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kämpften, dem Feinde die Lehre geben, daß das einige Deutschland sich nicht ungestraft verhöhnen läßt. Bei der vorgenommenen Präsidentenwahl erhielt von 391 Stimmenden Heinrich v. Gagern 357 ®tim< men, v. Itz stein 25 Stimmen, v: Radowitz 2 Stimmen, v. Soiron 4Stimmcn,Gritzner 1 Stimme, Ruge 1 Stimme, Tafel 1 Ststnnre.

Als erster Vicepräsident wurde v. Soiron mit 322 Stimmen; als zweiter Vicepräsident von Her­mann aus München mit 252 Stimmen gewählt. Es wurde sodann das von dem Marineausschuß vor­geschlagene Gesetz über die deutsche Flagge mit einer Modiftcation angenommen.

und durch Dampfschiffe und Eisenbahnen der Armee zugeführt werden kann.

Schott spricht Namens Württembergs die Aner­kennung der Leistungen der preußischen Truppen aus. Ueber die Mittheilungen der Minister wird zur Ta­gesordnung stbekgegangen.

Hierauf folgte die Wahl H. v. Gägcrns als Prä­sidenten und die der Vicepräsibcntcn.

Es wurde nunmehr zum dritten Gegenstand der Tagesordnung, dem Bericht des Marincausschusses, die deutsche Kriegs- und Handelsflagge betreffend, geschrit­ten. Nach kurzer Debatte, an welcher Moritz Mohl, Brieglcb, Roß, Melly, Haßler, v. Radowitz (für den Marineansschuß) re. Theil nahmen, wurde das von dem Marincausschuß vorgeschlagene Gesetz mit einer geringen Aenderung (bezüglich des Schwerts und der Pfeile in den Fängen des Adlers) angenommen. Er lautet nunmehr wie folgt:Gesetz, die deutsche Kriegs- und Handelsflagge betreffend. Die deutsche conftituirende Nationalversammlung hat über die ins­künftig von den deutschen Kriegs - und Handelsschiffen zu führenden Flaggen folgende Bestimmungen getroffen: I) Hinsichtlich der Kriegsflagge, a) Die deutsche Kriegs­flagge besteht aus drei gleich breiten, horizontal lau­fenden Streifen, oben schwarz, in der Mitte roth, unten gelb. In der linken obern Ecke trägt sie das Nerchs- wappen in einem viereckigen Felde, welches zwei Fünftel der Breite der Flagge zur Seite hat. Das Reichs­wappen zeigt in goldnem (gelben) Feldoden doppelten schwarzen Adler mit abgewendeten Köpfen, ausgeschla­genen rothen Zungen und goldnen (gelben) Schnäbeln und dergleichen offenen Fängen. b) Jedes deutsche Kriegsschiff, welches nicht Admiralsflagge oder Commo- dore's-Stander führt, läßt vom Top des großen Mastes einen Wimpel fliegen. Derselbe ist roth und zeigt am obern Ende den Reichsadler, wie eben beschrieben, in goldnem (gelbem) Felde. 2. Hinsichtlich der Handels­flagge. a) Die deutsche Handelsflagge soll aus drei gleich breiten, horizontalen schwarz, roth, gelben Streifen bestehen, wie die Kriegsflagge, jedoch mit dem Unter­schied, daß sie nicht das Reichswappen trägt, b) Diese Flagge wird von allen deutschen Handelsschiffen als Nationalflagge ohne Unterschied geführt. Besondere Farben und sonstige Abzeichen der Einzelstaaten dürfen in dieselbe nicht ausgenommen werden. Dabei soll es jedoch den Handelsschiffen frei stehen, neben der allge­meinen deutschen Reichsflagge noch die besondere Lan­des- oder eine örtliche Flagge zu zeigen. Weitere Be- stimmungen über die Größe der Flaggen, über die Unterschiede in den von verschiedenen Oberbefehlshabern zu führenden Flaggen, so wie über die Anordnung son­stiger Flaggen, z. B. beim Lootsen und Zollwesen, blei­ben vörssevalten. Gegenwärtiges GèW wird der pro­visorischen Centralgewalt zur Ausführung überwiesen."

Ueber einen Vorschlag' Robert, M.ohl's, den Ge- setzgebungsauöschuß mit Vorschlägen bezüglich der Pub­lication der Reichsgeseye zu beauftragen, wurde in der Voraussetzung zur Tagesordnung übergegangen, daß die Centralgewalt, welcher die Verkündigung der Ge­setze obliegt, Vorschläge machen werde. Schluß der Sitzung 1 % Uhr. Tagesordnung der mocgentlichen Sitzung: Berathung über Artikel 2 der Grundrechte.

In der 51. Sitzung erklärte Reichsminister von Schmerling: Gerade vor acht Tagen habe ich der Versammlung Mittheilung wegen Schleswigs gemacht. Bereits damals habe ich darauf hingedeutet, daß die Unterhandlungen keinen Erfolg haben könnten. Nach einem Berichte des Befehlshabers des combinirten Hee­res hat er die Unterhandlungen wirklich abgebrochen und die Feindseligkeiten haben am 21. Juli wieder begonnen. Wer die Bemühungen, den Frieden zu er­langen, aufmerksam verfolgt, wird sagen müssen, daß von Seite Deutschland das Aeußerstc geschehen, um, soweit es mit Deutschlands Ehre verträglich ist, die Angelegenheit friedlich abzumachen. Doch die Ge­duld hat ihr Ende, und Deutschland kann mit Ruhe den Kampf wieder beginnen. Die Dänen haben unter den vom General Wrangel gestellten Bedingungen vorzüglich zürückgewiesen, daß die Ratification des Ver­trags dem Reichsverweser vorbehalten bleibe. Der deutsche General Wrangel hat sich in seinem Berichte mit großer Entrüstung über jene Weigerung ausge­sprochen. Das Ministerium erkennt in vollem Maße an, was einzelne Theile Deutschlands durch jenen Krieg leiden. Der Kriegsreichsminister wird nach mir der Ver­sammlung über die militärischen Maßregeln Mitthei­lung machen. Das Heer des Generals Wrangels soll auf den Stand gebracht werden, daß, wenn es zur Entscheidung durch die Waffen kommt, der Krieg ein sehr kurzer sein wird. Ich gebe die Hoffnung nicht ganz aus, daß sich Dänemark durch solche Maßregeln zur Annahme angemessener Bedingungen noch bestim­men lassen wird. Erlauben Sie mir, Sie wieder auf­merksam zu machen auf das, was ein Theil Deutsch­lands, was Vas preußische Heer in diesem Kampfe bereits geleistet hat, welche Opfer die Seeprovinzen, nnd mit welcher Ergebung sie dieselben gebracht haben.

Der Krieg soll mit Reichstruppeu und aus dem Reichsschatze geführt werden. Das Reichöminftäerium wird in kürzester Zeit Jbncn wegen Bestreitung der Kosten aus dem Neichsschatzc die entsprechenden Vor­schläge machen. Auch diejenigen sollen bedacht werden, welche bei dem Kriege vorzüglich becheiligt waren. Wirken auch Sie mit, daß die Begeisterung aufrecht erhalten werde, daß Alle übereinstimmen, die nöthigen Opfer zu bringen. (Beifall.)

Reichsminister v. Peucker: Die Fortsetzung des Kampfes ist unvermeidlich. Das Ministerium glaubt zunächst zwei Gesichtspunkte festhhalten müssen, einmal daß eine namhafte Truppenverstärkung erfolge, damit der Krieg so schnell als möglich zu Ende geführt werde; zweitens, daß allen deutschen Heeren Gelegenheit ge­geben werde, an dem ersten Bundeskriege Theil zu nehmen, und dem Feinde das Deutschland umschlingende Bruderband vor Augen zu führen. In jeder Verzö­gerung würde Gefahr sein. Darum bat bei der Ab­wesenheit des Reichsverwesers und obschon noch die formelle Geschäftsverbindung mit den Regierungen der einzelnen Staaten nicht geregelt ist, das Reichskriegs­ministerium, sich mit den einzelnen Landeskriegsministe- rien in Verbindung gesetzt, damit die von dem Ge- neral Wrangel verlangte Verstärkung mobil gemacht

Tagesgeschichte.

Deutschland.

Nassau. Wiesbaden, 1. August. Das Neichs- ministerium des Kriegs hat die Mobilmachung des 7., 8. und 9. Armeecorps beschlossen. In Folge dieses Beschlusses werden von unsern Truppen 3 Bataillone circa 2500 Mann nebst unserer Artillerie sofort auf den Kriegsfuß gestellt. Unsere Truppen werden am 10. August nach Schleswig-Holstein abmarschiren.

Hessen-Darmstadt. Mainz, 24. Juli. sVer- handlungcn über die der Zerstörung der Taunuseiscn- bahu Angeklagten.) Gestern und heute wurde vordem hiesigen Krcisgcricht die wegen der im April d. J. in der Gemeinde Castell vor genommene Zerstörung der Taunuseisenbahn abhängig gemachte Untersuchung ver­handelt. Aus den durch die Verhandlung sicher ge­stellten faktischen Momenten ergab sich, daß, während der aufgeregten Zeit des vorigen April, in welcher hier unter den Augen der Behörde eine Reihe von Excessen gegen verschiedene gemeinnützige Unternehmungen, wie Schleppschiff, Dampfboote rc., vorkamen, die Taunus- eisenbahn gleichfalls mit Zerstörung bedroht wurden Diese in der Gemeinde Castell lange vorher befürchtete Zerstörung wurde mit alter Ruhe am 5. und 6. April von einer großen Menge Menschen, unter denen auch Fremde bemerkt worden sein sollen, ausgeführt und da­durch der^Verkehr auf dieser sehr besuchten Bahnstrecke für acht Tage unterbrochen. Gegen 71 der bei dieser Zerstörung angeblich bemerkten Personen wurde eine Untersuchung eingeleitet, die das Resultat hatte, daß etwa dreißig Personen von der Rathskammer losge« geben, die andern aber an das Kreisgericht zur Abur- theilung verwiesen wurden. Unter diesen letzteren, welche meist aus armen Kutscherknechten, Taglöbnern rc. be­standen und unter denen ein Kutscher als intellektueller Urheber des Verbrechens figurirte, befand sich auch ein ganz unbescholtener hiesiger Kaufmann, beschuldigt der Begünstigung dieses Verbrechens. Während der gest­rigen Sitzung, welche von 8 Uhr Morgens bis 7% Uhr Abends dauerte, wurden sehr viele Zeugen abge­hört. Das Resultat dieser Depositionen, wie jenes des mit den Beschuldigten abgehaltenen Verhörs, stellte zwar fest, daß eine Anzahl dieser Leute am 5. und 6. April bei der Zerstörung der Eisenbahn thätig waren, zeigte aber ebenso, da; sämmtliche als Angeschuldigte in der Sitzung erschienene Theilnahmer im Moment der Hand­lung fast bis zur Bewußtlosigkeit betrunken und nur die Werkzeuge einer den Ruin der Taunuseisenbahn be­zweckenden Partei waren, über welche die Untersuchung leider nicht das mindeste Resultat erzielt hatte. Be­züglich der dem erwähnten hiesigen Kaufmann zur Last gelegten Begünstigung des Verbrechens lieferten die Zeugenaussagen keine Belastungsmittel. Nachdem die Zeugen und Beschuldigten verhört und Anklage wie Vertheidigung ihre Mittel entwickelt hatten, wurde der Urtheilsspruch in die Sitzung von künftigem Freitag vertagt.

Oesterreich. Wien, 25. Juli, schreibt man der Breöl. Ztcp": Die Absicht der reaktionären Partei, un­ter dem Diantel einer Judenverfolgung ihre Widerstandü- pläne durchzusetzen, ist an dem gesunden Sinn der Be- völkèhung'gèscheitert',' die dâs Mtz durchschaute un^ die Aufhetzer verabscheut. Der demokratische Verein hat seit dem Ucberfall im Gasthof zum Kaiser einige tausend neue Mitglieder gewonnen und die Hälfte der acade- demischen Legion hat sich bereit erklärt, als Schutzwache deö Clubs zu dienen, der eine Macht zu werden beginnt, dessen Ansehen, selbst den Ausschuß der Nationalgarde beeinträchtigt. Aus vielen Dörfern und Markflcckcn er­scheinen Deputationen, die ihm ihre Uebereinstimmung auödrücken, und ihre Mitwirkung zusagen; in dem Flecken Hauöleiten ward die Gegendeputation des hiesigen Clubs mit fürstlichen Ehren empfangen, und weißgekleidete Mädchen streuten den-Wiener Demokraten Blumen, in« deß die Männer ihren Reden begierig lauschten nnd Bei­fall zollten. Die Minister Doblhoff und Schwarzer stehen gleichfalls mit den Leitern des Clubs, worunter Dr. Jel­linek und Dr. Löwenstein, in enger Verbindung.

Wien, 24. Juli. fVerlust der Ungarn.) Bricft lichen Nachrichten zufolge hatten die Ungarn bei Groß- Becskerck im Banat so wie auch bei Esakaturn an der kroatischen Gränze bedeutende Verluste erlitten; sie wur­den von d<n Kroaten und Serben mit großer Erbitte­rung angegriffen. Seit der Schlappe, welche die Ser-

Frgottist«» »achsehend, nimmt meinen Aerger wohl gar krumm?"

Laßt ihn laufen, Papa! erwiederte der Violoncel­list, und stieß mit Grinsel an. Wenn Mandelschaf mit der Hand in die Brusttasche fährt, so ergreift ihn der poetische Schmerz, und morgen liest er uns sicher ein Gedicht vor, das, wie die übrigen, mit einer Tollheit oder der todten Marie Moorzahn abschnappt. Laßt ihn laufen und sagt mir aufrichtig, warum wollt Ihr die Geige nicht, an einen Dilettanten etwa, losschlagen, der gut zahlt, weil er die Fehler nicht kennt?"

Fehler! schrie Grinsel und sprang nach dem Gei­genkasten. Menschenkind! Vereinigt sich denn heut Al­les, mich unter die Erde zu bringen? Wo ist je­mals an meiner Geige nur das Tittelchen eines Fehlers gefunden?"

Mit diesen Worten schloß er den Kasten auf, nahm tro$ seiner Aufregung das Instrument sanft heraus, hielt es wie ein Tauskind mit beiden Händen dem Violoncel­listen hmund fragte:Nun, Klapstein, wo ist auch uur der Gedanke eines Fehlers? he? Betrachtet einmal den Goldlack."

Abgeschabt hin und wieder!"

Abgeschabt? Das winzige Fleckchen da das kommt von meinem Barte. Oder soll ich diesen Gold­lack mir verhunzen lassen von dem Waqenlchmier bifi sie jetzt Lack nennen? Seht einmal den Boden welch ein Hölzchen! Die Maser wie geflammt! Die Efflöcher welcher Schwung, welch ein Verhältniß gegen einander! Klapstein, wenn Ihr nur ein Atom von

Efflöchern versteht, so bewundert diese! Die Schnecke welche schöne edle Form! Die Schnecke allein ist zehn Dukaten unter Brüdern werth."

Klapstein nahm die Geige, deren Besitz er so sehn­lich, aber wohlfeil wünschte, in die Hand, betrachtete sie wägend mit prüfendem Blick, und sagte dann ru­hig:Sie hat einen Riß unter dem Stege/)

Aber Kindchen! erwiederte Grinset, der mit lang­gezogenem rechthaberischen Gesichte und halb offenem Munde bisher den Bewegungen des Violoncellisten ge­folgt war, Klapstein, wo findet Ihr eine gute ita­lienische Geige, bin nicht unter dem Stege lädirt wäre? Und der Riß geht nicht einmal durch."

Klapstein wog noch einmal die Geige bedächtig und gab sie dann zurück mit den Worten:Ich glaube doch, sie ist ausgeschachtelt."

Euer Violoncell ist eine alte Schachtel! polterte Grinsel heraus. Die Geige ist noch, wie sie aus den Händen deâ Meisters hervorgegangen. Habt Ihr denn kein Gefühl in den Fäusten? Probt doch einmal ver­nünftig, wie viel sie wiegt, wie stark sie von Holz ist überhaupt, wie gut erhalten! Das ist ein ächter Großpgtron des Patrons aller Geigenfabrikanten, des trefflichen jüngeren Stradivari, oder ich bin ein Tam­bour! Es steht ja auch drin."

Auf den Namen drinnen, warf der Cellist ein, auf den Namen geb' ich nichts; man kann, wie moderne Statuen künstlich zu antiken umgeschmaucht werden, eben aus der Presse kommende Cremonazettel bald zu alten einräuchern. Ich kenne das! Indessen, liebstes

Männchen, wollen wir uns darüber nicht weiter zan­ken. Der Ton, Freundchen, der Ton ist die Haupt­sache."

Er nahm Bogen und Geige, gab einige Töne mit langem Zuge an, und Grinsel rannte in die fernste Ecke deS Zimmers und horchte mit behaglichem Entzü­cken hinüber. Da legte Klapstein, das Spiel kurz ab­brechend, das Instrument in den Kasten und sagte gleich­gültig :Sie klingt doch zu scharf, zu spitz und wirft nicht. Ein alter Stradivari mags vielleicht sein."

Es ist doch mit Euch nicht auszuhalten / entgegnete Grinsel nach dem Kasten springend. Seid Ihr ein Christ oder ein Heide? Ob sie wirst? Wie eine Kanone wirft sie! Und gerade das schneidende, krystall- artige des Tones ist Eigenthümlichkeit des ächten Stra-- divari." Er nahm das Instrument, reichte den Bogp»' hin und mit der graziösesten Armbewegung glitt der Bogen über die Saiten.Wie sammtig, wie fest, wie brillant! sprach er dazwischen mit immer feuriger lo­dernden Augen und fuhr dann fort: Die Töne kommen so bestimmt heraus, als würden sie gehämmert. Und wie das fernt! Stellt Euch dorthin, Klapstein der ganze Conzertsaal war heut voll Ton der Fürst war fast nicht bei sich, und nannte die Geige des windigen Franzosen eine lahme Maultrommel.

(Fortsetzung folgt.)