden. Klerisei und Gemeinden bilden die Kirche. Auch die Gemeinden müssen auf den Synoden vertreten sein. Wenn wir aussprechen, daß eine Reichssynode statt finden soll, so werden wir sie haben. Die dagegen angeführten Schwierigkeiten sind zu überwinden. Ich stelle den Antrag, anstatt des § 14 zu sagen: Die Angelegenheiten der christlichen Kirchen Deutschlands, namentlich ihre Beziehungen zum Staate, werden durch eine Reichssynode festgestellt. Ich bin der Meinung, daß für die Stellung der Kirche zum Staate erstere gemeinschaftlich beschließen; außerdem trennen sich die einzelnen Bekenntnisse. Die weltlichen Fürsten haben viel abgeben müssen für das Gemeindewohl; machen wir denselben Anspruch an die geistlichen im Namen des Christenthums und des Friedens. (Beifall tm Zen­trum ) Zittel aus Vaden. Dasselbe Ziel wie der Vorredner befolge auch ich, aber auf entgegengesetztem Weae Er will den Sturz der Hierarchie durch den Staat Ich will ihn durch das Volk und nicht tm

kbe üb eine bloße Verzierung; er gibt etwas, was Niemand nehmen kann. Er wird wahrscheinlich aus-

drücken sollen die Freiheit des Bekenntnisses und des Kultus. Dann soll er es aber auch aussprechen. Mit der Freiheit des Bekenntnisses ist aber nicht gesagt, daß man einem Bekenntnisse zugehören müsse, so ivem# als durch die Preßfreiheit gesagt ist, daß man etwas drucken lassen müsse. Bei dem ersten Minoritätsgut- achten ist der Ausdruckunabhängig" ungeeignet, denn keine Gesellschaft im Staate ist unabhängig von dem­selben. Die Hauptsache ist übrigens, daß bestimmt werbe, daß die Religionögesellschaften ihre Angelegen­heiten selbstständig ordnen und verwalten. Man ist

scheu geworden, daß verschiedene Parteien dieselbe F derung stellen. Ich glaube, daß alle, welche die F

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derung stellen, sie für die Frciheit stellen. Fürchten Sie sich nicht vor den etwa entstehenden Sekten ; sie waren nie ein Unglück. Uebrigens geht das jetzige Streben vorzüglich nach Einigung. Ich hege keine Be- sorguiß vor Uebergriffen der katholischen Kirche. Die Katholiken selbst, welche sich beengt fühlen, würden aus- zuti^elen haben. Was die Besorgniß der Protestanten angeht, so habe ich nie verkannt, daß der Sieg der Demokratie ein Sieg der katholischen Kirche ist. Aber ich würde mich schämen, wenn ich vor dieser Gewalt mich hinter den Staat verkriechen sollte. Ich kenne die Stellung des Protestantismus in seiner gegenwär­tigen Zersplitterung gegenüber der katholischen Kirche, aber ich müßte mich schämen, mich durch den Polizei­staat zu schützen. Es ist unwürdig, gegen die Jesuiten die Polizei zu Hülfe zu rufen. Wenn das Volk die Hierarchie ^UiLÄi*» wir eo nicht hindern. Bis­her wollten die Beamten herrschen, der Klerus auch; sie kamen in Streit und dies hat man den Kampf zwischen Kirche und Staat genannt. Ich bin für das erste Minoritätsgutachten. (Schluß f.)

Nastattisches,

D Bammer - Verhandlungen.

33. Sitzung. ' -.___

Wiesbaden, den 24. August.

Hau ptresultat.

In der heutigen Sitzung war der Bericht des Aus­schusses über das hiesige Theater an der Tagesordnung.

Der Ausschuß selbst stellte keinen einstimmigen An­trag, sondern es beantragten die Ausschußmitglieder Creuz und Fresenius, daß das Theater reorgani- sirt und aus der Domänencasse für ein Jahr 32,000 fl. zugeschossen wurden.

Wimpf und Justi beantragten ebenfalls Reor­ganisation, aber einen Zuschu) von nur 10,900 fl. bis zum 1. Januar 1849.

Naht beantragt bis zum 1. Januar 1849 nur 6000 fl. zuzuschießen zur einstweiligen Unterhaltung.

Nach langer beinahe dreistündiger Debatte, bei welcher sich besonders Bertram, Fresenius, Naht, Creuz, Justi, Wimpf, Keim, Schmidt, Großmann betheiligten, wird der Antrag von Fresenius und Creuz mit 20 ge­gen 19 Stimmen abgelehnt, jedoch der von Wimpf und Justi mit 29 Stimmen angenommen.

Es wurde darauf der weitere Bericht über das Ministerialbudget erstattet, wobei einige Abstriche vor. kamen und ferner mehrere Petitionsberichte ohne Ver­anlassung zu einer Debatte vorgelesen.

Nächste Sitzung ist

Samstag, 26. August, 9 Uhr. Tagesordnung.

1) Fortsetzung des Berichts über das Ministerial- budget.

2) Bericht über einige Nachanforderungen im Mili­tärbudget.

3) Bericht des Prioritätsausschusscs über den An­trag von Schmidt auf Aufhebung der Landes- gestüte.

4) Petitionsberichte. (Ausführliches morgen.)

Eine Stimme über unsere Landstände und ihre bisherige Wirksamkeit.

H. Bonder Lahn, den 18. Aug.

Der Capitän Marryat läßt in seinem Romane: der Midshipman Easy" seinen Helden an einer Stell