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Naffauische Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Donnerstag, den M. August. 18L8.

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogtums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprovifion. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

Die Lage Preußens.

Von der Lahn, 15. August.

So soll denn wirklich wahr werden was die Edel­sten und Besten: ein Scharnhorst, Stein, Wilhelm v. Humboldt, Geigern, Hardenberg und Andere seit vierzig Jahren gerathen und- gewünscht, daß ein einiges und freies Deutschland erstehen müsse um dem Unfrieden und Umsichgreifen des Ostens und Westens die Spitze bieten zu können, und damit so der Freiheit und Wohl­fahrt der Völker eine Gewährleistung werde. Die Fürsten Deutschlands vergaßen, daß sie dies sich und dem Volke schuldig waren, und namentlich derjenige unter ihnen, den seine Stellung, seine hohen geistigen Anlagen und sein treffliches Herz und Gemüth vor­züglich dazu berufen hatte gleich bei seiner Thronbestei­gung diese Aufgabe zu übernehmen, scheint vor den Ge­fahren, dem Blutvergießen und in dem Gedanken, ein Unrecht zu begehen, zurückgeschreckt zu haben. Diese große Idee hat Friedrich Wilhelm IV. gewiß oft be­schäftigt, sie scheiterte wahrscheinlick^ auch aus Mangel an Selbstvertrauen und daran, daß dem Diplomaten, den man irrthümlich für den größten seiner Zeit hielt, ein viel zu williges Ohr geschenkt wurde. so sind wir denn zu der Freiheit gekpiWK wie cs jene großen Männer und Niemand, der es redlich mit seinem Va­terlande meint, wünschen konnte, weil wir heute nicht mehr berechnen können, wohin uns die Dinge noch alles führen werden, und wir wollen die Vorsehung preisen, wenn des Blutes genug geflossen ist. Wie die Ereig­nisse gegenwärtig stehen, ist es lediglich eine Schuld der Völker (?) denn die Fürsten haben alles gethan diese zu befriedigen (?) wenn uns diese so sehnsüchtig erwartete Einheit Deutschlands verkürzt werden oder zu einem blutigen Ausgang führen sollte. Namentlich rufe ich den preußischen Waffenbrüdern zu, ihrem nige zu folgen in seinem edeln Streben für die Ver­einigung Deutschlands. Preußens Heer wird nichts von seinem Ruhm einbüßen, das Tüchtige was in ihm ist, wird ein Erbtheil aller deutschen Waffenbrüder werden, Preußens Heer muß dahin trachten die hohe Bestimmung sich zu erhalten, daß es den übrigen Ar­meen Deutschlands ein Vorbild sei. Preußens Heer hat eine so glorreiche Geschichte und ist in sich so aus­gebildet, von einem so herrlichen soldatischen Geist be­seelt, daß es mit Stolz zurückblicken und mit den glänzendsten Hoffnungen der Zukunft entgegengehen kann. Preußens Heer muß in treuem Anschluß an

Die Geige.

Noville von Friedrich Voigt.

(Fortsetzung und Schluß.)

Die Wittwe in der Einbildung, tue gebildete Rose, hatte der inneren und äußeren Vorbereitungen in so mannichfacher Weise sich zu erfreuen gehabt, daß sie über die ersten und heftigsten Erschütterungen bei dem nach ihrer Zuhausekunft Vorgefundenen Todesfälle leidlich genug hinwegkam. Indessen hielt sie es der Decenz an­gemessen, ihren Schmerz in den ersten beiden Tagen bei einer mitfühlenden Freundin auözuweinen.

Als sie in ihr Haus zurückgekehrt war, kam Manches so, wie Grinset vorhergesagt. Gnaden- und andere Gel- ^cr wurden gebracht, worüber sie als Wittwe guittiren mußte; sodann verlangte man verschiedene Papiere von 'hr zur Begründung der Pensionsansprüche und ein be­hagliches Gefühl von Wohlhabenheit, wie sie'ö seit dem Hvchzcittage nicht empfunden, durchdrang beruhigend ihre Brust. Dazu ging Mandelschaf fleißig ab und zu, und versäumte keine Gelegenheit, einen Lebensplan für die Freundin zu entfalten, wie ihn, nach seiner Versicherung, nur die reinste Neigung im Verein mit sichrer Benutzung der Mittel und Umstände schön und auf die Dauer zu entwerfen vermocht habe, worin er denn auch seiner Wenigkeit die gebührende Stelle angewiesen hatte. Frei­lich lag eben keine Heirath im Vordergründe, nicht einmal

ein einiges kräftiges Deutschland allen übrigen voran­gehen, denn es vergibt dadurch nichts der Treue und Hingebung an seinen König.

Darum wünschen wir innigst, daß Liebe und Ent­gegenkommen sich von allen Seiten begegnen mögen. Stimmen, wie die in der Broschüre des Hrn. v. Gnes- heim können wir nicht billigen; aber ebenso wenig können wir die gegen diesen ausgezeichneten Offizier in einigen Blättern ausgesprochene Verdammung thei­len. Es sind der Taktlosigkeiten genug geschehen, man hüte sich, daß solche an sich ganz unwesentliche Dinge nicht von derjenigen Partei in Deutschland noch mehr auegcbeutet werben, die, um ihre Zwecke zu erreichen, uns mit dem Drohwone der Reaction in eine unab­sehbare Anarchie stürzen will. Die letzten Sitzungen in der Paulskirche in Frankfurt, der Hohn, welcher sich in Brentanos Rede und dem Beifall seiner Anhänger ausspricht, sind Erlebnisse, die uns inmitten unserer Hoffnungen für ein friedliches Entwickeln unserer Zu­stände mit Bangigkeit erfüllen müssen. Und wenn man unbefangenen Blicks nach Berlin sich wendet, wo die dortige Versammlung täglich mehr und mehr in der öffentlichen Meinung sinkt, und wo ein Theil der Bürger und selbst Deputirte sich jeder Maßregel der Regierung, die Ordnung und Vertrauen wieder Herstellen soll,

aufs frechste widersetzen, so möchte man nicht mehr daran zweifeln, daß der Zeitpunkt schnellen Schrilles heran­rückt, den dieTimes" vor einigen Wochen in einem ihrer leitenden Artikel den Berlinern prophezeit hat: daß nämlich nicht eher Ruhe, Ordnung uiUr-â>Eg Dor dem Gesetz etnireten werde, bis der Bürger Ber­lins andren wird Soldat zu spielen. Man gefällt sich dort in dem trüglichen Gedanken, daß die errungene Freiheit und die künftige Verfassung nur dadurch eine Gewähr erhalte; denn es sei dem Heere nicht zu trauen, weil es noch nicht den Eid auf die Verfassung geleistet habe. Als wenn durch einen solchen Schwur eine Verfassung vor einem Umsturz gesichert wäre. Die britische Armee, die diesen Eid nie geleistet hat,

Nktfrum»

und den von ihr zu fordern Niemand in den sinn gekommen ist, hat immer gleich ruhmvoll für dieselbe gefochten; und in Frankreich findet man es nach den Erfahrungen der letzten vierzig Jahre zweckmäßiger, gar keinen Eid mehr zu verlangen. Eine gute Ver­fassung findet ihre Stütze im Volke, und wird durch sich selbst vor jedem Umsturz gesichert sein.

Also trachten wir dahin eine solche zu erlangen, den Anfang dazu in der Wahl des Reichsverwesers hat man auch in dem freien England als ein gutes Anzeichen angesehen, uns wir können versichern, daß wir noch ganz kürzlich in jenem Lande vielen der ersten Männer begegnet sind, die unverhohlen ihre Freude

im Hintergründe, denn dergleichen war dem Fagottisten zu prosaisch, und Rose hätte ja dann auch ihre Pension, also einen Theil der Mittel verloren, auf welche bei Ver­wirklichung des köstlichen LebenSplanS besonders gerechnet werden mußte: aber das Verhältniß sollte eben in seiner Ungebundenheit die Krall der Fessel besitzen und bewah­ren, und damit die große Aufgabe gelöset werden, den ewigen Confl ct zwischen Freiheit und Nothwendigkeit zum Bilde der reinsten Schönheit zu erheben.

Sie wissen selbst, sprach er zuletzt, theuerste Freun­din, Sie wissen am besten, welch ein Schmerz mein gan- zes Gemüth erfüllt und verdüstert. Wie oft und schön hat ihre große Seele diesen Schmerz mitempsindend be­sänftigt! Aber eben darum versagt mir das Geschick, die au das Grab verpfändete Liebe zu lösen, um sie dem Leben, besonders den bürgerlichen Einrichtungen, mit der ganzen Kraft und Fülle meiner Jugend wieder gebeu zu können."

Rose lächelte bei so zarten EmpsindungSworten still vor sich uieder und richtete dann bei ausnehmend schönen Stellen einen eben so ausnehmend schwärmerischen Blick auf den süßflüsternden Redner. ES fiel ihr nicht ein, daß daS sie getroffene Geschick ihr eine ernste Gelegen- heit darbot, allen ärmlichen BildungStranöparentschunmer ihrer Seele in der Morgensonne wahren Gefühls, reiner, fester und echtweiblicher Gesinnung auf ewig untergehen zu lassen, sie mußte ja dann ihr Gefühl als ein fal- sches erkannt, an ihrer Gesinnung wenigstens irgend ein­mal gezweifelt haben, und wie kann dahin ein Mensch gelangen, der sich selber immer als trefflich voraussetzt

über diesen ersten Schritt Deutschlands zu Größe und Macht ausdrückten. Man konnte sich freilich keine rechte Vorstellung machen wie Preußens und Oester­reichs Stellung demselben gegenüber sein wird; aber man sagte sich, daß dies der einzige Weg sei, welcher uns schütze, damit wir beim Umsturz des alten Gebäu­des nicht selbst darunter begraben werden. Alles muß dahin arbeiten der neuen Regierung Macht und Anse­hen zu geben, ihrer Eristenz und unserer eigenen Sicher­heit willen. Das Getreide in Berlin und Wien und die einer jeden Regierung gefahrdrohende Clubwirthschaft, der Anklang und der Einfluß, den böse Geister wie ein Held und Jung gefunden, sowie die von den un­reinsten Absichten getriebenen republikanischen Bestre­bungen, waren freilich nicht geeignet, uns Achtung bei denjenigen zu erwerben, deren Beifall zu erlangen wir uns bemühen sollten. Eine Nation findet ihre vorzüg­lichste Stütze in der sittlichen Grundlage; ist die Rein­heit der Sitte gefährdet, so fehlt die Kraft und Macht, welche eine Nation alö Nation erhält. Polen fiel ledig­lich aus diesem Grunde und konnte nicht mehr erstehen, weil die Kämpfer für dessen Selbstständigkeit die sittliche Hebung des Volks und ihre eigene ganz außer Acht gelassen hatten. Viele edle und treffliche Männer wur­den getäuscht, weil sie den Heroismus, die Kühnheit und Ausdauer der Polen für Tugenden ansahen, die aus einer rein sittlichen Absicht entsprungen sehen. Wir Deutsche sollten uns - die Geschichte der Polen und die MJätaiuiMU^^

mOr.

63. Sitzung der constituirenden National- Versammlung.

(Fortsetzung des Berichts.^

Frankfurt, 21. August. Nach den bereits er­wähnten Mittheilungen erwähnt Reichsminister von Schmerling der bisherigen Bestrebungen im Inte­resse Der Gründung einer deutschen Flotte. Be im Be­ginn des Kriegs mit Dänemark bereits hatte sich die Nothwendigkeit' herausgestellt, dem Feinde auch zur See entgegenzutrelen. Die Idee, hierfür zu wirken, haben vorzüglich die patriotischen Bewohner von Ham­burg aufgegriffen. Schiffsrhcder haben für die Be­waffnung geeignete Schiffe zur Verfügung gestellt. Gooffroy in Hamburg hat eine Reise nach England unternommen, insbesondere um tüchtige und gewandte Offiziere zu gewinnen. Man hat übrigens sofort ein­gesehen, daß durch Privatleute nur ein Anfang zu er­langen sei. Die Bundesversammlung und der Fünf­zigerausschuß haben sich mit der Sache beschäftigt; er-

und die eignen Gebrechen nur an Andern bemerkt L Rose war überdem von ihrer Gouvernantenschast her noch ge­wohnt, sich für klüger und besser, als die Kinder zu Hal- ten, an denen täglich stündlich zu Hofmeistern war, und als sie nicht mehr erzieherte, traten chr an die Stelle der Kinder natürlich die großen Leute. Und dann war Rose jetzt Wittwe eines Mannes, bei dem sie Herzeleid genug erfahren; ihr zur Seite dagegen saß ein fagott- blafenter Poet, eben so verschroben, wie sie, also gänz- lich mit ihr sympathisirend! Wenn daher selbst ein ganz ungebildetes Weib Mandelschafâ sogenannten Lebenöplan, worin die erniedrigendste Kränkung lag, welche je ein Weib treffen kann, mit wahrhaft schönem Stolze verach­tend abgewiesen hätte, so ließ dagegen Rose ihr ganzes Wesen zerschmelzend durchklingeu und durchdringen. Da­bei war immer, als hörte sie neben diesen Reden noch die Worte aus Mandelschafö Kegelbahn:

endlich, ach du Süßer! endlich, endlich, Erkennst du, daß Bergangenheit und Zukunst Nur Dornen sind im Rosenkranz des Daseins, Nur trüber Bodensatz im Festpokal Der Lust, o Freund, kredenzt

Da schloß Mandelschaf seinen Cermon:

Und dieser Plan ist keine Seifenblase! Wie nur das Schöne wahr und wirklich, und Wie du mir Psyche für Maria's Leib, So, Allgeliebte, so laß mich umschließen Mit meiner ganzen Seele Zugendkrast

Er kam nicht dazu. Vielmehr erschienen eben jetzt mehre Gerichtöpersonen in der Absicht, den Nachlaß des