Einzelbild herunterladen
 

n~ m.

Nassauische Zcitiuia

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Sonntag, den 28. 3hH. ISAS.

, rr»--rrvvTr^r. . ü "i '-.,- -....,--- .^, ,. ..-----: ---- ......-......"------- .r ;.; ..... .......

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schul blakt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstasten des Herzogthums für fl. 2. 12 kr. incl. Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition'am Friedrichsplatz für fl.- 1. 45 kr. vierteljährlich. Die bekannte Tendenz derNassauischen Zeitung": Durchführung der demokratischen Monarchie in den einzelnen Staaten, und Herstellung einer starken deutschen Centralgewalt, welche dieselbe seit ihrem Erscheinen und auch ferner konsequent festhält, hat unsern zahlreichen Leserkreis ansehnlich vermehrt, der sich noch täglich vergrößert. Nachbestellungen bitten wir daher schleMttgH bei dem nächsten Postamic zu machen, damit wir im Stande sind, überall compleke Exemplare vom 1. Juli an abliefern zu können.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

Deutschlands Einheit und Preußen.

Berlin, 13. Juli. Auch wir begrüßen Deutsch­lands Einheit, die durch die Wahl des Erzherzogs Jo­hann von Oesterreich zum Reichsverweser und dessen Annahme dieser Wahl ihre endliche Verwirklichung und äußere Darstellung erhalten hat, mit vertrauender Hoff­nung. So ist es doch endlich wahr geworden, was Körner und Arndt und Mar v. Schenkendorf in ah­nungsvoller Begeisterung sangen, wofür die Edelsten unseres Volkes in den Freiheitskriegen sich dem Tode weihten: das tausendjährige deutsche Reich, das unter seinem großen Stifter Karl und unter den Hohenstaufen und einigen Habsburger» so schöne Zeiten des Glückes und Ruhmes durchlebte, es ist von der deutschen Ra­tion neu wieder aufgerichtet; nach zweihnndettjähriger Zersplitterung haben des Reichs zerstückle Glieder sich wieder zu einem Ganzen, zu neuem Leben gefügt; von den Alpen bis zur Nordsee, vom Niemen bis zur Maas ein mächtiges Volk deutscher Brüder wem sollte da nicht das Herz vor Freude und Vertrauen weiter wer­den! Wer. sollte nicht auf eine Zeit voll Glück und âen Glanzes hoffens Wir Preußen haben sowohl 4813 wie jetzt unser redliches Theil dazu beigetragen, daß diese Einheit zu Stande komme; wir reichen den ' Oesterreicherü, den vielverschlungenen Stämmen des ganzen Deutschlands offenen Auges die Bruderhand; ja wir wollen redlich und aus vollem Herzen die Ein­heit Deutschlands; wir haben aber auch gleich den an­dern das Recht und die Pflicht, bei der Ausführung unser Wort milzusprechen.

Nach den Beschlüssen der Frankfurter Nationalver­sammlung vom 28. Junius hat der .Reisverweser die vollziehende Gewalt zu üben in allen Angelegenheiten, welche die allgemeine Sicherheit und Wohlfahrt des deutschen Bundesstaates betreffen; er hat die Oberlei­tung der gesaminten bewaffneten Macht zu übernehmen und namentlich die Oberbefehlshaber derselben zu er­nennen ; er hat die völkerrechtliche und handelspolitische Vertretung Deutschlands auszuüben und zu diesem Ende Gesandte und Consuln zu ernennen.

Es sind nun in unserm preußischen Lande die Fra­gen . aufgeworfen: wird Preußen die eigene Leitung

seiner bewaffneten Macht, die eigene völkerrechtliche und handelspolitische Vertretung seiner Interessen mW die Ernennung eigener Gesandten nüv Consuls ohnö Wei­teres 'aufgèben L Werden die Centrallande des preu­ßischen Staats, Brandenburg, Sachsen und Schlesien, leine westlichen und baltischen Provinzen1 Länder, die, bei einer meist rauhen und undankbaren Natur, doch ein Volk, einen Staat großgezogen haben, wie ihn die Geschichte ehrend anerkennt, der gegenwärtige der größte, volkreichste und kräftigste der deutschen Staaten ist und die nördlichen Gränzen Deutschlands eben sieg­reich bewahrt hat, werden diese künftig ihre politischen Geschicke, wie in frühern Jahrhunderten, sich lediglich in Frankfurt oder Wien entscheiden sehen? Wird das preußische Königshaus, eines der ruhmreichsten und kraftvollsten Geschlechter- der Weltgeschichte, von der Theilnahme an der europäischen Politik ausscheiden V Wird die Stimme, welche Preußen unter den euro­päischen Großmächten führte, aufhören V

Wir glauben diese Frage im eigenen Interesse Deutschlands für jetzt wenigstens nicht bejahen zu kön­nen. Was irgend ein deutscher Stamm Ruhmwür- dlges und Vortheilhaftes in den Verhältnissen gegen die außerdèulschen Staaten errungen Hal und besitzt, das soll huf das Sorgfältigste bewahrt und dessen Bewah­rung durch die Einheit, wie wir sie uns denken, noch mehr gesichert werden. Das Patent unsers Königs vom 18. Marz d. J., der Anfang einer neuen Politik Preu­ßens, sagt:Wir verlangen, daß das deutsche Bun­desheer unter einem Banner vereinigt werde, und hof­fen einen Gundesfeldherrn an seiner Spitze zu sehen. Wir verlangen ein? deutsche Gundesflagge und hoffen, daß in nicht zu langer Frist eine deutsche flotte dem deutschen Namen auf nahen und fernen Meeren Ach­tung verschaffen werde.,,

Aber daß der Staat, den Kurfürst Friedrich Wil­helm der Große, den König Friedrich der Einzige hier in den baltischen Landen ausgerichtet, den die Helden­thaten von 1813 wieder hergeftellt haben, der bisher die Geschicke der Welt zu bestimmen gehabt und in der Culturgeschichte Europa'ö eine der größten Missionen zu erfüllen hat, daß der nun plötzlich, ohne daß die Kontinuität seines geistigen Wirkens durch das neue Organ noch gesichert ist, von der Weltbühne abtreten solle, daß die deutsche Nation diese Stimme, welche ihr, wenn es auch jetzt wenig zur Sprache kommt, Vieles und Großes genützt hat, in dem Rathe der

Weltmächte ohne Weiteres verlieren solle, das könnte nicht zum Heile führen. Davon, daß Berlin die größte und eine der gebildetsten Städte Deutschlands ist, sehen wir ab das Interesse einer Stadt, und wäre sie noch so groß, kann nicht entscheiden; aber es handelt sich hier um einen Staat von mehr als t6 Millionen, die in der größten Ueberzahl die errungene Stellung in der neuen Vereinigung zu erhöhen, keineswegs die« selbe aufzugeben gemeint sind; diese Stimmung zeigt auch die preußische Nationalversammlung, indem sie zwar die Wahl des Erzherzogs vertrauensvoll begrüßt, jedoch in ihrer gestrigen Sitzung die von Jacoby und Bkoenl beantragte Erklärung,daß sie die Befugniß der deutschen Nationalversammlung anerkenne, ohne vorher die Zustimmung der einzelnen deutschen Staaten einzuholen, den Beschluß wegen Ernennung eines un­verantwortlichen Reichsoerwesers zu fassen,^ mit 250 gegen 36 Stimmen abgesehnt hat.

Der Sitz und die Grundlage einer politischen Macht üben den dauerndsten Einfluß auf ihre geistige Rich­tung. Deutschland, in den vorherrschend katholi­schen Süden und den vorherrschend evangelischen ^Nor­den geschieden, hatte bis dahin durch den Wiener und Berliner Hof, welche diesen Hauptrichtungen des deut­schen Wesens entsprachen, bei den europäischen Ange­legenheiten mityifpmhen. Wien und Berlin haben nun ihre politischen Verfassungen umgejialtet: an die Stelle der absoluten Monarchien sind constitutionelle Verfassungen getreten; die damit verbundenen Erschüt­terungen haben den Wohlstand dieser Hauptstädte, die Festigkeit ihrer Staatseegierungen gemindert. Diese Regierungen haben sich mit ihren deutschen Gebieten dem neuen einheitlichen Bundesstaat angeschloffen und für die Nationalversammlung wählen lassen. Aber hören sie deßhalb auf, europäische Großmächte zu sein?

Der österreichische Neichsvervand besteht aus den unter einem kaiserlichen Haupte vereinigten deutschen, ungarischen, polnischen und italienischen Staaten: er kann durch den engern Anschluß der deutschen Erblande an Vie deutsche Einheit seine europäische Bedeutung auch dann nicht verlieren, wenn ein Theil der italie­nischen Länder an das projectirte norditalienische Kö­nigreich verloren gehen sollte.

Preußen dagegen kann seine europäische Stellung nicht allein auf das wenig bedeutende pos en'sche Gebiet, welches vom Bundesstaat ausgeschlossen blieb, stützen. Hoffen wir, daß bei der definitiven Begründung der

Erzherzog Johann im Feld.

Mitgetheilt von A.......z, f. f. öftere. Tyroler Jäger- officier in der Armee.

Den 15. Juni führte der Erzherzog Johann die wie- dergesammelte Armee über die Donau und Waag nach den angelegten Verschanzungen. Der Palatinuü blieb in BöcS und der Erzherzog Johann ging nach Preßburg, wo ein starker Brückenkopf angelegt war. Den 26. for­derte der Feind die Räumung des rechten DonauuferS und der Insel Schutt und begann Preßburg heftig zu beschießen. Gleichzeitig mit den Nachrichten der Bewe­gung Napvleon's aus der Insel Lobau und dem Vor­rücken. des Erzherzogs Karl zog ein großer Theil der feindlichen Tuppen, die dem Erzherzog entgegen standen, gegen Wien; alles deutete auf eine nahe Schlacht. Erz­herzog Johann wollte mit vereinten Kräften hervorbrechen, um den Feind zur Theilung seiner Macht zu zwingen, der den Brückenkopf sehr stark glaubte und daher keinen Sturm wagte. Allein ein starkes Regenwetter verhin- derte die Ausführung und den 5. Juli kam der Befehl,

^J" seine Wacht auf der Lobau vereine, schleu- ntgst nach Marchegg auf das rechte Ufer der March zu marschieren, um die linke Flanke des Erzherzog Karl zu decken E.n zweiter Befehl schrieb vor,° von Marche g b" Gersdorf die Donau überschritten hat. Jeder Au­genblick war letzt entscheidend; Erzherzog Johan» erkannte

stehen blieb. An dem Morgen dieses Tages ließ sich eine starke Kanonade nach Schönfeld zu hören: gleich- zeitig lief die Nachricht ein, daß sich eine starke feindliche Colonne auf der andern Seite der March nähere. Jo­hann ging deshalb nach Blankenhahn zurück, berichtete von hier aus dem Kaiser, daß er sich mit dem General Chasteler und dem Banuâ vereinen und die Offensive ergreifen wolle. Er erhielt den 8. die ersten Mitthei­lungen vom Erzherzog Karl. Dieser zog sich aus der Znaimer Straße, Fürst Rosenberg auf der Brünner Straße zurück, und in der Gegend von Jtzelödorf wollte man eine zweite Schlacht annehmen; der Erzherzog Jo­hann sollte die March halten und mit dem Palatinos für Ungarn sorgen. Indessen hatte der Feind Marcbegg besetzt und verfolgte die geschlagene Armee durch Mes- sena: Davoust ging mit viertausend Mann gegen Ro­senberg und der Vicekönig gegen die March. Der Erz­herzog verließ daher den Brückenkopf und ging über Ko- morn nach Großmegyer. Der Feind rückte gegen Blu­menau vor, und der Erzherzog Johann zog sich den 15. über Gyaunath und Koronezo, wo er sich mit dem Ge­neral Chasteler vereinigte.

Um diese Zeit verbreiteten sich Gerüchte von einem Waffenstillstand und den 16. erhielt Erzherzog Johann den Befehl, die eingegangenen sehr drückenden Artikel zu vollziehen. Indessen erklärte der Kaiser in Komor» dagegen und befahl dem Crzherog Johann, die Truppen bei Körmönd zu sammeln. Graf Metternich traf auS Paris ein und der Waffenstillstand ward angenommen. Erzherzog Johann schlug vor, die große Armee sofort

die Wichtigkeit seiner Bestimmung, allein seine Truppen standen zerstreut, mußten zum Theil noch übergeschifft werden und waren schon sehr ermüdet. Dennoch trat er um Mitternacht den Marsch an. Um zehn Uhr mor­gens des 6. traf er mit zwölstausend Mann bei Mar­chegg ein. Hier erhielt er die Nachricht, daß der Feind gegen Siebenbrunn vorrücke; er solle daher mit Vorsicht marschieren und den Feind, wo er ihn finde, angreifen. Ein zweiter Courier meldete die bereits vorgefallenen glücklichen Gefechte und brachte die Ordre, auf Loibers­dorf zu marschiern und mit Fürsten Rosenberg den rech­ten Flügel des Feindes anzugreifen. Daâ starke Kano- nenfener, besonders nach der Donau zu, zeigte deutlich, daß Erzherzog Karl bereits angegriffen sei. Um zwei Uhr Nachmittags bei Schönfeld angelangt erfuhr der Erzherzog bereits die rückgängige Bewegung deS Fürsten Rosenberg, setzte aber dennoch seine Begung fort und langte um fünf Uhr bei Uhr bei Leopoldorf an. Da alle Versuche dem Erzherzog Karl Nachricht von sich zu geben, mißlangen, machte er hier Halt, sendete Streif­parteien bis nach Wagram vor und erfuhr endlich durch eingebrachte Gefangene die Resultate dieses Tages. Na­poleon hatte sein Manöver gegen den linken Flügel der Oestereicher durch den Fronteangriff deâ Generals Mac­donald am 5. maökirt. In der Hoffnung, Befehle vom Generalissimus zu erhalten, blieb der Erzherzog bis zum Abend stehen; als sich aber feindliche Reitermaffen in seiner rechten Flanke zeigten, denen er beim gänzlichen Mangel an Reiterei nicht widerstehen konnte, ging er in der Nacht nach Marchegg zurück, wo er bis zum 7.