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V"- LTS.

Mffauische Scifuno.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Nölkes!

Wiesbaden, Freitag, den 21. Juli. ISIS.

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt," werden pro 3ult bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogtums für fl. 2. 12 kr. incL Postprovision. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fL 1. 45 kr. vierteljährlich. Die bekannte Tendenz derNassauischen Zeitung": Durchführung der demokratischen Monarchie in den einzelnen Staaten, und Herstellung einer starken deutschen Centralgewalt, welche dieselbe seit ihrem Erscheinen und auch ferner konsequent festhält, hat unsern zahlreichen Leserkreis ansehnlich vermehrt, der sich noch täglich vergrößert. Nachbestellungen bitten wir daher srhiemrigK bei dem nächsten Postamte zu machen, damit wir im Stande sind, überall complete Exemplare vom 1. Juli an abliefern zu können.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande. den beabsichtigten Zweck erreichen, werdèn mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile' oder deren Raum berechnet.

CrAärnng.

Der Unterzeichnete hat von heute an wie­der die verantwortliche Redaction der Nassauischen Zeitung" übernommen, da Herr Karl Braun durch seine Versetzung nach St. Goarshausen außer Stande ist, die Redaction noch direct leiten zu können. Inzwischen wird die Nassauische Zeitung in demselben Geiste und in derselben Tendenz, wie sie solche seit ihrer ersten Nummer konsequent verfolgte, auch ferner erscheinen. Unsere seitherigen verehrlichen Mitarbeiter und ständigen Cor- respondenten werden uns kräftigst unterstützen, und wir werden unbefleckt erhalten das Pa­nier, unter dem wir fechten:Freiheit, Wahrheit und Recht", das die freie Presse voranzutragen zunächst berufen ist in den Tagen, wo sie einzig und allein sein kann der unbestochene Wächter der errunge­nen Freiheiten des Volks und die Stimme der öffentlichen Meinung.

Wiesbaden, 19. Juli 1848.

Die Redaction der Nassauischen Zeitung.

Wilhelm Friedrich.

Amtlicher Theil.

Durch Befehl vom 16. dies. Mon. hat das Reichs-Kriegsministerium den Landes-Kriegs­ministerien eröffnet, daß der Erzherzog-Reichs­verweser die Oberleitung der gesammten deut­schen bewaffneten Macht übernommen habe. Es hätten die Kriegsministerien am Sonntag, den 6. August 1848 alle deutschen Bundestruppen in ihren Garnisonen in Parade ausrücken zu lassen, ihnen die Uebernahme der Oberleitung, unter Vorlesung des Aufrufs:An das deutsche Volk", zur Kunde bringen, zum Ausdrucke der

Die Narrenburg.

Von Avalbert Stifter.

(Fortsetzung.)

Ich that das Uebermenschliche durch Jahre hin­durch that ich cS eS war vergebens: sie that alles, was ein Weib nur immer aus Liebe zum Manne thun kann, nein! sie that noch mehr, ihr letztes Tröpflein Blut auS dem Herzen hätte sie für mich gegeben; die gänzliche Ergebung die tiefste Demuth Aufopfer­ung bis zum Märchenhaften ich weiß nicht, was al­les hatte sie, nur das Eine nicht, das statt Allem gewe­sen wäre: die Zuversicht sie klagte nie, hing sie an meinen Armen, wie die Taube in denen des Geiers, gefaßt auf alles und es gingen Jahre hin, und wie­der Jahre die kalte Sonne des Norden schien auf sie, wie mein Auge, beides kein Leben mehr spendend ~~ nie mehr seit jener Nacht ist die Nöthe der Ge­sundheit wieder in ihr Angesicht gekommen und so starb sie auch an einem Nachmittage, die brechen­den Auge auf mich gerichtet, wie das arme Reh den Mörder anschaut, der ihm die Kugel in das furchtsame Herz^ gejagt hatte.

Ich wurde wahnsinnig vor Schmerz, als sie begra- war. Ich wußte nicht, sollte ich Bertha morden, die Kuplerin, oder Ruprecht ihren Mann oder soll SirtuS suchen, und ihn langsam Faser für Faser martern ---Aber er war mir zuvorgekommen,

Hulvigung ein dreimaliges Hoch dem Reichs- verweser ausbringen und dies, wo es die Um­stände erlauben, durch dreimalige Geschützsalven begleiten zu lassen. Von diesem Tage an seien dann da, wo es bisher noch nicht geschehen, die deutschen Farben anzulegen, und zwar in Co­card en an den Kopfbedeckungen und in Bändern an den Fahnen.

Uebersichten, Erörterungen

Aktenstücke.

und

Nach dem 29. Junius.

(Schluß).

Hunderttausende und Millionen unserer Vorväter, Väter und Brüder haben seit Jahrhunderten den ver­meintlichen Interessen weniger bevorzugter Geschlechter, die doch ursprünglich auch aus dem Volke hervorge­

gangen, an Hab und Gut, an Leib und Leben die

ungeheuersten Opfer gebracht; mögen nun auch dieses und uckermärkische, sächsische, weftphälische, und andere

Geschlechter in r.' r Zcir dem Volke.' m°*------

das leichte, unblutige, friedliche Opfer bringen, daß

sie gern und willig ihren hergebrachten Rechten entsa­gen, die vor den allgewaltigen Forderungen der Ge­genwart nicht mehr haltbar sind und daß sie als schlichte Bürger in die Reihen des Volkes zurückkehren das sie so hoch erhoben hatte. Woh^ höre ich auch hier wie­der den alten Sirenengesang anstimmcn, das gleisne­rische Lied einer wohldicnerischen Hofphilosophie, daß Deutschlands Herrlichkeit eben auf seiner Buntscheckig- keit beruhe, auf der Menge größerer und kleinerer Mittelpunkte, von denen, wenn man jenen Lobrednern glauben will, die wunderbarsten, belebendsten Strahlen der Sättigung, Veredlung, Aufklärung unter die be­glückten Völker ausgeströmt sein sollen. Ja freilich, schöne Strahlen! im vorigen Jahrhundert der Mai- treffenwirthschaft, der Jagd- und Trinkgelage, des Franzenthums, der Verkehrtheit und Schwelgerei aller Art; im jetzigen Jahrhundert das Gift der Geheimen- rathstitel, der Ordensbänder und ähnlicher Vercdlnng- und Aufklärungsgaben. Gegen"diese schlagenden Wahr­heiten reiten jene Vielherrlichkeitsritter immer ein paar alte abgetriebene Paradepferde, wie das von den Dres­

als er ihren Tod vernommen, hatte er sich mit einer Kugel das Hirn zerschmettert Wuth und Verzweif­lung kam auch in meines Caftellans, Ruprechts Hans; denn er warf seinem Weibe, Bertha, den Tod des Sir­ius vor ich aber sperrte das Parthenon zu bis auf ein Gemach, in dem ich wohnte; die Pflanzen ließ ich verkommen; die Thiere ließ ich alle fortleben; ich ließ sie ernähren, bis sie starben, und was von Chelion übrig war, jedes Stückchen Kleid, ihr Spielzeug, ihr Bette, den Fußboden und den Teppich, auf dem sie wandelte, das Tischchen an dem sie saß olles, alles hütete ich, daß es blieb, wie an dem Tage ihres Todes war; denn ich hatte Niemand mein Sohn Christoph, das Ebenbild Chelions, hatte er nun erfahren oder ge­ahnt, was ich seiner Mutter gethan, war-fort, und nie wieder gekommen--und als ich alt geworden, und nun fürchtete, daß nach meinem Tode alles in entweih­ende Hände komme, da nahm ich das Geld, das ich zu diesem Zwecke zusammengespart, hinterlegte eS als Er­satz, und zündete das Parthenon an, daß alles, und al­les durch das Feuer verzehrt wurde, waS-vou mir und ihr übrig war.--Es war eine schöne, schmerzens- volle Lehre ich zog in mein Häuschen am Fuße des Berges, und wenn ihr einst, Christoph, odcr^ wer mir sonst folgen mag, dieses leset, so nehmt die Bilder aus dem grünen Saale oder laßt sie dort, aber folgt mei­nem Testamente: ein weißer Würfel heißt eS dort, mit beiden Namen...."

Hier brach das Manufcript ab, wie MS der an­dern auch; denn wenn der Mann dachte:morgen, über­

dener Kunstschätzen oder von dem Weimarischen Dich­terhof. Als ob Geschlechter, die sich mit Hunderttau­senden, mit halben Millionen jährlicher Einkünfte zur Ruhe setzen, nicht auch in Zukunft einiger Bilder und Statuen kaufen, oder große Dichter (falls diese sich finden) mit den ärmlichen paar tausend Thalern un­terstützen könnten mit den der Weimarische Hof den Koryphäen unserer Literatur das Leben fristete. Und haben etwa die sieben Göttinger Noth gelitten, solange ihnen die Fürsten den Unterhalt entzogen hatten? Weg mit der lächerlichen Furcht vor einer verständigen Cen­tralisation! Sie wirkt eben weit mehr und weit nach­haltiger dadurch, daß sie die besten Kräfte auf Einen Punkt und in Einer Richtung concentrirt, als wenn sie dieselben Kräfte sich vereinzeln und zersplittern läßt. Aber wir kommen vom Ziele ab.

Also erstlich kein eigensinniges Festhalten mehr an unserer Zersplitterung nach Stämmen, aus dem tollen Irrwahn, daß solche buntscheckige Mannichfaltigkeit zum «schmuck und zur Kräftigung unseres Nationallebens gereiche; denn wäre diese unselige Lehre wahr, so müß­

ten wir ja vielmehr damit anfangen die größeren Staaten, z. B. Preußen wieder in pommer'sche, chur-

«Nationalitäten aufzulösen. Zweitens keinen dynasti­schen Hauspatriotismus und keine Vorliebe für die gepriesenen kleinen Mittelpunkte mehr, denn sonst müs­sen wir uns daranmachen zunächst dem Herzog von Köthen und dem Erbprinzen von Homburg um jeden Preis Nachfolger zu schaffen, damit Köthen und Hom­burg nicht aufhören, als Mittelpunkte Licht und Wärme

auszustrahlen; dann aber die mediatifirten Fürstenthü­mer Hohenlohe-Schillingsfürst und ähnliche, sowie den Abt von Fulda und die schwäbischen Reichsritter und Reichsdörfer wieder herzustellen. Ein drittes, wenn es gleich schon zum größten Theil in den beiden vorher­gehenden Sätzen liegt, muß doch noch besonders her- vorgehoien werden. Dieß ist die Forderung ohne welche kein konstitutionelles Regiment bestehen und vollends keine neue Ordnung begründet werden kann, unsere individuellen Meinungen, unsere Lieblingsan­sichten und Herzenswünsche freudig für das allgemeine Beste und an den Willen der Mehrheit dahinzugeben, wo sich dieser unzweifelhaft und entschieden ausgespro­chen hat. Vor dem 29. Junius konnten verschiedene Erwartungen von der Gestalt der Einheitsgewalt und über die Persönlichkeit ihres Trägers gehegt werden;

morgen schreibe ich weiter," so war er morgen oder übermorgen krank, und so uud so viel Tage darauf todt.

Der junge Mann , der in der Pergamentrolle gele- hatte, stund auf, fuhr sich mit der Haud über die Stirne und legte dann die Rolle in ihr eisern Fach, schloß das­selbe und die andern, ließ die eisernen Fensierlehnen zu­fallen, trat hinaus, riegelte alle Schlösser vor daS Thor deS rothen Steines, und wanderte in freundlichem Son­nenscheine den vielbetretenen Weg seiner Ahnen durch den alten gespenstigen Garten, durch den Julianusbau, durch den Eichenwald dem neuen Schlosse des Grafen Christoph zu.

Wie war alles seit den Jahren, alö unsere Freunde daS Schloß besucht hatten, anders geworden: das Schloß stand glänzend und wohnlich da, die grünen Fen- stervorhänge waren alle aufgezogen, und die Sommer- luft wehte lustig aus und ein an das Haus stieß die lange spiegelnde Reihe der Glashäuser mit" den tau- send und tausend Pflanzen aller Länder und ihren bar- barischen Namen auf blechenen Täfelchen dann wa- ren die Museen, Heerden auögestopfter Vögel, alles waS kriecht und fliegt dann glänzten düster die Kästen mit den Stufen und Mineralien und allem, was nur immer im Bauche der Erde giriert und flimmert und es wurde noch immer mehr; denn, obgleich der neue Schloßherr Tag und Nacht Thal aus, Thal ein ritt, um alles zu sehen, zu ordnen, zu verbessern, und obgleich seine Unterthanen sehr wohl wußten, daß ihnen eigentlich sein Leben widme, und obgleich sie erkannten.