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redung eines Bessern belehrt und die Intervention der bewaffneten Gewalt ist nicht nöthig gewesen.
Hannover, den 8. Juli. Der Minister Stüve erklärte die gestern erwähnte königl. Erklärung dahin, daß der König, wenn seine Ansichten über die Selbstständigkeit der Regierungen in inneren Angelegenheiten nicht durchdrängen, bas Land verlassen würde. Das Schreiben des Königs wurde mit stummen Schweigen von der Ständekainmer angehört. Diese Erläuterung überraschte noch mehr, als die Erklärung selbst. Delikatesse hinderte die Abgeordneten, ihre Meinung vollkommen zu sagen. Auf Hantelmanns Antrag brachte die Kammer dem Reichsverweser als Demonstration ein dreimaliges Hoch, worin auch die Minister mit Ausnahme des Hrn. Wedemeier einstimmten. Stüve veranlaßte hierauf gewissermaßen zur Genugthuung ein gleichfalls dreimaliges Hoch auf den König, worauf die Sitzung geschlossen wurde.
Hannover, 8. Juli. (Eindruck der amtlichen Erklärung des Ministeriums.) Die amtliche Erklärung des Ministeriums an die Kammern über die Stellung Hannovers zu der deutschen Verfassung hat natürlich außerhalb der Kammer wie innerhalb derselben das größte Aufsehen hervorrufen müssen. Sie wird im ganzen hannoverschen Volke nur mit dem tiefsten Bedauern ausgenommen werden, sie wird in der öffentlichen Meinung des deutschen Volkes, bei welcher alte Mißstimmung gegen Hannover genug aufgehäuft liegt, Unwillen und laute Entrüstung hervorrufen. Die „Morgenzeitung" bemerkt zu der Erklärung: „Wir können in der Erwähnung dieses Aeußersten keine Beruhigung für den Frieden des Landes, wir mögen darin keinen Grund zu ernsthaften Befürchtungen finden. Müßten wir uns davon überzeugen, daß in dieser Wendung ein entschlossener Willen liege, das Land gegen vermeinte Uebergriffe der Cemralgewalt nicht bloß zu wahren, sondern zu vertheidigen, so würde das dritte Jahrhundert deutscher Zerrissenheit anheben und deö Wirrsals zu entdecken kein Ende sein. Nicht nur die Verfassung, die erst kommen soll, auch die Verfassung, die schon da ist, die dem Erzherzoge „anzuvertrauende" provisorische Centralgewalt ist tn Frage gestellt, um die „Selbstständigkeit des Königreichs" zu wahren. Der alte Zustand, wo die Reichslande ihre Selbstständigkeit handhabten, bis das Reich darüber zusammenstürzte, möge nicht heraufbeschworen werden, wo es gilt, die deutsche Kraft nach einem gemeinsamen Ziele zu lenken, Frieden im Innern und Macht nach Außen. Kommen muß der Tag, wo die Sondergelüste dem brennenden Verlangen nach einmüthiger Kraft unterliegen. Ader er soll aufgehalten werden. „Niemand in der Welt ist so mächtig, ein Volk von über vierzig Millionen, welches den Vorsatz gefaßt hat, sich selbst fortan zu gehören, daran zu verhindern. Niemand auch dürfte nur wünschen, eö zu sein, und wenn durch Ereignisse, in welchen wir Alle die Wallung einer höhern Hand verehren, vieles von dem, was früher allein die Sehnsucht des Vaterlandsfreundes erreichte, heute in die nächste Nähe gerückt ist,— wehe der Staaiskunst- die in solchem Augenblicke die alten Netze der Täuschung wieder auswerfen wollte, sie würde sich ihr eigenes Grad graben." Es sind Dahlmann's Worte. „Das Band, das Deutschland vereinigt, muß fester werden. Das Meiste und Wichtigste steht noch in der Hand der Fürsten; jede Bersäuinniß wird ihnen zur Last fallen,
Herzog keine Vollmacht ein interimistisches zu bilden. Der Erzherzog ist gestern sammt Wesscnberg nach Frankfurt abgereist. Wir sind also factisch ohne Regierung, denn Doblhoff mu vom Erzherzog die Bestätigung der Jnterimsminister einholen. Uebrigens ist die Ruhe musterhaft. Wir Wiener sind an Dinge gewohnt, daß ein Ministerivcchsel nur eine Spielerei für uns ist. Aber die Provinzen? Unsere Ruhe ist die vor dem Sturme! Der Sichcrheitsausschuß (so nennt man ihn allgemein, obwohl er protestirt) hat außerordentliche Verdienste, er hat wirklich Unglaubliches geleistet, und wohlgemerkt kein einziges Mitglied hat irgend eine Entschädigung für feine nun schon so lange dauernde Aufopferung; aber seit er sich in allgemein politische Fragen cinläßt, statt auf lokale zu beschränken, sank er in der öffentlichen Meinung und rief die heftigsten Reklamationen in den Provinzen hervor. Also Doblhoff! Ein gediegener Charakter, ein ganzer Mann, voll Kenntnisse, aber sehr feurig; wird er im Conflict mit den Helden des Tages die nötbige Ruhe behalten? Pillersdorfs lavirte — Doblhoff bohrt in den Grund, wem werden die Gestirne günstiger sein? Gestern war eine Revolte unter den Arrestanten im Criminalgefängniß, die aber gedämvst wurde. Die Selbstmorde wachsen wie die Pilze, die literarischen gleichfalls — die Journale nämlich. Seit den Jdus des Marz sind über 70 entstanden und der Staatsanwalt hat bereits 840 Prcßproceffe bei sich liegen, aber der Muth, feblt ihm auch nur mit Einem vorzutreten! Gott besser's!
* Preuße». Berlin, 11. Juli. (Der Jacobische Antrag.) In der heutigen 27. Sitzung zur Vereinbarung der preußischen Staatsverfassung stand auf der Tagesordnung der wichtige Antrag des Abgeordneten Jacobi (im gestrigen Blatte der Nassauischen Zeitung mitgetbeilt). Die Debatten füllten den größten Theil der Sitzung.
Zu dem Antrag waren 4 Amendements gestellt, wovon nur 1, das des Herrn Arntz, welches weder eine Mißbilligung gegen die deutsche Nationalversammlung aussprechcn. noch ihr Gränzen des Reiches ziehen will, unterstützt wird.
Gegen den Antrag von Jacobi sprachen: Schneider, Reichensperger, von Berg, Simons, Zachariä, Duncker, Schulze; für denselben: Walbeck, Borchart, Berends, Bebusch, Nees von Esenbeck, -d'Ester. Ein weiteres Amendement stellte noch Bloem, wornach die Versammlung keine Kritik der Frankfurter Beschlüsse zu üben habe.
Von 75 eingeschriebenen Rednern waren erst 14 gehört worden.
Bei einer drückènden Hitze im Saale erhebt sich der allgemeine Ruf nach Vertagung. Die Versammlung beschließt hierauf die Vertagung bis morgen Mittwoch den 12. Juni.
Berlin, den 10. Juli. fDie Cholera in Pe- tersburg.) In den Straßen Berlin's ruft man eine telegraphische Depesche aus: In Petersburg sei eine Erneute ausgebrochen, die Newa fließe Blut u. s. w. Hier die Wahrheit: Die englische Legation hat Depeschen von Petersburg, welche sich auch über die Lage der russischen Hauptstadt aussprechen. Die Cholera wüthet in Petersburg. Das Volk schrieb die Pest vergifteten Brunnen zu und rottete sich auf den Straßen zusammen. Man hat dasselbe durch Ueber-
ihnen vor allen verderblich werden. Unser Land hat alle Last, alle Schmach erfahren, die über Deutschland kommen kann, wenn es die Einigkeit nicht bewahrt. Wir hatten maches vergessen, was jene Zeit uns lehren konnte. In diesen Tagen aber sind viele Lehren laut geworden und ist manche Vcrsäumniß schwer bereut. Möge denn auch Allen die Lehre lebendig werden und bleiben, daß alles unser Thun nichts ist, wenn nicht Deutschland uns schützt." Das sagte Stüve vor sieben- zehn Jahren, seine Ueberzeugung kann keine andere geworden sein, trotzdem, daß er seinen Namen unter ein Schreiben setzt, um dessen Unterzeichnung ihn kein Minister Deutschlands beneiden kann. Den Sturm, der in Deutschland über dies Schreiben losbrechen wird, sehen wir voraus. Wir fürchten ihn, denn er wühlt Dinge wieder auf, die Hannovers Antheil an der Geschichte Deutschlands in finstern Schatten stellt."
Ausland.
Italien.
Neapel, l. Juli. Die Kammern wurden diesen Morgen durch General Saluzzo als Delegaten des Königs im Museo Borbonico eröffnet. Grabesstille herrschte in der Stadt, alle Läden waren geschlossen. Den Laz- zaroni war bei schweren Strafen verboten, sich in den Hauptstraßen zu zeigen. Der König hatte 26 neue Pairs ernannt.
— Palermo erklärt die Candidatur-Geschichten zur Königswürde Siciliens für erfunden. Da die provisorische Regierung Siciliens in sostanza eine republica- nische ist und Frankreichs Beifall hat, so drängt natürlich England zur Wahl eines Königs, quacunque fosse.
— Der Präsident der sicilianischen Pairskammer, ein Verehrer des Czaars von Moscovien, wird vielleicht für Beauharnais stimmen; sonst aber findet dieser keine Sympathie und führt in Palermo den Spitznamen „Dandolino".
Rußland.
Petersburg, 23. Juni. Nach dem „Allerhöchsten Willen" sind gegen 150,000 Männer vom Pfluge zur Waffe gerufen worden. Von dieser bedeutenden Anzahl find gegen 60,000 in die Reihen der activen Armee eingetreten; von den übrigen sind Reserve-Abtheilungen gebildet worden. Von dieser ganzen neugeschaffenen Armee hat sich vom Augenblicke ihres Einberufens nur Einer entfernt und ist keine strafwürdige Uebertretung begangen worden. Wie eine ruhige, friedliche und glückliche Familie leben die Millionen der russischen Bevölkerung unter dem schirmenden Zepter des Landesvaters und stehen wie Ein Mann auf bei seinem Rufe: „Zu den Waffen!"^ Man vergißt in diesem Augenblicke alles Andere; Familien^ und Freundschaftsbande, Alles, Alles opfert man freudig auf dem vom Gefühle der Vaterliebe glühenden Altar, und bezahlte die Schuld, welche jeden Bürger verpflichtet, sich nur für ein Theilchen zu halten des großen, durch den Willen eines Einzigen regierten Ganzen!! — —
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