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macht von der Pommerschen Küste nach Falster und See­land zu bewirken, die unsere Freiheit auf dänischem Bo- den erkämpfen, die Zerstörung Gronborgö und die Ver­nichtung deS Sundzolls, Ziel unserer Wünsche, vollbrin­gen kann.

Wir zweifeln nicht, daß sich dann daS nach dem Ver- geltungs-Tage gegen Dänemark dürstende Küstenvolk Preußens, vorzüglich aber unserer Provinz, wenn es sein muß, in Masse diesem Zuge anschließen wird, denn wir Alle sind von dem Entschlusse beseelt, wenn es auch Ge­fahr und Tod gilt, lieber schnell, als verlassen und hülf- los einem langsamen unsern Lebenssaft auStrocknenden Verderben zu erliegen.

Im Namen der Stettiner Kaufmannschaft L e in o n i u S.

52. Sitzung der constituirenden National Versammlung.

(Schluß.)

Frankfurt, 1. August. Rößler von Oels: Man beruft sich auf die Geschichte zn Gunsten des Adels. Ist das Volk demselben wirklich vielen Dank schuldig? Blicken wir auf das 13. Jahrhundert, da finden wir die adeligen Schnapphähne auf den Straßen. Nur eine kurze Zeit, vor der französischen Revolution, hat der Adel hervorgeleuchtet, indem er viele Opfer brachte. Er hat es bald aber wieder ausgeglichen durch seine reactionären Strebungen. Der Adel selbst muß aus­gehoben werden. Die Mittel haben bei Vielen aufge­hört, der thörichte Hochmuth des Besserseinwollens ist geblieben. Der Name führt zur frühern Verblendung, v. Lichnowski: Ich verhehle es nicht, daß die von mir zu vertheidigende Sache in vielen Kreisen keinen Anklang finden wird. Ich vertheidige das Ausschuß­gutachten, weil ich von Adel bin. Ich habe ein Recht, für meine Standesgenossen zu sprechen. Es handelt sich um das rechtliche und um das factische Verhält­niß. Von den Rechten ist Stück für Stück abgehauen worden. Ich werde für keine Privilegien fechten. Ich komme zum factischen. Ich will nicht Beschuldigungen zurück gbben, aber ich habe mit Betrübniß gesehen, daß alles Schmachvolle aus Deutschlands Vergangen­heit einem Theil der Mitbürger aufgerechnet wurde, weil sie Privilegien hatten. Ich weiß nicht, was die Abschaffung der Adelsnahmen heißen soll; es müßte denn sein, daß Nummern, wie bei den Verbannten in Sibirien eingeführt werden sollen. Man wird wohl die Titel meinen. Wenn Sie nicht das Vertrauen auf Sich haben, wie das neu geschaffene Belgien, so nehmen Sie die Titel weg; es wird Sie Niemand um die Bclaffung bitten. Aber damit ist der Adel selbst nicht abgeschafft. Die französische Revolution hat den Adel abgeschafft und den Adeligen die Köpfe dazu genommen. Napoleon hat sich mit den Trägern des alten Adels umgeben. In den Trägern des alten Adels wird dieser fortleben in der Geschichte der Län­der, den sie angehören. Ich will nichts über die Ab­schaffung der Orden, nachdem Belgien und Norwegen Orden eingeführt Haden. Auch ich bin der Meinung, daß man mit dem Mediatisiren seiner Zeit hätte wei­ter gehen sollen; wenn Sie aber den Meoiatisirten nichts übrig lassen, so machen Sie sich das spätere Mediatisiren leicht. Ottow für den Ausschußantrag. An die Stelle der Adelsaristokratie würde bald eine andere schlimmere treten, die Geldaristokratie, v. Neu­wall aus Brünn: Je höher Jemand früher hinauf stieg, desto mehr Rechte, desto weniger Pflichten hatte er; und so umgekehrt. Durch die Gleichheit vor dem Gesetze wird sich das Selbstgefühl des deutschen Volkes heben, welches ihm so sehr gefehlt hat. Nicht der Name soll wegfallen, sondern nur der adelige Titel. Hiernach beseitigt sich sich das Mißverständniß eines Vorredners. Es soll auch keine bloßen Amtstitel mehr geben, wie bisher, wo die sonderbarsten in Gebrauch waren. Nur mit dem Amt und wegen des Amts soll ein Titel gegeben werden. Iac. Grimm begründet einen Verbesserungsvorschlag: Alle Orden für den Ci­vilstand sind aufgehoben und dürfen nicht wieder gestif­tet werden. Orden, welche die Krieger auf dem Schlachtfelde erworben haben, bleiben gültig und erlö­schen erst mit dem Aussterben der damit Ausgezeichne- neten. Sie sollen aber nicht mehr neu verliehen wer­den, sondern an die Stelle aller Orden der einzelnen Reichsländer ein deutscher für die Krieger treten. Auswärtige Orden darf der Civilstand nicht annehmen, das Heer nur mit Erlaubniß der Reichsregierung. Schneider aus Brünn erklärt sich für Abschaffung des Adels, besonders auf seinem Standpunkte als Ab- geordneter aus Oesterreich, wo man entschieden für die Abschaffung ist. Wenn, wie man sagt, der bloße Titel nichts bedeutet, so wäre die gesetzliche Beibehal­tung ein Poffenspiel. Aber d^r Titel bedeutet etwas, in ihm verewigen sich die alten Ansprüche und Vor­urtheile. Gerade, daß Napoleon, den alten Adel her­vorsuchte, hat ihm die Sympathien in Frankreich ent­zogen. Man wird allerdings Geld- und Geistesari- stokratie statt des Geburtöadels haben. Aber jene sind nicht ausschließend und nicht abgeschlossen. Wenn der Geburtsadel die Throne geschützt hat, so geschah es aus Selbstsucht und kein Fürst wird wie Ludwig XVI. vom Adel geschützt sein wollen. Die fetzige unglück­liche politische Eintheilung von Deutschland gibt den traurigen Beleg für die Bestrebungen des Adels in für Vergangenheit. Michelsen aus Kiel erklärt sich der den Ansschußantrag. Schluß der Sitzung nach 2 Uhr.

Nassauisches.

D Kammer - Verhandlungen.

24. Sitzung.

Wiesbaden, den 2. August.

(Fortsetzung.)

§ 6.

Entwurf: Zur Berechnung der Naturalien in Geld wird der Durchschnittspreis aus den letzten der Ablö^ sung vorausgehenden 12 Jahren mit Weglassung des höchsten und niedrigsten Preises aus den betreffenden Jahrgängen zu Grunde gelegt.

Die Kommission beantragt eine Reihe von 18 Jahren zur Festsetzung des Durchschnittspreises. Die Minorität der Kommission will einen allgemei­nen Durchschnittspreis festgesetzt und die Berechnung in das Gesetz aufgenommen haben.

Bertram will die Berechnung des Durchschnitts­preises in die Instruction.

Vollpracht: Wenn man die Berechnung schon in dem Gesetze ausnehme, so würden dadurch alle Re- clamationen abgeschnitten, was man doch billig nicht thun könnte.

Bei der Abstimmung wird der Kommissionsantrag angenommen und der der Minorität verworfen.

§ 7.

Auf den Vorschlag Großmanns wird auch dieser Paragraph ausgesetzt bis nach § 10.

§ 8.

Ohne Diskussion angenommen.

Entwurf: die Aufstellung der Specialablösungs- katafter, in welchen die Verlheilung der Ablösungs­beiträge auf die einzelnen Gutsparcellen vorgenommen, wird unter der Leitung der Steuercommisfion voll­zogen.

Die Kommission beantragt die Worte:von den durch die zehntpflichtigen Personen" einzuschieben.

Schmidt will statt der Worte:unter der Leitung der Steuercommission," gesetzt haben:nach Prüfung derselben durch die Steuercoinmiffäre ohne besondere Vergütung."

Der Antrag von Schmidt wird ebenso wie der des Ausschusses angenommen.

8 io.

Wird ebenfalls ausgesetzt und nun der § 2 bera­then. Es ist die Frage, in wie vielfachem Betrag der Zehnte abgelöst werden soll. Petitionen sind eingelau­fen, welche um 20-, 18-, 16', 15- und 12-fachem Betrag bitten.

Das Commissionsgutachten entwickelt, daß, wenn der Zehnte in 16-fachem Betrag abgelöst und ^4 des Kapitals aus der Staatskasse vorgestreckt werden sollte, so würden nach Abzug der Entschädigung noch 1,500,000 fl. übrig bleiben.

.Die Maforität der Kommission stimmt mit diesem Vorschlag überein; eine Minorität (Weilbächer, Heyl) will Ablösung in 10-fachem Betrag, wonach die Summe nicht hinreicht, um die Entschädigungen zu decken, also dazu noch einige Hunderttausend aus der Staatskasse vorgelcgt werden müßten.

Keim: Eine der Hauptfragen, welche die Kammer fe zu behandeln habe, sei die Zehntfrage; einestheils wegen ihrer Schwierigkeit, anderntheils wegen den sehr verschiedenen Ansichten, die darüber herrschten. Für alle Ansichten ließen sich Gründe auffinden in hinrei­chender Menge. Zuerst sei die Frage, warum muß der Zehnte abgelöst werden, und wie soll er abgelöst werden? Ueber das Warum seien alle einig, aber das W t e bringe dix Schwierigkeiten hervor. Wenn man sie in sehr geringem Betrage ablösen wolle, so müsse er dies für eine Verschleuderung halten von fremdem Eigenthum. Die Zehnten seien einestheils eine alte Schuld, die vom Vater auf den Sohn immer fortgeerbt worden seien, anderntheils ein Theil des Nationalvermögens, das man für unverletzlich und unveräußerlich halten müsse. Das sei eine schlechte Eroberung des 4. März, wenn man so sagen wollte, gewesen; wenn man dieses Vermögen fetzt so leicht­sinnig verschleudern wolle.

Unter den Nassauern seien ungefähr 160,000 Zehnt­pflichtige; um also dieser Minderheit etwas schenken zu können, belaste man die ganze übrige Maforität. Die Minderheit solle reich werden zum Schaden der Mehrheit. Er sei für Ablösung im 16-fachen Betrage.

Wimpf: Er wolle nichts sprechen über die Ent­stehung des Zehntens, das ginge ihn gar nichts an, und sei fetzt ganz unwichtig. Die Güter seien gekauft und vererbt worden mit dem Zehnten, also sei derselbe ein Recht. Er entwickelt, daß, wenn der Zehnte in l 0-fachem Betrage abgelöst würde, die andern Bürger eine Steuererhöhung von 1 % erhalten würden. Bei 12 ^-fachem Betrag eine Steuererhöhung von 1 Sim­pel. Also müßten die armen Bürger und Handwerker gedrückt und belastet werden, um den reichen Bauern etwas schenken zu können. Durch eine Ablösung tm 10-fachen Betrag würden 30 reichen Leuten eine Summe von 260,000 fl. geschenkt werden. Er frage, ob das gerecht sei, ob man so mit dem Vermögen des Staates' umgehen dürfe? Mehr als die Hälfte der Bauern sei zehntfrei, diese also und der Gewerbstand müßten den Sündenbock machen, damit der andern Hälfte von Bauern eine bedeutende Summe geschenkt werdrn könne. Er wolle Ablösung in 16-fachem Betrag.

Müller: Er glaube, die Einwürfe des Herrn Abgeordneten Keim würden durch Einführung einer

Progressivsteuer zu nichte gemacht werben. Von Ver­schleuderung aber sei keine Rede. Die Ablösung des Zehntens auf eine billige Weise sei eine Errungenschaft der Märztage. Lange genug seien die Bauern durch die Domänendirektion, der alle andern Behörden zu Gebote gestanden hätten, gedrückt und auf fede Art betrogen worden.

Wenn nicht in kurzer Zeit die Zehnten auf eine billige Weise abgelöst würden, so würde eine Zeit der Anarchie hereinbrechen und Alles zerreißen. Man solle die rechte Mitte einschlagen bei der Ablösung. Er sei für Ablösung in 10-fachem Betrag.

Bertram: Man müsse bedenken, in welch un­günstiger Lage der ganze Gewerbstand und in welcher günstigen der Bauernstand sich schon seit Jahren be­fände. Bei der alten Ständekammer seien 15 Mit­glieder aus dem Bauernstand gewesen und nur 3 auS dem Gewerbstand; dadurch wäre immer für die Bauern gesorgt und die Grundsteuer erniedrigt worden, wäh­rend die Gewerbsteuer immer erhöht worden sei.

Mit 16-fachem Betrag könnten beide Theile zu­frieden sein.

(Schluß folgt.)

* 25. Sitzung.

Wiesbaden, den 4. August.

Das Hauptresultat der heutigen Sitzung war, daß die wichtigsten Paragraphen des Zehntgesetzes, bis sich die Kammermitglieder genauere Kenntniß von den Zahlen­angaben verschafft hätten, ausgesetzt und nur einige we­nige unwichtige berathen und festgesetzt wurden.

Ferner geben Berichte über mehrere interessante Peti­tionen zu einigen Debatten Anlaß.

Die nächste Sitzung ist Dienstags den 8. Juli, Morgens 11 Uhr.

Ausführliches morgen.

Tagesgeschichte.

Deutschland.

* Nassau. Wiesbaden, 4. August. Die freie Presse, als das launige Organ der öffentlichen Meinung, hat in der Zehnt-AblösungSfrage wirklich Erstaunliches geliefert und manchem Autor Verdienste um die Oeffent- lichkeit errungen. Es erschloß sich durch sie ein reicher Fond scharfsinniger frappanter Ansichten, als deren Aus­fluß wir auch einen Artikel in der Nassauischen Allge­meinen sub Nr. 120 begrüßen und nicht anstehen auf selbigen weiter aufmerksam zu machen. Die im land- wirthschaftlchen Wochenblatte Nr. 21 dieses Jahrganges niedergelegte, wohl motivirte Idee eines Austausches des Zehntrechts gegen Land, wird hier auf eine famose Weise bearbeitet und die praktische Durchführbarkeit vermittelst Eonsolidation auf das eclatanteste dargxthan. ES steht wohl nicht zu bezweifeln, daß die geeignete Notiz hiervon genommen sei und die landständischen Verhandlungen sofort darauf einlenken.

Baden. Karlsruhe, den 1.August. fDie nach Schleswig bestimmten Truppen.) Die badische Abthei­lung, welche als ein Theil deS 8. deutschen Armeekorps nach Schleswig-Holstein zur Verstärkung der Reichstruppen daselbst abgeht, wird der hiesigen Zeitung zufolge aus 4000 Mann und einer Batterie Artillerie zu 8 Geschützen bestehen und mit der großherzoglich hessischen Abtheilung eine Brigade bilden, die mit einer württembergischen Brigade unter einem württembergischen Divisionskom­mandanten vereinigt wird. Das Commando der badisch­hessischen Brigade übernimmt Oberst von Röder. Die Mobilmachung muß so beeilt werden, daß die Bataillone Montag den 7. August in ihren gegenwärtigen Statio­nen zum Abmarsch bereit sind.

Oesterreich. Wien, 29. Juli. [Ueber des Kaisers Rückkehr. Ministerieller Entwurf. Ernennung des Thron­erben, Erzherzog Joseph, zum Stellvertreter des Kai­sers.) Bekanntlich hatte das neue Ministerium sogleich nach seiner Uebernahme die Bitte an Se. Maf. den Kaiser nach Innsbruck gestellt, vor der Abreise des Reichsverwesers nach Frankfurt hierher zurückzukehrcn. Erzherzog Johann hatte diese Bedingniß mittelst eines eigenhändigen Briefes an Se. Maf. kräftigst unterstützt und der General Stenekar wurde hierauf mit der Mis­sion beauftragt, den Kaiser zu bewegen, den Bittendes Ministeriums und der ganzen Bevölkerung zu will­fahren. General Stenekar kehrte gestern Abend un­verrichteter Dinge von Innsbruck zurück und diese Nach­richt machte eine unbeschreibliche Aufregung in der ganzen Kaiserstadt. Es wird dadurch unser ganzer Zustand, trotz der Versammlung des Reichstags, in Frage ge­stellt und wenn uns der Erzherzog Johann verläßt, so ist es gar nicht zu wundern, wenn wir mit oder ohne Kravall sehr bald die Errichtung einer proviso­rischen Regierung, welche stets der Grundgedanke des Sicherheitsausschusses war, erleben werden. Der Kaiser konnte nicht unseliger berathen werden, als mit einer abermaligen ausweichenden Antwort. Wenn man die Manöver des Sicherheitsausschusses in den letzten Tagen beobachtete und bemerkte, daß cd ihm bei der gestrigen Todtenfeier für die Märzgefallenen dennoch gelungen war, die Nationalgarde seinen Befehlen unterznordnen, so muß es auf den Gedanken führen, daß der Plan bereits fertig war, wie sich nach der Abreise deS Erz­herzogs Johann zu benehmen sei. Unser Ministerium ist in der größten Verlegeenheit und man spricht schon von dessen Auflösung. Die Gährung in der Haupt­stadt wird bald noch einen bedrohlichem Charakter an*