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Nassauische.Zeisung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Nolkes!

Wiesbaden, Samstag, den 12. August. 18418.

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogthums für fL 2. 12 fr. incl. Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition am Frievrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen,- werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Amtlicher Theil.

An ven Herrn Präsidenten der deutschen Nationalversammlung.

Ich eröffne Ihnen zur weiteren Mittheilung an die deutsche Nationalversammlung, daß ich 1) den Fürsten Karl Leiningen zum Präsidenten des Reichsministerrathes, den Senator Arnold Duckwitz zum Reichsminister des Handels, den Abgeordneten der Nationalversammlung Herm, v. Beckerath zum Reichsminister der Finanzen; 2) zu Unterstaatssecretären, und zwar a. im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten den Abgeordneten Max v. Gagern und den Max- Ludwig v. Biegeleben; b. im Ministerium des Innern die Abgeordneten Friedrich Bassermann und Joseph v. Würth; c. im Ministerium des Handels die Abgeordneten Gustav Mevissen und Johannes Fallati; d. im Ministerium der Fi­nanzen den Abgeordneten Karl Matthy; e. im Ministerium der Justiz den Abgeordneten Christ. Widenmann, ernannt habe. 3) Den Reichsmi­nister des Innern und der auswärtigen Ange­legenheiten Anton v. Schmerling habe ich nach seinem Wunsche von der ferneren Leitung per auswärtigen Angelegenheiten enthoben, unv den Reichsminister der Justiz, Johann Gustav Heck­scher, unter Enthebung von seinem bisherigen Posten, zum Reichsminister der auswärtigen An­gelegenheiten; endlich 4) den Abgeordneten der Nationalversammlung Robert Mohl zum Reichs­justizminister ernannt.

Frankfurt, am 9. August 1848.

Der Reichsverweser Erzherzog Johann. Peucker.

Uebersichten , Erörterungen mi& Aktenstücke.

A Wie fieht's aus?

Vom Abhang des Westerwaldes, 8. August. V.

Bei unserer Rundschau im deutschen Vaterlande, die uns leider bis jetzt noch wenig heitere Bilder zeigt, dürfen wir eine Seite, nämlich die religiöse und coii-

An Deutschland,

Zum 6. August. Von Karl Beck.

(Aus der National-Zeitung.)

Das ist ein riesig Vorbereiten

Seit Wochen unb seit Monden schon! Das ist ein Klügeln und ein Streiten, Ein wirres Reden, wie vor Zeiten Beim Bau vom Thurm zu Babylon!

Ach, eitel blieb das kühne Streben, Ach, unvollendet blieb er stehn: Du Land der Eichen, Land der Reben, Du meine Liebe, du mein Leben, Und soll es also dir ergehn?

Man will dich stärken, will dich einen, Man prahlt am Main und an der Spree; Ich aber möchte bitter weinen, Zerrissen willst Du mir erscheinen, Verlassener, dann je, dann je!

Kein Preußen ! schallt es durch die Länder, Kein Oestreich! hallt cs früh und spat Sie tragen deine Farbenbänder Und werden deine Ehrenschänder, Daß Gott erbarm' in Wort und That!

Sie müßten rollen ihre Bahnen

Um dich in treuer Mondespflicht: Doch jedes Lichtchen zählt die Ahnen, Die Fahnen und die Unterthanen, Und hieße gern das große Licht.

fessionelle, nicht vergessen. Das tiefe sittliche und reli­giöse Gefühl, welches den Deutschen vor allen übrigen Nationen vortheilhaft auszelchnet, bringt es mit sich, daß bei ihm Politik mit Religion und Confession Hand in Hand geht und beide sich wechselseitig wesentlich be­dingen. In den Tagen des Silentium sanctissimae censurae i. 1. des deutschen Maulkorbes in der Poli­tik, haben religiöse und confessionelle Fragen fast allein die Spalten unserer Tagesblätter gefüllt, jo daß man sich kaum vor Deutschkatholizismus, Lichtfreundlichkeit, protestantischem Mucker- und römischem Jesuitenthume erwehren konnte. Die verkehrte Politik ging damals mit der verkehrten Religion, oder dem verkehrten Kir- chenthume, Hand in Hand, suchte dasselbe als Hilfs­mittel zu gebrauchen, um die Menschheit durch die Dornen des Erdenlebens reifer und fähiger für den Himmel zu machen; miethete und mästete Consistorial- und Oberconsistorialräthe rc. um die Kirchen hermetisch gegen jeden Lichtstrahl zu verschließen; gründete eine so genannte Staatskirche, um schon von der zartesten Jugend den Verstand auezutreiden und den allein selig­machenden, beschrankten Unterthanenverstand zu erzeu­gen und zu pflegen. Diese Partei liebäugelte stets mit dem Feinde aller Aufklärung, mit Rom, und ließ es ruhig geschehen, daß überall der Protestantismus verhöhnt, geplagt und drangsalirt wurde; hatte sie ja doch ein Ziel mit der römischen Hierarchie, nämlich Verdam­mung und Knechtung der Menschheit. Ullramontanis- muo und protestantisches Muüerlhum (Pietismus, preußische Siaarskirchessssg^^n sretluduachbarlich neben einander und hätten sich bei der Verfolgung eines Zweckes und Zieles wahrscheinlich früher ober später auch äußerlich vereinigt. Wir sind fest überzeugt, Hr Hengstenberg hätte dem Papste gerne den Pantoffel geküßt, wenn ihm dieser durch einen Bannstrahl alle Razionalisten hätte vom Halse schaffen können; der Koinmandirende der christlichen Janitscharen, der geist­lichen Flibustier, um die verirrten Seelen zu kapern, der hochwürbigste Hr. Notenhaan hätte bereitwillig Sr. Ercellenz dem Hrn. Eichhorn seinen reichlichsten Segen ertheilt, wenn dieser alle Deutschkatholiken hätte vernichten können. Das war ein unsauberes Thun und Treiben, von welchem sich jeder Vernünftige, jeder Freund wahrer Religion, jeder ächte Christ mit Eckel und Widerwillen abwendete; um so mehr, da dasselbe auch als Haß und Verfolgung in das Leben traten. Die Partei der katholischen und protestantischen Finster­linge haßte und verfolgte alles, was außer ihr lag. Von den katholischen Kanzeln und in dem Beichtstühle wurde nichts anderes gelehrt, als: nur die päpstliche Kirche vermag selig zu machen; und bei der orthodoxen protestantischen Partei hieß es: wer nicht die symbo­

Das ist ein Grollen und ein Klagen!

Noch ruht das Schwert doch zuckt die Hand ;

Ach und vielleicht in späten Tagen

Wird immer noch der Enkel fragen: Was ist des Deutschen Vaterland?

Die Geige.

Novelle von Friedrich Voigt.

(Fortsetzung).

Mandelschaf hatte sich erholt. Die ganze Scene hier erschien ihm nun als eine Aufgabe für sein Dichtergenie, denn er fand sie durch und durch poetisch, ja noch viel poetischer. Daneben weinte Rose, dämpfte mit dem Ta­schentuche ihr Schluchzen und konnte nichs weiter sagen, als:Wie ist denn das nur so gekommen? ES ist ge­wiß ein Traum> o ich bitte, weckt mich, oder ich muß vergehn!" Da sprach der exaltirte Mandelschaf und reichte der Alten die Hand:Wach auf Rose, Du ed« leS Weib! Ich will thun, wie Dein Herr gesagt hat und Dich nimmermehr verlassen."

Grinset nahm Rose's Hand, vereinigte sic mit der deS Fagottisten und sprach:So seid Ihr denn ver­bunden durch das Band der Freundschaft, und der Wunsch, der mir am schwersten auf der Seele lag, ist erfüllt. Mag nun kommen, waS da will, und wär's meine letzte Stunde, der Sorgen bin ich quitt, und leicht und heiter

lischen Bücher für Norm des Glaubens annimmt, wer nicht mit ganzem Herzen singt:

Durch Adams Fall ist ganz verderbt

Menschlich Natur und Wesen re. der ist verdammt. Und weil die Finsterlinge beiderseits sich an den Thronen eingenistet hatten, so war ihr Haß nicht ohne äußere traurige Folgen. Sicherlich, ihr Finsterlinge, euer Verdienst ist es nicht, daß wir nicht schon eine zweite Auflage des 30-jäbrigen Krieges gehabt haben; nur an dem gesunden Sinn des deut­schen Volkes ist er gescheitert. Doch genug von der Vergangenheit; halten wir uns jetzt noch etwas an die Gegenwart.

Mit Anbruch des gewaltigen Frühlings 1848 sind die religiösen und confessionelleir Zänkereien in den Zeitungen verstummt und es möchte vielleicht manchem scheinen, als sei auch in dieser Beziehung der Mensch­heit Versöhnung und Vereinigung gepredigt worden und diese würden im Leben eine^ Wahrheit 'werden; es mag mancher Freund der wahren Christusreligion hoffen, daß mit der politischen Freiheit und Einheit sich die religiöse und kirchliche von selbst machen werde. Doch man täusche sich nicht; auf die Frage: wie sieht's aus in Deutschland in religiöser, konfessioneller und kirchlicher Hinsicht? hören wir auch hier die traurige Antwort: schlecht! Was zunächst die römische Kirche anlangt, so kann man mit Hutten auch jetzt sagen: noch mischt der Pfaff die Karten! wenn auch für- erst nicht so öffentlich und frech, doch aus sicherem Vcr- lleete uuo vielleicht um so gefährlicher. Die Geschichte lehrt hundert- und tausendfältig, daß Rom nch gsschiK in jeden obtischen Wechsel zu finden, in jede Regie- rungösorm zu schmiegen und daraus stets seinen Nutzen zu ziehen weiß. Wir sehen, daß jetzt Rom auf Seite des Absolutismus und einige Jahre auf der des Libe­ralismus stand; ja, daß es zu gleicher Zeit in diesem Lande zur absoluten, in jener zur demokratischen Mo­narchie oder zur Republik hielt; es stand auf der Seite, die den Sieg davon trug und wußte mit großer Schlau­heit gerade die freisinnigsten Justitutinnen zu seinen finsteren, vervummenbenden Zwecken auszubeuten. Frank­reich und Belgien, wo der römische Klerus in der letzten Zeit so gewaltigen Einfluß hatte, beweisen dies. Das (Hoffentlich) frei werdende Deutschland hat der römische Klerus sicherlich noch nicht aufgegeben; dazu war es ihm von jeher ein zu unerträgliches Land. Wie geschickt weiß er auch hier die Errungenschaften der Freiheit zu benutzen! Er will gänzliche T r e n n u n g z w i s ch e n S t a a t u n d K i r ch e; d. h. gänzlich freien Verkehr und alleinige Aufsicht und Ab­hängigkeit von Rom; freies Vereinigungs­recht, d. h. die Gründung von Mönchs- und Non-

kann ich, wenn die Stunde ruft, von hinnen scheiden. Darum Kinder, seid heiter wie ich Catharine! eine Flasche Bersac."

Klapstein hatte diesen Ruf nicht so bald gehört, als er stutzend und neugierig verstohlen aus dem Kegelhause nach den Dreien hinüberlugte, von denen Grinset so eben beschäftigt war, die Gläser zu füllen.

Daß dich alle T! murmelte der Lauscher zurück- fahrend, da steckt was dahinter! Der alte FuchS hat wahrhaftig denselben Handel mit dem Fagottisten gemacht, aber wart! Ich renne zum Anwalt Kinder! sprach er zu den Kegelfreunden, eilfertig nach Hut und Stock suchend, Kinder, ich muß schleunigst fort, oder ich bin ein Sohn des Unglücks! Ich habe 736 auf der Tafel gut, wir wollen morgen abrechnen, jetzt kostet jede Minute Gold, Gold sag' ich; Adieu!"

Solche Musikanten, meinte der gesetzte Steuercal« culator Kesselstecher, ach ja! die Musikanten haben doch immer einen Sparrn! Mich wundert, warum die Leute so frei umher gehen dürfen." Er stopfte während dieser vernünftigen Ansicht die Pfeife, zündete sie an und sagte nichts weiter, sondern kegelte weiter.

Der Kammermusikus aber stieß mit Mandelschaf und der zögernden Rose vergnügt an. Er wurde bald redse­lig wie in früheren Tagen, so daß die Frau wirklich glaubte, sie habe vor wenigen Minuten nur einen schwe­ren Traum gehabt. Mit unendlicher Liebenswürdigkeit blickte sie auf den gesprächigen Alten, dann wieder voll Zärtlichkeit aus Mandelschaf, welcher, da die Poesie der Gegenwart aus ihrer Befangenheit durch Grinsels Ruf,