Einzelbild herunterladen
 

582

gemeldet, die Minister, die Nationalversammlung, die städtischen Militär- und Civilbehörden eingeladen hatte. In dem Einladungsschreiben hieß es:Die Bürger­wehr Berlins hat in ihrer Majorität den Antrag bei dem Commando gestellt, in einem öffentlichen Akte die beabsichtigte Einigkeit Deutschlands, unbeschadet dem Ruhme, der Ehre und dem Glanze Preußens und sei­nes Herrscherhauses, ihre Anerkennung zu zollen und zu diesem Zwecke eine Parade gewünscht." Die Auf­stellung zur Parade folgte, von früh 8 Uhr, die beiden Seiten der Linden entlang, von der Schadows- bis zu der Oberwallstraße hin. Von 10 Uhr fanden sich die Eingeladenen in dem Bürcau des Commando's der Bürgerwehr (Oberwallstraße 3.) ein und zogen, unter Vorantragung der preußischen und deutschen Fahne (durch die Bürgerwehrmänner Hippel und Stubbe vom 27. Bezirk), paarweise, nach dem Opern - platze, wo, von der Königswache bis zu der Universi­tät, die Fahnen sämmtlicher anwesenden Mannschaften, 32 an der Zahl, aufgestellt waren. Zu diesen Fahnen batte jede Compagnie einen Hauptmann, zwei Zug­führer und einen Wehrmann abgeordnet, welche sich, in drei Gliedern, hinter die Fahnen stellten. Sämmt­liche Minister, voran der Minister-Präsident und der Kriegs-Minister, Letzterer in großer Generalsuniform, eröffneten den Zug, welchem sich die ganze National- Versammlung unter Führung ihres Präsidenten Gra­bow, der Vice-Präsidenten Dr. Kosch, und Ionas, der Commandant, der Polizei-Präsident und die Ab­geordneten der städtischen Behörden, unter dem Geleite des Veteranen-Corps und einer kleinen Abtheilung

Bürgerwehr angeschlossen hatten. Der Oberbefehlsha­ber Rimpler hielt, umgeben von seinen Adjutanten, zu Pferde, vor der Universität und ließ, als die Ein- geladenen, längs des Opernhauses Platz genommen hatten, das Gewehr präsentiren. Dann las Herr Rimpler, der ohne alle Abzeichen, einfach im schwarzen Rocke die Parade befehligte, vom Pferde folgende An­sprache:Kameraden! Unser geliebtes deutsches Vater­land beginnt seine Auferstehung. Jahrhunderte gespal­ten, zuletzt vollständig getheilt, wird es durch die hei­ßen Wünsche von Millionen wieder vereinigt. Auf deutscher Aar! beginne Deinen kühnen Flug zu neuem Ruhm, zu neuem Glanze. Preußen, groß durch seine Könige, stolz darauf, daß es in Zeiten der Erniedri­gung' Deutschlands die Ehre des großen Vaterlandes zu wahren gesucht hat, stolz daraus, vorangegangcu zu sein, als es galt, die Fesseln fremder Tyrannei zu brechen, Preußen ist es zu seinem größten Stolze ver­gönnt, unter dem Vortritt seines deutschgesinnten Kö­nigs den besten, größten Theil in diese unser großes Vaterland auf Jahrhunderte sichernde Vereinigung zu bringen. Darum dieser Bereinigung Deutschlands un­ser donnerndes Hurrah!" Der Hurrah- und Hochruf, der von allen Mannschaften und dem dichtgeschaarten Volke (welches sogar die Dächer des Opernhauses und der Akademie bedeckte) wiederholt wurde, hatte etwas Ergreifendes: die Trommeln wirbelten, die Trompeten schmetterten und alle Fahnen wurden ge­senkt. Nachdem diese kurze Feier um 11 Uhr beendet war, begaben sich die Eingeladenen, von Hrn. Rimp­ler begrüßt, nach dem Lustgarten, vor das Schloß, wo

dann der Vorbeimarsch zuerst der berittenen Bürger« wehr und dann der einzelnen Bataillone und aller fliegenden Cochs erfolgte. Das schönste, fast zu heiße Wetter hatte dieft Festlichkeit begünstigt, welche um 12 % Uhr zu allgemeiner Befriedigung endete. Der Minister-Präsident, welcher die Parade abgenommen hatte, sprach nach deren Beendigung seine volle Aner­kennung aus.

Vermischtes.

* Politisches Jntelligenzblatt. Neueste Fa^ou.

Zöpfe modernster Art für rasende Eif'rer der Ruhe, Haarbeutel, perruques â queue mit obligater Tonsur, Beste Ministerpomade, daö Haarausgehen zu hindern, Auch gegen frühes Ergrau'n volksvertretender Köpf'.

Zu haben bei O. Perrückenmacher.

Druckfeh ler-Derichtiqnng.

Die Beleuchtung des Leisler'schen Antrags in Nr. 138 der Nassauischen Zeitung ist von Wiesbaden datirt, es muß heißen: Montabaur rc.

NebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt Nr. 14."

Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.

Die Lage des Schreiberstand.

Aus der Provinz, im August 1848.

Während alle Stände und Klassen der Gesellschaft, theils um'Besserstellung, theils um Erhaltung ihrer seit- hcrigen Verhältnisse nach vorhergegangenen Verhandlun­gen und Berathungen, Petitionen an die hohe L>tände- kammer entsenden, läßt der, mitunter so sehr gedrückte Schreiberstand auch nicht eine Sylbe von sich hören über seinen, so überaus bedauernöwcrthen Zustand.

Den Herz. Landoberschultheißen sind notorisch vor kurzer Zeit, sämmtliche Holzversteigerungen bereits ent­zogen, und nach dem ohnlängst von Herz. Landesregie­rung herausgegebenen Entwürfe eines Gesetzes über die Gemeindeverwaltung wird denselben die Stellung der Gemeinde-Rechnungen, der Rechnungsüberschläge rc. noch entzogen werden. Hierdurch allein wurden viele Ge­hülfen der Ersteren überflüssig und mußten ihre Hei- math aufsuchënT" Obusse da^DrschÄstiglMZ und Unter­halt gefunden, danach fragen so wenig ihre früheren Chefs, als auch die obere Staatsbehörde.

Erstere mögen sich damit entschuldigen, sie könnten Leute, ohne Beschäftignng für sie zu haben, nicht aus ihrem Privatvermögen honoriren, und die Staatsbehör­den werden wohl eine genügende Entschuldigung darin zu finden glauben, wenn sie vorschützen, im Augenblicke Wichtigeres zu thun zu haben, als sich um die Verhält- uiffe der Schreiber zu bekümmern.

Die Sache bedarf jedoch gewiß einiger Beachtung. dürste dennoch wohl an seinem Platze sein, eine Hohe Landes-Regierung auf die Wege aufmerksam zu machen, welche betreten werden könnten, um wenigstens auf einige Zeit den stellen- brod- und unterhaltlosen Schreibern diese Lebensbedürfnisse zu verschaffen.

Nach den landständischen Verhandlungen soll nunmehr der Rest der bestehenden Zehnten im 12fachen Betrage abgeschrieben werden. Diese Arbeiten sollen nach wie vor die Herz. Steuer-Commissaire besorgen oder viel­mehr besorgen lassen. Es wird dennoch dem Arbeiter­personale für die Zukunft eben so wenig ein günstiges Prognostikon, Betreffs feines Lohnes zu stellen sein, wie ibm Letzterer auch bisher nur so kärglich von deu Steuer- Commissairen zugemcffen wurde. Die nächste natürliche Folge aber hiervon wird sein, daß nach wie vor schlechte Arbeiten werden geliefert werden.

Ehe und bevor Einsender über das Gesagte in das Detail eingeht, muß bemerkt werden, daß diejenigen Hrn. Steuer-Commissaire davon auszunehmen sind, welche die Zehntarbeiten durch eigne Protocollisten verrichten ließen, nur den kleinsten Theil der erfüllenden Gebühren für sich behielten, mitunter auch Nichts davon verlangten.

Zur Zeit, wo die ersten Zehntablösungscataster ge­stellt wurden, ließen die Herrn Steuer-Commissaire ein Heer von Leuten um sich versammeln, beriethen wie m diesem oder jenem Falle zu halten sei, (die Instruk­tion über die Aufstellung der Cataster war nämlich äußerst unvollständig) legt n eS den Schreiblustigen nahe, wie der, welcher am wenigsten verlangen würde, am meisten verdienen könne, und so gelang es den guten Herrn, daß sie bald für den 4. Theil der festgesetzten Gebühren gearbeitet erhielten. Die Rechnungen wurden zwar auf den Protocollisten ausgestellt; die Herrn Steuer-Commis- saire wußten aber tag Geld, da größtentheils aus den Gemeinde-Cassen entnommen wurde, von den Rechnern zu erheben, und dann manchmal erst nach öfterem Ansuchen erhielten die Protocollrsten ihren 4. Theil zu 108 kr. den preußischen Thaler und den Nassauer Gul­den zu 62 kr. gelegt, bezahlt. Einem solchen Verfahren den paffenden Namen zu geben, überlassen wir den Le- zcrn dieser Blätter.

Dann wußten es die Herrn Steuer-Commissaire auch noch so einzurichten, baß nicht immer Arbeit für die Protocollisten vorhanden war; man suche sie anderweit zu beschäftigen, es war eine Gnade sie bekamen einige Gemarkungen zum Ab- und Zuschrciben in den Feld- grund-Steuercataster, was sie dann, versteht sich von selbst, gratis, besorgen mußten. Daß diesen auf alle mögliche Art niedergebeugten Protocollisten nicht um 'cor- recte und schöne Arbeit zu thun sein konnte, wird wohl niemand bezweifeln können. Ich könnte noch sprechendere Facta anführen, würde die selige Zehntablösungâ-Com- mission nicht zu sehr graviren; ihr hätte manches nicht entgehen dürfen.

Zur Hauptsache übergehend:

Wie kann und soll dem arbeit- und brodlosen Schrei- berstande geholfen werden?"

Ich meine man könnte die jetzt aufzustellenden und zu rectisicirepden Zehntablosungö-Cataster, wie auch die neue aufzustellenden Feldgrund - Steuercataster anerkannt brauchbaren Gehülfen für die festgesetzt werdenden Ge­bühren übertragen; ohne daß sich die guten Hrn. Steuer- Commiffäre vorerst dabei zu bedenken hätten; für ihren leichten Dienst sind dieselben ja ohnehin, im Verhältniß zu andern Staatsdienern jn hoch besoldet, und könnten deßhalb leicht von dem durch die Protocollisten verdient werdenden Gebühren absehen. Hohe Ständekammer wird eS nicht außer ihrem Wirkungskreis setzen, und sich der Sache mit Energie annchmen.

Es kann nicht in der Absicht einer StaatS-Regierung liegen, baß 8 Männer in Lande auf einmal, wie durch ein Wunder zu reichen Leuten werden; dagegen ein Heer von Schreibern stellen- und brodloö im Lande herumirren sollen. Das geht gegen alles menschliche Gefühl!

Und ihr, Collegen! wachet und wirket und seid thä­tig, für Eure Zukunft zu sorgen, wie dieses jeder Stand zu thun in diesen Tagen beflissen ist.

Auch wir wollen Berathungen halten und deren Be­schlüsse bei Hoher Ständekammer in einer Petition vor­tragen. Limburg als der Mittelpunkt unsres Landes, wird, wie schon für Viele, auch für uns der geeigneteste Sammelplatz sein. Tretet vorerst in engere Kreisen an den betreffenden Amtsorten, znsammen, und berathet Euch darüber was uns noth thut. Seid Ihr dann mit der Abhaltung einer Versammlung am genannten Orte einverstanden, so laßt Euch darüber balbigst in diesen Blättern vornehmen und Einsender wird dann s. Z. be­reit sein, Geeignetes zu dieser Zusammenkunft zu ver­anlassen, wenn nicht ein Anderer hierzu daö Incitament ergreifen sollte. (710)

Decret.

Nachdem über das Vermögen der Wittwe des Kauf­mann August Jauziond von Diez der ConcurS er­kannt worden ist, so wird zur Liquidation der Forderung Termin auf

Freitag, 8. Septbr. Vormittags um 8 Uhr unter dem Rechtsnachtheile des Ausschlusses von der vorhandenen Masse anberaumt.

Diez, den 29. Juli 1848.

Herzoglich Nassauisches Amt.

(708) Dübell.

(709) Man wünscht ein gut gelegenes Ge­schäftshaus in hiesiger Stadt, wo möglich mit einem Garten zu kaufen.

Das Nähere durch das Geschäftöbureau von C. Leyendecker.

(703) Eine Wohnung von 1416 Zimmern, wobei ein Hof oder Garten gegeben werden kann und das nöthige Zugehör, wird zu miethen gesucht durch daö Geschäftöbureau von C. Leyendecker.

(704) Kleinere und größere Capitalien werden gegen gerichtliche Sicherheit zu leihen gesucht durch das Geschäftsbureau von C. Leyendecker.

(705) Eine Kinderwärterin für eine englische Familie, welche englisch spricht und sogleich eintreten kann, wird gesucht durch daö Geschäftsbureau von C. Leyendecker.

(706) Zwei perfecte Köchinnen, welche sogleich ein­treten können, finden unter sehr vortheilhafteu Bedin­gungen Stellen durch das Geschäftöbureau von Carl Leyendecker.

Edictalladung.

Nachdem über den Nachlaß des Jacob Birlen­bach, Sohn des Andreas Birlenbach von Netzbach, der Concuröproceß rechtskräftig erkannt worden ist, so wird zur Geltendmachung dinglicher wie persönlicher Ansprüche bei Vermeidung des Ausschlusses von der vorhandenen Masse Termin auf Dienstag, den 29. August l. I., Morgens 8 Uhr anberaumt.

Diez, den 4. August 1848.

Herzoglich Nassauisches Amt.

(707) Steinebach.

In der Wilhelm Friedrichschen Verlagsbuchhandlung in Wiesbaden ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: (711)

LUGOLS

Untersuchungen und Beobachtungen

über die Ursachen

der

Skrofel - Krankheiten.

Deutsch von Dr. L. v. HAXTHAUSEN.

Für Aerzte und Laien.

200 Seiten, gr. 8. auf Velin-Maschinen-Papier. fl. 1. 45 kr

(712) Ausgezeichnet gute Stahlfedern, Brief- couverts, Visitenkarten, sowie sämmtliches Schreib­material sind in größter Auswahl vorräthig bei Wilh. Friedrich am Friedrichsplatz.

Geld - Cours.

Neue Louisdor...........

Pistolen...............

Preuss. Friedrichsdor.......

Holländische Zehnguldenstücke .

Randducaten............

Zwanzigfrankslückc.......

Engl. Souverains..........

Laubthaler , ganze........

Preuss. Thaler...........

Fünffrankenthaler..........

a.

kr.

---

11

5

9

55

9

56

10

5

5

36

9

37

12

2

2

431/,

1

45

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. Redaction unter Verantwortlichkeit des Herausgebers Wilhelm Friedrich.