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Damm kann ich dem Staat nur ein negatives AufsichtS- recht zugestehen; denn daS positive, daâ wir gehabt haben, besteht in der Bevormundung der Kirche, daß sie ihre Zwecke gehörig verfolge, — — natürlich nach dem richtigeren Ermessen de 6 Staats! —
(Fortsetzung folgt.)
Die günstige Lvustellation zur Bildung einer freien Verfassung der evangelischen Kirche in Nassau.
sperr S. in Nr. 3 und 4 dieser Blätter hat Recht! Wahrlich, wir Habens bequem, ungeheuer bequem! denn daS Terrain ist rasirt! Die Kirche ist tabula rasa, carte blanche! Da läßt sich dann leicht anbauen; man hat weder Urwälder zu vertilgen, noch Präriegraö zu verbrennen! Aber deßhalb auch keil t» humus! Unser Terrain ist wie eine mongolische Steppe. Wir wünschen von Herzen im Irrthum zu sein. Aber eö ist so, eâ steht uns nichts im Wege; ja, „es ist nichts von einer Kirchenverfassung mehr vorhanden, kein altes Institut, kein Grundsatz. uud kein Lehrsatz", man weiß garnicht, woran man ist! Treffende, bewundrungswürdig naive Schilderung unsers kirchlichen Tohuwabohu! Darin mögen wir allen Landen voran sein. Sind wir zu beneiden, daß der neue Anbau so leicht wird? Wir beklagen es, daß uns nicht Altes geblieben, selbst kein Grundsatz. Ja wir sind ohne alle Grundsätze, bad ist gewiß traurig. Denn mit dem Aushören aller kirchlichen Verfassung, Institute, Grundsätze und Lehrsätze ist und leider auch das kirchliche Leben und Bewnßtsein abhanden gekommen. Auf dem Lande schläft der Glaube — manche Gemeinden haben so wenig kirchlichen Sinn, daß sie nicht einmal gewählt haben — die Casinofähigen sind großentheilS darüber hinaus; die Kirchen sind überall verhältnißmäßig leer; Kirchenzucht — o abi ad oinnes diabolos I An der Dill, ja da steht es noch ziemlich! Uud da soll nun auf einmal die neue Verfassung sprechen: „Ich sage dir, stehe auf!" Werden auch die Todten lebendig, wenn man ihnen neue Röcke anzieht? Ist denn auch die Form etwas, wenn der belebende Geist fehlt? Kann die Verfassung den lebendigen Glauben mitthci- len oder ersetzen? Sie mag noch so fein ausgeklügelt werden, sie mag noch so natürlich — angemessen erscheinen, sie wird die Kirche kleiden, wie den Todten ein regelrecht Gewand, wenn den Gliedern die bewegende, füllende, schwellende Kraft abgeht. Oder die Bewegung wird eine äußerlich mechanische sein, etwa eines GliederSännchcnS.
Es kommt aber der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber aus dem Worte GotteS. Wo der Glaube nicht wieder durch die Predigt geweckt wird, wo die Erkenntniß lahm bleibt, daß daS Reich GotteS. inwendig im Menschen ist und nicht mit äußerlicher Geberde, auch mit keiner Verfassung hincinkömmt, innerlich gefördert, mit Lebenskraft als Herzenssache ergriffen und mit Begeisterung an Und in die Herzen gebracht werden muß, da, da wird die beste Verfassung immer eine klingelnde Schelle bleiben , eine Verfassung, die nichts in sich faßt, nichts zu erfassen hat und am Ende im schlimmen Sinne eine Verfassung wird!
Es muß unsre Predigt in der evangelischen Kirche wieder mehr Grundsatz bekommen, specieller und principieller in ihrer Lehre werden. Christus ist GotteS Sohn, Weltheilanb, das ist eine Basis von so ungeheuerlicher Breite und Weite, daß sie gar kein kirchliches Materialprincip abgeben kann. Eben durch solche, Alles ins Weiteste rückende Nivellirung ist das kirchliche Bewußtsein und Leben verschwunden, während es da am frischesten geblieben, wo die Kirche ihre speciellen Grundsätze und Lehrsätze sestgehalten hat. Theologische Gelahrtheit bedarf cd aber doch wahrlich nicht, um zn beweisen, daß die Gerechtigkeit aus dem Glauben bad wahre Materialprincip der protestantischen Kirche ist. Diese Behauptung kann nur der religiöse Dilettantismus aufstellen, dem ed mit dem Dogma kein Ernst ist. Die protestantische Kirche hat nach zwei Seiten hin protestirt. Will man die Protestation nach der materialen Seite hin revociren — nun dann macht man eben eine neu-protestantische Kirche, die sich zur alten herkömm
lichen wie I : % verhält. Man mache sie, wenn man's nicht lassen kann, man gebe sie aber nicht für die eigentliche und alte aus.
Den 17. Juli. R.
N. Schönes Morgenroth der Lehrern er hält Nisse.
Wiesbaden, den 20. Juli 1848.
Von Seiten der Lehrer dahier ist eine Dankadresse an unsere Ständekammer, die sich so warm fürs Volksschulwesen ausgesprochen, kürzlich abgegangen. Inniger Dank beseelt aber auch Wiesbadens VolkSlehrer gegen die Bürger Wiesbadens, die in einer besonderen Petition, welche mit vielen Unterschriften bedeckt gewesen sein soll, für die bessere Stellung der Lehrer rücksichtlich der BesoldungSverhältnisse letzterer bei den Volksvertretern bitten.
Einsender dieses spricht (gewiß im Sinne aller seiner College») diesen Dank hiermit freudigst gerührt aus. Wenn aller- wärtö so, wie hier, die Bürger für ihre Lehrer (die Pfleger ihrer Lieblinge) fühlen, dann kann man der Gestaltung der neuen Schulorganisation mit froher Zuversicht entgegen sehen.
Die Bürger zu Wiesbaden haben sich seither durch dankbare Anerkennung der Verdienste ihrer ergrauten Lehrer rühmlichst ausgezeichnet. Namentlich haben sie in der letzten Zeit und auch früher gegen den würdigen Cantor Cunz Sympathien an den Tag gelegt, die beide Theile wahrhaft ehren.
Cantor Cunz verdient diese Anerkennung indeß auch in vollem Maße. Er ist, so viel Einsender bekannt ist, seit 1804 Lehrer in der hiesigen Stadt und seit 1817 Lehrer der oberen Knabenklasse, die er 27 Jahre führte. In diesem Frühjahr wurde ihm auf besonderes Verlangen der Bürger die Oberlehrerstelle der Isten Knabenabthcilung übertragen, wobei er zugleich eine Dienstwohnung erhielt.
Wahrlich, diese Liebe und Anerkennung der Lehrerwirk- fainfeit von Seiten der Bürger war's und ist's, die bisher so manchen Lehrer nicht muthloö werden ließ, wenn er bei so mancher Entbehrung im Amte seufzte und von mancher andern Seite als „der arme Schulmeister" über die Achseln angesehen wurde.
Die Lehrer Wiesbadens freuen sich, in einer Stadt zu wirken, in der ihr Wirken von Seiten der Bürger offen und unumwunden anerkannt wird und wünschen ihren College» im ganzen Lande, daß sie h nliche Erfahrungen machen möchten.
Wenn das ganze Land solche Gesinnungen gegen die Schulen und Lehrer an den Tag legt, woran wir nicht zweifeln, da die Vertreter des Volks in der Ständekammcr sich rühmlichst für'S VolkSschulwesen aussprechen, so wird Nassau den Ruhm, daß es die besten Schulen in Deutschland habe, gewiß behalten.
Ein gebildetes Volk wird aber auch stets ein freies Volk fein und bleiben ! —
Za „Auch ein Wurt über den Huf nach Trennung der Schule von der Kirche."
M. Bom Fuße des Wesierwalecs, 19. Juni 1848.
(Siehe allgemeines Kirchen- und Schulblatt Nro. 1. U..2.J
K. Einige Klafter über dem Fuße des Westerwaldes, 15.
Juli 1848.
(Fortsetzung.)
Es stützt nun selbige Forderung hâuptsächlich sich auf folgende zwei Gründe:
1) Naturgemäß sind Kirche und Schale zwei durchaus fremdartige Anstalten, die in ihren Institutionen bei Weitem