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Mffauischt Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Dienstag, den 22. August. L8â8.

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogtums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für st. 1. 45 kr. vierteljährlich.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

- An

den Herz. Nass. Regierungs-Präsidenten zu Wiesbaden.

Auf meiner Reise jur Dombaufeier und während meines Aufenthalts in Köln habe ich von der gesammten Bevölkerung des Rhein­landes so lebendige Beweise ihres Vertrauens und ihrer Liebe zu mir erhalten, daß ich mich freudig aufgefordert fühle, dafür meinen herzlich­sten Dank auszusprechen.

Ich habe aber in der Weise, in der man mich empfing, nicht allein Anhänglichkeit für mich, ich habe darin den bestimmten Ausspruch klar erkannt, wie das Gefühl für Deutschlands Ein­heit und Freiheit das deutsche Volk stief uud mächtig durchdringt.

Diese Gesinnungen, ssie verbürgen^ MzßI das Ziel was wir erstreben, zu unserem Heile er­reicht werden wird.

Ich ersuche Sie daher, den biederen Bewoh­nern an dem vaterländischen Strome bekannt zu geben, wie freudig und hoffnungsreich die Ein­drücke sind, die ich von meiner Reise bewahre.

Insbesondere hat aber die Haltung und der Geist ter Bürgerwehrcu, vor Wem jener in Coblenz und in Köln, die ich näher zu besichti­gen Gelegenheit hatte, mich überzeugt, daß sie entschiedene Bürgschaften für die Wahrung der Freiheit, der Gesetzlichkeit und Ordnung gewähren.

Frankfurt a. M., den 19. August 1848.

Der Reichsverweser Erzherzog Johann.

Der Reichsminister des Innern S ch m e r l i n g.

Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

Ueber den Partikularismus Preußens.

Wir haben in der neuesten Zeit so viel von dem Partikularismus Preußens hören müssen, daß es sich der Mühe lohnt, der Sache etwas näher ins Angesicht zu sehen. Die Vertheidiger dieses Partikularismus behaupten, Preußen könne und dürfe- nicht behandelt

werden, wie die kleinen deutschen Staaten, die in sich zerfallen sind und keinen Anhaltpunkt für die Rekon- stituirung Deutschlands bieten. Preußen besitze noch einen vollständigen Organismus, ihm stehe ein großes schlagfertiges Heer zu Gebot, Preußen könne im Noth­falle sich selbst genügen, es habe eine Geschichte und einen Namen, die nicht zu verwischen seien, und wenn daher Deutschland Ansprüche an Preußen mache, so könne ein Gleiches auch von Preußen an Deutschland geschehen; auf keinen Fall aber könne man verlangen, daß Preußen in Deutschland aufgehe, bevor man wisse, ob die in Frankfurt beschlossene Ordnung der Dinge auch Bestand haben werde und dem preußischen Volke einen Ersatz für die Güter bieten könne, die es vuf- geben müsse, um völlig deutsch zu sein. In diesem Raisonnement scheint uns ein innerer Widerspruch zu liegen, den wir hervorheben müssen. Es ist selbstver­standen, daß Deutschland ohne Preußen nicht die Macht erster Größe sein kann, wegen deren Begründung die Märzrevolutionen in allen Theilen Deutschlands und vorzugsweise auch in Berlin gemacht worden sind. Ist dies der Fall, so kann sich Preußen, das in der Re­volution steht, nicht zugleich außer der Revolution stellen, um zu sehen, was aus der Revolution werden soll. Wollte eS dieses, so müßte die preußische Regierung damit anfangen, den Zustand wieder herzustellen, der vor der Märzrevolution in Preußen bestand; sie müßte somit vor allen Dingen die Reichöversammlung in Ber­lin auflösen und den frühern vereinigten Landtag wie­der einberufen, um gestützt auf diesen und die preußi­sche Armee mit der Nationalversammlung in Frankfurt auf gleichem Fuße zu unterhandeln. Wenn aber eine solche Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu den Unmöglichkeiten gehört, so ist es auch ganz vergebens, von einem preußischen Partikularismus zu reden, viel­mehr wird es weniger auf die Thatsache ankommen, wie weit Preußen von der Umgestaltung der Dinge in seinem Innern ergriffen und gezwungen ist, an der neuen bereits gesetzlich gewordenen Formation Deutsch­lands Theil zu nehmen. Die Frage ob scheint uns sonach entschieden und nur die Frage wie dürfte in Betracht kommen. Dies wird am einleuchtendsten wer­den, wenn wir erwägen, ob Preußen im Stande wäre, unter den dcrmaligen Verhältnissen aus eigenem freien Entschlusse wieder als europäische Großmacht auftu- treten. Diese Frage müssen wir geradezu verneinen. Preußen war nur durch die frühe ne Verfassung des deutschen Bundes, durch seine Verbindung mit diesem und mit Oesterreich eine Großmacht; von beiden ge­trennt ist es nichts als eine Macht zweiten Ranges. Da Preußen nicht einmal auf seine Bevölkerung von 16 Millionen würde zählen können, indem ein Theil

seiner Provinzen sich gewiß nicht von dem übrigen Deutschland trennen würde, so könnte es auf Selbst­ständigkeit keinen Anspruch'machen, vielmehr müßte es diese erst aufs neue erobern. Dies geht schon daraus hervor, daß ein Lossagen Preußens von den Beschlüssen der Nationalversammlung ohne eine Allianz mit Ruß­land gar nicht gedacht werden kann. Es wird genügen, dieses Wort ausgesprochen zu haben, um darzuthun, daß ein preußischer Partikularismus fortan zu den Un­möglichkeiten gehört. Preußen hat seine Geschicke in die Deutschlands bereits eingeworfen; es steht und fällt mit diesem. Wir wollen nur noch daran erinnern, was Preußen nach Zerreißung des Zollvereins - und der vielen andern Verträge, die es mit den übrigen dent- schen Staaten seit dem Jahre 1815 abgeschlossen hat, noch bedeuten könnte. Wir wollen auffordern, uns die Grenzen zu bezeichnen, die Preußen als Ausland in Deutschland einnehmen könnte, ohne zu verbluten; man möge uns die Mittel bezeichnen, die es besitzt, um diese Grenzen zu vertheidigen, und wenn man dieses nicht vermag, so wird man zugeben müssen, daß Preußen gezwungen ist, dieselbe friedliche Umgestaltung mit dem übrigen Deutschland durchzumachen, oder den Versuch zu machen, das übrige Deutschland zu erobern und mit der Schärfe des Schwerts ein neues Deutschland an die Stelle des durch die Nationalversammlung und die Centralgewalt repräsentirten Deutschlands zu setzen. Sind diese Sätze begründet, so begreifen wir nicht, wel­chen Vortheil man in Berlin dabei findet, sich nicht lebhafter bei. Per ^ der hiesig-m Verhältnisse zu vethelllgen. 2mr dachten,daß es im höchsten Inter­esse Preußens liegt, das von der Nationalversammlung ausgestellte Grundprincip anzuerkennen und seine An­wendung in befreundete Hände zu legen, nicht aber das Unabwendbare mit mißtrauischen Blicken zu betrachten und die Leitung der Geschichte weniger befreundeten Händen zu überlassen. Wir hoffen, daß die Zusam­menkunft zwischen dem Reichsverweser und dem König von Preußen, die in Köln stattgefunden, hierin eine wesentliche Aenderung hervorgebracht und uns dem er­wünschten Ziele genähert haben wird.

(F-O.-P.-ZZ

62. Sitzilug der coustituirenden National- Versammlung.

Frankfurt, 18. August. Die Sitzung wird um 9% Uhr von dem Präsidenten vonGagcrn eröffnet.

Die Abgeordneten Metzler aus Oederan (Sach­sen), Bein hau er aus Oesterreich, Rödenbeck aus Grünberg in Schlesien, Jaup von Darmstadt, Ran-

* In der Spiunstube.

Dorsbildrr vom Westerwald von Ed. Wißmann.

II. Der Wilddieb.

Der Mond fließt wieder in den zarten Schnee

Und scheint die dünnen Flöckchen fast zu trinken, Indem die Sterne spielend ihn umblinken.

Die Nacht ist hell, wie Eurer Augen See, Der tiefen, blauen, schöne Spinnerinnen, Die Ihr so fleißig seid am Rade drinnen. Doch horcht der Alte, der am Ofen sitzt In weichem Stuhl, aus braunem Holz geschnitzt, Will heut ein Stückchen Euch aus seinem Leben, Wenn auch ein trauriges, zum Besten geben. Seid still und horcht, denn schauet, selbst die Jungen, Die dort am Tisch, von Tabacksdampf umschlungen, So heftig lärmten, lauschen schon gespannt Und haben neu die Pfeifen angebrannt.

Die Nacht war sternenhell, wie jetzt, und klar, war um Weihnacht, noch im alten Jahr, Da saßen wir, wie heute in der Stube; Ich war noch jung, und saß am Burschentisch, Die Mädchen plauderten und spannen frisch: Da kam des Nachbars Fried, ein wilder Bube, Zur Thüre kam er schnell herein gerannt,

Und nahm mich heimlich flüsternd auf die Seite, Und bat mich dringend, daß ich ihn begleite. Wohin, das wollte draußen er mir sagen. Ich gab die Hand ihm ohne vieles Fragen, Denn ob die Andern ihn auch mürrisch schalten, Ich liebte ihn mit seinem rauhen Wesen, Zusammen waren wir Soldat gewesen, Und hatten zu einander stets gehalten.

Wir gingen. Draußen sprach er so zu mir: Ich'hab's geklagt noch Keinem, außer Dir, Du weißt mein Vater liegt schon lange krank, Wir sind verarmt, kein Brod ist in dem Schrank, Die kleinen Brüder und die kleinen Schwestern Sind hungrig noch seit gestern, ach seit gestern, Die Mutter weint mit bleichendem Gesicht Tief drückt die Noth, sei froh, du kennst sie nicht.

Als ich nun heute Abend spät hinauf Zum Forste ging, um heimlich Holz zu holen, Da sprang ein Rudel Wild an mir verstohlen Vorbei dem Walde zu in scheuem Lauf. Und durch die Sinne fuhr mir ein Gedanken Doch Du verstehst mich, komm drum ohne Schranken, Der Förster schläft, wir haben nichts zu sorgen, Nur Eure alte Flinte mußt Du borgen."

Und heimlich schlich ich mich zurück ins Haus Zur Bodenkammer, wo die Flinte stand, Und faßte hastig sie mit leiser Hand

Und trug sie dem Genossen dann hinaus. Er hatte Pulver schon und Blei zum Laden. Wir schritten stumm und wortlos durch die Nacht, Denn was im Herzen damals wir gedacht, Das knüpfte sich an keiner Worte Faden. Wir schritten rasch dem Dorf entlang, und bald * Erreichten wir den schwerbereiften Wald. Fried lud die Flinte nun tm Mondenschein, Rieb mit dem Nagel dann den Feuerstein, Damit der Schuß gewiß, und nicht versage, Und lauschend standen wir am WaldeShage.

Wir standen harrend, stille war's umher.

Nur manchmal zog ein Rauschen durch die Bäume, Die reifbehangen, kahl und blätterleer.

Der Mond floß nieder durch die öden Räume. Da traf ein Laut, kaum hörbar, an mein Ohr, Wie schwaches, weitentferntes Hundsgebell. Ich lauschte durch die Nacht gespannt empor, Und sagte zum Geuossen leis und schnell: Fried hörtest Du nicht eben fernen Laut?" Der wilde Jäger ist'S mit seinen Hunden, Der, wenn der Mond vom Himmel niederschaut, Den Wald durchfährt zu mitternächt'gen Stunden." So sprach er, faßte dann die Flinte an, Hob sie empor, und spannte rasch den Hahn, Denn aus den Büschen in des Feldes Schnee Schritt sorglos vor ein schlankes schwankes Reh. Und weithin schlug des Schusses dumpfes Knallen Wir sah'n das Wild getroffen niederfallen.