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Naffauischr Znluiiq
Freiheit, Wahrheit uud Neckt!
. Materielles uud geistiges Wohl des deutschen Volkes!
Wiesbaden, Donnerstag, Ven 27. Aüi. IMS.
Neue Bestellungen auf die „Nassauische Zeitung" nebst „Allgemeines Kirchen- und Schul-bl-att," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogthums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition am Frievrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich. Die bekannte Tendenz der „Nassauischen Zeitung": Durchführung der demokratischen Monarchie in den einzelnen Staaten, und Herstellung einer starken deutschen Centralgewalt, welche dieselbe seit ihrem Erscheinen und auch ferner konsequent festhält, hat unsern zahlreichen Leserkreis ansehnlich vermehrt, der sich noch täglich vergrößert. Nachbestellungen bitten wir daher schleunigst bei dem nächsten Postamte zu machen, damit wir im Stande sind, überall comp lere Exemplare vom 1. Juli an abliefern zu können.
Inserate, welche bei der großen Verbreitung Der „ Nassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.
Amtlicher Theil.
Frankfurt, 25. Inli.
General Wrangel hat an den Erzherzog- Reichsverweser berichtet, daß er mit den Dänen noch keinen Waffenstillstand abgeschlossen habe, sondern daß nur vorläufige Verabrevungen, stattfanden, und daß er keinen Waffenstillstand abschließen werde, der nicht der Ehre Deutschlands vollkommen entspräche und bei welchem er nicht mit Sicherheit hoffen könnte, daß derselbe die Genehmigung des Erzherzogs - Reichsverwesers erhalten würde. Der Kriegsminister hat hierüber den General Wrangel eventuell aufgefordert zu berichten, welche Zahl von Truppen er benöthige, um den Krieg mit Dänemark schnell und siegreich zu Ende zu führen. Das Ministerium wird dafür Sorge tragen, daß, falls kein allen Anforderungen entsprechender Waffenstillstand abgeschlossen werden sollte, die zur kräftigen Fortsetzung des Kriegs erforderlichen Truppen dem General Wrangel so schnell als möglich zugeführt werden.
Der königlich sardinische Gesandte, Marquis v. Pallavicini, hat in Folge Der von Der deutschen Bundesversammlung gegen die Blokade von Triest gerichteten Vorstellung angezeigt, daß sein König die Aufhebung dieser Blokade verfügt habe. Da jedoch aus einem von dem kaiserl. österreichischen Gouverneur zu Triest, Grafen Salm, an das Reichsministerium erstatteten Berichte und aus Der damit eingesendeten Kundmachung des Befehlshabers des sardinischen Blokadegeschwaders hervorging, daß die Aufhebung der Blokade nur unter solchen Bedingungen erfolgt sei, die mannigfache Plackereien Der ein- und auslaufenden Schiffe nach sich ziehen, und den freien Handel ungemein beschränken, so fand sich der Reichsminister Der auswärtigen Angelegenheiten veranlaßt, eine energische Note an den königlich sardinischen Gesandten zu richten, und im Namen Deutschlands die schleunige Zurücknahme jener Maßregeln, wodurch die Aushebung der Blokade nur illusorisch wurde, zu fordern. Der Minister suchte der königl. sardinischen Regierung bemerklich zu machen, daß der Sinn für Deutschlands Ehre und Unabhängigkeit in allen Theilen des Vaterlandes so rege sei, daß das Ministerium bei allen zur Währung derselben 'erforderlichen Schritten auf die volle Zustimmung und Mitwirkung des. ganzen deutschen Volkes zählen könne.
Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.
RnHlavds ^Wollen und Können.
; Gus der Augsb. Allg. Zeitung.)
11116 ^f den Nacken und wei- uns die Zähne m Doppelter Reihe den Rachen hinab. Man fragt üch: was wollen sie, haben wu sie belei- d gk, haben wir sie irgendwo gefährdet? Nirgends im allergeringsten, ja im Gegentheil, mit unserer eigenen tnneren Angelegenheit über alle Maßen beschäftigt,
haben wir unfern rauhen nordöstlichen Nachbar beinahe vergessen, und es hedursle seines Rossegestam- pfes vor unserer Thüre, um uns seiner letzt - zu er' innern. Wir haben so vollauf mit uns selcht zu thun, daß wir nie weniger gerüstet waren zu auswärtigen Raufereien, geichweige daß wir irgend sie durch Die geringste Verletzung hervorzurusen geneigt wären. Wir wollen und wir brauchen Frieden mit der ganzen Welt; das weiß die ganze Welt, aber fast scheint es, daß eben darum auch die ganze Welt vermeint, jetzt sei es die rechte Zeit, vonheilhast mit uns anzubinden. Die Italiener, die Illyner, die Tschechen, die Polen, die Dänen, die Schweden schlagen auf uns ein, einen Aü-. genblick halten sogar Die Ungarn nicht.übel Lust dazu, und nun gesellen stich zu Den fau reu Gesichtern der Engländer furchtbare Drohungen mu K-ofakenlanzen. Schon zillerl man in Berlin, zagt an Der jütischen Grenze und wischt den Staub von Den ostpreußlfchen Festungen. Sollte es den Russen Ernst sein, mit uns hanö- gemein zu werden? Sollten Die Lockungen des Augenblicks, Deutschlands jetzige Geulesabwesen bei seiner innern Gahrung den Ezaren verblenden über Die Gefahren der Zukunft, Die ihm ein Angriff auf Deutsch, land unausbleiblich bereiten muß,? Will er den Sund in Berlin holen, wie er Die Sulrnamundungen in Wien geholt hat? Ader Da Weg dorthin geht jetzt über Frankfurt und auf Dem Marsche dahin werben Die Russen nicht blos Ostseesand'und Haiden, sondern auch harre Felsen und deutsche Eichen, finden. Wenn man in Peleröburg glaubt, Die Einschüchterung, Die den rufst,chen Bajvnuelten vielleicht in einem und dem andern ceulfcheu tabuier gelingen mochte, sei ebenso leicht über Die deutfche Nation auszuüben, so könnte man fu; irren. Ohne Zweifel kann man uns Danzig wegneh- men, Grauvenz und Olmütz berenten, vielleicht selbst bis Wien, Prag und Berlin Vordringen, aber wie dann weiter? Gefetzt selbst es könnte Rußland gelingen, durch Ueverrumpelung dermal ganz Deutschland niederzu- fchlagen, könnte es denn glauben, es würde am Boden liegen bleiben? Deutfchlano ist in Leidenschaft, .und diese Leidenschaft wird zur Furie, sobald Ruhland einer Hufe deulfcher Erde' sich zu beinachligen gewagt haben wird. Wie Frankreich in den neunziger Jahren, obwohl zerrissen- von Factionen aber im Innerssen ergriffen von Der Ioee der errungenen Freiheit, glühenden Murheö gegen ganz Dentschlanb sich fchlug und überall Der Sieg seiner begeisterten Jugend zustog, so wurde unsere deutsche junge und alte Mannfchaft in Einem Augenblick um ihre schöne Tricolor sich schaa- ren, und ein EnlhusiaömnS ohne Grenzen wurde ganz Deutfevland gegen Die blaute in Harnisch setzen. Die Moreaus, die Massenäs, Die Bonaparies, Die Beena- d Vlies ivurveu. >o i^neU" aus oct Deutschen Erde aup schießen , als sie aus französischer ergancen, und yal Die kriegerlghe Begeisterung für ein erhabenes Ziel erst das deuifche Herz ergriffen, so hat es un Jahre iSla mehr als genug bewiesen, welcher Löw'enmulh ihm innewohnt. Wie weck russisch wohlgedrillle Slaven- maschlnen Dem Feuer deutschen Frelheiiömulhcs aus Die Dauer gewachsen seien, das möge man in Petersburg zweimal überlegen, ehè man sich entschließt, Die Schwere unserer Bleikugeln zu versuchen.
Setzen wir aber den undenkbaren Fall, Deutschland erläge auf deuischem Booen einer Ueberfluchung russischer Schaaren gänzlich, etwa durch Abfall und Zerrlssenhell, die es im Innern zu erzeugen gelänge, durch eifersüchtige Gegenwirkungen einzelner Höfe, ge^ kränkten Adels und eigennütziger Kleriker, was wäre damit gethan ? Frankreich wurde nicht bloß aus Sympathie aügenllicklich mit einer Heeresinacht uns zu Hülfe fonunen, Die allein schon Der russischen gewachsen wäre, sondern es wäre dazu gezwungen, in ^feinem eigenen Interesse, ja seiner Existenz wegen. Sie ha. ben's ja alle laut gehört, „im Falle Der Roth lieber mit Frankreich gegen Rußland als umgekehrt," und die dem Hrn. Arago in Berlin gebrachten Lebehoch sind noch nicht verklungen. Sind aber Deutschland und Frankreich in Frciheitsbegetsterung gegen slavische
Soldleute ohne, andere leitende Idee als Den blinden Gehorsam gegen den Kantschuh vereinigt, so wird Rußland nicht geschlagen — in Den Staub wird es getreten und sich verbluten, Frankreich kann unwürdig fsich Des Rheins dabei habhaft inachen, aber von Rußland wird in jedem.Fall ganz Polen abgerissen, seine Ostseeprovinzen weggenommen und sein Süden und Norden eulzweigcschnitten.
Wie unv wo kann Rußland es wagen, mit Heeren ; groß genug um die deutsche Macht zu brechen, im Innern von Deutschland vorzurücken? Etwa mit der Hülfe einer Handvoll treubrüchiger großsprecherischer Tschechen ? Aber Der russische Kaiser soll ja Miene machen, die Polen durch Vcrfassungöversprechung und SelbstständigkeitSvorspiegelitiigen zu ködern. Ich glaube nicht, daß der stolze Rikölgus sich zur Perfidie eines Karl Albert. herabwürdigen wird; ich glaube nicht, daß die Polen jemals dem Sieger von Ostrolenka und Praga Glauben upD Vertrauen schenken werden; ich glaube nicht, daß der Czar jemals es wagen wird, seine alten und neuen polnischen Provinzen zu entblößen und der Treue deö-sarmarischen Adels zu überlassen. Des ist ein Heiner Splitter, Den wir an den Tschechen in per Haut- haben, gegen den gewaltigen Balken, den Rußlanv mit ganz Polen im Fleische stecke» har, und dessen Bewältigung über Sein und Nichtsein der ganzen russischen Macht entscheidet. Diese ungeheure Blöße muß Rußland in seinem Rücken gedeckt halten, dazu bedarf es seiner ganzen ungeichwächlen Kraft, es kann nicht heraus nach Deutschland. Sowie es Die Russen wagen über Die Over, ja nur über die Weichsel zn gehen, so setzt ein Funke Den weiten Raum zwischen Der Ostsee und dem Pontuö in Flammen, Der Czar ist abgeschnilten und wird zwischen deutschen Bajon* netten und polnischen Sensen aufgerieben.
(Fortsetzung folgt.)
Der G.ewerbcongreß an die National- Versammlung.
Zu Frankfurt ist am 17. d. in Folge einer von der Hamburger Gewerbe-Versammlung erlassenen Aufforderung ein allgemeiner deutscher Handwerker- und Gewer« becongreß zusammengetrctcn, constckuirte sich alsobald, uud erließ nach vorgängiger Berathung desselben TagS nachstehende Eingabe:
„An Die hohe, verfassunggebende Nationalversammlung. Anzeige, Erklärung und Bitte der unterzeichneten Bevollmächtigten des hieselbft zusammengetretenen deutschen Handwerker- und GewerbecongresseS. Wir Unterzeichneten beehren unâ piemit, die Anzeige zu machen, daß Abgeordnete des Handwerker- uns Gewerbe- standes auâ fast allen Theilen Deutschlands hier zusam- uiengetretea sind, und sich einem im Junius d. J. zu Hamburg von den norddeutschen Vertretern des Handwerker- und Gewerbestandcs gefaßten Beschlüsse gemäß, heute zu einem deutschen Hanc werter- und Gewerbccon- greß coustiinirl haben. Der Zweck dieses Kongresses ist eine gründliche Prüjung der Gebrechen des deutschen Handwerker- und Gewerbestandcs; die Entwerfung einer alle Kreise der gewerblichen Thätigkeit umfassenden, organisch gegliederten, zeitgemäßen deutschen Handwerker- unb Gewerbeordnung; und Die Gründung eines mit den Reichsminifterien in directe Verbindung tretenden Organs zur Förderung und Wahrung der Interessen des deutschen Handwerker- und GewerbestandeS. Der Con- Freß ist des Vertrauens, daß Die hohe verfassunggebende Nationalversammlung; in deren Schoß Der Handwerker- und Gewerbestand nur schwach vertreten ist, seinem Verlangen um so mehr Rücksicht schenken werde, alS eS sich hier um die wichtigsten socialen Lebensfragen handelt, bei deren Lösung nothwendigerweise die praktische Erfahrung wird zu Rathe gezogen werden müssen. Der mit Lösung seiner wichtigen Aufgaben aufâ eifrigste beschäftigte Eongreß hofft einer hohen Nationalversammlung in Bälde das Ergebniß seiner Arbeiten vorlege» zu können, verbindet aber mit Dieser Anzeige die Erklärung, daß seiner wohlerwogenen Ansicht nach, der -e-