Einzelbild herunterladen
 

466

hingen; sie stehen im Allgemeinen noch auf der Stufe Der Ku Lheit. Man wird gewiß nicht übertreiben, wenn man behauptet, daß durch Herstellung zweckmäßigerer Vorrichtungen 50 und mehr Procent Brennmaterial erspart werden könnten. Hierzu kommt, daß die reichen Ablagerungen an Stein- und Braunkohlen bei weitem noch nicht so benutzt werden, als dies unter den ob­waltenden Verhältnissen geschehen müßte. Zu beweisen ist dies für Nassau in einfacher Art. Man wird nicht fehlgreifen, wenn man die Masse des jährlich im Jn- laude fällbaren Holzes auf 200,000 bis 250,000 Klafter anschlägt. Die Braunkohlenformation Nassaus erstreckt sich nun mindestens über 150,000 Morgen, rechnet man nach einem mäßigen Anschläge, daß die verschiedenen über einander geschichteten Braunkohlenlager durch­schnittlich zusammen 10 Fuß mächtig find und daß 66 Cubikfuß in der Erde anstehender Braunkohlen so viel Brcnnkraft wie eine Klafter Holz von 144 Cubik­fuß hat, so ist an Braunkohlen ein Acquivalent für 600,000,000 Klafter Holz vorhanden. Nimmt man nun auch an, diese Zahi sei um das Doppelte zu hoch gegriffen, und es würden alljährlich so viel Braunkoh­len entnommen, u n die jetzt ersallenden 250,000 Klafter Holz zu ersetzen, so reicht der Kohlenvorrath dennoch für 1200 Jahre aus. Wollen wir denn nun auch nicht läugnen, daß nach dem jetzigen Stande der Wis­senschaften die Braunkohlen noch nicht zu allen technischen Zwecken verbraucht werden können, erwägt aber dage­gen, daß bei Erbauung unserer Häuser vielfach statt des Holzes das Eisen benutzt werden konnte, daß das Problem, die Braunkohlen zu verkohlen und so die Transportkosten auf % ihres bisherigen Ertrags her- adzubringcn, nach unserer Ueberzeugung vollständig gelöst worden ist, die Braunkohlen mithin künftig auch in größere Entfernung verfahren werden können, bedenkt man ferner, daß in nicht zu langer Zeit auch Gao zur Erheitzung unserer Wohnungen an,gewendet werden wird, und sonach und gewiß auch wie jetzt in Städten Veuchlgassabriken, selbst in kleineren Ortschaften Wärm- gaofabrifen entstehen werden, so wird man unseren «Wunsch, daß künftig nur Lie Hälfte des Waldbodens zur Holzerzeugung verwendet werden möge, mit uns theilen, auch mir uns der Ueberzeugung sein, daß wir, wird unser Wunsch zur Thar, unserer Nachkommen noch in höchst freigebiger Weise gedenken; überliefern wir ihnen doch in unseren Brauukohleulagern die Hälfte des erforderlichen Brennstoffs für dritthaidrausend Jahre, in den übrig bleibenden Wäldern die andere Hälfte des Brennstoffs für ewige Zeiten. Sehen wir nun zu, welche Folgen es für die Natwnalwohlfahrt haben werde, wenn die Hälfte des bisherigen Forstbodens zum Bau der Cerealien verwendet würde. An Ackerland sind tu Nassau ca. 700,000, an Waldungen ca. 740,000 Stcuernvrmalmorgen vorhanden, würde nun von diesen letzteren die Hälfte in Ackerland um.gcwandelt, so wurden 1) um die Hälfte mehr Früchte als bisher gezogen, 2) statt wie bisher 65,000,^100,000 Familien, umhin die ganze Bevölkerung Nassau'ö vom Ackerbau leben oder doch dieselbe sich um die Hälfte reichlicher nähren können. Aber.michl für Nassau allein greifen die von uns geschilv^ten Verhältnisse Platz, nein für ganz Deutschland, und zwar noch in einem höheren Grade für ganz Deutschland und Europa. Erwägt man näm­lich, daß in Nassau auf der Quadratmcile über 5000 Menschen, daß dagegen auf den 13,000 Quadratmeilen aller deutschen Gauen nur etwa 40,000,000 Menschen, auf' der Quadratmeile mithin durchschnittlich nur 3000 Menschen leben, so wird man mit uns überein stimmen, daß, tritt eine erhöhte Bodencultur ein, Deutschlands Bewohner künftighin alle sich vollständig nähren wer­den. Durchschnittlich leben in ganz Eurova auf der Quadratmeile nur 15001700 Menschen. Hierzu tritt noch der außerordentliche und überflüssige Wald- retchthum Deutschlands; so finden sich z. B. auf den 5000 Quadratmeilen Preußens gegen 24,000,000 Morgen, welche zur Waldcultur benutzt sind, in Oester­reich sollen über 75,000,000 Morgen Waldland, und

Die Narrenbrrrg.

Bon Avalbert Stifter.

(Fortsetzung.)

Ich bitt' euch, werfet alles nach, helfet tilgen jedes Gräschen, das fein Fuß berührte, damit die Welt wie- der jungfräulich sei, und nicht getrübt und beschmutzt von dem nachziehenden Afterleben eines Gestorbenen und daß nicht Andere kommen, und gedankenlos zu All- tagskram zerschneiden, was einst an seinem Herzen lag, und nun mit Schmerzen an dem euern liegt; gebt es lieber dem reinen, dem goldenen, verzehrenden Feuer, daß nicht; bleibe, als die blaue Lust, die er geathmet, die nur rahmen Billionen vor uns geathmet, und die doch so unverwundet und glänzend über Dir steht, als wäre ^ bu hütest den ersten, frischen, er- "Ms. Dann aber schlage die Hände

S ^ Augen, weine, so tief du

Ferien n Andenken auö' deinem

$ f« 3 n Unb Qmtc ru an der Speiche, und hilf, daß es rolle, und rolle ' '

âhr bist, andere dich vergaßen, und auch ibr^Ä abqualen, daß das Schicksal rolle _

weiter." ' 1°

Der alte, todte HanS, unser Ahnherrn that in seiner Einfalt und Meinung etwas Gutes, aber mir däucht es beinahe frevelhaft. Da liegen sie um mich Alle, die auf diesem Berge lebten; in dem grünen Saale stehen ihre

Bilder, die starren, fratzenhaften Lügen ihres Dasein; in diesen Rollen stehen ihre Seelen ausgeschrieben, wie eS jeder vermochte, in einfältiger, unbeholfener, rührender Kürze, oder in Geziertheit, oder in Tugend und Thor­heit, oder in Wahnsinn und Schmerzen --und man­ches steht im Pergamente, waS Der Verfasser nicht ahnte, daß eS darinnen stehe. Mit dem geheimsten Herzblute mußte er wider Willen das Blatt färben, daß der Nach­komme wisse, wer er war. Es ist eine schauder­haft durcheinander redende und erzählende Gesellschaft, die da in diesen stummen Rollen um mich herumliegt. ' Ihr armen Schläfer, euer Anherr hat euch die größte Wohlthat Der Schöpfung entzogen, ihr könnt nicht sterben und müßt eure Thaten vor jedem noch so späten Ankömmling gleichsam immer wieder auf'S neue thun; sie seien nun groß oder klein, diese Thaten, genug, euch waren sie das Leben, und verzehrten eben dieses Leben. Wenn es dein Gewissen, später Enkel, zuläßt, daß du gegen deinen Eid handelst, so verbrenne alle die Rollen, und sprenge das Gewölbe in die Luft, daß sie bestattet werden, diese Scheintodten: ich thät' es selber, aber mich schaudertS vor meinem Eide. Kannst eS auch du nicht thun, so lese alles, aber vergesse eS augenblicklich, daß all ihr Thun sich nicht in dein Leben mische , und eS trübe, sondern daß du eS rein und anfangöfähig aus der Hand des Schöpfers nehmest; denn siehe, mir ist gerade aus diesem Pergamente der Engel meiner ent­setzlichsten That entgegengetreten, weil ich meiden wollte, was diese anderen fehlten.

Meinem Eide getreu, den ich so leicht und freudig

überdies noch gegen 1000 Quadratmeilen versumpftes Weideland, das cultivirt werden könnte, vorhanden sein. Wozu solche Wüsteneien, wozu solche Wälder, da die Natur Deutschland mit außepordentlich großen Ablage­rungen von Braun- und Steinkohlen und Torf geseg­net'hat. Welche Schätze an Brennstoff unsere deutsche Erde birgt, möge man daraus entnehmen, daß allein die märkisches posische und preußisch-sächsische Brann« kohlenformation wahrscheinlich ein Aequivalent von zwanzigtausend Millionen Klafter Holz Varbietet, mit­hin Deutschlands Bewohner, rechnet man selbst den Bedarf eines jeden Einzelnen auf % Klafter Holz jährlich, aus lausend Jahre mit dem erforderlichen Brennmaterial zu versorgen vermag. Welche Massen Brennmaterial können aber nun noch überdies die weiter vorhandenen reichen, über einen großen Theil Deutschlands verbreiteten Braun- und Steinkohlenlager liefern. Wenn nun von den in Oesterreichs deutschen Provinzen und in Preußen vorhandenen 50,000,000 Morgen Waldland zum Bau der Cerealien die Hälfte verwendet würde, so könnten auf denselben mindestens alljährlich 50,000,000 Malter Koru, sonach Nahrungs­mittel für 18,000,000 Menschen erzeugt, und diese mehr als bisher oder die jetzt vorhandene Bevölkerung Deutschlands um fast Die Hälfte reichlicher ernährt werden. Da nun die letztgenannten Länder nur eiwa % der Oberfläche Deutschlands einnehmen, so sonnten in unserem Vaterlande lediglich durch Die Benutzung der Hälfte chcs Waldbodens zum Ackerbau, nach Ab­rechnung des Futters für das erforderliche Vieh 20,000,000 Menschen mehr ernährt foder die jetzige Bevölkerung um die Hälfte reichlicher gespeist, auch 2,500,000 Familien mehr als bisher durch Den Acker­bau beschäftigt werden. Da wir bei diesen letzten Ermittelungen noch gar nicht in. Anschlag gebracht ha­ben, welche Massen Lebensmittel unter Anwendung der weiter oben vorgeschlagenen Wege auf Den schon bisher zum Ackerbau benutzten Flächen mehr erzeugt werden könnten, so glauben wir einer weiteren Be- gründung der berechneten Zahlen überhoven zu sein. Anzuführen' ist noch, daß die Folge einer erhöhten und vergrößerten Bodencultur nothwendig auch die sein muß, daß ein Fallen der zur Bekleidung erforderlichen Grundstoffe eintritt, stammen sie doch aus dem Pflanzen­oder Thierreiche her, und geht doch eine stärkere Boden- cultur mit der vermehrten Cultur der nützlichen Haus- thiere Hand in Hand. Also in Zukunft werden wir nicht allein billige und hinlängliche Nahrungsmittel, sondern auch billige Kleidung haben. Wir fragen aber nun, ist es unter den vorliegenden Verhältnissen nicht mehr als schmerzlich, daß jährlich Tausende unserer Landsleute auswandern, ihre Kraft und Intelligenz dem heimischen Boden entziehen, der ihrer so sehr be­darf. Wahrlich, unser Tabellen- und Schreibkram ist an allem diesem Unheil Schuld, er baute im Zimmer Die künstlichen, naturwidrigen Systeme; kehren wir zum Naturgemaßen zurück.

(Fortsetzung folgt.)

Adresse der Bürger Dillenburgs an die nassauische Deputirtenkammer in Betreff des Gemeindegesetzentwurfs.

0 + Dillenburg, den 2. Juli.

(Schluß.) Zu § 64.

Nach der Ausführung in Din §§ 42 und 43 muß der zweite Satz des § gestrichen werden.

Wir wollen jedoch zur Verhütung jeder unwich­tigen Deutung ausdrücklich unsere Absicht dahin erläu­tern, daß wir keineswegs die Nothwendigkeit einer hö­heren Leitung der Schulanstalten und der Anstellung Der Lehrer durch eine Behörde verkennen. Eine Wahl durch Die Gemeinden ist schon wegen des Mangels an gehöriger Bekanntschaft mit den Dabei in Betracht kom­menden Personen hierbei nicht ausführbar. Auch schätzen

I wir den Werth der Bildungsanstalten für alle Classen der Einwohner ohne Unterschied des bürgerlichen Be­rufs viel zu hoch und wissen zu gut, daß ein gründ­licher und sorgfältiger Unterricht und die dadurch ver­breitete Bildung und Einsicht die sicherste Grundlage nur die wesentliche Bedingung aller bürgerlichen und politischen Freiheit ist, als daß wir die dafür bestimmten Mittel verkümmern und beschränken sollten. Das deut­sche Volk darf durch seine politische Bewegung und durch die errungene Freiheit den Ruhm nicht einbüßen, daß es unter allen Ländern Europas die zweckmäßig­sten Schulanstalten hat und daß die Bildung bei uns am meisten in allen Classen des Volks verbreitet ist.

Wir wünschen nur, daß Der Geist der demokrati­schen freien Bewegung und das dadurch über das ganze öffentliche Leben verbreitete Licht auch in die Schulen eindringe und die in der noch bestehenden Orgamsatiön der Elementarschulen und des Seminars, so wie auch der höher» Schulen mit besonderer Geflissenheit gelegten Hindernisse jeder gesunden freien Ansicht über unser öffentliches Leben, über Gemeinde und Staat, so wie die darin begründete Erziehungsmethode zu dem dul­denden Gehorsam und beschränkten Unterthanenverstand des aristokratischen Polizeiftaaies gründlich beseitigt wer­den. Ohne eine solche unter Mitwirkung der freisinnig­sten Männer des Volks vorgenommene durchgreifende Reform wird das Gefühl der Freiheit und der Na» tionalität nicht alle Schichten Der Gesellschaft durch­dringen und nicht Die Kraft und Lebendigkeit erhalten, die zur Bewahrung der Volksfreiheit, sowie zum weisen Gebrauch Derselben durchaus erforderlich sind.

Zu § 66.

Um den oft schädlich, theils auf Die Güte der Ar­beit, theils auch auf Verkümmerung des billigen Ver­dienstes braver Handwerksleute und Arbeiter wirkenden Grundsatz diese Paragraphen etwas zu mildern, möchte die Gestaltung Der Ausnahme von Der Regel Der Ver­steigerung etwas zu erleichtern sein durch den Zusatz des Wortsnamentlich" nachAusnahme finden" rc., so wie am Schluß der Worte:Auch ist es dem Ge- meinverath gestattet, aus andern erheblichen Gründen von Dem Wege Der Versteigerung abzugehen."

Der letzte Satz über die Mitwirkung der Landbau­meister muß wegfallen, da diese oft sehr unnöthig und mit großen Kosten den Gemeinden aufgedrungen wurde.

Dem Gemeinderath muß es überlassen bleiben, ob und welchen Bauverständ gen er zuziehen will.

Zu § 68.

Hier sollte es als erhebliche Abänderung des be­stehenden Rechts, welche sonst leicht übersehen wird, ausdrücklich ausgesprochen werden, daß die Gemeinden künftig der Hülfsvollstreckung gleich allen andern Schuld­nern unterworfen wird.

Zu § 70.

Aus denselben Gründen wie bei dem Bürgermeister und den Gemeinderäthen muß a uch bei dem Gemeide- rechner die förmliche Verpflichtung wegfallen. Der Gemeinderechner sollte aus denselben Gründen wie Der Bürgermeister und Die Gemeinderälhe nur auf 6 Jahre gewählt werden, aber wieder wählbar sein.

Es muß ausdrücklich ausgesprochen werden, daß er nicht Mitglied des Gemeinderaths sein darf, weil er sonst sich selbst Zahlungsanweisung geben und beauf­sichtigen würde. Der Zusatznach Maßgabe seiner I Instruction wird ein nahe liegendes Mißverftändniß ' beseitigen.

Es bedarf sodann noch unserer Erfahrung die Form der Anforderung und Betreibung der Gemeindeeinnah- men zur Verhütung von Unrichtigkeiten und zur Ab­kürzung des Verfahrens, ohne daß den einzelnen De- benten benommen wird, sich bei bestrittenen Forderungen auf dem Rechtsweg zu beziehen, einer gesetzlichen Be­stimmung, welche im Entwurf fehlt.

Zu § 71.

Die Bestimmung des Gehalts des Gemeinderech­ners kann wohl dem Gemeinderath mit Zustimmung

schwor, und nun so schwer halte, möge noch der Rest meines LebensbluteS, und zwar der heißeste, auf diese Blätter fließen, aber du einstiger Sohn und Leser, achte nicht darauf, und wenn du die eiserne Thür dieses Ge­wölbes zuschlägst, lasse alles Gelesene hinter dir, damit du keinen Hauch, keinem Atom desselben zu den Deinen nach Hause trägst, zu Deinen Kindern, zu deinem schö­nen, unschuldigen Weibe.

war das Land Indien, wo mir der Engel mei­ner schwersten That erschien unter dunklem Schatten fremder Bäume war es, an einem Flusse, der so klar floß, als walle nur dichtere Lust längs der glänzenden Kiesel. Das Schlechteste und Verachteste, was die Menschheit hat, war dieser Engel, die Tochter eines Pa­ria, aber schön war sie, über jeden Ausdruck schön, den eine Sprache ersinnen mag, und über jedes Bild, das in Jahrtausenden einmal in eine wallende Phantasie kömmt.--In jenen Pergamentrollen hatte ich ge­lernt, wie alles, alles nichtig und eitel sei, worauf Men­schen ihr Leben und Glück setzen, wie eigentlich recht al­les nichts war, was alle meine Ahnen thaten. Ich hatte bereits einen großen LebenSkreiS gemacht, ehe ich zu lesen begann; ich hatte den Ruhm deö Ruhm des Kriegs genossen, dies eckle, blutige Getränke; ich hatte die Kunst um ihren Jnnhalt gefragt, dies dürftige Sur­rogat des warmen durstenden Herzens; ich ging durch die Wissenschaften, diese Spielmarken und Rechenpfennige der großen Schöpfung ich fragte die Freundschaft und Liebe, aber sie waren Eigennutz nud Ginnllchkett.

(Fortsetzung folgt.)