40
den möge. Auf Erzeugung eines Wissensdurstes im Volke, wodurch dasselbe seinen Beruf vergessen und sich unglücklich fühlen müsse, weil cö in seiner untergeordneten Stellung unzufrieden würde, ist'ö und kann's dabei nicht abgesehen sein. Eine Steigerung der Volksbildung bis zu diesem Grade erscheint vielmehr unmöglich. Nur so viel soll der künftige Schüler aus der Schule mitnchmcn, daß er, durch Religion und Geschichte belehrt, in dem Bestehen der verschiedenen Stande des Höchsten Weisheit und in der Erfüllung des ihm angewiesenen Berufs seine Pflicht erkenne; daß er, in welchem Stande die Welt ihm auch begegne, für denselben eine rationelle Unterlage mitbringe; kurz, daß er, wie Herr M. eS will, ein denkender, urthe ilSfähiger, brauchbarer und möglichst unabhängiger, vernünftig freier Staatsbürger werde. Das ist daö Ziel, auf welches hingesteuert werden soll.
4) „Die Lehrer wollen von der Kirche sich nicht trennen, aber nur nicht von den Geistlichen beaufsichtigt sein." Es ist Hierwegen oben die Gegenmeinung ausgesprochen worden. Darüber also Nichts mehr. Eben so wenig einen Streit über die Behauptung, daß bei einzelnen Lehrern eine kleinliche Eifersucht im Spiele sei; denn was wahr ist, darf nicht weggeleugnet werden wollen.
(Fortsetzung folgt.)
Vas Schullehrer-Seminar in Idstein.
„Das Idsteiner Seminar fährt in ruhigem Eifer fort Dolköschullehrer zu bilden, für städtische und ländliche Schulen, für katholische und evangelische Bürger des Landes. Es mischt sich nicht in die konfessionellen Streitigkeiten, ignorirt dieselben; — es ist ihm genug, daß es künftige Sckullehrer bilde, die im Geiste der versöhnenden Jesuslehrer alle Menschen ohne Ausnahme zur Erkenntniß der Wahrheit und zum sittlichen Leben verhelfen können- Nicht KatechiSmuöreiter, sondern Volks- leerer sucht cS zu bilden. Dabei erhalte es der Himmel!" — (Nacke, Jahresbericht, 1847.)
Erklärn n g.
Aus mehrfache Anfrage und zur Verhütung von Miüver- ständnissen finde ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß die in diesen Blättern mit: „M. Vom Fuße des Westerwald eS" — bezeichneten Artikel nicht von mir herrühren, obwohl ich den Ansichten des H. Verfassers im Wesentlichen deistimme. —
Mencke, Schul - Inspektor zu Neunkirchen.
Ich lasse nun das beregtc Actenstück in wörtlicher Ab. schrift folgen.
Roßbach, 26. Juli 1848.
A. Mencke, Sch.- Jnsp.
An
Herzoglich • Nassauisches Amt zu Hachenburg gehorsamster Bericht der Ortövorstände zu Niedermörsbach und Heimborn.
„Die dem Herrn Lehrer „Dapprich von den Vorständen „bewilligte Gratifikation von „30 fl. für seine ausgezeichnete „Leistung in hiesiger Schule „betreffend.
„Waâ der Schulvorstand unserm damaligen Herrn Lehrer „Dapprich wegen seiner ausgezeichneten Leistung in unserer „Schule als Gratification mit dreißig Gulden versprochen hat, „das will auch der Ortsvorstand von Niedermöröbach wie von „Heimborn gehalten wissen. Auch fetzt, da der Lehrer von „uns geschieden ist, hat jeneö Versprechen volle Geltung durch „die beiden Ortsvorstände aus Dankbarkeit und Liebe gegen „den so sehr liebreichen und braven Lehrer."
„Es ist unser aller Wunsch, daß dieses Anerkennt- „niß von unserer Seite auch außerdem dem Lehrer mit- „getheilt wird."
Niedermöröbach, 5. Juni 1848.
(gez.) Jttelberger, Schultheiß.
Fischer, Vorsteher.
Pseiser, Vorsteher.
Schneider, Schultheiß.
Schüchen, Vorsteher.
M iS c e l l cu.
7) Zu jeher Landschule befinden sich unter den älteren Schülern liebe Knaben und Mädchen, welche mit den Kleinen trefflich um» zugehen verstehen. Solche geschickte Zöglinge zum Ziehen der Jüngeren zuzurichten und anzustcllen , wird für K l c i n k i n d e r - B c - wahranstalten sehr gedeihlich, ja in vielen Fällen unerläßlich sein, indem ältere Personen zur Beschäftigung der Kleinen oft gar nicht passen und auf der andern Seite auch die Mittel fehlen, besondere Wärter zu besolden.
8) Sollte es wohl nicht räthlich-scin, von Zeit zu Zeit, vielleicht alle zehn Zabre, eine Preiobewerbung zu eröffnen für Abfassung vo »Büchern für die, so durch Lesen gebildet werden sollen, und für den Lehrer, der aus seinem Schatze mittheilt?
Aehrenlcfe auf dem Gebiete der Pädagogik-
Sin seltenes Actenstück.
Das hierunter folgende Aktenstück war freilich von feinem Verfasser nicht für die Ocffentlichkeit bestimmt; aber eü ist zu schön; das Verhältniß zwischen Lehrer uud Gemeinde, wie eö daraus ersichtlich wird, ist zu selten, die dankbare Anerkennung, wie sie hier sich ausspricht, zu rühmlich, als daß ich es über mich hätte gewinnen können, eö so ohne Weiteres zu den Acten zu legen. Wie ich, so sollen auch noch manche andere sich deß freuen; und ich hoffe die dabei Bcthciligten werden mir eS nicht übel nehmen, daß ich ohne ihre Erlaubniß etwas vor das Publikum bringe, was ihnen nur zur größten Ehre gereichen kann.
7. (OrtS-Schulaufsicht.]
„Die Ortsschulaufsicht kann in der Regel durch Niemand durch den Ortsprediger geführt werden; und dieser kann sie auch unbezweifelt zum Segen der Schule übernehmen. Denn es m dazu eine besondere pädagogische Befähigung nicht erfordeâ sondern nur eine höhere Bildung überhaupt, christliche Gesinnung, ein» Lehrer - und jugendfreundliches Gemüth, Wohlwollen, Liebe und Eifer für die Schule.' Mit diesen Eigenschaften ausgerüstet wird jeder Prediger ein vortrefflicher Localschulinspector sein, zumal da ihm du Schulerziehung doch selten ganz fremd ist."
(Dr. H. G r a e f e, die deutsche Volksschule.)
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.