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Verwaltung des Kirchenstaates in ihren Grundfesten erschüttert hat, allzu episodischer Natur, so würde es für einen Historiker nicht ohne Interesse sein, das Miniatur-Bild der frechsten Staats-Betrügereien, die hier vorgefallen sind, mit mikroskopischer Genauigkeit aufzunehmen. — Die Deputation der Kammer, welche dem Papste die jetzt bereits im Druck erschienene Adresse (in Bezug auf den Angriff der Oesterreicher auf Ferrara) selbigen Abends überreichen wollte, nahm der Papst nicht an, sondern erklärte, baffer sie nicht vor Ablauf von zweimal vierundzwanzig Stunden zu empfangen wünsche. Bis heute Mittag, wo sie auf dem Quirinal erwartet wird, haben sich denn auch die Verhältnisse der Art geändert, daß die ganze Adresse wie ein Narroâaus-Pamphlet klingt, indem sich heraus- gestcllt hat, daß das Erscheinen des Lichtenstein'schen Corps vor Ferrara keinen andern Zweck hatte, als der Citadelle die Fouragirung zu sichern; die Proteste wurden also aufgesetzt, als längst kein Grund mehr zu denselben vorhanden war. So perfid aber hat Mamiani gehandelt, daß er dem hiesigen Publikum die fünf Punkte der Lichtenstein'schen Capitulation streng verschwiegen und den Aufstand von Bologna erlogen hat.
Die Gazzetta di Venezia theilt den von Gfrö- rer im Parlament zu Frankfurt gestellten Antrag: Venedig zu einer deutschen Reichsstadt zu erklären, ausführlich mit und bemerkt dazu: „Wir wissen nicht, sollen wir an diesem Vorschlag mehr die Unverschämtheit (impudenza) bewundern aus der italischen, ja vorzugsweise italischen (ilalianissima) Venezia eine- deutsche Reichsstadt zu machen, oder die Unbefangenheit, womit als untrügliche Rechtsnorm, das bloße Gesetz dcr Zweckdienlichkeit hingestellt wird — ein Gesetz welches, auf's Einzelne angewandt, jede unredliche Handlung zu rechtfertigen hinreichen würde, oder endlich die historische Verwirrung, womit man auf die Venediger Provinzen Rechte ablagert, welche kein Kaiser in den vielen Jahrhunderten der Herrschaft der Republik auf dieselben geltend zu machen sich im Traum einfallen ließ. Man stutzt wirklich, wie diese so denkenden Köpfe Deutschlands nicht einsehen, wieviel auch hierin die österreichischen' Umtriebe vermögen und daß sie nicht für die eigene Freiheit zittern, indem sie die Usurpation heilig sprechen."
Großbritannien.
London, den 29. Juli. Die Nachrichten aus Irland reichen bis gestern Abend: Dublin war ruhig. Die Nachrichten, welche um 3 Uhr Nachmittags aus dem Süden von Carlow, Limerick, Cashel, Tipperary und Kelkenny eintrasen, besagten einstimmig, daß die größte Ruhe im ganzen Lande herrsche. Die Aufregung ist indeß sehr groß, und auf der Grenze zwischen Tipperary und Kilkenny halten ängstliche Gemüther den Ausbruch für ganz unvermeidlich; die Verbündeten bedienen sich bereits der kriegerischen Ausdrücke, schreiben Briefe „aus dem Lager" u. s. w. Am wü- tbendsten sprechen natürlich die Führer, welche das Volk aufrufen, für Irlands Freiheit, worunter freilich zunächst ihre eigene zu verstehen ist. Smith O'Brien zieht umher, wie ein Häuptling, gekleidet mit Pike und Pistole, umgeben von Bewaffneten, mit Pfeisen und Trommeln. Der Lord Statthalter hat so eben einen Preis von 500 Pf. St. auf seine Ergreifung ausgesetzt, weil er in Waffen gegen die Königin aufgestan- vcn sei (was vielleicht auf ein Zusammentreffen zu deuten ist). Belohnungen von 300 Pf. sind für die Verhaftung von Meagher, John Dillon und Doheny ausgeboten. Den jungen Meagher hat man in Waterford erblickt, verkleidet und niedergeschlagen. Man glaubt; er suche zu entkommen. In Dublin und anderen Orten sind mehreren Verhaftungen vorgenommen.
Ungarn.
Hesth, 24. Juli. (DerRaizenaufstand, Russisches Machwerkss Hier rücken die Sachen wenig vor und
Ausland.
Italien.
Sie ökerreichilchen Siege.
Den aus Mailand und Zürich zuerst angelangten italienischen Siegesnachrichten, haben wir keinen Glauben geschenkt und theilten solche unsern Lesern nicht mit. ‘ Dagegen haben wir die in den österreichischen Blättern enthaltenen Berichte von dem glänzenden Sieg des tapferen ergrauten Feldherrn Radetzky über die Piemontesen mitgetheilt. Sie bestätigen sich nunmehr durch die italienischen Bulletins.
Mailand. Der Siegessubel hat sich hier in Bestürzung verwandelt! Der 25. Juli war ein unglücklicher Schlachttag. Auf theilweise Vortheile hin, waren Siegksbcrichte abgegangen; man wartete das Ende nicht ab. Was in den weltberühmten Schlachten von Marengo und Waterloo sich zutrug, daß vor Ende der Schlacht Sicgcsberichte ausgingen von dem Heere, das am Ende die Schlacht verlor, scheint auch in der letzten Schlacht am Mincio der Fall gewesen zu sein. Das italienische Bulletin lautet:
„Der Feind durch neue Zuzüge verstärkt, griff, an die drei Festungen Mantua, Legnago und Verona sich sich stützend, die ganze Linie an. Am 23. begann der Angriff. Unsere vorgeschobenen Posten bei Rivoli und Sommacampagna mußten, der Ucbermacht weichend, jene starken Stellungen nach ehrenwerthem Widerstände verlassen. Am 24. b. war Carl Albert von Marnu- rolo nach Billafranca gezogen und die Stellung von Sommacampagna wurde von den Unsrigen wieder genommen. Lang und blutig war die Schlacht, viel größer die Verluste der Feinde als die der Unsrigen und der Tag schloß sich mit der Aussicht auf einen vollständigen Sieg auf den folgenden Tag.
In der Schlacht vom 25. d. aber fiel, während unsere Artillerien von den Höhen von Sommacampagna beruiuerdonnerte, ein neues von Radetzky angeführtes Corps, das in Verona sich zusammengezogen hatte, unsern Truppen in den Rücken. Nach einem Widerstande, der dem Feinde großen Schaden brachte, erkannte man die Gefahr, so ausgesetzte und ausgedehnte Positionen behaupten zu wollen und das Heer zog sich nach Billafranca zurück, von wo es in der Nacht weiter nach Goito zog, um sich da von den außerordentlichen Anstrengungen dieser dreitägigen Schlacht zu erholen und sich mit den Reservecorps auf der Min- ciolinie zu vereinigen. Das Heer führte 2500 österreichische Gefangene mit sich und vollführte seinen Rückzug nach Goito ohne vom Feinde verfolgt zu werden. Peschiera ist durch den linken Flügel des Heeres unter Sonnaz gut beschützt."
So das amtliche Bülletin. Gestern in Zürich eingelaufene Handelsbriefe berichteten von einer völligen Niederlage des italienischen Heeres, so daß die Oesterreicher sich bereits in Masse auf dem rechten Mincio- ufer befinden und gegen Mailand vorrücken.
Wien. Ein zweiter Brief aus Verona vom 23. Mittags meldet, daß Feldmarschalllieutenant Thurn das Plateau von Rivoli erstürmt und Rivoli genommen hatte. Die Piemontesen ^hielten den Bajonetangriff unserer braven Grenzer nicht aus. Diese Operation ist im Einklang mit der des Feldmarschall Radetzky, welche einen so günstigen Erfolg hatte.
Rom, den 20. Juli. Endlich sind wir das Ministerium Mamiani glücklich los geworden. Als der Revolutions-Graf vorgestern Abend beim Paste erschien, empfing ihn dieser ziemlich hart und nahm die dargebotene Abdankung ohne Weiteres an. War es doch unmöglich, daß ein Mann länger an diesem Platze verweilen sollte, welcher sich durch seinen patriotischen Fanatismus zu der gemeinsten Jntriguen- Taschenspielerei hatte hinreißen lassen. Wäre nicht die Geschichte der zwei Monate, während welcher der philosophische Minister den Papst mißhandelt und die
in der Nationalversammlung wird viel leeres Stroh gedroschen, das Ministerium ist aber nichts weniger als ruhig, denn die von ihm bekannt gemachten Berichte lauten meist dahin, daß die ungarischen Truppen fast überall, wo sie angriffen, zurückgeschlagen wurden. Merkwürdigerweise ist auch die Agramer Zeitung, das officielle Organ der eroatischen Partei, über die Vorfälle in der Militärgrenze größtentheils stumm. All- mählig gehen aber auch dem Blindesten die Augen auf. In der Militärgrenze werden die Officiere verjagt, die bisherige Administration aufgelöst und niemand herrscht als der — Pope mit dem von ihm geleiteten Haufen. Der katholische und der griechische Theil der Grenzbevölkerung scheiden sich mehr und mehr ab;[uiib die croatisch-illyrische Partei ist mit der gricchisch-russi. schen schon in offene Zerwürfnisse gekommen. Die Ag- ramer Zeitung spricht von Nachrichten, welche Ähre „heilige Nationalsache stark compromitiren" und mehr und mehr dürfte sich als Thatsache herausstellen, daß der ganze Raizenaufstand russisches Machwerk ist. Darum sind auch die Türken so thätig in Bosnien eine genügende Macht aufzustellen und durch Geltendmachung ihres Juterventionsrechts in der Walachei dem russischen Vordringen Einhalt zu thun. Daß zwischen den Türken und dem ungarischen Ministerium Verabredungen getroffen sind, leidet wohl keinen Zweifel und ich halte es nicht für unmöglich, daß die immer offenkundiger hervortretenden Intriguen der Russen über kurz oder lang eine Verständigung zwischen dem hiesigen Ministerium und der ächten kroatischen Partei herbeiführen.
Rußland und Polen.
Aus Russisch Polen gehen uns Mittheilungen zu, die wir mit dem Bemerken, daß sie allem Anscheine nach glaubwürdig sind, hier wiedergeben: Es sind sämmtliche Kriegsreservisten einberufen und in Regie- meuter einrangirt. (Dies geschieht nach der russischen Armeeorganisation nur im Falle der Mobilmachung). Aus den verschiedenen Cadettencorps sind 1200 junge Leute als Offiziere eingetreten. Nach sehr zuverlässigen Nachrichten sind gegenwärtig im Königreiche Polen nachstehende Truppen: 80,000 Mann Infanterie, d. h. ein ganzes Armeecorps von 60,000 und eine Division von einem andern Corps von 20,000 Mann; eine Division Kavallerie von 5000 Mann, Artillerie gibt es mehr als für drei ganze Armeecorps. Sappeurs allein stehen im Königreich Polen über 4000 Mann." (Lith. Nachr.)
Neueste Nachrichten.
^ Kammer - Verhandlungen.
24. Sitzung.
Wiesbaden, den 2. August.
In der heutigen Sitzung der Kammer wurde nach einer vierstündigen heftigen Debatte beschlossen mit einer Majorität von 22 gegen 16 Stimmen, den Zehnten in zwölffachem Betrage abzulösen.
Ausführlicheres morgen.
Druckfehler-Berichtigung.
In Nr. 131 in dem Artikel: „Rückblicke auf Wiesbadens jüngste Vergangenheit" sind folgende Druckfehler !zu verbessern: Z. 44 statt Mitglieder — Mitglieder n; Z. 45 st. Vertrauensmänner — Vertrauensmänner n; Z. 48 st. empfindliche — empfindliche n; Z. 54 st. ein e s — eins; Z. 67 st. ausgestossen — ausgestoßen. — In Nr. 132 in dem Aufsatze: Die Beschäftigung der Kammer der Abgeordneten betreffend" ist ein finncntstellen- der Druckfehler eingeschlichen: Sp. 2 Z. 7 v. o. muß cs heißen: „des ancien régime über die gewissenhafte" rc. statt „über daS ancien regime die gewissenhafte" 2C.; sodann muß es daselbst Z. 13 „zugeschnittencn" statt „zugeschnittcner"; ferner ist Z. 31 hinter „wird" das Wort „es" einzuschalten.
Nebst „Allgemeines Kirchen- und
Schulblatt Nr. II."
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Der Vorstand der hitslgen Kleinkinderbewahranstalt.
Aecht engl. Gichtpapier,
(657) das Blatt zu 12 kr. Vorräthig bei der Expedition dieses Blattes.
Zu vermiethen.
In dem Eckhause der Schwalbacher- und Louisenstraße ist eine Familienwohnung, bestehend aus vier Zimmern nebst Küche auf geschlossenem Gang, einer Kammer, Antheil an Waschküche und Bleichplatze, Keller- und Speicherraum u. s. w. zu vermiethen und kann sogleich bezogen werden. (658)
Wiesbaden, 2. August 1848.
Friedrich Reinhard.
Geld - Cours.
Neue Louisd’or...........
Pistolen...............
Preuss. Friedrichsd’or....... Holländische Zehnguldenstücke .
Randducaten............
Zwanzigfrankstücke........
Engl. Souverains..........
Laubthaler , ganze........
Preuss. Thaler...........
Fünffrankenthaler..........
fl. I kr. 11! 5
9 55
9 56
10 5
5 36
9 37
12 2
2 43'/.
1 45
Druck unb Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Redaction unter Verantwortlichkeit des Herausgebers Wilhelm Friedrich.