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Naffauischc Sritung.

Freiheit, Wahrheit und No Art!

Materielles und geistiges Wohl des deutsche» Volkes!

Wiesbaden, Mittwoch, den M. ZnLi. L8L8.

Neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen-- und Schul blatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogtums für fl. 2. 12 kr. incl. P ostprovisio u. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich. Die bekannte Tendenz derNassauischen Zeitung": Durchführung der demokratischen Monarchie in den einzelnen Staaten, und Herstellung einer starken deutschen Eentralgewalt, welche dieselbe seit ihrem Erscheinen und auch ferner consequent festhält, hat unsern zahlreichen Leserkreis ansehnlich vermehrt, der sich noch täglich vergrößert. Nachbestellungen bitten wir daher schlemttgiä bei dem nächsten Postamte zu machen, damit wir im Stande sind, überall complere Exemplare vom i..Juli an abliefern zu können.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung derNassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. *

Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

Adresse der Bürger Dillenburgs an die nassauische Deputirtenkammer in Betreff des Gemeindegesetzentwurfsi

O t Dillenburg, den 2. Juli.

(Fortsetzung.)

Zu § 46.

Werden, wie wir es zu §§ 42 und 43 als zweck­mäßig, so wie jedenfalls als nothwendige Folge des Bestehens zweier verschiedener Einwobnerclassen der Gcmemdebürger und der staatsbürgerliche Einwohner wenigstens in vielen Gemeinden ausgeführt haben, neue Abgaben zu Gemeindebevârfmssèn nur im Wege der Gesetzgebung Angeführt, so würde-die Ernährung einer Staatsbehörde als mildthätig hierbei' nur den Sinn haben, daß durch diese der Antrag der'Gemeindever­sammlung über die Einführung einer neuen Abgabe an die Kammer der Volksabgeordneten gelangt.

Zu § 47.

Zur bestimmter» Bezeichnung, daß in diesem § nur eine Beschränkung der in vielen Gemeinden bisher in weit größerer Ausdehnung bestandenen Gemeindedienste ungeordnet werden soll, erscheinen die Zusätze wün- schenwerth: nachjährlich" das Worthöchstens" und am Schlüsse:Jedoch bleibt es dem Gemeindraih in Verbindung mit dem Bürgerausschusse, beziehungo- weise der Gemeindeversammlung, überlassen, von diesen unentgeltlichen Dienstleistungen keinen Gebrauch zu machen, vielmehr die Arbeit gegen Vobn verrichten zu lassen." '

' Zu § 49.

In diesem § muß, wenn neben Gemeindebürgern auch staatsbürgerliche Einwohner bestehen, die in den Gemeindeversammlungen nicht mitstimmen , auch deren Zustimmung zu einer freiwilligen Uebernahme von außer­ordentlichen Gemeindedicnsten gewahrt werden. Sodann wird nach der Vage mancher Gemeinden, welche einen großen Geldaufwand für beschlossene .nothwendige An­lagen nicht machen können, so wie für Fälle, wo eine bedeutende Arbeitskraft zur Beendigung eines Werks erforderlich ist, deren Zusammenberufung eine bedeu­tende Steigerung der Preise bei freier Concurren; ver­

anlassen könnte, eine weitere Bestimmung in einem be­sondern Paragraphen des Inhalts zweckmäßig sein:

Es bleibt jedoch jeder Gemeindebürger und staats- chürgertiche Einwohner, welcher ein Gewerbe oder Land- wirthschaft treibt, zur Leistung von Diensten für die ,',Gemeinde gegen eine mäßige Entschädigung in dem Falle verpflichtet, wenn der Bürgeranoschuß, bezie- hungsweise die Gemeindeversammlung, eine Gemeln- bearbeit nicht im Wege der Versteigerung an den .Wenigstnehmenden zu überlassen beschließt.

Der Werth der Dienste wird von dem Gemeinde- rath und dem Bürgerausschuffe oder der Gemeinde- versammlung festgesetzt, darf aber zwei Dritthelle des wirklichen Lohns für eine Fuhre und einen Handar- beitcr nicht übersteigen."

Zu 8 52.

Da nicht von Veräußerung, sondern nur von Ver- cheilung der Nutzungen von Gcmeindegrundstüâen die Rede ist, so muß der Vorbehalt der Genehmigung der Regierung Wegfällen.

Zu 8 56.

Die Genehmigung der Staatsregierung kann nach dem Princip dieses Gesetzes zu Erwerbung für die Ge­meinde überhaupt nicht als Erforderlich bezeichnet wer­den. Nur wenn nußerordcnruche Mittel zur Deckung der dadurch entstehenden Ausgaben erforderlich sind, ist zu deren Aufbringung die Genehmigung der Regierung erforderlich.

Der Betrag, welcher ohne Zustimmung des Bürger- ausschusses und der Gemeindeversammlung auf Er­werbungen verwendet werden darf, möchte auf 100 fl. mit der Betrachtung herabzusetzen sein, daß durch Wie­derholung solcher Verwendungen von höherem Betrag im Einzelnen die Gemeindccasse zu sehr in Anspruch genommen und Ausgabefummen verursacht werden könn­ten, welche später von der darum nicht befragten Bür­gerschaft als Verschwendung angeklagt werden könnte. Auch ist es wünschenswerth, daß der Bürgerausschuß als cvntrolirende Behörde und in kleinen Gemeinden die-einzelnen Bürger tn fortwährender Mitwirkung und dadurch in genauer Kenntniß und lebhaftem Interesse bei der Gemeindeverwaltung erhalten werden.

Zu § 58,

Uebereinstiminend mit der eben begutachteten Bestim­mung mußte hier die Werthsumme der ohne Zustim­mung des Bürgerausschusses oder der Gemeinde zu veräußernden Liegenschaften auf 100 fl. herabgesetzt

werden. Die Zustimmung der Staatsbehörde könnte wie in dem Entwurf festgesetzt bleiben.

Za 8 59.

Da bei der veränderten Ordnung in der Schulden­tilgung und bet der freien Anwendbarkeit der Hülfs- vollstreckungSordnung auch gegen Gemeinden, wo sie bisher nicht statifand, künftig bei Anlehen der Gemein­den von manchen Gläubigern, je nach dem Vermögens- stand der Gemeinde, Sicherung durch Hypotheken ge­fordert werden könnte, so möchte die Bestimmung zweck­mäßig sein:

Bei der Verpfändung von Gemeindegut ist davon auszugehen, daß das für die Gemeinde Entbehrlichere zuerst zum Unterpfand gegeben werden muß."

(Schluß folgt.)

Neber die socialen Fragen.

(Fortsetzung.)

II. Eine andere Art zu helfen.

Haben wir uns so überzeugt, daß die Vermehrung des Arbeiterlohns nicht'der Weg ist, um das LooS des Arbeiters dauernd zu verbessern, so bleibt uns zu unter* suchen übrig, ob es in den Gränzen der Möglichkeit liegt, einen Zustand für den Arbeiter herbeizuführen, daß seine durch den Bedarfs mithin den wirklichen Werth der Arbeit bedingten Einnahmen zur Bestreitung seiner Bedürfnisse hinreichen. Wir sind fast davon überzeugt, daß ein solcher Zustand der Dinge herzuftellen ist, und zwar lediglich durch eine verstärkte Production aller lündwirthschaftlichen Erzeugnisse; nur durch sie kann dem Uebel abgeholfen werden. Wie bereits oben erwähnt, ist mit einer anderen Vertheilung der jetzt, in einem Lande vorhandenen Naturälerzeugnisse unter dessen Bewohner nichts gewönnen, wohl aber viel durch eine vermehrte Production, so daß diejenigen, welche bisher hungern mußten, oder sich nicht bekleiden konn­ten, künftig Nahrnngs- und Bekleidungsmittcl in hin­reichendem Maße erlangen. Daß eine solche Sachlage aber hergestellt werden muß, wenn die Production ver­größert wird, ist leicht ersichtlich; nehmen wir z. B. an, ein Land prodncire bis jetzt alljährlich 100,000 Malter Korn und es seien zur Befriedigung der Be­völkerung 200,000 Malter erforderlich, so wird

1) der Preis des Kerns um die Hälfte zu theuer sein, da der Preis der Waare nach dem Bedürfnisse und dem Begehr sich richtet und

Die Narrenburg.

Von Adalbert Stifter.

(Fortsetzung.)

Sie sollte einst in den grünen Saal kommen, wie euch schon der gemalte Stein um ihr Bild andeutet, aber es konnte-nicht mehr sein; sie starb, ehe der grüne Vorhang fertig wurde, und e r wurde erschlagen im Lande der Heiden dann ging auch der Maler davon. Er wollte erst das Bildniß mitnehmen, ich hätte ihn erstochen, wenn er'S gethan dann ging er, und kam nicht wieder ich bitte euch, geht und laßt sie stehen, wie sie steht. Alleâ nicht zu Ende, alles falsch, wie der Stein, den sie um ihr Bildniß malten.

hat sich viel geändert, als ihr fort wäret: Graf Jo- ^ok hat seinen Sohn Christoph verfluchet, und dieser lst nicht gekommen, bis der Vater todt war, und dann kam er, und war wie eine scheue Amsel auf den Berg und gesellte sich zur schlanken Ammer, die immer er» ichrockeu das Köpfchen war Aber sie beide wa- ren so schön, so schön, wie gar nichts aus Erden, und lauter Friede nnd Heimlichkeit war auf dem Berge. ~ Laßt sie ruhen laßt sie ruhen hier ist das Thor, das in den Garten führt."

Und fast hastig sperrte er auf, und war sichtlich er­leichtert, als die Freunde hinauögetreten waren; denn mit Kraft und Schnelle drehte er dreimal den Schlüssel im großen Schlosse, und schlug noch mit der Faust auf daö

eiserne Thor, recht freudig, daß es einmal zu sei. Aber auch die Männer waren erleichtert, als der düstre, schwarze Bau gleichsam hinter ihrem Rücken zurückwich, und die Helle, grüne Landschaft glänzend in der Nachmittagosonne vor ihnen lag, und sich die Fluth des lieben vertrauten Sonnenlichtes um sie ergoß. Es war ein reicher, lieber Garten, durch den sie gingen, voll der sanftesten Sträuche und Bäume nebst Resten verkommener, aus­ländischer Gewächse. Mitten in dem Garten stand ein großer, weißer Würfel aus dem feinsten Marmor, auf welchem die ißorte:Jodokus und Cheljon" stan­den. . Dann gelangten sie auch in den griechischen Sänleu- bau des Jodok, das sogenannte Partenon: die Säulen standen hoch und prächtig in die Lüfte, und Gemächer und Corridore liefen durch ; aber die Keuschheit deö Marmors war häßlich von Rauch und Flamme geschwärzt, und verödet eine Schicht unreiner Ziegel lag zwischen den beschmutzten Säulen, und schändete die edle Leiche des Gebäudes. Von dem Parthenon gingen sie durch Obstgärten und einen abgestorbenen Fichtenhain empor zum Thurme des Sterndeuters Prokopus. Er war leer, nur daß noch Reste von Postamenten zu'astronomischen Geräthen herumstanden; aber eine riesenhafte Aeolsharfe, war von dem Steinboden bis zu seinem Gipfel gespannt und ihre Saiten wogten leise und tief und zart im Hauche der leichten Luft, als die Freunde eben davor standen, gleichsam als redete sie jetzt freundlich zu ihnen, während sie öfter unter TagS einen lauten, langen Ruf über die Berge gethan.

Mit dem Thurme des Prokopus war die andere

Seite des Schloßberges erreicht, und sie begannen end­lich den Rückweg, und zwar auf einer andern Seite, als sie heraufgekommen. Sie trafen hier, ehe sie zu den Sphinxen kamen die Wohnung des Castellans, wo sie noch einmal das Kind sahen, wie es mitten in Blumen und anderer verwahrloster Gartenwildniß schlief. Ein stein- altes Mütterchen, wahrscheinlich die Magd Ruprechts, saß bei ihr und wehrte die Fliegen, auch der Hund saß nebenan und betrachtete klug die Gruppe.

Ruprecht, der den ganzen Weg vom Berg herab, wie ein Lamm hinter den Männern gegangen war, lud sie gar nicht hinein, sondern ging zur Ringmauer vor- aus, schloß ohne Zeichen von Antheil die Drehpforte auf, und ließ glanzlos, als wisse er durchaus nicht das, was er thue, seine blauen Augen auf den Fremden haften, da sie durch die Pforte schritten, und ihm Lebewohl sag­ten. Er gab auch keine Antwort nur das Thor hörten sie hinter sich knarren, und den Schlüssel raf* eln. Wahrscheinlich war auf die große Erregung deS Alten die entsprechende Erschlaffung gefolgt.

Sie aber gingen mit allerlei Gefühlen die Fichten­allee hindurch, die wieder freundlich seufzte, wie, als sie »eraufgegangen waren, gelangten den Berg hinab, und 'ahen unten in dichtem Gebüsche daS Häuschen deS Grafen Jodok stehen und das steinerne Bänkchen davor, auf dem er feine letzten Tage gesessen. Bald darauf erreichten sie das Dorf, wo ihr Wagen und ein Mahl ihrer harrte. Der Dinge voll, die sie gesehen und ge­hört redeten sie lange und innig darüber, bis die Kühle