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nannte, die mit Stolz auf die Jahrhunderte ihrer gro- sen Vergangenheit zurückblickt, auf daS, was ihre Bürger einst zur Begründung eines mächtigen Bürgerthu- mes und wahrer Bürgerfreiheit gethan haben — möchten diese Worte des Reichsverwesers eine Weissagunc sein, deren Erfüllung schon die nächste Zukunft des des deutschen Vaterlandes beglücke! Es sei nur unser heiligstes, festes Wollen — und wahr in der That müssen jene Worte der Weihe werden!
Im Namen der Bürgerwehr brachte dann deren Commandant, der Chef-Präsident von Witgenstein, dem hohen Ehrengäste den Willkomm in wenigen, aber bündigen Worten, und schloß mit einem Hoch auf den Reichsverweser, das, wie er sagte, gewiß in den Herzen aller deutschen Bürgewehrmänner den freundlichsten lebendigsten Wiederklang finden mußte.
Als sich Herr v. Witgenstein nun die Ehre ausbat, den Reichsverweser bewirthen zu dürfen, erklärte dieser mit einem herzlichen Händedrucke, wie er „sehr gern die Einladung annehme. Auf die Frage, ob Se. Kaiserliche Hoheit einen Wagen befahlen, antwortete er: „O nein, ich gehe gern zu Fuß!" Während sich nun Alle »»schickten, das Dampfbovt zu verlassen, wandte sich der Erzherzog zum Oberbürgermeister mit den Worten: „Köln ist für mich eine gar schöne Stadt; ich habe Köln gern!"
Unbeschreiblich war der Jubel der Menge, als der Erzherzog-Reichsverweser im schlichten Bürgerrocke, begleitet von dem Ober-Bürgermeister und dem Commandanten der Bürgerwehr, gefolgt von dem Gemeinderath und dem Vorstände des Central-Dombau-Vereins, durch das von der Bürgerwehr gebildete Spalier schritt, den Hut in der Hand, freundlichst nach allen Seiten grüßend und dankend. Einen solchen Voltsjubel, solch einen begeisterten Willkommruf haben wir selten vernommen. Dichtgedrängt war die Straße voller Menschen, alle Fenster der Häuser, deren Dächer selbst belebt waren, mit Frauen besetzt, die den Ehrengast mit weißen Tüchern begrüßten — kein Ende wollte der Iubelruf nehmen, die Bürgerwehrmännern, mit einer Hand daS Gewehr präsentirend, schwenkten mit der anderen Hüte und Mützen und jubelten ihm ihr begeistertes Hoch entgegen, darein schmetterten die Fanfaren und das Geläute sämmtlicher Glocken der Stadt in majestätisch-feierlichem Ernste. Eine Abtheilung berittener Bürgerwehr ritt vor dem hohen Ehrengäste.
Als der Dom nun in seiner erhabenen Größe vor dem erlauchten Fürsten aufstieg, hemmte er überrascht den Schritt, staunend zu dem Pyramidenhaine, der sich von dieser Seite in ihrer ganzen Baupracht den Augen bietenden Chorrundung emporblickend. Hier hörten wir eine Bürgerfrau voll staunender Ueberraschung auSrufen: „Nun, seht doch, ein schlichter Bürgersmann!" Ein vielbedeutsames Wort, denn nur dann erst wird Deutschland groß und glücklich sein, wenn seine Fürsten ihren höchsten Ehrenschmuck im schlichten Vürgerkleide finden.
Unaufhörlicher, unaussprechlicher Jubel begleitete den Reichsverweser bis zu der Wohnung des Herrn v. Wittgenstein, wo eine Ehrenwache der Bürgerwehr und eine Compagnie des 16. Infanterieregiments, dessen Chef der Erzherzog Johann ist, als Ehrenwache aufgestellt war, welche ihn militärisch begrüßte. In der Hausflur empfing ihn Prinz Friedrich von Düsseldorf in der Kürassieruniform, umgeben von einer Menge j Oberoffiziere aller Waffengattungen im höchsten Pomp — charakteristisch groß der Gegensatz deö Reichsverwesers im einfachsten bürgerlichen Reiseklcide. Auf der Treppenflur begrüßte ihn unser Hr. Erzbischof v. Geissel, mit den Prälaten , die bereits seiner Einladung zum Feste gefolgt waren.
Er begab sich dann, begleitet von dem Prinzen Friedrich und dem Herrn Erzbischöfe, in die obern Gemächer deö Hauses, wo die gewöhnlichen Vorstellungen statt fanden und auch sämmtliche Bannerführer und
herzmmgstcn WWommgrnß. Wir sprechen ihn aus, diesen Gruß der Ehrerbietung und Liebe, im Angesichte des hohen Domes, des Symbols der künftigen Größe und Einheit Deutschlands. Gleich diesem, dem verjüngten Deutschland, sehen wir auch ihn, in verjüngter Kraft, Herrlichkeit und Würde, im Lichtscheine der Hoffnung seiner fürderhin nicht mehr bezweifelten Vollendung, festlich vorbereitet und geschmückt zu der großartigen Gedächtnißfeier, welche in seinen ehrwür- digen, geheiligten Hallen versammeln und vereinigen wird laufend-und abertausend edler deutscher Männer, von Nahe und Ferne, an ihrer Spitze Hand in Hand den erhabenen Verweser des Reiches, den erhabenen königlichen Protektor, mit ihnen die Männer der Wahl des deutschen Volkes, welchen anvertraut ist die Begründung und der Ausbau des erhabensten und großartigsten Bauwerkes unserer Zeit und unseres Jahr- bunverts, des Domes deutscher Einigkeit und Kraft! Mögen, so wie nach der Idee des Meisters, unter kunstgerechter Leitung und freudigem Zusammenwirken der wackern Baugenossen, Stein an Stein gefügig und harmonisch zur Vollendung des erhabenen gottgeweihten Tempels sich verbinden, so auch alle deutschen Volksstämme kräftig und harmonisch zusammenwirken an dem erhabenen Bauwerke der deutschen Nationalität und Eintracht; mögen, unter dem Schutze des Allmächtigen, beide Bauwerke, in fester Begründung, in Schönheit, Stärke und Ausdauer in die fernen Zeiten und Geschlechter der Menschen hineimreten, und nach abermal sechs Jahrhunderten ein doppeltes Säcular- fest deutschen Frommsinns, deutscher Gesinnung, deutscher Kraft und Einigkeit hier gefeiert werben! Dreifaches Hoch!"
Mit unsäglichem Jubel wurde dieses Hoch ausgebracht; laut schallend klang cs von User zu Ufer wieder und pflanzte sich bis wert in die Stadt fort.
Mit — wir möchten sagen — andächtigem Ernste horchte der Reichsverweser der WiUkommrede. Wie er da stand, voll edler Manneswürde in seiner einfachen Erscheinung, glaubte man einen der thätgewalti- gen Herrscher des deutschen Reiches vor sich zu sehen aus den Zeiten, wo der bloße Name Deutschland, weil es noch groß und mächtig als Reich, allen Nationen ein achtunggebietender war. Er nahm daS Wort — rings eine athemlose Stille. Schon die ersten Worts, die ihm von den Lippen tönten, klangen in Aller Herzen wieder, so herzgewinnend ist die männlich kräftige und mit dem charakteristischen Anfluge des National Dialektes so tief gemüthliche Stimme. Schade, daß wir die wenigen, aber bedeutungsvollen Worte des Reichsverwesers nicht ganz wortgetreu Wiederzugeben vermögen. Er sagte etwa:
„Meinen wärmsten Dank für den herzlichen Empfang! Sie haben den kölner Dom das Symbol der deutschen Einheit genannt — er ist es, er soll es sein! Das Werk, was wir zu Deutschlands, des Vaterlandes Heil zu bauen haben, ist ein großes, ein riesenhaftes, wie Ihr Dom selbst. Es bedarf da eines festen Willens und tüchtiger Werkleute, welche jeden einzelnen Stein bearbeiten, daß er genau passe, daß er sich füge zu dem großen einigen Ganzen. Wir wollen Gott dem Herrn bitten, daß er uns die Kraft dazu verleihe, daß nur Alle mit gleichem Eifer und thatkräftiger Ausdauer daran arbeiten, daß felsenfest, wie Ihr Dom, erstehe ein einiges, ein großes, ein glückliches Deutschland. Ich wiederhole nochmals meinen herzlichen Dank und bringe der Stadt Köln ein Hoch!"
Und es jubelte das Hoch begeistert und begelsternd in die Lüfte. Unmöglich ist es uns aber, den Eindruck zu schildern, welchen die Worte, in der Weise, wie sie gesprochen wurden, auf alle machten, die dem hohen Gaste naher standen; manches Auge füllte sich mit Thränen. Möchte diese Worte deS edlen deutschen Mannes, gesprochen von ihm auf dem deutschen Strome, umschart von den Bürgern einer Stadt, die sich einst stolz eine freie Stadt des deutschen Reiches
Hauptleute unserer Bürgerwehr sich ihm vorstellrn ließen. Der Reichsverweser war gegen Alle eben herzlich und herzgewinnend durch seine schlichte, deutsche, biedere Weise. — Nach 8 Uhr wurden die drei Fahnen des 16. Infanterieregiments feierlichst mit großer Militär- musik in sein Absteigequartier überbracht und noch spät, trotz deS regnerischen Wetters, brachten ihm zahlreiche Bürger einen Fackelzug und eine Serenade. Von der Wohnung des Reichsverwesers begab sich der Zug zum Hause des Hru. Advokat-Anwalts Forst^auf dem Berlich , wo der Präsident der deutschen Reichsversammlung, v. Gagern, abgestiegen war, um auch diesem deutschen Ehrenmanne eine Huldigung darzubringen.
So schloß die Einleitung zu dem, hohen Feste. Hei- terer ist diesen Morgen der Himmel und noch festlicher und reicher denn gestern sind die außerordentlich belebten Straßen geschmückt, einzelne Häuser mit vielem Geschmacke und sinniger Pracht. — Der Kaiser von Oesterreich , der König von Hannover und der König der Niederlande sind den an sie ergangenen Einladungen nicht nachgekommen.
Diesen Morgen gegen 9 Uhr besuchte der Reichs- vcrweser schon den Dom und nahm unter Begleitung des DombaumeisterS Zwirner den ganzen Bau, so weit er seiner Vollendung entgegen gedieben, in Augenschein. Auch der Präsident v. Gagern in Begleitung von meh- rern Deputaten besichtigte diesen Morgen in aller Frühe schon den Dom.
Nassauisches.
H Kammer - Verhandlungen.
29. Sitzung.
. Wiesbaden, den 14. August.
(Fortsetzung.)
v. Eck: Es seien in der letzten Zeit Abstimmungen mit sehr geringer Majorität vorgekommen, in den Protokollen stünden aber immer bloß die Worte „angenommen" oder „abgelehnt;" er müsse beantragen, daß künftighin genau die Zahlen der Majorität und Minorität angegeben würden.
Z o l l m a n n will diejenigen, welche in der neulichen Sitzung für Ablösung in 12-fachem Betrag gestimmt I laben, namentlich noch nachträglich in den Prolo- öllen aufgeführt haben. Es könnte seiner Meinung nach ja diesen Herren nur sehr angenehm sein.
Wenckenbach 1.: Das würde sehr gernegesche- jen, er seiner Seitö würde seinen Namen dazu vor Kaiser und Reich hergeben. _ J
Die Kammer nimmt den Antrag v. Ecks an, der von Zollmann aber, weil er gegen die Geschäftsordnung gehe, wird verworfen.
v. Eck fährt in dem Berichte der Kommission fort und zwar zuerst über §. 7, dieser lautet nach dem Entwurf :
„Den Eigenthümern von Grundstücken, von welchen seit 1841 die Zehnten abgelöst worden sind, wird % deS Ablösungökapitals auf den am 1. Januar 1848 verbliebenen Rest abgeschrieben. Hiernach wird die fernere Annuität gerechnet und auf die einzelnen Parzellen von Neuem repartirt. Bei bereits geleisteter Zahlung wird den Grundeigenthümern % aus der Staatskasse zurückvergütet. Die Zahlung nebst 4% vom 1. Januar 1850 erfolgt in 5 Jahreölerminen mit dem 1. Januar 1849 anfangend.
Diejenigen Zehntberechtigten, welche seit dem Jahre 1841 Zehnten abgelöst und die Ablösungsbeträge erhalten haben, haben % derselben an die Staatskasse zurück zu erstatten."
Die Kommission ist im Ganzen mit dem Entwurf einverstanden, nur will sie die Art des Abschreibens näher und deutlicher bezeichnet haben.
Hierauf trägt Habel, Mitglied der Kommission, ein Specialvotum vor, worin er sich gegen jede
mich! morgen oder übermorgen muß ich Einem daS letzte Maß nehmen! — wie gesagt, eben so könnte hier im Hause die Geige tönen und spielen auf eigne Hand. Mandelschaf machte gewiß ein Gedicht von dem Vorfall, denn poetisch ist er, vielleicht poetischer, als seine andern Siebenfachen."
Er streckte^ schon die Hand aus, da wurden Stimmen unten vor der Hausthür, welche Rose in der Verwirrung abgeschlossen haben wollte, bald darauf unruhiges Hin- und HergchnIvernehmbar, und Grinfel ward nun in seiner Einsamkeit ängstlicher, als vielleicht Rose da unten im Tumulte der Kreuz- und Querfragen, der Condola- tivnenâRathschläge, Bestellungen und Anordnungen. Indessen ging doch Alles gut, die Nacht brach herein, nach und nach ward es unten ruhiger; endlich wurde gar die Hausthür verschlossen, und tiefe Stille schlich durch daS Haus.
Dai; legtet sich der Kammermusikus ins Bett, aber trotz der vielfältigen Anstrengungen des nun verschwundenen Tages wollte kein Schlaf in seine Augen kommen, denn nun trat mit einem Mal sein einziges Töchterchen vor ihn hm, und schwer siel'g ihm auf'6 Herz, das liebe Kind in dem Wirrwarr ganz vergessen zu haben. Was sollte daraus werden wenn sie, und das verstand sich doch von selbst, die traurige Nachricht von seinem Tode erhielt?
„ES ist ja kein Sterbenswort wahr an der ganzen Geschichte!" murmelte er unter der Bettdecke hervor DaS zarte Mädchen wird einen Schreck davon weghaben' der um so gefährlicher auf sie einwirken kann, je über«
flüssige, er ist. Aber, was soll ich unglücklicher Vater machen? Hier muß ich nun einmal auSdaueru! Warum hab' ich sie denn eigentlich zur Tante geschickt? Der Master war ja fort — daS bischen Caprice gegen Rose! — Mir bleibt wahrhaftig kein andrer Weg, als meinen ersten Weg nach Wenselburg einzuschlagen und die Leute dort zu avertiren, mit dem Trauerbriefe sei's ein Irrthum und so weiter. Dann aber geht'ö schnurstracks nach England hinüber, man macht als deutscher Violinspieler Furore, und erkundigt sich beiläufig nach dem Master Bywater und seiner Schuld."
Ueber dem fortgesetzten Nachgrübeln schlief er endlich und so fest ein, daß er am nächsten Morgen nicht eher die Augen öffnete, alü bis er draußen auf der Treppe gehn hörte. Mehre Menschen ruschelten an seiner Thür auf und nieder und endlich sprach eine ihm wohlbekannte Baßstimme:
„Also der Schlüssel zu diesem Erker ist nicht aufzufinden? DaS ist übel, wir hätten ihn nach genommener Ueberzeugung, daß er zu diesem Schlosse gehöre, versiegelt im Gerichte niederlegen müsse». Paßt denn kein Andrer?"
Jetzt raffelten Schlüssel; sie wurden zwar vergeblich in dem Schlosse versucht, aber der Eingesperrte stand Höllenangst aus und troff von Schweiß. Die Angst war um so peinlicher, als er sich sagen mußte: „Dummkopf! warum schob ich nicht zwischen Drücker und Schloß einen Keil? Und hätten sie den Schlüssel Petri in den Fäusten, sie könnten sich draußen todtdrücken an dem Dinge, es half nichts, und die Frau sagte leicht, daö Schloß
sei verrostet. Kommen sie nun herein, so —" draußen schien eine Hand Anstalt zu einem Druck auf das Schloß zu machen. Davor erschrack der freiwillige Gefangene dergestalt, daß er ohne Rücksicht auf die Gefahr, sich durch eine verunglückte Bewegung zu verrathen, rasch den Zeigefinger der linken Hand zwischen Drücker und Schloß schob. Aber eben so rasch zog er, alö wirklich von drau- ßen ein Druck erfolgte, den Finger zurück, biß die Zähne wie vor Schmerz zusammen, und hätte beinahe mit dem Finger geschnippt. „Verflucht! wehete eâ ihm leise zwischen den Lippen, der Finger wär' um seine ganze kostbare Applicatur, vielleicht zeitlebens, betrogen, wenn die Justiz draußen mit einem Druck vigoroso mir daS vordere Glied zerquetschte. Hol'S der Henker; kommen sie, so — weiter ist dann nichts zu machen — so producir' ich mich den starraufgerißnen Augen mit einem tiefgehor« samsten Bückling."
Indessen, die Thür ward versiegelt, man ging die Treppe wieder hinab, und Grinfel athmete aus tiefer Seele frei auf. Er wurde nun auch nicht weiter erschreckt, nicht einmal gestört, und verbrachte die Zeit mit Planschmieden, aber auch von Langeweile gequält, die er dadurch einiger Maßen vertrieb, daß er die Sperlinge auf dem Dache gegenüber zählte. Dabei mußte daS Fenster, sogar die Bewegung sorgfältig vermieden werden und er ging nur beim äußersten Nothfall vorsichtig tu Strümpfen.
(Fortsetzung folgt.)