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dem Jägerhofe weiter. Zelte, Tische und Bänke luden zum Sitzen ein, und Rednerbühnen inmitten derselben gaben Gelegenheit, auch im Worte dem Volke die Be­deutung deS Tags zu erklären. Zahllose Maßen wogten Hin. und her, Musikchöre spielten und das Fest hatte so viel t Lockendes, daß hier die vollkommenste Verbrüderung zwischen Militär und Civil auf die'freundlichste, harm­loseste und natürlichste Weise zu Stande kam. Bald sah man ganze Züge von Soldaten und Bürgern Arm in Arm fraternisirend durch die Straßen ziehen. Bis zum Abende hin blieb die Stadt und ihre Umgebung der Schauplatz eines Festes, das auch durch keinen Mißton getrübt wurde. Bei beginnender Dunkelheit gab es noch eine allgemeine Illumination, und die Bürgerschaft ver­sammelte sich zu einem Fackelzuge auf dem Markte vor dem Nathhause. Der letztere bildete den Glanzpunkt des Tages. Unsere hiesigen Maler, denen wir hiermit den besten Dank sagen, hatten nämlich einen wahrhaft phantastischen Zug veranstaltet. Achtunddreißig Herolde, gekleidet in die mittelalterlichen Trachten der Bundesstaa­ten, trugen in demselben die Fahnen mit dem Wappen der betreffenden Fürsten. Hier war eine wahre mährchen- hafte Pracht entwickelt, und wenn man es auch ein Stück Mittelalter nennen muß, das auf die neue Zeit nicht paßte, so riß doch der schöne Eindruck des Ganzen zur Bewunderung hin. Unter dem Jauchzen der Menge ging der Zug durch die belebtesten Straßen und endete an dem Standbilde der Germania, der sie alle die ein­zelnen Embleme.zum Opfer brachten, indem sie Fahnen und Wappenschilde vorder erhabenen, von bengalischem Feuer in verschiedenen Farben erleuchteten Statue neigten, .während durch die stelle Nachtluft die Klänge rauschten: Daâ ganze Deutschland soll eS sein!" ES waren in der That erhabene Momente, ganz des großen Gedan­kens würdig, der den Tag verherrlichte. Sie waren reich genug, drei ganze Tage auszufüllen. An einem 6. Aug. giyg daS deutsche Reich unter, an einem 6. August ward . wieder eingesetzt. Daß daS ganze Rheiland in diesem Sinne einig ist, bezweifeln wir nicht; daß das ganze Deutschland darin einig werde, hoffen wir:Das ganze .Deutschland soll eS sein!"

nenklöstern mit ihren Descendenten rc.; Untcrri ch t s - freiheit, um die Erziehung des MenschLügeschlechls gänzlich an sich In bringen und durch Jciuiten, h'ères ignorantins etc. die Jugend in der allein seligmachenden Dummheit der römischen Kirche zu erziehen re. Hâlpt^ sächlich sind ihm die gemischten Schulen ein Dorn int Auge; daher sucht er auf alle Weise Knabeneonvikte, katholische Seminare und Gymnasien in das Leben zu rufen. (Schluß folgt.)

Die Feier des 6. August in Preußen.

/X Wiesbaden, 10. August.

Obgleich die vom Reichskriegsministerium vorgeschrie­bene Feier des 6. Aug. vom Militär in Preußen nir-- gendö begangen worden ist, so hat dennoch die volköthüm- liche Partei für ein einiges Deutschland über die des speci- stschen PreußenthumS einen eclatanten Sieg errungen. Wir wollen es nicht untersuchen, inwiefern durch den bekann­ten Armeebefehl deS Königs in Bezug auf den RcichS- verweser die offtcieße Feier umgangen worden ist. Das steht aber fest,' daß grade die Reaction in den Tagen vorher die ungeheuersten Anstrengungen machte, um das Volk der Preußen durch den Popanz jener Feier zu er­schrecken vor einem gänzlichen Verschwinden und Auf­gehen Preußens in dem großen und einigen Deutschland.

Uederall war es ihr beinahe gelungen, Boden zu ge­winnen; mit einem offen zur Schau getragenen Hohn­lächeln auf alles, was von Frankfurt kommt, auf den Reichsverweser und seine Minister, auf daS deutsche Parlament, die deutsche Einheit re., trat sie keck auf, allein der gesunde Sinn des Volks merkte cs, daß ihr Zweck nur der war, alle Errungenschaften un­serer Tage in den Hintergrund zu drängen. Im Gegen­satz zu der Nichtfeier deS 6. August Seitens der Armee, haben in allen großen Städten namentlich in Berlin selbst, Köln, Aachen, Magdeburg, Düsseldorf re. große Paraden der Bürgerwehr startgesunden, denen sich alle Corpora- tionen, Gewerbe, Clubs re. in großartigen Auszügen mit ihren deutschen Fahnen angeschlossen haben.

So hat das Volk der Preußen selbst sich für die Einheit Deutschlands ausgesprochen und überall entweder dem einigen freien Deutschland das dreifache Hoch ge­bracht oder daS erste dem großen Vaterland, das 2. dem Reichsverweser, das 3. dem Könige gewidmet.

Ein schönes Einheitsfest hat am 6. die Künstlerstadt Düsseldorf gefeiert. Wir entnehmen der Köln. Z. zum Schlüsse folgendes:

DaS hier gefeierte Euch erlösest ist über alle Maßen herrlich ausgefallen. Wir wollen hier nicht davon reden, daß esGlockengeläute und Kanonendonner" gab. Auch die Parade der Bürgerwehr, so trefflich ihre Haltung genannt werden mußte, mag an anderen Orten eben so . vortrefflich auSfallen. Aber wodurch sich Düsseldorf wie­der vorzugsweise au 6z eich riete, daS waren die höchst ge­schmackvollen künstlerischen Anstalten, welche dem Tage dort seine rechte Weihe gaben. Wie durch einen Zau­ber entstanden, wuchs in Zeit von zwei Tagen eine rie­senhafte Germania in leuchtendem Gyps auf der Stelle, wo der Friedrichs-Platz, die Alleen und der Hofgarten zusammenstoßen, aus dem Boden. Hier war der eigent­liche M ttelpunkt der Feierlichkeiten. Unter dem Post­amente der Statue war ein weitläufiges Orchester an­gebracht, auf dem am Morgen nach der Parade von den verschiedenen Musikvereinen der Stadt herrliche Tonstücke aufgeführt wurden, während die Bürgerwehr und die Einwohnerschaft in zahlloser Menge umherstanden. Zu­gleich hielten der Chef der Bürgerwehr, Herr Candator, und der stellvertretende Ober-Bürgermeister, Hr. Dietze i Reden mit Beziehung auf den ReichSverweser und daS deutsche Vaterland an deren Schluffe der Jubel nicht enden wollte. Die Regierungs-Beamten, die städtischen Behörden waren bei diesem Acte zahlreich vertreten; lei­der fehlte aber außer den Prinzen von Solms, dem Stiefbruder unseres Prinzen Friedrich, alles Militär. Am Nachmitage spielte das Fest in der großen Allee vor

SS. Sitzung-der constituirenden National- Versammtung.

Frankfurt, 10. August. In der heutigen Sitzung wurde von dem Präsidenten v. Ga gern eine Botschaft des Reichsverwesers bezüglich verschiedener Mimfter- ernennungen mitgetheilt. Ein Antrag vieler Mitglieder der Linken, das' in den beiden letzten Sitzungen von dem Nicevräsidcnten v. Soiron eingehaltene Verfah­ren, als gegen die Geschäftsordnung verstoßend, zu miß­billigen, den Ordnungsruf gegen den Abgeordneten Brentano als nichtig'aufzuheben und über den (frü­hern) Antrag wegen Einschreitung gegen die Vorfälle am Schluß der Sitzung vom 7. sogleich zu verhandeln, wurde nach längerer Debatte an den Geschäftsordnungs­ausschuß gewiesen. Es wurde sodann zur Verhand­lung über die Wahl in Thiengen geschritten und der Ausschußantrag, dahin gehend: Die Nationalversamm­lung wolle die am 7. Juli in dem vierten badischen Wahlbezirke (Thiengen) vorgenommene und auf den Dr. Friedrich Hecker aus Mannheim gefallene Wahl eines - Abgeordneten zur constituirenden deutschen Na­tionalversammlung für ungültig und unwirksam erklären, demgemäß die badische Staatsregierung veranlassen, ! unverzüglich eine anderweitige Wahl in jenem Bezirk ' anzuorvnen, mit 350 gegen 116 Stimmen angenom­men. Schluß der Sitzung 3 Uhr.

Massauifehes.

D Kammer - Verhandlungen.

27. Sitzung.

Wie staden, den 9. August. (Schluß.)

S ch ü tz. Es fände sich eine Rechnung unter den Akten von 1300 fl. für eine Reise des geheimen Kir­chenraths Wilhelmi nach Berlin zu einer kirchlichen Konferenz. Diese Summe sei aus der Staatskasse be­zahlt worden, er trage darauf an, sie auf die Kasse des evangelischen Centralkirchenfonds zu übertragen.

Keim. Diese Konferenz sei nicht blos kirchlich, son­dern auch staatlich gewesen, deßwegen von manchen Staaten sogar Juristen hingeschickt worden, man könne daher auch wohl die Kosten aus der Staatskasse be­streiten.

Raht. Es sei in dem Bericht eine Menge von Gratifikationen und Besoldungszulagen erwähnt, ohne daß dabei gesagt sei, daß diese die rechtlichen Katego­rien der Besoldungen überschritten. Seiner Ansicht nach müsse darüber eine genaue Untersuchung statlfinden, so sei z. B. bei den Pensionen der Offiziere nach zwei verschiedenen Gesetzen verfahren worden. Zu allen diesen Sachen sei eine Erläuterung nöthig.

Werren. Die Regierung werde in den nächsten Tagen über das Peusionensystein der Dffiziere den Stän­den eine Vorlage machen und dadurch auch die Sache erledigen.

Lang. Es lasse die ganze Prüfung der Rechnungen einen unangenehmen peinlichen.Eindruck zurück, man wisse, daß nichts mehr dabei zu helfen sei, und müsse Loch wahrhaft erzürnt werden über solche übertriebenen Rechnungen und Ansätze. Er wolle unter vielen blos eine hervorheben. Von dem Hofrath Lindpaintner liege eine Rechnung vor über die Beköstigung einiger Ge- fängnißreformfrenndc in Eberbach. Er frage, ob der Staat gehalten sei, solche Rechnungen zu bezahlen, ob die Regierung eine solche Rechnung anweiscn dürfe.

Ler. Der Herr Hofrath Lindpaintner habe dies aus Rücksichten thun müssen, man könne ihm nicht zu- muthen, diese Rechnung selbst zu bezahlen.

Es wird nun über die einzelnen Anträge des Aus- 1 schusses abgeftlmmt.

Der Antrag in Bezug auf die Herrn v. Bismark und v. Nauendorf wird einstimmig angenommen.

Der Antrag in Bezug auf den Major Stamm wird abgelehnt.

Der Antrag in Bezug auf die Vergütung einer Reise eines Bataillonsarztes einstimmig angenommen.

Der Antrag in Bezug auf die Gratifikation des Majors Wirth an den Ausschuß zurückgewiesen.

tében so ein Antrag von Wenckenbach in Bezug auf die Gratifikation des Oberlieutenants v. Tschudl für die Begleitung des Generals v. Preen bei einer Inspektionsreise.

Bei dem Antrag in Bezug auf die Reisevergütung des Regierungsraths Albrecht nach Gräz entspinnt sich folgende Debatte:

Werren. Der Herr Regierungsrath Albrecht habe bei dieser Reise um eine Unterstützung gebeten, wäh­rend er bei allen andern Reisen der Art nie eine solche Unterstützung bis jetzt in Anspruch genommen habe. In andern Ländern würden auch oft Staatsdiener auf solche Versammlungen geschickt, um dann später darüber der Regierung einen Bericht zu erstatten.

Wenckenbach. Der Herr Regierungsrath Albrecht habe also früher schon eingesehen, daß man solche Reisen nicht auf Kosten des Staats machen könne und dürfe.

Raht. Es gäbe noch viele von derartigen Ver­sammlungen, wohin Staatsdiener geschickt werden könn­ten. Das könne die Kammer unmöglich dulden, daß solche Reisen auf Kosten des Staats gemacht würden.

Bertram. Der Herr Regierungsrath Albrecht sei Referent in allen landwirthschaftlichen Angelegenheiten,

Kathrine!" sich abgeklärt und zur höchsten Kunstfreiheit der Ironie erhoben hatte, begeistert den Augenblick ergriff, aus seiner Novelledie demagogische Laterne" jene Stelle zu recitiren, wo ein entsetzter und entsetzlicher Katheder- monarch die Monarchen zittern macht, indem er Rechte des Volkes proclamirt.

Kind! sprach Grinsel, College und Hausfreund! schreibt doch solches Zeug nicht. Warum schreibt Ihr überhaupt? Blast Euer Fagott, gebt dem Notenschreiber die Dinte, und laßt die Welt nur immer gehen, wie es Gott gefällt."

Da muß ich berichtigen! entgegnete Mandelschaf rasch. Ich bin ein Theil der Welt, ich mag daher thun, was ich will, ich handle nur wie's Gott gefällt."

Dann hole der Henker nur gleich die ganze Wirth­schaft! rief der aufspringende Grinsel. Der Mensch hat doch freien Willen, Vernunft und Herzensgüte, und wie der Bettel sonst heißen mag. Wenn ich daher zum Bei- den Umständen angemessen fände, meinen treff­lichen AntomuS Stradivari von 1725 gleich unserm Bür- germeister öffentlich und feierlich unter Glockenklang und horgc^ang auf dem Kirchhofe drüben begraben zu lassen, l^ °^âr °us freiem Willen, und ich sehe nicht ern, waS de. hebe Gott dabei zu schaffen haben sollte. Ja, wenn der Apollo noch lebte' Unsre icAiacn Engel verstehn sich auf dw Geig? nicht,'sondern tractiren nur bie Posaune. - Aber laßt's gut fein, Kinder, wir muffen aufbrechcn; eS gibt je$t auf der Welt leine Hart- nâck-gere Feindschaft, als die zwischen meiner Brust und Abendluft."

Er theilte den Weinrest genau in den Gläsern auS, erhob dann langsam ernst daS (einige gegen den Mond und fuhr fort:Du hast so oft meinen Wegen geleuch­tet, schönes Licht der Erde, und ich bin dir gram gewe­sen. Ja, ich war so toll, dir zu fluchen, wenn du den Schleier der Nacht von meiner Gestalt abstreiftest und ein verstockter Gläubiger, ohne Sinn für daâ Schöne, ohne Sinn für die stillerhabne Feier der Natur, die An­dacht meiner Abendgefühle bei deinem Anblick zerriß mit seinem groben Mahnen an gemeine irdische Dinge. Du aber wandeltest ruhig deine Bahn und lächeltest auf den Sünder hernieder. Jetzt, wo ich den Schlacken der Welt zu entsteigen bemüht bin, jetzt danke ich für dein Lächeln. Jetzt, wo vielleicht dieser Tropfen Erdennecktar der letzte ist, der meine Zunge feuchtet, diese halberstorbnen Nerven noch einmal belebt, jetzt hab' ich nur noch den einzigen Wunsch, daß du friedlich und freundlich die Blumen deö Hügels küssen mögest, welche die morschen Gebeine deö alten ehrlichen KammermusikuS Grinsel überduften."

Langsam leerte Grinsel sein GlaS und wandte sich. Da sah er sein Weib an Mandelschafs Brust gesunken, von den Armen des Fagottisten umschlungen. Dieser hob jetzt ebenfalls sein GlaS und sprach:Wie Du, ausge­branntes, auSgehöltes Weltkörpergcripp, Licht einsaugest und spendest, Liebe, Andacht, Schmerz und Gram freund­lich empor zu heben in den Himmel voll unendlichen Trostes: so laß mich, dessen ganze Seele nur ein xvarg ist für die todte Liebe meiner Jugend, laß mich Licht fangen aus dieser Rose, blühend auf meinem Sarge, daß sie emporst-ige zum Leben und freudig lächelnd hin­

gebogen über dieser Blume an meiner Brust nimmerwel» kend, immerduftend durch mein ganzes Sein und Leben grüne Rosamaria!"

Nun erhob sich Rose, daS verklärt lächelnde Ange­sicht zum Monde wendend. Sie schlürfte zugleich mit Mandelschaf den Weinrest und lispelte voll überschweng­licher Rührung:Amen!"

Langsam, schweigend gingen sie dem Thore zu. Grinsel, heimlich zufrieden über den Effect der letzten feierlichen Scene; Rose in Gedanken schon vom tiefsten Trauer­schwarz umwallt, dann und wann hoffnungsvoll an dem Fagottisten hinausblickend; Dieser, angegriffen von seiner eignen Rede, nichts sehnlicher wünschend, alö Alleinsein, um die ganze grauenhaftschöne Scene poetisch auf Papier zu siriren. Fast vor Grinsels Hause fiel es der Frau ein, daß sie einer Freundin, vor welcher nothwendig die so eben auf das Lebhafteste geweckten Befürchtungen sammt daranhangenden Hoffnungen AUsgeschültct werden mußten, schon längst einen Besuch schuldig sei, und bat Mandelschaf sie dahin zu begleiten. Man trennte sich daher und Grinsel ging allein ins Haus', um noch so manches zu überlegen.

Indessen - ein Ouerstrich fußte für das iL^al feine Ueberlegungen abschneiven. Dieser Querstrich erschien nämlich in Gestalt eines ziemlich beseelen ^ßefeiiö, wel­ches den KammermusikuS ohne Umstände in die Arme schloß und sich alS seinen Bruder zu erlernten gab.

(Fortsetzung folgt.)