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Besten her Schulen gemacht; er müsse demselben deß wegen, im Gegentheil zu dem, was er früher einmal gesagt habe, seinen Dank votiren.

Regierungskominiffär Ler. Der Herr RegiernugS- rath Seebode habe allerdings sehr viele Reisen gemacht bei der damaligen neuen Schulorganisation, sowohl im Inlandc als im Auslande.

Wenckenbach. Unter anderm sei er einmal in Montabaur gewesen, blos um den dortigen Turnappa­rat einzusehen, denn um die Schule habe er sich dabei nicht im Geringsten bekümmert, wie ihm fest versichert worden sei. (Schluß folgt.)

Etwas über die Bergverwaltung, resp. BergvcrwaltungSvrdnunst vom

8. -Oktober 1826.

II Von der Lahn, I. August.

Wenn ich im Verordnungsblatt«: vom 14. Oktober 1826 die Einrichtung unserer Bcrgvcrwaltung lese, so kommt es mir immer vor, als habe damals der ver­lebte Herzog Wilhelm zum Oberbcrgrath Stifft gesagt: machen Sie mir eine Bergvcrwcilnmgsordnung," und der Oberbergrath habe alsdann sein Taschenbuch ge­zogen, ein Blatt Papier heransgenommen, darauf mit Bleistift Einiges geschrieben, nach einer Biertelstunde daS so beschriebene Blatt dem Herzog überreicht, mit den Worten:Durchlaucht! nach höchstem Befehle, da ist sie."

Eine magerere, nichtssagendere Bergvermaltungs- ordnung, als unsere Nassauische, gibt es doch wohl nir­gends, wohl nicht einmal in einem Halbeivilisirien Staate. Schade, daß der Herzog die lederbraune Uniform der Bergbeamlen, welche ebenfalls damals in Vorschlag ge­bracht wurde, nicht billigte, die hätte sich prächtig zu der Bergordnung gepaßt. Einsender dieses könnte ihre Unhaltigkeit erforderlichen Falls Paragraph um Paragraph Nachweisen. Für jetzt nur Einiges, was man von einer guten Ordnung beim Bergbau fordern muß:

1) Sie soll das Eigenthums- und Pfandrecht an Gruben und Grubentheilen sichern. Die Nassauische thut das nicht, denn cs entstehen Prozesse über Gruben, auf welche die Negierung BelehnuNg gegeben, woran wirklich die Advokaten zu leben­digen Verlängerungsmaschinen werden, indem sie zeitliche Dinge in die Ewigkeit ziehen.

2) Sie soll bereits bestehende Gewerkschaften sowohl, als auch neu auftauchende gegen Beamtenwillkür schützen, welche dem Bergbau hemmend cntgegen- tritt, solglich sehr schadet. Die bestehende Nassauische kann das, ihrer Oberflächlichkeit we­gen, durchaus nicht, weßhalb die ewigen Zuschriften von der Regierung au die Distrikts-Bergbeamten, welche selten einmal den Grnbcn-Offizianten oder Gewerken mitgetheilt werden.

3) Sie soll die gewerklichen Grubenbeamten und Ar­beiter gegen die willkürliche Bestrafung und Ab­legung der Gewerken schützen, dagegen aber auch die strengsten Strafen über Spitzbübereien ver­hängen, welche von Seiten der Osficianten und Arbeiter an Gewerken begangen werden. Die Nassauische spricht hierüber gar nichts, läßt von der einen Seite die Gewerkschaften, von der an­dern die Officianten und Arbeiter schütz- und rathlos.

4) Sie soll alle Vorrechte von Standesherren oder dem Privatsäckel des Landesfürsten entfernen, so­bald durch Verordnung der Berg bau frei gegeben ist, _ Die Nassauische hat Rücksichten gebraucht, z. B. die Domänendirektion hat sich eine Menge Gemarkungen in den Aemtern Diez, Wehen, Na­stätten, Langenschwalbach und Marienberg für Eisenstein, Dachschiefer und Braunkohlen reser- virt. Der Fürst von Wied hat das Vorzugsrecht in den Aemtern Runkel und Selters, welches er sich allemal theuer abkaufen läßt. Das Alles laugt nichts, macht den Bergbau in solchen Ge­genden gehässig und führt zu Betrügereien.

2) Sie soll den Slaatsbergbeamten einen guten Ge­halt festsetzen, dagegen aber durchaus keinerlei Diäten erlauben. Die Nassauische hat in § 7 des landesherrlichen Edikts vom 4. Oktober 1826 etwas Weniges darüber; allein auch dies Wenige ist seither nicht befolgt worden. Wer seine Schul­digkeit der Diäten wegen und nicht aus Pflicht- und Ehrgefühl thut, der ist des Fortjagens werth, um fo mehr, wenn er einen seinen Leistungen an­gemessenen Gehalt bekommt.

Wir haben in unserm Herzogthum gelehrte und er­fahrne Bergmäniier, die etwas sehr Gutes in der Art zu Tage fördern können, unter denen ich die Herren Schapper, Overnheimer, Horstmann und Dannenberg DvrzugSwerse namhaft mache. Hoffen wir, daß sie sich den Bergbau, der in unserm Staate, als eine der be­deutendsten Erwerbs- und Handelsguellen, bereits eine stwße Rolle spielte und für die Folge eine noch bei größere spielen wird, sehr angelegen sein lassen und möglichst bald eine gute Ordnung schaffen.

£ü6 hier Gesagte sind nur einige Andeutungen, Vielleicht folgt nächstens mehrund Ausführlicheres.

Stimme aus der Provinz.

8 Waliäeiwb, 7. August.

Unsere früheren Pascha'ö unter den Amtleuten hegen aus allgemein Mannten Gründen gegen den Präsiden« teil und jetzigen Voltsabgeordneten Naht keine freund­lichen Gesinnungen; denn dieser trat während der traurigen Zeit der Unterdrückung nicht allein ihrem despotischen Verfahren kräftig entgegen, sondern rügte auch nicht selten die auffâuendë und mit den nachthei- ligsten Folgen verbundene Unwissenheit und Nachlässig­keit dieser Menschen, die unter den schützenden Flügeln ihres Patrons M. sich infallibel und über jede Zurecht­weisung erhaben fühlten. lline illac hwrlmäö! Nur von diesen Leuten der Amtsstube und solchen Advokaten, deren Redlichkeit eben nicht auf festen Füßen steht, hört man tadelnde Bemerkungen über Naht's Gesinnungen und Wirken, aber keineswegs aus dein Munde moderner Staatödlener und der Bürger sowohl in den Städten als auf dem Lande. Diese wissen, was Naht bisher ihnen war, und was sie von ihm als Kammèrmitglieb noch zu hoffen haben. Dieses Alles aber in Adressen vor der Welt auszusprechen, finden sic gerade nicht nöthig. Man durchwandere Vie ganze nördliche Hälfte des Herzogthums, und allerwârts wird man diese Gesinnung und Erwartung finvèn, die sich bei jeder Gelegenheit frei und laut ausspricht. Mag es denn auch niedrige Seeleck geben, die das Leben unb Wirken dieses Mannes tadeln und zu ver­dächtigen suchen; so tröste er sich mit dèck Achtung und Liebe des Volkes und den Worten unserer Dichter:

Es liebt die Welt das Strahlende zu schwcltjttt, Und vaö Erhad'ue in den Stand zu zleh'n.

* E *

Die schlechtesten Früchte sind es nicht, Woran die WeSpen nagen.

* * *

lind was von mir ein Esel spricht, Das acht ich nicht.

der Abreise deS Erzherzogs Johann war eine Deputaten deS SichkrheitsauSschusseS beim Erzherzog, um ihm vor der Reise die letzte Aufwartung zu machen. Der Erz- Httzog sagte zum Abschied: Meine Herren'. Von meinem neunten bis zum sechs und sechzigsten Jahre befand ich mich unter Euch. Deßhalb liebe ich mein Vaterland und werde eS immer thun. Ich nahm di« Stelle an, zu der man mich berufen, weil ich hoffe, in Deutschland für Euch alle unbefangen und selbstständig Gutes wir­ken zu tönen. Es erwartet mich dort gleich eine Arbeit; eS ist die nordische Frage und die Pacification Italiens. WaS an mir liegt, die Einigkeit Deutschlands zu kräfti­gen, werde ich thun. Ich befinde mich sechs Wochen in Wien und habe mich überzeugt, daß außer Kleinigkeiten die Ruhe nicht gestört wurde. Die große Lebhaftigkeit in den Straßen liegt vorzüglich in dem Stocken der Ge­werbe und des Handels. Ich habe jetzt , so viel wie möglich war, in dieser Sache gewirkt und werde die He­bung deö Handels und der Gewerbe von Deutschland aus unterstützen. Ich reife mit Beruhigung ab, weil Sie mir die Versicherung gewähren, für die Ruhe und Sicherheit, so wie ich eS nach meiner Ueberzeugung b,ü jetzt gethan habe, auch noch ferner zum Wohle der Stadt und zur Sicherheit deö Reichstags zu sorgen, und sich durch keine Anfeindung in der Erfüllung Ihrer Pflicht, die Sie uneigennützig ausüben, beirren zu lassen. Die- selbe Versicherung hat mir auch daâ Benehmen der bra­ven Nationalgarde gegeben. Leben Sie wohl, ich hoffe, wir sehen und noch oft." So herzlich diese Worte sinh, so beunruhigend, ist es, Deutschland immer als etwas Zweites, Fernes, Fremdes Eingestellt zu sehen. Ist denn hier nicht Deutschlands Wir hätten geschworen darauf, wir leben mitten in Deutschland. Sollte Wien auch so spröde thun wie Berlin, das gareinen Gesandten" an daSHoflager" zu Frankfurt sendet? Wo ist die deutsche Einigkeit? Man ist hier sehr gespannt darauf, ob die Truppen a. 6. Äug. die deutsche Cocarde aufstecken und dem deutschen Reichsverweser einHoch" ausbringen werden. Bis jetzt sind zu dieser Nationalfeier noch keine Anstalten getroffen. Selten hat sich ein Fürst so ia'ö Herz des Vplkeö hineingelebt, wie der Erzherzog Johann. Seine Äbschiedöworte werden noch heute auf allen Ecken gelesen. Jeder Beweis der Zuneigung, der Verehrung wurde gegeben. Hätte die Nationalgarde, selbst die der radicalen Vorstädten, hundert neue Fahnen gehcib'k, die verehrte Frau deS Erzherzogs hätte sie wcihxii müssen. Ein rührendes Inserat einer Frau stand gestern in einer hiesigen Zeitung. Es war eine Petition derselben an den Reichstag, ja die Ehe zwijchen dem Erzherzog und seiner Frau, der Baronin Brandhof, für gültig, die Frau alâ österreichische Erzherzogin, den Sohn für legitim und alö österreichischen Erzherzog anzuerkenneu. Der Reichs­tag wird diej^ .Petition gewiß betückjichtegen. -^e Jour­nalistik thut bereits, man spricht nur von derErzher­zogin Anna."

Württemberg. Ulm, 6. August. sHuldigungsakt.) Heute Vormiltag haben die sämmiltchen Truppen der Reichöfestling, nachdem der Gouverneur Graf v. S on.t, heim eine Anrede an dieselben gehalten und den Arrf. ruf dcs Rcichsverivesersan das deutsche Volk" ver­lesen hatte, dem Reichsverweser durch dreimaligen Hoch­ruf ihre Huldigung dargebracht. Die Kanonen donner­ten dazu von den Anhöhen. Bayern, Württemberger und Oestcrreicher, sowie Vie äm Festüngsbau beschäf­tigten Offiziere der verschiedenen deutschen Staaten waren auf den Feldern zwischen Ulm und Söflingen in stattlichen Reihen aufgestellt, und es war ein für jedes deutsche Gemüth ergreifender Moment als »w donnernden Hochrufe die Luft erfüllten. Die Bürgers wehr-Offiziere hatten auf Einladung des Gouverneckt- an den Feierlichkeiten Antheil genommen; die Stadt war beim Wiebereinmarsche der Truppen mit den aus Fenstern wehenben Fahnen geziert. Möchte auch in andern THelle» des Gesammtvaterlandes die Hulstgmvf in solch freudiger Eintracht wie hier geschehen fein! Ueber den Ausmarsch unserer württembergischen Trup. Pen nach Schleswig verlautet noch nichts Sicheres, da die Bezeichnung der dazu bestimmten Regimenter von Seite des Königs noch nicht eingetroffen ist. Die Wei­sung wird - jedoch täglich aus Meran eNvartet, und dann werben auch unsere Truppen mit freudigem Muthe dem nordischen Feinde entgegenziehen.

Bayern. M ü n che n, 6. August. sDie Huldigung.) Wenn im gemeinen bürgerlichen Leben einer dem atu dern in seinem Haus eine Ehre bezeigt, seineHuldi­gung" darbringt, so setzt er ihn auf den Ehrenstuhl, begrüßt ihn zuerst, und stellt ihn, wenigstens solange das Fest dauert, allüberall voran. So mußte, schon nach dem Gebot der guten Lebensart, imser verant­wortliches Ministerium bei der heutigen Truvveiihulv:- grlng den Namöü des kaiserlichen Reichsverwesers zu erst nennen lassen: stammt ja doch das Kort Höflichkeit von Hof. Aber eine höhere Riicksirhr forderte gebieterisch dieses Zeichen der Ehrerbietung. Wsnck däs deutsche Neichsparlament nicht zu einem citeln Possenspiel, recht eigentlichum des Kaisers Bart" in Frankfurt ver- sammelt ist; wenn seine Beschlüsse- Geltung haben was wenigstens neun Zehntel des deutschen Volks nicht anders wissen und glauben so steht «r von Mem Parlament gesetzlich als Reichsverweser gelvMts hA6 verkündigte Erzherzog Johann, kaiserliche Hshsit, tUdR' unter, nicht neben, sondern von Gottes, Volks! M^ Mechtö wegen über den TerritvricklhvrrcN. WürtteM' berg hat darin; richtiger alck Bayer», erkannt was'sich gebührt, und was die Achwng vor ^netftElanb und deutscher Nation erfordert. ... Sin Flugblatt »sh der Ucberschrift:Der 6. August. Hâgen ww dem

TagesgeschLchte.

Deutschland.

Frankfurt, 9. Augst. s Abmarsch der Truppen nach Schleswig. I Heute früh ist unser ^tntemnfantaietiataiM etwa 550 Mann stark, aufgcbrochen, uns mit den übri­gen süddeutschen Reichstruppe» nach Schleswig-Holstein ln'S Feld zu ziehen. Trotz der Frühe des Tagès hatte sich eine große Menschenmenge eingcfundeck, die das schöne Bataillon zum Taunuöbahnhof geleitete und dort einen herzlichen Abschied von demselben nahm. Auch die bei­den Herren regierenden Bürgermeister unserer freien Stadt waren anwesend. LZevor daü Bataillon abfubr, brachte der Stadt Frankfurt und seiner Bürgerschaft ein Hoch aus, welches die zahlreichen Massen um und in dem Bahnhof und längst des Schienenwegs mit einem lauten Hochruf auf die brave Linieninfanterie erwiderten. Mit dem Glockenschlag 5 Uhr brauste der lange Wagen­zug, von zwei Locomotiven gezogen, fort. DaS heutige Reiseziel ist Köln, morgen preußisch Minden und über­morgen werden die Trupen in Hamburg Rasttag halten. Noch in den heutigen Vormittagsstunden ist eine kur- hessische Militärabtheilung eingerückt, die einstweilen un­sere abgezogene Garnison ersetzen soll.

Oesterreich. Wien, 3. Aug. s Oesterreichs Ver­hältnisse zu Galizien. | In einer gestern Abend von circa 10 Abgeordneten der deutschen Partei gehaltenen politi­schen Gesellschaft wurde bestimmt, das künftige Verhalt- Galiziens zu Oesterreich als ein föderatives unseren zu wollen; es seien aber die galizischen Deputaten zum Ausscheiden aus dem Reichstag zu veranlassen. Und dann vereinigte man sich dahin, daß sich alle Mitglieder der deutschen Partei zu einem großen Club organisiren sollten- in dem alle Reichofragen zuvor besprochen würden. Nur so sei möglich, der slavischen Partei die Spitze zu bieten und auf die Beschlüsse der Plenarversammlungen wesentlich zu infiniten. Wie ich erfahre, tritt dieser Club morgen schon ins Leben. N. S. Diese Nacht haben wieder Unruhen in den Vorstädten stattgefunden. Eini­gen Bäckern, die angeblich zu klemeö Brod liefern, soll­ten die Häuser gestürmt werden. Die Natioualgarve hat verhindert.

Wien, 3. Aug. (Die Ausgleichung zwischen Un­garn und Croalien.) Die Modalitäten, unter denen hier die Pacification zwischen Ungarn und Croatien eingeleitet wurde, sind so, wie ich sie Ihnen gestern angegeben. Ich hörte wieder aus verläßlicher Quelle. Unabhängige Verwaltung der ganzen Militärgrenze unter Jelachrch, Modifikationen deö ungarischen Kriegs- und Finanzmini- steriums zu Gunsten Croatiens; Jellachich geht nach Agram, um dort der Generalcongregution darüber Be­richt zu erstatten, ebenso Batthyany nach Pess, um die Angelegenheiten der ungarischen ReichsyersäMmluug vor­zulegen. Ein Hoher Staatsbeamter erhielt heute einen Brief auS Innsbruck, worin ihm gemeldet wird, daß bei Abgang des Briefes die Wagen gepackt standen; der Kaiser habe den festen Entschluß gefaßt, nach Wien zu reifen. Eia Courier kam gestern Abend , der daffetde nrelbet. Uebrigenö erzählt General Hannogar, Adjutant deS Erzherzogs Johann, der Kaiser hnbr ihm, der ihn Tage lang im Auftrage deö Erzherzog darum gebeten, fest versichert, er werde die Reise nach Wien antreten. Unbekannte Einflüsse hatten aber bald den Entschluß zck nichte gemacht. Werden die gepackten Wagen diesmal nicht wieder abgepackt werdend In vier Tagen hofft Mi>« hier bestimmte Nachrichten von dem Erfolg der Rdkchö- dep, Kation zu haben.

sErzherzog Johann und seine Gemahlin.) Vor