Muth unserer Truppen überzeugte den Feind, daß er bier vergebens Terrain zu gewinnen suche und er zog sich sofort mit einem ansehnlichen Verluste durch Jn- canal und Rivoli über das linke Elschiifcr nach Ceraino zurück. Unsere treffliche Artillerie war es vorzüglich, welche die feindlichen Bataillone sich nicht entwickeln und vordringen ließ. Wir hatten nur einen Todten und sieben Verwundete.
Feierlicher Einzug und Empfang des Reichsverwesers.
Frankfurt, 12. Jnli. Der feierliche Einzug des Reichsverwesers in unsere alte freie Stadt erfolgte gestern Abend zwischen 6 und 7 Uhr. Schon von 8 Uhr Vormittags an waren die Straßen von Harrenden ungefüllt und weithin in der Richtung gegen Hanau war ein nicht geringer Theil der Bevölkerung Lem sehnsuchtsvoll Erwarteten cntgcgcngezogcn. Bis zur Gränze des Stadtbereiches auf dieser Seite waren die Innungen, Zünfte, Vereine re. mit ihren Fahnen und Sinnbildern ausgestellt. Am Allerhelligenthor hatte sich, wie Hervorgezaubert, in wenigen Stunden eine mit Laubgrwinden, Blumenkränzen und Fahnen gezierte Ehrenpforte erhoben, an der man die Inschrift las: „Die freie Stadt Frankfurt deut deutschen Rcichsver- wescr." Auf das von den auf dem Nödcrberg ausgestellten Geschützen gegebene Zeichen der Näherung des Erzherzogs brach die Bürgerrciterei zu dessen Empfang auf. Durch eine zahlreiche Deputation der Bürgerschaft eben so herzlich als freundlich begrüßt, beantwortetest ^blëdèrr-Bü rg e r fr eil I w oft atiinw oeö D r.^Bâr^ rentrapp des Jüngern in bündiger, bestimmter Weise.
Der mit 6 Pferden bespannte Wagen, in welchem der Neichsverweser saß, fuhr nun langsam durch die lange durch unbewaffnete Bürger und Bürgerwehr von Stadt und Land, wie von den Zünften, Innungen, Gesellschaften, Vereinen re. gebildete Reihe, welche auf der Zeil, in Nähe des voransbestimnuen Absteigequartiers, durch das Frankfurter Linienmilitär geschlossen wurde. Hinter dieser unabsehbaren Reihe drängten sich Tausende; andere Tausende füllten die mit Blumen, Laubwerk, Teppichen und Fahnen festlich geschmückten Häuser, von denen zum Theil die Dächer selbst mit Menschen bedeckt waren. Ein vieltauscudstimmigcs Willkommen und Lebehoch schallte dem Ersehnten entgegen; zahllose weiße Tücher wehten, Blumen wurden gestreut, eine eben so feierliche als frohe Stimmung erfüllte alle Gemüther, während die Geschütze dröhnten, das Geläute aller Glocken erschallte und zahlreiche Musikeorps die endlosen Inbelrufe in imposanter Weise begleiteten. Am Eingänge des bereiteten Absteigequartiers im „ Russischen Hofe" wurde der ehrwürdige, von so einmüthigen Beweisen des Vertrauens und der auf ihm beruhenden Hoffnungen sichtbar tief ergriffene Neichsverweser von Deputationen der deutschen Nationalversammlung und des Senats der freien Stadt Frankfurt ehrfurchtsvoll empfangen. Der Präsident der ersteren, H. v. Gagern, begrüßte den Erzherzog mit folgenden Worten:
„Durchlauchtigster Erzherzog Reichsverweser !
Die Nationalversammlung hat mich beauftragt, in ihrem Namen an der Spitze dieser Deputation Eure Kaiserliche Hoheit bei Ihrer Ankunft ehrerbietig zu begrüßen. Dem allgemeinen Dankgefübl darf ich Worte leihen, das sich kund gegeben hat bei dem von Eurer kaiserlichen Hoheit in so erwünschter Weise schnell gefaßten Entschluß: die provisorische CentralgewNt über Deutschland, die Eurer kaiserlichen Hoheit gesetzlich übertragen worden ist, sofort übernehmen zu wollen. Ganz Deutschland vereinigt sich in diesem Dankgefühl und sieht in bet hochherzigen Entschließung Eurer kaiserlichen Hoheit, der die Ausführung unmittelbar folgt, die Bürgerschaft einer glücklicheren, einer glorreichen Zukunft. Wir dürfen voranssetzen, daß cs in der Absicht Ew. kaiserlichen Hoheit liegt, in der National- Lcrsammlung zu erscheinen, um dort mittelst feierlichen Acts die hohe Würde eines Reichsverwesers förmlich anzutrtten. Es liegt mit in dem Zwecke unserer Sendung, daß wir Ew. kaiserlichen Hoheit Wünsche in dieser Hinsicht ehrerbietigst cntgegennehmcn."
Hierauf entgegnete der Neichsverweser:
„Ich danke Ihnen, meine Herren, für den Empfang. Als ich die Nachricht von der Wahl des deutschen Volkes bekam, war ich erstaunt, daß mein großes Vaterland, das große Deutschland, in meinen alten Tagen an mich einfachen Mann gedacht hatte. Es gibt Anforderungen an den Menschen, bei welchen er nicht schwanken darf, in welchen Lagen, und in waS immer für Verhältnissen er sich befinden mag. Wenn das Vaterland ruft, so ist eS Pflicht, seine letzte Kraft, seine letzten Jahre demselben zu weihen. Dieß hat mich bewo- -gtrr;—ihren Ruf anzunehmen, um mit Ihnen als Bruder das große Heilige. Werk zu vollenden. Da habt Ihr mich: ich gehöre zu Euch."
Bei diesen letzten Worten trat der Neichsverweser in die Mitte der im Halbkreise vor ihm stehenden Deputation.
Bald nachher zeigte sich Erzherzog Johann auf dem Altan des Hauses, winkte der sich drängenden Menge freundlich zu und sprach zu ihr:
„Meinen Gruß den Bewohnern Frankfurts! Auf den Ruf der deutschen Nationalversammlung bin ich hieher gekommen, um mit diesen deutschen Männern (den Abgeordneten aller Gauen Deutschlands) für des großen deutschen Vaterlandes Gemeinwohl zu wirken. Mit vereinten Kräften werden wir, ich bin dessen versichert, daS große Ziel erreichen. Es lebe Deutschland, es lebe Deutschland., eö lebe Frankfurt, hoch!" Der einstimmige Jubelruf der Bürger, welcher aus diese schöne Verheißung folgte, beweist, wie tief die hiesige Bevölkerung von der Bedeutung der großen Ereignisse, welche sich in ihren Mauern drängen, erfüllt und durchdrungen ist.
Nebst „Allgemeines Kirchen- und
Schutblatt Nr. 8."
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Nedacteur: Karl Braun. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.